mini|hochkant|Felix Graf von Luckner, als Kapitänleutnant der Reichsmarine (1921/22) mini|hochkant|Fan-Fotokarte Ingeborg von Luckner
Felix Nikolaus Alexander Georg Graf von Luckner (* 9. Juni 1881 in Dresden; † 13. April 1966 in Malmö) war ein deutscher Seeoffizier, im Ersten Weltkrieg Kommandant des Hilfskreuzers Seeadler und Schriftsteller.
Herkunft, Ausbildung und Ehen
Luckner entstammte dem Geschlecht der Grafen von Luckner. Sein Vater war der in Plön geborene königlich-preußische Leutnant Heinrich Ludwig Wilhelm Georg Graf von Luckner, seine Mutter dessen zweite Ehefrau Marie, geborene Lüdicke aus dem sachsen-anhaltischen Hettstedt nahe Halle (Saale).vrgl. Eintrag im Munzinger-Archiv
Luckner wurde in Dresden geboren und wuchs auf dem nahegelegenen Gut Pennrich auf. Er besuchte von 1887 bis 1890 eine Volksschule und von 1890 bis 1895 das Annen-Gymnasium in Dresden.
Luckner entlief, nachdem er zweimal sitzengeblieben war, als vierzehnjähriger Jugendlicher von Zuhause und heuerte als Schiffsjunge auf dem russischen Segler Niobe, unter dem Mädchennamen seiner Mutter „Phylax Lüdecke“, an. Luckners Vater hatte für seinen Sohn eine militärische Karriere geplant und seinem Sohn das Versprechen abgenommen, dass er als Leutnant in die Offizierslaufbahn eintreten würde. Luckner ging daher zur Heilsarmee, um dort einen – wenn auch nicht militärischen – Leutnant-Dienstgrad zu erwerben. Danach war er als Leuchtturmwächtergehilfe tätig und bereiste später Australien und die USA, wo er verschiedene Gelegenheitsjobs annahm. 1903 erwarb er an der Navigationsschule Lübeck das Steuermannspatent und fuhr für ein Jahr als III. Offizier. 1904–1905 diente er als Einjährig-Freiwilliger in der Kaiserlichen Marine und war ab 1906 als IV. Offizier bei der Hapag angestellt. 1907 erlangte er das Kapitänspatent auf der Navigationsschule in Papenburg und war bis 1910 weiterhin bei der Hapag, zuletzt als II. Offizier, angestellt.
In erster Ehe war Luckner mit der Hamburgerin Petra Schultz verheiratet. Die Ehe wurde am 24. November 1914 geschieden. Zehn Jahre später, am 24. September 1924, heirateten in Malmö Felix Luckner und die Schwedin Ingeborg Engeström, die am 7. Januar 1973 71-jährig in Hamburg verstarb.„Seeteufels“ Witwe verstarb in Hamburg, in: Hamburger Abendblatt vom 13. Januar 1973.
Der „Seeteufel“ mini|hochkant|Leibesvisitation bei Luckner nach seiner Wiederergreifung durch die USS Iris Luckner wurde 1910 vom damaligen Oberbefehlshaber der Marine Prinz Heinrich als Leutnant zur See in den aktiven Dienst übernommen, 1911 zum Oberleutnant zur See und 1915 zum Kapitänleutnant befördert.Frankenstein: „Seeteufel“ Felix Graf Luckner. Wahrheit und Legende, Hamburg 1997, S. 14–20
Im Ersten Weltkrieg nahm er ab 1916 zunächst als Artillerieoffizier auf dem Linienschiff Kronprinz an der Skagerrakschlacht teilWerner Fritzsche: Die Grafen von Luckner auf Schloss Altfranken und vom Gutshof Pennrich. Dresden, 2006, S. 30. und wurde später bekannt als Kommandant des Hilfskreuzers Seeadler, mit dem die britische Seeblockade durchbrochen wurde. Hierzu wurde das Schiff als norwegischer Frachter getarnt. In seinem im Mai 1920 erschienenen Buch SeeteufelAlexander Sperk, Daniel Bohse: Legende, Opportunist, Selbstdarsteller. Felix Graf Luckner und seine Zeit in Halle (Saale) 1919–1945. Halle (Saale) 2016, S. 12. beschreibt er das Aufbringen feindlicher Schiffe im Zeitraum von Dezember 1916 bis Dezember 1917.
