Seit dem Mittelalter sind Mühlen in Leipzig nachgewiesen. Es waren Wassermühlen, und sie lagen alle westlich und nahe der Stadt. Das Betriebswasser wurde durch Mühlgräben aus dem überschwemmungsgefährdeten Auegebiet von Pleiße und Weißer Elster herangeführt. Da bis ins 19. Jahrhundert die Wasserkraft die wichtigste Energiequelle war, dienten die Mühlen nicht nur als Getreidemühlen, sondern auch zum Antrieb verschiedener anderer Gewerke. Die Regulierung der Wehre und Abwurfgräben sowie deren Pflege boten einen gewissen Hochwasserschutz.

Die wichtigsten Mühlen waren von Süd nach Nord die Nonnen-, die Thomas-, die Barfuß- und die Angermühle. Mit dem Spruch: „Thomas ging barfuß mit ’ner Nonne über’n Anger“ lernten die Leipziger Kinder ihre Namen.Ausstellung Wasser in Leipzig. Wegen des geringen Gefälles der Flüsse in der Leipziger Gegend hatten alle Mühlen unterschlächtige Wasserräder. Die Mühlen waren, obwohl nach dem Wachsen der Stadt bereits innerhalb des Stadtgebietes gelegen, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und in einem Falle noch darüber hinaus in Betrieb.

Mit der Eingemeindung der umliegenden Dörfer kamen weitere Mühlen zur Stadt, von denen die meisten aber nicht mehr betrieben wurden. Bis zur Aufhebung des Mahlzwangs und der Einführung der Gewerbefreiheit (in Sachsen 1838 bzw. 1861) blieb das Mühlengewerbe streng reglementiert. Die Mühlen gehörten zunächst den jeweiligen Grundherren. Das konnten Gutsbesitzer, Klöster (Angermühle, Nonnenmühle), aber auch die Stadtgemeinde sein. Während der Mühlbann den Einzugsbereich einer Mühle schützte, indem er den Bau weiterer Mühlen in dem betreffenden Gebiet untersagte, verpflichtete der Mahlzwang die Bauern, ihr Getreide in einer bestimmten Mühle mahlen zu lassen.

In Leipzig und in den Eingemeindungsgebieten gab es zahlreiche Windmühlen.

Historische Mühlen im alten Stadtgebiet Barfußmühle mini|Die Barfußmühle im Jahre 1898 mit der Matthäikirche im Hintergrund, vorn der Abschlaggraben Die Barfußmühle (auch Burg- oder Barfüßermühle) entstand in Verbindung mit der Burg Libzi, die im 10. Jahrhundert auf dem benachbarten Hügel, der später die Matthäikirche trug, errichtet worden war. () Sie dürfte damit die älteste Mühle in Leipzig gewesen sein.Grebenstein, Neue Ufer Heft 3. Zu ihrem Betrieb wurde ein Mühlgraben angelegt, der etwa im südlichen Drittel der heutigen Friedrich-Ebert-Straße vom damaligen Pleißenverlauf abzweigte (Kuhstrangwehr), um dann nördlich der Mühle in die Parthe zu münden.

1224 wurde die Burg geschleift und auf ihrem Gelände ein Franziskanerkloster errichtet. Da die Franziskaner auch Barfüßer genannt wurden, bürgerte sich für die benachbarte Mühle der Name Barfuß- oder Barfüßermühle ein, obwohl die Mühle nie dem Kloster gehört hat. Vielmehr schenkte Markgraf von Landsberg Friedrich (der Stammler) die Mühle samt dem benachbarten Naundörfchen dem Klarissenkloster Seußlitz bei Meißen. 1550 kam die Mühle an den Rat der Stadt Leipzig, der sie 1592 völlig neu aufbauen ließ. Nach einer Instandsetzung 1656 erhielt sie 1703 ihre endgültige Gestalt.

Von 1818 bis 1827 hatte auch die Pianoforte-Manufaktur von Johann Christian Gottlieb Irmler ihren Sitz in der Barfußmühle. Die Mühle wurde 1851 privatisiert. Im Jahr 1876 errichtete die Firma F. A. Sieglitz & Co. dort eine Rauchwaren-Färberei zum Zurichten und Färben von Pelzfellen. Aus Platzmangel und wegen „Ärgerüberschusses“ mit den Nachbarn – das Gerben von Fellen ist mit unangenehmen Gerüchen verbunden – zog man jedoch bald nach Plagwitz um.Walter Fellmann: Der Leipziger Brühl. VEB Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S. 100. 1897 kaufte der Leipziger Bauverein die Barfußmühle und ließ sie 1898 abbrechen. Der Mühlgraben wurde überwölbt. Auf dem Grundstück entstand 1907/1908 das Hauptgebäude der Leipziger Lebensversicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit (Alte Leipziger). Seit 2002 wird dieses Gebäude von der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig genutzt.

