mini|296px|Nieder-Olm, Blick von Westen (Turm der Feuerwehr) auf den Nordostteil der Stadt mit der Kirche St. Georg im Zentrum Nieder-Olm ist eine Stadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Sie liegt etwa zehn Kilometer südlich der Stadt Mainz im Herzen von Rheinhessen und ist Verwaltungssitz und Namensgeber der Verbandsgemeinde Nieder-Olm. Sie hat in ihrer Region die Funktion eines Mittelzentrums.
Geographie Nieder-Olm liegt am östlichen Ufer der Selz im nördlichen Teil des Rheinhessischen Hügellands, dem Mainzer Becken. Die durchschnittliche Höhe der Stadt beträgt etwa 150 Meter über Normalnull. Die höchste Erhebung der Gemarkung ist der „Mühlberg“ mit , er liegt im Nordosten zwischen Nieder-Olm und Mainz-Ebersheim. Der Mühlbach mündet an der Eulenmühle in die Selz; unterhalb der Stadt fließt von rechts der Haybach zu.
Die Landschaft ist stark geprägt vom Wein- und Obstanbau. Ein etwa 12 Hektar großes Wäldchen namens „Im Loh“ im Nordosten der Gemarkung ist seit 1970 ein Landschaftsschutzgebiet.
Geologie Es herrschen Lössböden vor, die eine sehr hohe Qualität aufweisen.
Klima Auf Grund der Lage im Mainzer Becken ist das Klima in Nieder-Olm sehr mild und trocken. Die Temperatur beträgt im langjährigen Mittel über 8 Grad Celsius, womit die Gegend zu den wärmsten in Mitteleuropa gehört. Der Jahresniederschlag ist mit 500 Millimetern niedrig.
Stadtgliederung Zu Nieder-Olm gehören auch die Wohnplätze Am Goldberg, Andreashof, Eulenmühle, Kreuzhof und untere Ecklochermühle, Laurenzihof, Lindenhof und obere Ecklochermühle, Sankt Georgshof sowie Urbanushof.
Nachbargemeinden Nieder-Olm hat folgende Nachbargemeinden, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Ober-Olm (VG Nieder-Olm) Klein-Winternheim (VG Nieder-Olm) Mainz Zornheim (VG Nieder-Olm) Sörgenloch (VG Nieder-Olm) Saulheim (VG Wörrstadt, Landkreis Alzey-Worms) Stadecken-Elsheim (VG Nieder-Olm) Essenheim (VG Nieder-Olm)
Geschichte Frühes Mittelalter Aus dem Mittelalter sind nur wenige schriftliche Dokumente über Nieder-Olm vorhanden. Grabstättenfunde aus dem späten 6. Jahrhundert deuten aber auf eine frühe Besiedlung dieser Gegend hin. Vermutlich geschah dies durch die frühen Franken während der fränkischen Landnahme, als die Franken das ehemals keltisch und dann römisch besiedelte Land eroberten. Die fränkische Siedlung namens „Reichelsheim“ lag in etwa auf dem Gebiet des heutigen Gewerbegebietes im Nordwesten von Nieder-Olm und lässt sich auf Luftbildern nachweisen. Die Endung des Ortsnamens auf „-heim“ ist typisch für fränkische Namensgebung und findet sich auch in vielen Nachbargemeinden. Der Ort wurde später verlassen (Ortswüstung).
Mittelalter mini|Katholische Kirche St. Georg in Nieder-Olm Seit dem Mittelalter ist Nieder-Olm eine Besitzung des Mainzer Erzstifts. Urkundlich belegt ist, dass der Mainzer Erzbischof Hatto I. im Jahr 899 einen Gutshof namens „Ulmena“ (Olm) der Frau des Kaisers Arnulf von Kärnten auf Lebenszeit übertrug. Dieser Gutshof lag vermutlich auf dem Gebiet des heutigen Ober-Olm und ist für die Namensgebung der beiden Gemeinden verantwortlich. Im Jahr 994 ging der Gutshof auf Geheiß des Kaisers Otto III. wieder in den Besitz des Erzbistums über. Ende des 11. Jahrhunderts ging die Ansiedlung an das Mainzer Domstift, in dieser Zeit entstand auch die katholische Kirche St. Georg, gefördert durch den starken kirchlichen Einfluss.
mini|Laurenziburg in Nieder-Olm im 18. Jahrhundert, Gemälde von Nanette Baetz Vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt die erste Befestigung des Ortes. Diese bestand aus Mauern und Gräben und hatte vier Haupttore. Später (Ende des 13. Jahrhunderts), vermutlich als Reaktion auf den Bau der Burg Stadeck, wurde innerhalb der Ortsgrenzen eine Burg mit Wassergraben errichtet, der adelige Burgmänner vorgesetzt waren.