Am 2. August 1917 lief die Seeadler infolge einer seemännischen Unachtsamkeit, und nachdem der Anker keinen Halt gefunden hatte, auf ein Riff vor dem südpazifischen, zu den Gesellschaftsinseln gehörenden Atoll Mopelia (). Luckner verbreitete später die Falschbehauptung, eine durch ein Seebeben ausgelöste Welle habe das unbewachte Schiff auf das Riff geworfen und zerstört. Diese Behauptungen wurden schon 1917 vom Zealand Herald und 1918 von The Wide World Magazine bezweifelt. Sie wurden später durch das persönliche Tagebuch des Chefingenieurs Krause und durch das Kriegstagebuch der Seeadler widerlegt.vrgl. Albrecht Sauer (wissenschaftlicher Leiter Bibliothek Deutsches Schiffahrtsmuseum), Info-Service Nr. 12/99James N. Bade: What Really Happened to von Luckners’ Seeadler in 1917? (PDF; 33 kB) University of Auckland
Nach dem Schiffbruch verließ Luckner am 23. August 1917 zusammen mit Leutnant Carl Kircheiß und vier weiteren Seeleuten Mopelia mit einem Motorboot, bevor alle sechs nach dem Diebstahl eines Kutters der Einheimischen vor Wakaya von zwei Polizisten und mehreren Einheimischen festgenommen wurden.Die Geschichte seiner Gefangennahme – der Meister in der Täuschung wurde selbst hereingelegt – beschrieb ein Bericht im N.Z.Observer, Vol. XXXIX / 46 vom 19. July 1919, S. 17.Robert Aldrich: The French Presence in the South Pacific, 1842–1940, Houndmills/London 1990, S. 278. Alle sechs wurden auf der Insel / im neuseeländischen Hauraki Gulf gefangengesetzt. Am 13. Dezember 1917 gelang ihnen die Flucht auf dem gekaperten Motorboot Pearl des Inselkommandanten. Sie enterten den Schoner Moa, wurden jedoch bereits am 21. Dezember 1917 rund 900 km von Motuihe entfernt durch die Besatzung des Dampfers Iris bei der Macauleyinsel wieder gefangen genommen. Luckner wurde nach Motuihe zurücktransportiert. Im Juli 1919 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.doc.govt.nz
Zwischenkriegszeit
mini|hochkant|Leopold Ziegenbein und Luckner (rechts) bei seiner Ankunft in Bremen, 1930
Vom März bis September 1921 war Luckner im Rang eines Kapitänleutnants Kommandant des Ausbildungsschiffs Niobe. In dieser Zeit wurde Kritik an seiner Führung laut. Seine eigenmächtige Teilnahme mit dem Schiff an kommerziellen Filmaufnahmen sowie der Zeitaufwand für seine privaten Vorträge nahmen so viel Zeit in Anspruch, dass ihm die Reichsmarineleitung nahelegte, den Dienst zu quittieren. Luckner verließ nach der Beförderung zum Korvettenkapitän zum 1. Juni 1922 die Reichsmarine.Alexander Sperk, Daniel Bohse: Legende, Opportunist, Selbstdarsteller. Felix Graf Luckner und seine Zeit in Halle (Saale) 1919–1945. Halle (Saale) 2016, S. 12–13.
Am 21. Mai 1921 wurde Luckner Mitglied der Freimaurerloge Zur goldenen Kugel (Große Landesloge) in Hamburg.Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage. Herbig Verlag, ISBN 3-7766-2478-7.
1922 spielte er in dem Film Mabel und ihre Freier der Vera-Filmwerke AG unter seinem Pseudonym Phylax Lüdecke einen Kommandanten.Michael Töteberg: Filmstadt Hamburg, Seite 55
Unter seinem Namen erschienen nach Kriegsende mehrere Bücher. Allerdings bediente er sich einiger Ghostwriter, darunter Carl Kircheiß, und nur zum Teil entstammen die Texte seiner Feder., in: Informationsdienst Wissenschaft vom 1. September 1999, abgerufen am 15. Januar 2010
1925 wurde in Vorbereitung weltweiter Vortragsreisen der Verein Graf von Luckner Weltumseglung gegründet. Dieser erwarb einen im Jahre 1919 an der Westküste Nordamerikas gebauten Viermastgaffelschoner der (später in Vaterland umbenannt) für die Fahrt auf der Norderwerft in Hamburg ausgebaut und unter anderem für eine Musterschau deutscher Waren im Ausland vorbereitet wurde. Nachdem die Besatzung zusammengestellt worden war, lief die Vaterland am 19. September 1926 von Bremen zur geplanten Weltumsegelung aus. Die Vaterland erreichte am 22. Oktober 1926 New York, am 27. Oktober 1926 wurde Luckner in der Stadt empfangen. Nach zwei Jahren in den USA, wo er erfolgreich Vorträge hielt, kehrte Luckner 1928 nach Deutschland zurück, ohne die Weltreise zu vollenden.
