Boxberg/O.L., , ist die flächengrößte Gemeinde im Landkreis Görlitz (Oberlausitz). Mit 217 km² ist sie zugleich die flächengrößte nichtstädtische Gemeinde Sachsens und nur knapp 4 km² kleiner als Chemnitz. Die Gemeinde zählt vollständig zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben.Sächsisches Sorbengesetz, Anlage zu § 3 (2)
Bekanntheit erlangte die Gemeinde durch das Kraftwerk Boxberg, das sich nördlich des namensgebenden Ortsteils Boxberg befindet.
Geographie Gemeindegliederung
Die Gemeinde besteht aus 18 Ortsteilen:
deutscher Name sorbischer Name Einwohner Zugehörigkeit zu Boxberg Bärwalde 149 Boxberg 1006 – Drehna 87 Dürrbach 75 Jahmen 200 Kaschel 108 Klein-Oelsa 156 Klein-Radisch 35 Klitten 459 Kringelsdorf 366 Mönau 83 Nochten 235 Rauden 75 Reichwalde 508 Sprey 51 Tauer 70 Uhyst 627 Zimpel 91
Die Einwohnerzahlen der einzelnen Orte stammen vom Meldeamt Boxberg/O.L. (Stand 30. November 2020) und weisen auf Grund unterschiedlicher Berechnungsvorschriften in ihrer Summe eine Abweichung zu der vom Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen herausgegebenen Einwohnerzahl auf.
Geographische Lage Die Gemeinde Boxberg liegt innerhalb des Städtedreiecks Weißwasser/Oberlausitz–Hoyerswerda–Niesky. Die Kreisstadt Görlitz liegt rund 50 Kilometer südöstlich, nach Bautzen sind es etwa 30 Kilometer in südwestlicher Richtung.
mini|Überblick über den Ortsteil Boxberg mit dem Bärwalder See Die Region um Boxberg ist durch den Bergbau geprägt, im Norden liegt mit dem Tagebau Nochten einer der größten Tagebaue Deutschlands, im Osten schließt sich der gestundete Tagebau Reichwalde an und im Westen liegen mehrere Tagebaurestseen, die das Lausitzer Seenland bilden. Innerhalb der Gemeinde ist der Bärwalder See dazu zu zählen, der durch Flutung des Tagebaus Bärwalde entstand. Während der nördliche Teil der Gemeinde hauptsächlich aus karger Heidelandschaft besteht, ist der südliche Teil durch eine Vielzahl von Teichen geprägt. Ein Teil der Gemeinde liegt innerhalb des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.
Umgebende Gemeinden sind Weißwasser/Oberlausitz im Norden, Weißkeißel im Nordosten, Rietschen und Kreba-Neudorf im Osten, Mücka, Hohendubrau sowie jenseits der Kreisgrenze Malschwitz und Großdubrau im Süden, Radibor im Südwesten, Lohsa im Westen und Spreetal im Nordwesten.
Gewässer Bedeutendstes Standgewässer ist der im Westen der Gemeinde liegende Bärwalder See, mit 13 Quadratkilometern Wasserfläche der größte See Sachsens.
Im Südwesten der Gemeinde sind als bedeutende teichwirtschaftliche Gewässer die Drehnaer Teiche südlich von Drehna sowie das Teich- und Sumpfgebiet südlich von Rauden und Mönau, das sich bis Lieske und Commerau fortsetzt, zu nennen. Bedeutende Teiche im Südosten der Gemeinde sind der Schlossteich nördlich von Jahmen, die Dürrbacher Teiche zwischen Klitten und Kreba, der Tauerwiesenteich zwischen Tauer und Förstgen, sowie die Teichgruppe Zimpel nördlich von Zimpel.
Als bedeutendstes Fließgewässer ist die Spree im westlichen Teil der Gemeinde zu nennen. Zwischen Uhyst und Bärwalde ist sie umgebettet worden, da ihr ursprüngliches Flussbett durch den Tagebau Bärwalde verlief. Ihr fließt vom Südosten aus kommend der Schwarze Schöps zu, bis er nördlich von Sprey in sie mündet. Aus dem Osten kommt der Weiße Schöps, dessen Flussbett durch tagebauliche Inanspruchnahme mehrfach umverlegt wurde. Ursprünglich mündete er zwischen Reichwalde und Kringelsdorf in den Schwarzen Schöps, nach der Verlegung nördlich um den Tagebau Reichwalde lag die Mündung zwischen Kringelsdorf und Boxberg, seit der letzten Verlegung, bei der ein naturnahes Flussbett südlich des Tagebaus gestaltet wurde, mündet der Weiße Schöps kurz vor Reichwalde in den Schwarzen Schöps.
