Around the World in a Day ( für In einem Tag um die Welt) ist das siebte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Er nahm es mit seiner Begleitband The Revolution auf und veröffentlichte es am 22. April 1985 bei Warner Bros. Records sowie erstmals über sein neu gegründetes Label Paisley Park Records.
Die Musik vereint Contemporary R&B, Funk, Pop, Psychedelic Rock und Rock. Prince setzte dabei Instrumente ein, die auf seinen bisherigen Alben nicht vorkamen, darunter Darbuka und Oud. Die Liedtexte sind stärker spirituell geprägt und drehen sich vorwiegend um die Suche nach dem Paradies. Gastmusiker sind die Geschwister Jonathan und Susannah Melvoin sowie Sheila E.
Kommerziell erreichte Around the World in a Day Platz eins der US-Albumcharts, konnte aber den internationalen Erfolg des Vorgängeralbums Purple Rain nicht wiederholen. Musikkritiker zeigten sich geteilter Meinung; Lob und Kritik hielten sich in etwa die Waage. Erstmals in seiner Karriere verzichtete Prince auf eine Tournee zu einem Album.
Zum 40. Jubiläum veröffentlichte The Prince Estate (Der Prince-Nachlass) am 21. November 2025 eine überarbeitete Version des Albums unter dem Titel Around the World in a Day Deluxe Edition.
Entstehung mini|Prince, 1984 In den Liner Notes von Around the World in a Day werden zwar Prince und The Revolution als Arrangeure, Komponisten, Produzenten und Interpreten aller Songs genannt, der Einfluss der Band war jedoch gering. Nur bei America werden Mitglieder von The Revolution als Co-Komponisten aufgeführt. Keyboarder Dr. Fink bestätigte dies: „Die Platte nennt Prince and The Revolution als Urheber, aber in erster Linie war es Prince, zusammen mit Wendy und Lisa.“ Fink sowie Schlagzeuger Bobby Z. und E-Bassist Brown Mark „waren nicht wirklich involviert“ und traten lediglich bei America und The Ladder auf.Azhar (2016), S. 32.
Prince nahm alle Songs für Around the World in a Day 1984 auf und schloss das Album größtenteils vor Beginn der Purple Rain Tour im November ab. Vom 19. bis 20. Februar spielte er Pop Life im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles ein, ergänzte Overdubs und Saiteninstrumente. Diese 9:06 Minuten lange Aufnahme erschien zugleich als Maxi-Single Pop Life (Extended Version); die Albumversion ist ein von Prince zusammengestellter Ausschnitt daraus.Tudahl (2018), S. 270–272. America entstand am 23. Juli im Flying Cloud Drive Warehouse in Eden Prairie (Minnesota); eine 21:41 Minuten lange Maxiversion produzierte er am 5. August erneut im Sunset Sound.Tudahl (2018), S. 365, 377. Das Titelstück Around the World in a Day spielte er am 16. August im Flying Cloud Drive Warehouse ein, Raspberry Beret überarbeitete er dort am 7. September; ursprünglich hatte er den Song am 27. April 1982 komponiert.Tudahl (2018), S. 384, 400, 407. Paisley Park entstand am 10. September, Tamborine am 27. September, beide ebenfalls im Flying Cloud Drive Warehouse.Tudahl (2018), S. 402, 415.
Am 9. Oktober 1984 nahm Prince Condition of the Heart im Sunset Sound auf.Tudahl (2018), S. 431. The Ladder entstand am 31. Oktober im Civic Center in Saint Paul (Minnesota).Tudahl (2018), S. 444. Den letzten Song, Temptation, spielte er am 6. Dezember 1984 während eines Soundchecks im Richfield Coliseum (Ohio) ein, wo er mit der Purple Rain Tour gastierte. Am folgenden Tag überarbeitete er den Track im Capitol Records Building in Los Angeles.Tudahl (2018), S. 458–459. Am 24. Dezember 1984 nahm er den Monolog von Temptation auf, fügte Overdubs für Tamborine hinzu, kürzte The Ladder und schloss die Albumaufnahmen ab. Diese Arbeiten führte Prince im Civic Center mit einem mobilen Tonstudio durch, das seine Tour im LKW begleitete. Am selben Tag reiste er von Saint Paul nach Chanhassen (Entfernung rund 47 km) und vollendete das Album in seinem privaten Kiowa Trail Home Studio.