Kapitän der Vaterland war der Kap Hoornier Adolf Coltzau (1875–1950) aus Delve. Er war Kapitän der Caesarea, auf der Luckner in seiner Lehrzeit als Leichtmatrose gefahren war. In der Phase des Schiffskaufs waren sie sich im Hamburger Hafen begegnet.Peter Petersen: Capt. Adolf Coltzau aus Delve. In: Jürgen Ruszkowski (Hrsg.): Reihe Seemannsschicksale, Band 47: Seefahrtserinnerungen.Felix Graf von Luckner: Seeteufels Weltfahrt. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1951, S. 260 f.; S. 268 ff.
Luckner hielt ab 1926 eine Vielzahl von Vorträgen in den Vereinigten Staaten. Dabei nutzte er seine internationale Popularität und wollte die US-Amerikaner von den „wahren deutschen Patrioten“ überzeugen. Luckners Behauptung, dass er unter anderem in San Francisco zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, ist unwahr.Alexander Sperk, Daniel Bohse: Legende, Opportunist, Selbstdarsteller. Felix Graf Luckner und seine Zeit in Halle (Saale) 1919–1945. Halle (Saale) 2016, S. 15–18.
Ab dem 20. Dezember 1931 hatte Luckner beim amerikanischen Rundfunknetz CBS eine eigene wöchentliche Sendereihe. Sie lief sonntagabends unter dem Titel Adventuring With Count Luckner und trat an die Stelle der Reihe Tales of the Sea. Gesponsert wurde sie von dem Pharmaunternehmen Scott & Browne aus Bloomfield, New Jersey, dem Hersteller von Scott’s Emulsion.Network Accounts. In: Broadcasting. 1. Januar 1932, S. 25.
Luckner gab 1933 ein Buch über Julius Lauterbach heraus, der im Ersten Weltkrieg Prisenoffizier der Emden und eine ebenso illustre Figur wie Luckner war.Thomas Lowell: Mein Freund Juli-Bumm: Die Abenteuer des Kapitän Lauterbach von der Emden. Nach der amerikanischen Ausgabe ins Deutsche übersetzt von Fritz von Bothmer, herausgegeben von Felix Graf von Luckner, Koehler & Amelang, Leipzig 1933.
Nationalsozialismus mini|hochkant|Graf Luckner 1938 (Widmungsseite aus dem „Seeteufel“) mini|hochkant|Luckner mit Ingeborg von Luckner (1938)
Luckner kehrte im Juni 1933 in das nationalsozialistische Deutschland zurück. Da er auf verschiedene US-amerikanische Ehrungen nicht verzichten wollte, wurde ihm die Erlaubnis, Vorträge zu halten, entzogen und sein Dienstgrad Korvettenkapitän aberkannt. Nachdem die Vaterland 1935 ausgebrannt war, erwarb er das 1912 gebaute Frachtschiff Edelgard und taufte es in Seeteufel um.
Luckner passte später sein Verhalten den politischen Gegebenheiten an. Propagandavorträge für die Politik Adolf Hitlers, Zusammenarbeit mit den NS-Machthabern, das Hofierenlassen durch die NSDAP-Prominenz sowie Verbindungen zu einflussreichsten Funktionären des Hitler-Regimes charakterisieren Luckners Verhalten zwischen Juni 1933 und April 1945.Alexander Sperk, Daniel Bohse: Legende, Opportunist, Selbstdarsteller. Felix Graf Luckner und seine Zeit in Halle (Saale) 1919–1945. Halle (Saale) 2016, S. 58–60. Die Saale-Zeitung zitierte Luckner beispielsweise am 12. April 1937: er segele „hinaus, als alter Soldat zu kämpfen für unser neues deutsches Vaterland, gegen Lüge und jüdische Propaganda“. In Briefen an seine Mutter und Tante von 1937 bis 1939 begrüßt er ausdrücklich die Politik des NS-Regimes und Adolf Hitlers gegen die jüdische Bevölkerung: „Wenn ich Juden habe gelernt zu hassen, so war das hier. Es ist die Seuche, welche alles Edles zerstört. Das Mißtrauen gegen uns in der Welt ist um der Judentätigkeit. Wir sind viel zu milde, gegen diese Giftbande.“ […] „Mancher in Deutschland mag noch Mitleid haben für die Juden, aber diese sollten heraus kommen in die Welt, dann werden sie weinen und werden der Bewegung [NSDAP] auf den Knien danken für die Bekämpfung dieser Pest.“Wolfgang Seilkopf: Felix Graf von Luckner. Aus dem Leben des „Seeteufels“. Briefe und Aufzeichnungen, Halle (Saale) 2000, S. 102–104, S. 112f., S. 117.