Angermühle mini|Die Angermühle im Jahr 1875 Die Angermühle hieß anfangs Jacobsmühle und wurde im Jahr 1165 erstmals erwähnt.Die Jacobs- oder Angermühle im Leipzig-Lexikon Ihren Namen erhielt sie nach der gegenüberliegenden Jacobskirche. Nachdem diese 1544 abgerissen worden war,Jacobskirche im Leipzig-Lexikon bürgerte sich der Name Angermühle ein. Die Angermühle lag an dem zu ihrem Betrieb errichteten Elstermühlgraben, der durch zwei Wehre (Steinernes und Hochzeitswehr) von den ehemaligen beiden Elsterarmen abgezweigt wurde, etwa auf dem heutigen Grundstück Jacobstraße 1. ()

Die Mühle gehörte dem Augustinerkloster St. Thomas, das sie im Jahr 1296 verkaufte. Danach war sie in Privatbesitz, bis sie die Stadt Leipzig im Jahr 1499 erwarb. Es wird angenommen, dass mit diesem Verkauf die Papierherstellung eingestellt wurde. Die Mühle wurde vorwiegend als Getreidemühle, aber auch als Gewürz-, Öl- und Tabakmühle genutzt. In ihrer Blütezeit hatte sie zehn Wasserräder, auf zwei Mahlgebäude zu beiden Seiten des Mühlgrabens verteilt. 1492 wurde hier das erste Papier in Leipzig hergestellt. Zur Mühle gehörte auch ein städtisches Brauhaus, in welchem der Rat im 17. Jahrhundert seine Münze einquartierte. Nach Bränden und Baufälligkeit wurde die Mühle mehrmals erneuert.

Nach der Verrohrung des Elstermühlgrabens im Zuge des Ausbaus des Ranstätter Steinwegs wurde die Angermühle 1879 abgebrochen. Am Haus Jacobstraße 1 ist eine Mühltafel aus dem Jahr 1701 erhalten.

Mit der Veröffentlichung einer sagenhaften Erzählung über Faustens Höllenzwang in der Angermühle zu Leipzig durch den Geographen und Universalgelehrten Johann Gottfried Gregorii alias MELISSANTES wurde der Mühle bereits 1712 ein literarisches Denkmal gesetzt.MELISSANTES, Der curieuse und gelehrte HISTORICUS ... Frankfurt, Leipzig [und Erfurt] 1712, S. 850 ff. Als populärer Fauststoff wurde die Sage in mehrere Sagenbücher des 19. Jahrhunderts übernommen.

Thomasmühle

Die Thomasmühle lag etwa 250 Meter südöstlich der Barfußmühle etwa auf dem Gelände des heutigen Neubaus Dittrichring 5–7 am wieder geöffneten Pleißemühlgraben (). Ihren Namen erhielt die Mühle nach der ihr in der Altstadt gegenüberliegenden Thomaskirche des ehemaligen Augustinerklosters St. Thomas. Sie war aber zu keiner Zeit Eigentum des Klosters. Sie wurde, obwohl wahrscheinlich bereits um 1200 errichtet, erstmals 1287 urkundlich erwähnt.

Zum Betrieb der Thomasmühle wurde die Wasserführung des Pleißemühlgrabens durch ein noch weiter südlich liegendes Wehr verstärkt, sodass bei Normalwasserstand nun das gesamte Wasser der Pleiße durch den Mühlgraben floss. Dadurch nahm der Mühlgraben bis ins 19. Jahrhundert den Namen Pleiße an. Nach einem Brand im Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1642 wurde die Mühle wieder aufgebaut.

Die Thomasmühle hatte wechselnde Eigentümer. 1832 wurde sie von Johann Gottlieb Schlobach (1784–1866) und seiner Frau Johanne Christiane Schlobach geb. Heidenreuter (1793–1881) gepachtet. Sie kauften die Mühle 1845. Ihr Sohn Franz Schlobach (1824–1907) wollte ein Säge- und Furnierwerk in der Mühle einrichten, gründete dieses aber schließlich 1846 unter dem Namen Franz Schlobach Säge- und Furnierwerke in der seit dem 13. Jahrhundert bestehenden Böhlitzer Getreide- und Ölmühle in Böhlitz-Ehrenberg.

Die Thomasmühle wurde von der Familie Schlobach 1885 an Franz Lucke (1857–1927) verpachtet, der später die Mühlen in Knauthain, Knautkleeberg und Stahmeln erwarb. Lucke installierte mit Schlobachs Zustimmung 1887 eine Dampfmaschine und 1893 eine elektrische Dynamomaschine für die Beleuchtung der Mühle. Am 1. Juli 1897 wurde die Thomasmühle vom letzten Besitzer der Familie Schlobach, Paul Georg Otto Schlobach (1857–1906), Enkel von Johann Gottlieb und Johanne Christiane Schlobach, mit den anliegenden Grundstücken an die Stadt verkauft. Die Stadt führte den Pachtvertrag mit Lucke fort.