Nach dem Erfolg seines Vorgängeralbums Purple Rain und des gleichnamigen Films 1984 befand sich Prince auf dem Höhepunkt seines kommerziellen Erfolgs. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, als er Warner Bros. Records am 21. Februar 1985 in Los Angeles das neue Album Around the World in a Day präsentierte. Unter den Gästen waren sein Vater John L. Nelson (* 1916; † 2001) und die Musikerin Joni Mitchell.Hahn (2016), S. 120. Die Reaktion der Warner-Mitarbeiter fiel jedoch verhalten aus. Saxofonist Eric Leeds (* 1952), seit 1985 regelmäßig Musiker in Prince’ Begleitbands, berichtete: „Wie Prince mir später sagte, konnte er an den Gesichtern der Warner-Leute ablesen, dass es nicht das Richtige war“.
In einem Interview mit dem US-Musikmagazin Rolling Stone erklärte Prince, viele Menschen verstünden sein Album falsch: „Ich versuche nicht, der große, visionäre Zauberer zu sein.“ Es gehe nicht um etwas, „wofür ich die Schlüssel habe. Ich wollte vermitteln, dass man in sich selbst schauen muss, um Vollkommenheit zu finden.“ Er betonte, Around the World in a Day direkt nach Abschluss von Purple Rain fertiggestellt zu haben, weil er nicht abwarten wollte, „was mit Purple Rain passieren würde“. Deshalb klingen die Alben so unterschiedlich. „Es wäre einfach gewesen, Around the World in a Day mit dem Gitarrensolo zu beginnen, das Let’s Go Crazy abschließt. Das hätte allen den Wind aus den Segeln genommen, die behaupten, das neue Album sei nicht einmal halb so kraftvoll“.Hahn (2016), S. 125.Hill (1989), S. 232–233.
Im Februar 1985 gründete Prince mit finanzieller Unterstützung von Warner Bros. Records das Musiklabel Paisley Park Records. Around the World in a Day ist sein erstes Album, das bei diesem Label veröffentlicht wurde.Draper (2016), S. 76.Begleitheft der CD Around the World in a Day von Prince and The Revolution, Warner Bros. Records / Paisley Park, 1985.
Marketing Ursprünglich war geplant, am 27. Februar 1985 den Song Paisley Park als Vorabsingle zu veröffentlichen. Wenige Tage davor änderte Prince jedoch seine Entscheidung, ohne eine Begründung zu nennen. Für das Marketing von Around the World in a Day verfolgte er eigene Vorstellungen: Es sollten weder Singles noch Musikvideos erscheinen, damit das Album als geschlossenes Werk wahrgenommen wird. Das Promotion-Team von Warner schickte daraufhin verschiedene Tracks an Radiosender, ohne einen bestimmten Song zu favorisieren und überließ die Wahl den Sendern. Doch die Resonanz war schwach. Auch Werbeanzeigen in führenden Branchenmagazinen unterblieben. Zudem verzichtete Prince erstmals in den 1980er Jahren auf eine Tournee zur Albumveröffentlichung. Marylou Badeaux, damalige Vizepräsidentin von Warner Bros. Records, kommentierte: „Alle standen kurz vor dem Herzinfarkt. Aber wir machten es schließlich so, wie er wollte“.Hahn (2016), S. 123.Uptown (2004), S. 373.
Als die Verkaufszahlen nach einigen Wochen hinter denen von Purple Rain zurückblieben, willigte Prince schließlich ein, doch noch Musikvideos zu Around the World in a Day zu produzieren. Die erste Singleauskopplung Raspberry Beret erschien erst drei Wochen nach der Albumveröffentlichung. Zudem gab Prince dem Musiksender MTV sowie einer Radiostation in Detroit (Michigan) Interviews.
Gestaltung des Covers Für das LP-Design war erneut die Artdirektorin Laura LiPuma verantwortlich, die bereits das Cover von Purple Rain betreut hatte. Das Albumcover entwarf Doug Henders (* 1957), der ebenfalls am Purple-Rain-Cover beteiligt gewesen war. Prince übergab ihm für Around the World in a Day eine Liste mit 16 Motiven, die in das Cover integriert werden sollten.Greenman (2017), S. 126. Am 12. Februar 1985 präsentierte Henders ein detailreiches, surrealistisches Gemälde mit 16 Personen, die an einer Art Schwimmbecken versammelt sind, aus dem eine Leiter in den Himmel ragt. Im Hintergrund formt eine Hügellandschaft die Kontur einer auf dem Rücken liegenden Frau, die durch eine vielfarbige Collage kaschiert ist.Hill (1989), S. 227.
