mini|Geschäftssitz der SGG in Zürich-Unterstrass Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG), , , (SSUP), ist eine Institution, die sich für eine aktive Zivilgesellschaft, den sozialen Zusammenhalt und eine lebendige Demokratie in der Schweiz einsetzt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1810 engagiert sich die SGG in verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Bereichen. Sie unterstützt neue gemeinnützige Initiativen, beteiligt sich an deren Finanzierung und begleitet deren Entwicklung. Zudem fördert sie den Austausch zwischen Akteuren aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft.
Für die Entwicklung des schweizerischen Bundesstaates und dessen Gründung im Jahr 1848 war die SGG die wichtigste soziale und sozialpolitische Organisation der Schweiz. Die SGG war treibende Kraft bei der Gründung zahlreicher sozialer Organisationen.
Tätigkeitsbereiche Gemäss ihrem Vereinszweck ist die SGG bestrebt, die Zivilgesellschaft in der Schweiz zu stärken und die Solidarität zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zu fördern.Definition SGG Aktuell ist die Gesellschaft in den Bereichen der Volksbildung, der Volksgesundheit, der Volkswirtschaft und der Sozialen Arbeit tätig.
Die Aufgaben der SGG lassen sich wie folgt umschreiben: Die SGG behandelt aktuelle Themen zu sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen. Die SGG setzt sich für das soziale und solidarische Verantwortungsgefühl der Bevölkerung ein. Die SGG leitet vier eigene thematische Programme: Das Programm Pro Futuris stärkt mit Dialog- und Teilhabeprojekten die demokratische Kultur der Schweiz. Das Programm SeitenWechselwww.seitenwechsel.ch fördert die soziale Führungskompetenz von Kaderpersonen durch Praktika in sozialen Institutionen. Für die Führungskräfte kann dies im Rahmen einer Intensivwoche oder eines eintägigen Workshops geschehen. Das Programm JobCaddiewww.jobcaddie.ch bietet ehrenamtliches Mentoring an für Jugendliche im Übergang in die Arbeitswelt. Und das Programm Intergeneration bringt lokal oder virtuell Institutionen und Projekte von Jung und Alt zusammen. Die SGG erforscht und fördert die Freiwilligentätigkeit in der Schweiz und publiziert regelmässig den Freiwilligenmonitor Schweiz.Freiwilligen-Monitor der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG Die SGG unterstützt Notleidende und soziale Projekte in der Schweiz. Die SGG lancierte 2014 einen Künstlerwettbewerb, um eine neue Schweizer Nationalhymne zu schaffen. Unter den 208 Beiträgen wählte die Öffentlichkeit online den Beitrag des Zürcher Gesundheitsökonomen Werner Widmer. Der neue Hymnentext beruht auf der Präambel der Schweizer Bundesverfassung. Sobald er in der Bevölkerung genügend populär sei, soll er bei den zuständigen Behörden mit der Bitte eingereicht werden, ihn zur neuen Nationalhymne zu bestimmen.www.chymne.chwww.sgg-ssup.ch 2016 wurde der neue Text erstmals auf dem Rütli gesungen; laut einer Medieneinschätzung habe die SGG mit dem Text einen Teil des Parlaments entzürnt.Rütli-Verwalterin trennt sich kurz vor 1. August von Direktor, SDA/Südostschweiz, 16. Juli 2022 Anderseits fanden sich 2017 im Unterstützungskomitee auch vier ehemalige Mitglieder des Bundesrates.Die neue Nationalhymne hat prominente Unterstützer, suedostschweiz.ch, 26. Juli 2017
Die SGG verwaltet seit 1860 das Rütli und organisiert dort jährlich eine Bundesfeier.www.ruetli.ch Geschichte Vereinsgründung Die SGG verstand sich als Erbin der Helvetischen Gesellschaft und verfolgte aufklärerisch-patriotische Ziele nach dem Vorbild der 1777 gegründeten Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel. Sie stellte die Gemeinwohlorientierung ins Zentrum und konzentrierte sich in den ersten Jahrzehnten auf die Armutsbekämpfung durch die Förderung von Bildung, Erziehung und wirtschaftlichem Fortschritt. Die liberal gesinnten Mitglieder der SGG, reformierter wie katholischer Herkunft, förderten ein reformorientiertes Diskussionsforum für die politischen, wirtschaftlichen und geistlich-seelsorgerischen Eliten und wirkten dadurch national integrierend und staatstragend.
