mini|Die Gründung der Abtei Mettlach durch Lutwinus, Mosaik in der Lutwinuskirche mini|hochkant|Rosen-Wappen des Abtes Heinrich I. (Henri) Lejeune, der von 1734 bis 1751 amtierte; seit 1976 auch das Wappen der Gemeinde Mettlach Die Abtei Sankt Peter und Maria in Mettlach, in der älteren Literatur auch bekannt als Abtei Metloc,Michael Görringer: Pirminius. Geschichte des linken Rheinufers, vorzüglich der bayerischen Pfalz, von den ältesten Zeiten bis auf Karl den Grossen; besonders die Einführung und allmähliche Verbreitung des Christenthums in diesem Gebiete. Eine Erinnerungsschrift zur eilften Säkularfeier der Stiftung des Klosters Hornbach. R. Wahrburg, Zweibrücken 1841, S. 361 (books.google.de).Eugen H. Th. Huhn: Deutsch-Lothringen. Landes-, Volks- und Ortskunde, Stuttgart 1875, S. 480 (books.google.de). war ein gegen Ende des 7. Jahrhunderts gegründetes Benediktinerkloster. Die während der Französischen Revolution aufgegebenen Klostergebäude beherbergen heute die Hauptverwaltung der Firma Villeroy & Boch.

Geschichte Mittelalter Gründung mini|Alter Turm, Rest der ehemaligen Klosterkirche St. Petrus und Maria Um 676 gründete der fränkisch-austrasische Adlige Liutwin/Lutwinus die Abtei Sankt Peter und Maria auf einer hochwasserfreien Niederterrasse der Saar (ca. 164 m über Normalhöhennull) am heutigen Ort Mettlach und trat selbst in das Kloster ein, das der Benediktinerregel unterstellt war. Die legendarische Überlieferung aus dem 11. Jahrhundert erzählt, dass sich Liutwin/Lutwinus in Begleitung eines Dieners auf der Jagd befunden habe. Auf einem Felsen hoch über der Saar sei er bei glühender Mittagshitze ermattet eingeschlafen. Dabei soll ein Adler mit weit ausgespannten Schwingen über Lutwinus in der Luft geschwebt und ihm so Schatten vor der sengenden Sonne gespendet haben. Als Lutwinus erwachte, sei der Adler davongeflogen. Der Diener, der dies beobachtet hatte, erzählte dies seinem Herrn. Lutwinus habe die Begebenheit als himmlisches Zeichen gedeutet, das Kloster, das er schon länger zu gründen vorhatte, nun hier an der Saar zu bauen.Andreas Heinz: Glaubenszeugen und Fürsprecher, Die Heiligen des Saarlandes, Saarbrücken 1980, S. 54. An der Stelle des legendarischen Wunders wurden später nacheinander mehrere Kapellen errichtet. Die aktuelle neoromanische Mettlacher Lutwinuskapelle stammt aus dem Jahr 1892.Benno König: Kapellen im Saarland, Volks- und Kulturgut, Illingen 2010, S. 119–122.

Der Ort der Klostergründung zeichnete sich durch eine geschützte Tallage aus, bei der die steilen Berghänge den Nord- und Ostwind abhalten. Die Hochflächen sind für die Landwirtschaft gut geeignet und die mittelalterliche Metropole Trier lag nur eine Tagesreise weit entfernt.

Personalunion mit dem Erzbistum Trier

Als Liutwin später Bischof von Trier (697–715) wurde (zudem auch Reims (717) und Laon), ergab es sich über mehrere Jahrhunderte hinweg, bis ins 10. Jahrhundert hinein, dass der Trierer Bischofsstuhl und die Leitung der Abtei in Personalunion besetzt wurden. Während der Erzbischof von Trier offiziell als Abt der Abtei von Mettlach amtierte, wurde das Kloster vor Ort von einem Propst geleitet.

Von dem noch Ende des 7. Jahrhunderts gegründeten Klostergebäude ist nichts mehr, von den verschiedenen Kirchen nur noch der Alte Turm erhalten, der etwa 300 Jahre nach der Klostergründung als Doppelkapelle errichtet und in der Folgezeit mehrfach umgebaut wurde. Im Alten Turm wurde nach seiner Erbauung im 10. Jahrhundert der Leichnam des Klostergründers Liutwin/Lutwinus beigesetzt. Erhalten hat sich in umgestalteter Form die Gartenfläche des Klosters mit ihrem künstlich angelegten, vom Moselbach gespeisten Fischweiher, dem Langweiher.