Im 15. Jahrhundert geriet Nieder-Olm zwischen die Fronten der Mainzer Stiftsfehde, an der die beiden Erzbischöfe Diether von Isenburg und Adolf von Nassau beteiligt waren. Häufige Machtwechsel waren die Folge. 1503 ließ Erzbischof Berthold von Henneberg die Burg neu erbauen, um den Anforderungen der damals modernen Angriffstechniken gerecht zu werden. Seit dieser Zeit ist die Burg unter dem Namen Laurenziburg bekannt. Sowohl die Burg als auch die Ortsbefestigung wurden in den Folgejahren mehrmals zerstört. Heute lassen sich nur noch wenige Reste auffinden. Die Burg musste Anfang des 19. Jahrhunderts endgültig einer Straße weichen. Recht gut erhalten ist die Verteidigungsanlage des Friedhofs, der damals die Kirche umgab.
Frühe Neuzeit Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Nieder-Olm mehrmals überrannt und im Jahr 1632 von schwedischen Truppen besetzt. Etwa 60 Jahre später wurde Nieder-Olm im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen geplündert.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Ort Nieder-Olm durch französische Revolutionstruppen wieder besetzt. Die Franzosen stellten 1792 einen Freiheitsbaum auf und machten Nieder-Olm zu einem Teil der Mainzer Republik, der ersten demokratischen Republik auf deutschem Gebiet. Nur kurze Zeit später, die Mainzer Republik hielt nur 100 Tage, wurde Nieder-Olm von den Reichstruppen zurückerobert.
1797 ging Nieder-Olm im Frieden von Campo Formio an Frankreich. Der Ort wurde von 1798 bis 1814 als Kantonshauptort (chef-lieu) des Kantons Niederolm Teil der Ersten Französischen Republik und anschließend des Französischen Kaiserreiches. Nach dessen Untergang wurde Nieder-Olm 1816 Teil der neu gebildeten Provinz Rheinhessen und gehörte damit zum Großherzogtum Hessen.
Durch die Eröffnung der Hessischen Ludwigsbahn (Mainz-Alzey) im Jahr 1871 wurde Nieder-Olm an das Schienennetz angeschlossen.
Erster und Zweiter Weltkrieg Nach Ende des Ersten Weltkriegs war Nieder-Olm von Dezember 1919 bis Oktober 1929 von französischen und englischen Truppen besetzt. Der Heimatkundler Franz-Josef Spang notierte, dass darunter Marokkaner, „Araber“, Algerier und „Senegalneger“ gewesen seien.Franz-Josef Spang: Die Franzosen halten rheinhessische Dörfer besetzt. In: Eine Station der Besatzer befand sich im damaligen Gasthaus Zur schönen Aussicht.
mini|Erinnerungstafel an die ehemalige Synagoge Nach der französischen Besetzung blieb auch Nieder-Olm vom Nationalsozialismus nicht verschont. An die ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde erinnert heute eine Gedenktafel. Zur Reichspogromnacht 1938 war die Synagoge der jüdischen Gemeinde bereits verkauft; es kam jedoch zu schweren Zerstörungen und Plünderungen in den noch bestehenden jüdischen Häusern. Im November 2012 wurden 30 Stolpersteine verlegt, mit den Namen ermordeter oder ins Exil getriebener jüdischer Bürger. Am Rande des kommunalen Friedhofs hat ein jüdischer Friedhof aus dem 19. Jahrhundert überdauert.
In die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ging Nieder-Olm ein, als während des Vormarsches der alliierten Truppen im Selztal versprengte deutsche Soldaten erheblichen Widerstand leisteten. Von dieser Zeit zeugen amerikanische Stellungen westlich der Selz, die später aus Sicherheitsgründen zugeschüttet wurden.
Am 14. März 1945 überschritt die 3. US-Armee unter Generalleutnant George S. Patton mit der Operation "Undertone" die Untermosel mit dem Ziel, über den Hunsrück und die Nahe nach Mainz vorzustoßen. Am 16. März richtete der Chef des Stabes der 7. Armee, Oberst Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff, seinen Gefechtsstand in Nieder-Olm ein.
Am 19. März stieß die 90. US-Infanterie-Division auf Nieder-Olm vor, wo Flugabwehreinheiten der Luftwaffe einen Verteidigungsriegel gebildet hatten. Der erste Angriff scheiterte, zwei amerikanische Panzer wurden zerstört. In der Folge beschossen US-Artillerie und -Luftwaffe den Ort, wobei Zivilpersonen ums Leben kamen.