Die SGG wurde 1810 in Zürich vom Freundeskreis des Zürcher Stadtarztes Hans Caspar Hirzel gegründet, der im Namen der Zürcher Hülfsgesellschaft zur Gründung eingeladen hatte. Unter dem Namen Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft SGG, , , besteht seit dem 16. Mai 1810 ein Verein im Sinne von Artikel 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. Sein Sitz ist seit der Gründung in Zürich. Organisatorisch wandelte sich die SGG nach 1850 zunehmend zu einem national verankerten Verein.
Gemeinnützigkeit im 19. Jahrhundert Ab 1823 wurde an den SGG-Jahresversammlungen ähnlich einer heutigen Denkfabrik über konkrete Fragestellungen diskutiert, die von Mitgliedern empirisch vorbereitet wurden. Die dabei gehaltenen sozialpolitischen Referate und Diskussionsvoten wurden in den Verhandlungen der SGG und ab 1862 in der Schweizerischen Zeitschrift für Gemeinnützigkeit publiziert. Die praktische Umsetzung der in den Diskussionen entwickelten Ideen und Projekte erfolgte anfänglich durch lokale Akteure und wurde nach 1830 immer mehr durch eigene praktische Tätigkeit abgelöst.
An der Jahresversammlung 1823 brachte Johann Caspar Zellweger den Antrag ein, die Armut mit Bildung zu bekämpfen, wobei auch Wissen, Moral und Sittlichkeit gefördert werden sollten. Die rege Schuldebatte in der SGG ebnete den Weg für die liberale Schulreform, die sich ab den 1830er Jahren in der ganzen Schweiz durchsetzte. 1835 wurde von der SGG eine Kommission für Armenerziehung eingesetzt, die sich der Ausbildung von sogenannten Armenlehrern widmete. Mitte der 1850er Jahre konnte der SGG dank dem ersten grossen Legat das erste Schwyzer Lehrerseminar errichten lassen.
Ab 1828 hielt die SGG ihre Jahresversammlungen an verschiedenen Orten in der Schweiz ab, um Beziehungen und Bindungen zu stärken und den nationalen Zusammenhalt zu fördern. In den unruhigen 1840er Jahren förderte die SGG die friedliche Gesinnung und die Humanität, sie war ein Ort, an dem die politischen Gegner den Dialog ins Zentrum ihrer Bemühungen stellten.
Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die SGG 1834 mit der Koordination der Geldsammlung für die Geschädigten einer grossen Unwetterkatastrophe im Voralpengebiet. Aus dieser Aktion heraus entstand der Fonds für Elementarschäden, seit 2016 umbenannt in Fonds Suisse.fondssuisse: Eine Stiftung hilft bei Elementarschäden, The Philanthropist, 2. August 2021
mini|Bundespräsident Berset als Gast der SGG-Bundesfeier am 1. August 2018 mit Ehrendamen und Weibel vor dem Logo der SGG Mit dem Kauf der Rütliwiese und der Schenkung an die Eidgenossenschaft von 1859 schuf sich die SGG einen nachhaltigen nationalen Bekanntheitsgrad. Im 19. Jahrhundert gründete und betrieb die SGG Erziehungs- und Besserungsanstalten (Hilfs- und Sonderschulen) und förderte die Berufsbildung, sie klärte über Gesundheits- und Ernährungsfragen auf und bekämpfte die Alkohol- und Spielsucht. 1901 initiierte die SGG den Fonds für die Hilfe bei nicht versicherbaren Elementarschäden.