Nach Liutwins Tod übernahm dessen Sohn Milo die Leitung der Bistümer Reims und Trier. Wie sein Vater stand Milo treu zu der Dynastie der Karolinger, zu der verwandtschaftliche Beziehungen bestanden. Vermutlich war Milos Schwester Chrodtrud die Großmutter Karls des Großen. Milo entsprach allerdings weniger den Vorstellungen der angelsächsischen Missionare von der Lebens- und Amtsführung eines Bischofs. Milo stattete seine Söhne mit Reimser Kirchengut aus. Bonifatius tadelte mehrfach Milos Amtsführung. Dennoch konnte sich Milo sowohl unter Karl Martell, als auch unter dessen Söhnen Karlmann und Pippin dem Jüngeren auf der Trierer Bischofskathedra halten. Milo starb bezeichnenderweise bei einem Jagdunfall im Meulenwald bei Trier-Ehrang um das Jahr 760.

Vermutlich aufgrund der engen Verbindung Karl Martells zur Familie Liutwins geriet die Abtei Mettlach in die Gütererwerbsbestrebungen der karolingischen Dynastie zu Lasten der Kirche. Um jederzeit einsatzbereite Berufskrieger zur Bewältigung innen- und außenpolitischer Probleme zur Verfügung zu haben, stattete Karl Martell diese mit Kirchengut aus. Zu diesem Kirchengut gehörte auch die Abtei Mettlach. Erst nachdem sich die karolingische Dynastie im Frankenreich konsolidiert hatte, wurde die Abtei Mettlach von Karl dem Großen wieder an das Bistum Trier zurückgegeben.Theo Raach: Kloster Mettlach/Saar und sein Grundbesitz, Untersuchungen zur Frühgeschichte und Grundherrschaft der ehemaligen Benediktinerabtei im Mittelalter (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 19), hrsg. von der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz 1974, S. 15.

Klosterort Mettlach Der Klosterort Mettlach war klein und beherbergte die Dienstleute des Klosters. Lediglich drei kleine Bebauungskerne an der Fähranlegestelle der Saar, am Weg nach Britten in der heutigen Heinertstraße sowie an der heutigen Bahnhofstraße und der Saaruferstraße bilden die Keimzelle der heutigen Ortsbebauung Mettlachs. Bis zur Industrialisierung Mettlachs durch die Keramikindustrie änderte sich diese Situation kaum. Um das Jahr 1800 hatte Mettlach zusammen mit dem Dorf Keuchingen auf der gegenüberliegenden Saarseite nur etwa 350 Einwohner. Keuchingen selbst bestand bis ins 19. Jahrhundert aus zwei Siedlungskernen, den Häusern am Saarufer, wo Fischer, Flößer und Fährmänner mit ihren Familien wohnten, und der bäuerlichen Siedlung am Kobersberg. Der Mettlacher Dorffriedhof befand sich wie heute am steilen Hang südlich des Klosters.Peter Gärtner: Der Mettlacher Talkessel, Eine geographische Skizze, in: Gemeindeverwaltung Mettlach (Hrsg.): 1300 Jahre Mettlach (Zehntes Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde im Kreis Merzig), Mettlach/Merzig 1975, S. 95–116, hier S. 109–110.

Bereits in den Jahren 757/768 brachte Lantbert, wohl ein Verwandter Liutwins und Stammvater der Widonen, das Kloster Mettlach in seinen Besitz. Vermutlich im Jahr 782 wies dann König Karl der Große die daraus abgeleiteten Ansprüche von Lantberts Söhnen, darunter Guido von Nantes, auf Mettlach ab. Danach übten noch im 9. Jahrhundert die Karolinger königliche Rechte in Mettlach aus, vor allem Kaiser Lothar I., der zu Beginn seiner Herrschaft den späteren Grafen Wido I. von Spoleto, den Enkel Guidos von Nantes, in den Besitz des Klosters setzte. Nach dem Ende des karolingischen Herrscherhauses war die Abtei Mettlach dann ein Eigenkloster des Bistums.

Ende der Personalunion Die Personalunion endete, als Bischof Ruotbert von Trier (931–956) dem Kloster die freie Abtwahl zugestand. Ruotbert war es auch, der eine bislang auf den Trierer Dom gerichtete Pfingstprozession aus dem Südosten der Diözese nach Mettlach umleitete und so die Tradition Mettlachs als Wallfahrtsort begründete.