Nach der Modernisierung der Turbinenanlage war die Mühle bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in Betrieb. Das Turbinenrad wurde 1995 bei Bauarbeiten geborgen und ist auf dem Gelände der Dölitzer Wassermühle ausgestellt.

Nonnenmühle Vor 1230 war ein Zisterzienserinnenkloster von Hohenlohe nach Leipzig verlegt worden. 1241 erhielten die Nonnen dieses Georgenklosters von Markgraf Heinrich von Meißen die Mühle des südlich von Leipzig gelegenen Dorfes Lusitz.Äußere Südvorstadt, Pro Leipzig 1998, S. 4 Doch bereits 1287 gaben sie diese auf und errichteten in unmittelbarer Nähe ihres Klosters an der Stelle der späteren Karl-Tauchnitz-Brücke eine neue Mühle, die Nonnenmühle. () Für die Nonnenmühle wurde ein neues Mühlgrabenstück mit weiter südlich gelegenem Pleißeabfluss angelegt und das Unterwasser der Mühle in den bestehenden Mühlgraben eingebunden. So entstand der etwa dem heutigen Pleißemühlgraben entsprechende Verlauf.

Nach der Einführung der Reformation kam die Mühle 1543 zusammen mit dem Kloster an die Stadt. Nach Zerstörungen sowohl im Schmalkaldischen als auch im Dreißigjährigen Krieg wurde die Mühle wieder aufgebaut. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in der Nonnenmühle auch Pappe, Buchbinderpappe und Dachpappe hergestellt. Im Unterwasser der Mühle war eine Badeanstalt eingerichtet. Mit der Anlage von Karl-Tauchnitz-Straße und -Brücke wurde die Mühle 1890 abgerissen.

Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert befanden sich auf dem Gelände der Nonnenmühle bzw. unweit davon die beiden städtischen Wasserkünste, genannt die Rote und die Schwarze Wasserkunst, welche der Wasserversorgung der Stadt dienten.

An die Mühle erinnern noch die in der Nähe gelegene Nonnenmühlgasse und eine kleine Installation von Wasserrädern im wieder geöffneten Pleißemühlgraben an der Stelle der Mühle.

Poliermühle 1454 stellte der Rat der Stadt für die Reparatur und Pflege seiner Harnische, Panzer und Gerätschaften einen Plattner ein. Dieser benötigte eine Poliereinrichtung, die üblicherweise von einem Wasserrad angetrieben wurde. Da die Stadt Leipzig zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Besitz einer eigenen Mühle und die Errichtung einer weiteren Mühle an den Mühlgräben nicht möglich war, stationierte man eine Schiffsmühle im Pleißemühlgraben in der Nähe der Brücke des Ranstädter Steinwegs über denselben. () Nach der Beschädigung durch ein Hochwasser im Jahr 1683 wurde die Mühle nicht wieder aufgebaut, da inzwischen in der Anger- und der Barfußmühle, die nun der Stadt gehörten, Polieranlagen vorhanden waren.

Rossmühle mini|Der Eselsplatz mit der Rossmühle (links) gegenüber dem Kleinen Kolleg, um 1830 Leipzig besaß bis ins 19. Jahrhundert auch eine weder mit Wasser noch durch Wind angetriebene Mühle. Ein Pferdegöpel lieferte die Antriebskraft und damit den Namen „Rossmühle“. Sie lag am Eselsplatz gegenüber dem Kleinen Kolleg der Universität. () Der Eselsplatz hieß später Ritterplatz und ist der Abzweig der Ritterstraße zur Goethestraße. Es wird vermutet, dass der Name Eselsplatz auf die wartenden Tiere zum An- bzw. Abtransport der Getreide- und Mehlsäcke zurückzuführen ist. Auf einem Leipziger Stadtplan von 1757 wird die Mühle als „moulin a chevaux“ (Pferdemühle) aufgeführt.Plan de Leipzig 1757, digitalisiert in der SLUB

Der Gebäudekomplex mit der Rossmühle musste zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Bau der Georgenhalle weichen.

Mühlen in später eingemeindeten Ortsteilen An der Pleiße Die drei am Ostrand der Pleißenaue gelegenen Dörfer Dölitz, Lößnig und Connewitz legten in einer Gemeinschaftsarbeit zwischen 1200 und 1250 einen Mühlgraben an, die heutige Mühlpleiße. Jedes der Dörfer bzw. Rittergüter betrieb an ihm eine Mühle.