Wohlfahrtswerke im 20. Jahrhundert Im 20. Jahrhundert gründete die SGG verschiedene private Wohlfahrtswerke: 1912 die Pro Juventute, 1917 die Pro Senectute, 1918 die Stiftung zur Förderung von Gemeindestuben und Gemeindehäusern und 1978 die Pro Mente Sana. Mit der Gründung und Unterstützung von Konferenzen sowie der Einrichtung eines Sekretariats im Jahre 1930 leistete sie einen Beitrag zur Verständigung in der Familienpolitik (Schweizerische Familienschutzkommission 1931, Pro Familia 1942), zur Koordination der privaten Wohlfahrtswerke und zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit. Sie gab 1932 den Anstoss für die Schweizerische Landeskonferenz für soziale Arbeit (LAKO), die sich zunächst der Koordination der Flüchtlingshilfe annahm und 1942 die Gründung der Schweizer Berghilfe veranlasste. 1934 initiierte sie die Gründung der Zentralauskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen ZEWO.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts flossen der SGG finanzielle Mittel durch Schenkungen und Legate zu. Im 20. Jahrhundert stieg das verwaltete Vermögen kontinuierlich von 180'000 Fr. (1910) auf 5,7 Mio. Fr. (1980) bzw. 63 Mio. Fr. (2009). Dies ermöglichte ihr, die Vergabe von Subventionen und Einzelfallhilfe zu einem Schwerpunkt zu machen. Gleichzeitig schwand durch den Ausbau sozialstaatlicher Strukturen und die fehlende Integration der neuen sozialistisch orientierten Reformkräfte der politische Einfluss der wertkonservativ, wirtschaftsliberal und sozialstaatskritisch geprägten Denkfabrik.
Neuorientierung im 21. Jahrhundert In den 1990er Jahren setzte eine Neuorientierung ein, die zur verstärkten Förderung der Freiwilligenarbeit führte. Die SGG unterstützt unter anderem die Freiwilligen-App Five up, die zur Koordination von Freiwilligenarbeit entwickelt wurde. Diese wird gemeinsam von der SGG, vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) und von Apps with love (AWL) getragen (bis 2021 unter Federführung der Gesellschaft Five up Community AG). Five up umfasst ein Front-End mit Native Apps und Web-App, die viersprachig (deutsch, französisch, italienisch, englisch) gestaltet sind, sowie ein Cloud-basiertes Back-End. Die Zahl der registrierten Nutzer stieg von der Freischaltung der App im Sommer 2018 bis Sommer 2021 auf über 100‘000, zumal sich vor allem zu Beginn der COVID-19-Pandemie ein grösserer Bedarf für die Koordinierung von Freiwilligen ergab. Five up gewann 2019 Gold in der Kategorie Enterprise bei Best of Swiss Apps.
Eine Kommission der SGG untersucht die Freiwilligenarbeit. Das freiwillige Engagement gehe in der Schweiz im Umfang nicht zurück, stellte der Geschäftsführer der SGG im Frühjahr 2023 fest. So seien 62 Prozent der Schweizer freiwillig engagiert, die Freiwilligenarbeit werde aber individualistischer und weniger langfristig und somit schwieriger und aufwändiger zu koordinieren.«Wir sollen gesellschaftliche Brücken bauen», Schweizer Familie 23/2023, S. 28
Zur Neuorientierung gehörte der 2022 gestartete «Think+Do Tank» Pro Futuris, welcher neue demokratische Teilhabemöglichkeiten und neue Selbstbilder der Schweiz als «Sprechsaal der Nation» entwickeln sollte.Noch agiler geht nicht, WOZ, 20. Oktober 2022 Ausserdem hielt die SGG 2022 eine Debatte unter Think-Tanks zum Klimawandel ab.
Die im Jahr 2020 wegen der Covid-Pandemie zuerst verschobene, dann schriftlich durchgeführte GeneralversammlungDie GV der SGG findet dieses Jahr schriftlich statt, SGG, 3. November 2020 stimmte einer neuen Vereinsstruktur zu; der Vorstand war nun nicht mehr ein Ausschuss der aufzulösenden Zentralkommission.Neuer SGG-Vorstand gewählt, SGG, 28. März 2021 Als Koordinierungsstelle aller regionalen gemeinnützigen Organisationen entstand das Netzwerk Gemeinnützige Schweiz (NGS).Netzwerk Gemeinnützige Schweiz, Internetauftritt Auf die gleiche Versammlung hin war das Amt des Präsidenten erstmals öffentlich ausgeschrieben worden, und anders als seine Vorgänger stand der Gewählte, Nicola Forster, im Berufsleben. Im Jahr 2021 fand wiederum keine Präsenz-Generalversammlung statt. Bei der nächsten Generalversammlung im Sommer 2022 wurden nicht alle Traktanden abgehandelt, weswegen es zu einer ausserordentlichen GV im November 2022 kam.Viel Raum für Austausch an der 191. Gesellschaftsversammlung, SGG, 16. Juni 2022