Um das Jahr 990 baute Abt Lioffin (987–993) eine Marienkirche als Grabkirche des Gründers. Diese Kirche in Form eines Oktogons, nach dem Vorbild des Aachener Doms, ist heute als der Alte Turm bekannt und stellt das älteste erhaltene sakrale Bauwerk des Saarlandes dar. Der romanische Bau und eine in den 1220er Jahren erworbene Kreuzreliquie sind Zeugnisse der Bedeutung der Abtei im Mittelalter. Darüber hinaus sind es vor allem die aus Mettlach aus den Bereichen der Hagiographie und der Homiletik (Predigtlehre) stammenden Schriften, sowie der Briefwechsel mit Gerbert von Aurillac, dem späteren Papst Silvester II., die von Mettlachs Stellung in dieser Zeit zeugen.Hans-Walter Herrmann: Mettlach, in: Lexikon des Mittelalters (LexMA), Band 6, München/Zürich 1993, Sp. 585.

Früher Besitz Hinsichtlich der Erforschung des frühen Besitzes der Abtei Mettlach ergeben sich besonders aus der Tatsache Schwierigkeiten, dass die Leitung des Klosters und des Bistums in Personalunion verbunden waren. Da das Klostergut erst um die Mitte des 10. Jahrhunderts vom Bistumsgut getrennt worden war, können Verschiebungen der Besitzstruktur angenommen werden. Der Basisbesitz war vermutlich das Gebiet um Mettlach mit den später wüstgefallenen Siedlungen auf dem Bergrücken innerhalb der Saarschleife. Keuchingen wurde erst später vom Kloster erworben. Die Rechte des Klosters hinsichtlich der Orte Nohn, Büschdorf, Wehingen, Tünsdorf, Rech und Hilbringen lassen darauf schließen, dass Mettlach in diesem Gebiet ursprünglich über ein geschlossenes Territorium verfügte. Zur Liutwinschen Grundausstattung dürften auch die Grundherrschaft Wadern mit Kirche und Zehnten in zehn Dörfern sowie desgleichen in Losheim gerechnet werden. Roden kam erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts durch eine Schenkung von Berta, der Witwe des Grafen Folmar von Metz, hinzu.Theo Raach: Kloster Mettlach/Saar und sein Grundbesitz, Untersuchungen zur Frühgeschichte und Grundherrschaft der ehemaligen Benediktinerabtei im Mittelalter (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 19), hrsg. von der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz 1974, S. 127f.

Beitritt zur Bursfelder Kongregation

Im Jahr 1468 trat die Abtei unter Abt Arnold de Clivis der Bursfelder Kongregation bei und verblieb in diesem Klosterverband formell bis zu dessen Auflösung im Jahr 1802.

Die Blütezeit der Abtei lag in den ersten vier Jahrhunderten ihres Bestehens. Dabei lassen sich zwei Hochphasen ausmachen: Zum einen die Zeit der Gründung und Förderung durch Liutwin und zum anderen die Zeit nach der Zubilligung der freien Abtswahl im 10. und 11. Jahrhundert.Martin Klewitz: Zur Baugeschichte der Benediktinerabtei Mettlach, in: Gemeindeverwaltung Mettlach (Hrsg.): 1300 Jahre Mettlach (Zehntes Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde im Kreis Merzig), Mettlach/Merzig 1975, S. 81–93, hier S. 81.

Neuzeit Errichtung des barocken Abteigebäudes mini|Mettlach, Barockes Abteigebäude Im 18. Jahrhundert erfolgte die Errichtung der spätbarocken Abteigebäude durch den Baumeister der Abtei Wadgassen, den gebürtigen Ebernburger Johann Bernhard Trabucco (1685–1745), sowie den sächsischen Baumeister Christian Kretzschmar (* um 1700; † 1768). Nach Abbruch der mittelalterlichen Klausur, von der sich Fragmente erhalten haben, im Jahr 1728 unter Abt Ferdinand von Koeler († 1734) wurden die barocken Abteigebäude begonnen. An den Giebeln der Hofflügel befinden sich neben den entsprechenden Abtswappen die Jahreszahlen 1737 und 1771. Die maßgebliche Entwurfsleistung liegt bei Christian Kretschmar, bei dessen Tod im Jahr 1768 der Neubau noch nicht vollendet war. Der Bau der Abtei auf der Niederterrasse der Saar wurde nach dem Entwurf Kretzschmars weitergeführt, bis er im Jahr 1780 zum Erliegen kam.