Geschichte Die Dörfer Sprey, Nochten und ein Teil von Boxberg gehörten schon früh zur Standesherrschaft Muskau. Die restlichen Dörfer verteilten sich auf verschiedene Herrschaften, deren Zugehörigkeit und Besitzer häufiger wechselten.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) konnte das Kurfürstentum Sachsen sich 1635 im Prager Frieden die beiden lausitzischen Markgraftümer vom Königreich Böhmen sichern. Weil der sächsische König ein bekennender Bewunderer Napoleons war und nicht – wie die süddeutschen Fürsten – rechtzeitig vor der Völkerschlacht bei Leipzig die Fronten wechselte, wurde sein Königreich Sachsen 1815 auf etwa die Hälfte seiner Größe reduziert; unter anderem kamen die Niederlausitz und der größere Teil der Oberlausitz zu Preußen, darunter das gesamte heutige Gemeindegebiet von Boxberg. Die sieben westlichen Orte Bärwalde, Drehna, Merzdorf, Mönau, Rauden, Schöpsdorf und Uhyst hatten bisher zum Hauptkreis Bautzen der Oberlausitz gehört und wurden zunächst dem neuen Landkreis Spremberg angegliedert; erst 1825 wurde ein Landkreis Hoyerswerda neu gebildet und der Provinz Schlesien zugewiesen, während die restlichen Orte bereits seit 1816 dem schlesischen Landkreis Rothenburg (Ob. Laus.) angehörten. Die Grenze zwischen Sachsen und Preußen verlief bis 1945 entlang der südlichen Gemarkungsgrenzen von Rauden über Lieske bis Tauer. Lieske und Lippen sind die einzigen ehemals preußischen Orte im Raum Uhyst/Klitten, die heute nicht zur Gemeinde Boxberg gehören.
Im Jahre 1825 wurde für das in Boxberg, auch für Kringelsdorf und Eselsberg neu erbaute Schulgebäude eine Lehrerstelle durch Spenden der beteiligten Gutsherrschaften (Fürst Pückler-Muskau und Graf von der Schulenburg auf Jahmen) und den Hammerbesitzer Flach fundiert; die Gemeinden übernahmen es, das wöchentliche Schulgeld von 9 Pfennig je Schulkind einzuziehen und an den Lehrer auszuzahlen. Voraussetzung für die Anstellung sollten gute Kenntnisse der deutschen und sorbischen Sprache sein. Bis dahin hatten die etwa 100 Kinder nach Klitten laufen müssen.Bericht im Amtsblatt der Regierung Liegnitz 1825, S. 431/432
Ende der 1920er Jahre fanden umfangreiche Veränderungen der politischen Gemeinden statt. So wurden die meisten der noch bestehenden Gutsbezirke mit benachbarten Gemeinden vereinigt. Am 30. September 1928 wurden die Landgemeinden Zimpel und Tauer unter dem Namen Zimpel (seit 1933 Zimpel-Tauer) zusammengeschlossen, im Oktober des gleichen Jahres verfügte der preußische Minister des Innern den Zusammenschluss von Eselsberg, Kringelsdorf und Wilhelmsfeld zum 1. Januar 1929 unter dem Namen Kringelsdorf. Ebenfalls 1929 werden die beiden Landgemeinden Boxberg, Anteil Muskau und Boxberg, Anteil Jahmen zur Landgemeinde Boxberg zusammengeschlossen.
Zum 1. April 1938 wurden Jahmen, Kaschel und Klein-Oelsa nach Klitten und Rauden nach Mönau eingemeindet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der westlich der Lausitzer Neiße liegende Teil Niederschlesiens wieder dem Land Sachsen angeschlossen. Durch die Verwaltungsreform von 1952 wurden die Gemeinden im Raum Uhyst dem Kreis Hoyerswerda, die Gemeinden um Boxberg dem Kreis Weißwasser (beide Bezirk Cottbus) und die Gemeinden im Raum Klitten dem Kreis Niesky (Bezirk Dresden) zugeordnet.
Bärwalde und Schöpsdorf wurden am 1. Januar 1957 nach Merzdorf eingemeindet. Weitere Gemeindezusammenschlüsse folgten in den 1970er Jahren. Dies war zunächst am 1. Januar 1973 die Eingemeindung von Zimpel-Tauer und am 1. März 1973 die von Dürrbach und Klein-Radisch nach Klitten, wodurch Klitten die Gemeinde im Kreis Niesky mit den meisten Ortsteilen wurde. Am 1. Januar 1974 wurde Sprey als erste Gemeinde nach Boxberg eingemeindet, am 1. Mai des gleichen Jahres kamen Drehna und die teildevastierte Gemeinde Lippen nach Uhyst. Durch die Devastierung Merzdorfs und Schöpsdorfs wurde Bärwalde am 1. Januar 1978 wieder eine eigenständige Gemeinde, die Flurstücke wurden Bärwalde und Uhyst eingegliedert.