Am 20. März 1945 gelang es amerikanischen Infanterieeinheiten nach erneutem Angriff, Nieder-Olm einzunehmen. 46 Häuser wurden zerstört, 221 beschädigt. Insgesamt forderten die Kämpfe 179 Todesopfer, darunter 157 Soldaten aus Nieder-Olm und 22 Zivilpersonen.
Nachkriegszeit bis heute Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Nieder-Olm zur französischen Besatzungszone und kam 1946 zu dem neu gebildeten Bundesland Rheinland-Pfalz.
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Infrastruktur beständig ausgebaut. Neue Schulen entstanden (1957 die neue Grundschule „Burgschule“ Nieder-Olm, 1974 die Haupt- und Sonderschule und 1981 das Gymnasium sowie zwei Schulen für körperbehinderte und lernschwache Schüler), eine Turn- und Festhalle (1961) und das Hallen- und Freibad (1968) wurden gebaut. Im Oktober 1977 erhielt der Ort Anschluss an die A 63. Entgegen allen Einwänden der Ortsgemeinde wurde die BAB-Ausfahrt Nieder-Olm an die Ingelheimer Straße gelegt, sodass der gesamte Quellverkehr zur A 63, auch aus Saulheim, weiterhin durch den Ortskern geführt wurde. Erst die zweite Anschlussstelle „Saulheim – Nieder-Olm Süd“ brachte Jahre später die gewünschte Entlastung. Die Autobahn war zudem näher an den Ortskern verlagert worden, um damalige landwirtschaftliche Nutzflächen zu schonen. Dies führte nicht nur dazu, dass dem Freibad nachträglich ein Drittel seiner Fläche wieder genommen wurde, sondern auch zu einer Lärmentwicklung, da die BAB nun nahezu im Talgrund verläuft, statt wie ursprünglich geplant, in einem lärmisolierenden Geländeeinschnitt.
1973 wurde Nieder-Olm Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen.
Auch in den letzten beiden Jahrzehnten wurde die Entwicklung stetig vorangetrieben. Neue Wohngebiete wurden angelegt und ältere Wohngebiete kontinuierlich erweitert. Das Gewerbegebiet wurde großzügig ausgebaut und drei neue Umgehungsstraßen angelegt. 1997 wurde die alte Festhalle abgerissen und durch die neu gebaute „Ludwig-Eckes-Halle“ ersetzt. Ebenso wurde das Hallen- und Freibad zu einem Erlebnisbad (Rheinhessen-Bad) ausgebaut.
Durch die Umwandlung in einen verkehrsberuhigten Bereich und bauliche Veränderungen im Bereich der Grundschule/Pariser Straße wurde der Ortskern weiter aufgewertet.
Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz entschied am 24. Oktober 2006, Nieder-Olm die Stadtrechte zu verleihen. Nieder-Olm darf sich seit der Aushändigung der Verleihungsurkunde am 6. November 2006 durch den damaligen rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch „Stadt Nieder-Olm“ nennen.
2016 überschritt Nieder-Olm die Grenze von 10.000 Einwohnern; in den folgenden Jahren wuchs die Bevölkerung weiter auf knapp 10.800 Einwohner im März 2023. Nieder-Olm zählt damit zu den größten Gemeinden Rheinhessens.
Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 42,5 % katholisch, 27,1 % evangelisch und 30,4 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Nieder-Olm Stichtag: 30. Juni 2005 Mit Stand Juni 2026 waren von den Einwohnern 27,5 % katholisch, 17,7 % evangelisch und 54,8 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Stadt Nieder-Olm, abgerufen am 18. Juli 2026 Die Zahl der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder ist demnach im beobachteten Zeitraum beträchtlich gesunken.
Einwohnerentwicklung
Politik Stadtrat mini|Rathaus der Stadt sowie der Verbandsgemeinde Nieder-Olm Der Stadtrat in Nieder-Olm besteht aus 28 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem. Die Erhöhung von 24 auf 28 Ratsmitglieder 2019 ergab sich nach Wahlrecht durch die Überschreitung der Grenze von 10.000 Einwohnern im Vorjahr.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG Gesamt 2024 4 6 4 1 13 28 Sitze 2019 11 7 – 1 9 28 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen, abgerufen am 27. Juli 2019 2014 15 6 – 1 2 24 Sitze 2009 11 9 – 1 3 24 Sitze 2004 9 10 – 0 5 24 Sitze FWG = Freie Wählergruppe in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm
Stadtbürgermeister