Das LP-Cover wurde als Klappcover gestaltet; die Liedtexte sind sowohl in der LP-Ausgabe als auch im CD-Booklet abgedruckt. In den Liner Notes wird zudem angegeben, das Album sei teilweise im Paisley Park Studio aufgenommen worden, was jedoch nicht zutrifft, da der Bau des Studios erst im Januar 1986 begann.
Auf dem Frontcover sind elf Personen in surrealistischer Darstellung abgebildet: Prince: Er trägt einen blau-weißen „Wolkenanzug“ und spielt seine „Cloud“-Gitarre. Die Darstellung mit blondem Haar verweist auf eine kurzzeitige Blondierung im Januar 1985, die jedoch scheiterte, da das Haar stark beschädigt wurde. In der Übergangszeit trug Prince zeitweise eine Perücke, unter anderem bei den American Music Awards 1985 am 28. Januar 1985, was öffentlich unbemerkt blieb. Bildmaterial mit blondem Haar ist weder in den Medien noch online überliefert.Parke (2017), S. 72. Sheila E.: Sie ist als Sängerin mit roten Haaren und einem Mikrofon in der Hand dargestellt. Lisa Coleman: Sie ist als schwarz gekleidete Frau mit einem Tamburin in der Hand dargestellt. Susannah Melvoin: Die Zwillingsschwester von Wendy Melvoin und damalige Freundin von Prince sitzt auf einer Steintreppe und spielt Violine. Dr. Fink: Der Keyboarder von The Revolution ist mit grauen Haaren und seinem damaligen Markenzeichen, einem Mundschutz, dargestellt. Earl Jones: Der grauhaarige, weinende ältere Mann mit Gehstock stellt Prince’ damaligen Hairstylisten dar. Jones starb 2002 und war der Onkel von Jill Jones. Clara Bow: Die auf der Treppe stehende, leicht bekleidete Frau stellt die US-amerikanische Schauspielerin dar, die Prince auch im Liedtext von Condition of the Heart erwähnt. Die drei oben rechts auf dem Albumcover dargestellten Frauen gestaltete Henders nach einer Vorgabe von Prince, der sich Menschen „mit olivfarbener Haut, Kapuzen und lilafarbenen Umhängen“ wünschte; einige der Umhänge sollten weiß sein. Das Motiv des fliegenden Jungen, der einen Ballon mit der Aufschrift „Prince & the Revolution Around the World in a Day“ hält, stammt von Margo Chase. Es ist das einzige Cover-Element, das nicht von Prince vorgegeben und nicht von Henders entworfen wurde. Auf dem Rückcover sind fünf Personen zu sehen: Wendy Melvoin: Sie ist als weinende alte Frau mit weißen Haaren dargestellt. Ihre Abbildung wurde zudem als Cover der Single Pop Life verwendet. Die vier weiteren Personen basieren auf von Prince vorgegebenen Charakteren: eine „schöne Frau mit exotischem Aussehen, schwarzem Umhang und himbeerfarbener Baskenmütze“, die zudem das Cover der Single Raspberry Beret ziert; ein „hübsches kleines Mädchen im Alter von 3 oder 4 Jahren auf einer Wippe. (Sie sollte lachen.)“; ein „nacktes schwarzes Baby, das mit einer amerikanischen Flagge rennt“; und ein „ein jonglierender Clown. (Zwei Jonglierbälle, ein Globus.)“. Das Baby erscheint zudem auf dem Cover der Single America.
Musik und Liedtexte Albumsongs mini|Der Synthesizer Yamaha DX7 Die Musik kombiniert Elemente aus Contemporary R&B, Funk, Pop, Psychedelic Rock und Rockmusik. Wie auf seinen vorherigen Alben setzte Prince den Linn LM-1 Drumcomputer sowie einen Oberheim-Synthesizer ein und verwendete zudem einen Yamaha DX7, den ersten digitalen Synthesizer, der Ende 1983 auf den Markt kam. Mit Ausnahme von Paisley Park und Temptation tritt die E-Gitarre gegenüber Synthesizern und Klavier in den Hintergrund. Die meisten Songs liegen im Mid-Tempo-Bereich, was der Musik stellenweise einen ruhigen, getragenen Charakter verleiht. Auffällige Hooklines kommen seltener vor.Hill (1989), S. 228, S. 231.Ewing (1994), S. 61.Hahn (2016), S. 199.