Aus dem Gemeindeverband Schöpstal, zu dem die Gemeinden Boxberg, Nochten, Kringelsdorf, Reichwalde und Wunscha gehörten, wurde die Gemeinde Wunscha Mitte der 1980er Jahre für den Tagebau Reichwalde abgebrochen (und formal nach Viereichen eingemeindet).
Mönau schloss sich am 1. März 1994 Uhyst an, wodurch die Gemeinde ihre größte Flächenausdehnung erreichte. Zum gleichen Zeitpunkt wurde die teildevastierte Gemeinde Nochten nach Boxberg eingemeindet. Durch die sächsische Kreisreform von 1994 wurden am 1. August die Kreise Niesky und Weißwasser mit einem Teil des Kreises Görlitz-Land zum Niederschlesischen Oberlausitzkreis vereinigt. Der Kreis Hoyerswerda bestand bis zum 31. Dezember 1995 unverändert weiter.
Der seit 1992 bestehenden Verwaltungsgemeinschaft Boxberg schloss sich 1996 die Gemeinde Uhyst an, die damit als einzige Gemeinde aus dem Kreis Hoyerswerda nicht an den Landkreis Kamenz übertrat. Die Einwohner des Ortsteils Lippen sprachen sich mehrheitlich dagegen aus, wodurch Lippen von Uhyst nach Lohsa umgemeindet wurde. Kringelsdorf, Gründungsmitglied der Verwaltungsgemeinschaft, wurde am 1. April 1996 nach Boxberg eingemeindet.
Bärwalde, seit dem 1. Januar 1994 zu Lohsa gehörig, wurde 1998 nach Boxberg umgemeindet und Reichwalde kam am 1. Januar 1999 als letzte noch verbliebene Gemeinde des früheren Gemeindeverbands Schöpstal nach Boxberg. Damit waren im Territorium der heutigen Gemeinde Boxberg alle Orte auf die drei Gemeinden Boxberg, Klitten und Uhyst aufgeteilt, deren Grenzen sich auf dem Bärwalder See trafen.
Seit dem 12. Februar 1999 führt die Gemeinde im amtlichen Namen den Zusatz „O.L.“ (für Oberlausitz), um sich besser von anderen Orten namens Boxberg zu unterscheiden.
Zum 1. Oktober 2007 trat die Gemeinde Uhyst der Gemeinde Boxberg bei, wodurch die Zahl der Ortsteile von sechs auf zehn stieg. Durch den Zusammenschluss mit Klitten am 1. Februar 2009 stieg die Zahl der Ortsteile auf 18 und die Gemeinde erhielt ihre heutige Ausdehnung. Zugleich wurde die Verwaltungsgemeinschaft Boxberg/O.L. aufgelöst, da alle Mitgliedsgemeinden inzwischen eingemeindet wurden.
Religion 38 % der Bevölkerung von Boxberg sind evangelisch, 2 % katholisch.
Die evangelisch-unierte Gemeinde hat Kirchen in Nochten und Sprey (Kirchgemeinde Nochten/Boxberg), Klitten, Reichwalde sowie Uhyst, die alle der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz angehören. Als einzige Ortschaft der Gemeinde Boxberg/O.L. gehört Tauer zu keiner der genannten Kirchgemeinden, sondern ist nach Förstgen eingepfarrt. Eine weitere Kirche stand in Merzdorf, die im Zusammenhang mit dem Ortsabbruch 1979 gesprengt wurde.
Zudem gibt es in Klitten die Evangelisch-Lutherische St. Johanneskirchengemeinde, die zum Kirchenbezirk Lausitz der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gehört.
Eine katholische Kirche gibt es in Boxberg nicht. Die wenigen Katholiken in Nochten, Reichwalde und Sprey gehören zur Pfarrgemeinde „Heilig Kreuz“ in Weißwasser/Oberlausitz, die Gläubigen in den übrigen Ortsteilen zur Pfarrgemeinde „Heilige Familie“ in Hoyerswerda, deren nächste Filialkirche in Lohsa steht („Zu den heiligen Schutzengeln“). Die genannten Gemeinden gehören dem Bistum Görlitz an.
Politik
Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:
Wählervereinigung Boxberg/O.L.: 6 Sitze Wählervereinigung Bürgernähe Klitten: 4 Sitze Wählervereinigung Uhyster Heimatverein: 4 Sitze CDU: 2 Sitze +Gemeinderatswahlen seit 2014Liste202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Wählervereinigung Boxberg/O.L.639,5425,4422,1Wählervereinigung Bürgernähe Klitten424,5213,617,2Wählervereinigung Uhyster Heimatverein422,9422,7321,0CDU213,1321,1531,4Linke––210,6210,9Wählervereinigung Kringelsdorf––16,717,4Wahlbeteiligung73,5 %69,7 %60,8 %
Bürgermeister