mini|Dieter Hallervorden, 2025 rahmenlos|zentriert|hochkant|klasse=skin-invert-image notpageimage|Unterschrift von Dieter Hallervorden

Dieter Jürgen „Didi“ Hallervorden (* 5. September 1935 in Dessau) ist ein deutscher Schauspieler, Kabarettist, Sänger, Synchronsprecher und Moderator. Er ist Leiter des Schlosspark Theaters in Berlin.

Große Popularität im deutschsprachigen Raum erlangte Hallervorden Mitte der 1970er-Jahre mit der Slapstick-Reihe Nonstop Nonsens und seiner Figur Didi. In den frühen 2010er-Jahren konnte er sich verstärkt als Charakterdarsteller von ernsthaften Rollen in Filmen wie Sein letztes Rennen (2013) und Honig im Kopf (2014) etablieren.

Leben Dieter Hallervorden wurde 1935 in Dessau als Sohn des Flugzeugkonstrukteurs Kurt Hallervorden und dessen Frau, der Arzthelferin Susanne Bergert, geboren.CineGraph, Lg. 58. Er hat zwei Schwestern. Sein Großvater Hans Hallervorden war Landschaftsarchitekt der Joachim-Ernst-Stiftung im Wörlitzer Park. Wegen der Luftangriffe auf Dessau verbrachte Dieter Hallervorden während des Zweiten Weltkriegs einen Teil seiner Kindheit in Quedlinburg. Nach dem Ende des Krieges kehrte er nach Dessau zurück und schloss dort 1953 seine Schulausbildung mit dem Abitur an der Oberschule Philanthropinum ab.

Anschließend begann Hallervorden ein Studium der Romanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und begegnete dort Victor Klemperer, der einen großen Eindruck auf ihn machte. Nach seiner Flucht aus der DDR im Jahr 1958 setzte er an der Freien Universität in West-Berlin sein Studium zunächst fort, später nahm er Unterricht bei der Schauspiellehrerin Marlise Ludwig. Während seines Studiums wurde er Mitglied der Berliner Burschenschaft Rugia. In dieser Lebensphase entwickelte er gemeinsam mit seinem Bundesbruder Kurt Eberhard Pläne zur Ermordung von Walter Ulbricht, die jedoch nie umgesetzt wurden.

Nachdem Bewerbungen an der Max-Reinhardt-Schauspielschule sowie beim Berliner Kabarett Die Stachelschweine erfolglos gewesen waren, gründete er in West-Berlin 1960 die Kabarettbühne Die Wühlmäuse, der er bis heute als Direktor vorsteht. 1966 wurde Hallervorden während eines Auftritts in Berlin wegen Mordverdachts verhaftet, nachdem ihn die Bild mit dem gewaltsamen Tod einer Prostituierten in Verbindung gebracht hatte. Kurz darauf wurde er freigelassen, für den Vorwurf gegen ihn gab es keine Beweise; die ihn belastende Zeugin war unglaubwürdig.

Dieter Hallervorden hat drei Kinder: Dieter Hallervorden junior (* 1963) und Nathalie Hallervorden (* 1966) aus seiner ersten Ehe mit Rotraud Schindler (* 1940) und Johannes Hallervorden (* 1998) von seiner zweiten Frau Elena Blume (* 1961), mit der er 25 Jahre verheiratet war.

Seit Juni 2022 ist er mit der ehemaligen Stuntfrau Christiane Zander (* 1966) verheiratet, mit der er seit etwa 2015 liiert war.Schauspieler und Komiker Dieter Hallervorden liebt eine Stuntfrau, Der Spiegel 10. Juli 2016Glücklich verliebt: Didi Hallervorden: Das ist seine schöne Freundin Christiane, promipool.de, 2. Februar 2021Dieter Hallervorden hat wieder Ja gesagt, t-online, 12. Juni 2022. Hallervorden wohnt abwechselnd in Berlin und im Schloss Costaérès (Bretagne), das er 1988 erworben hat.

mini|Dieter Hallervorden mit seiner Frau Christiane Zander (2022)

Karriere Film, Fernsehen und Synchron Seinen ersten Leinwandauftritt hatte Dieter „Didi“ Hallervorden 1960 in einer winzigen Rolle als Fotojournalist im Spielfilm Die 1000 Augen des Dr. Mabuse. Schon bald nach Gründung der Wühlmäuse folgten Film- und Fernsehauftritte, unter anderem im Fernsehfilm Das Millionenspiel, in dem er den Gangsterboss Köhler spielte. 1972 hatte er eine Nebenrolle in Polanskis Was? 1974 sah man ihn neben Arno Assmann im Fernseh-Thriller Der Springteufel als einen aus der Irrenanstalt entflohenen Anhalter. In den Serien Abramakabra, Grand Gala und Das Läster-Lexikon profilierte er sich als Satiriker und Komiker.

Sein Durchbruch folgte 1975 mit der Slapstick-Reihe Nonstop Nonsens des Süddeutschen Rundfunks. Zu den bekanntesten Sketchen der Reihe zählen der Zumsel, Palim-Palim und Die Kuh Elsa. Zudem gab es einen Vorabfilm zu der Serie mit dem Titel Herr S. kommt nicht zum Zuge.

Ab 1980 widmete sich Hallervorden als Drehbuchautor und Schauspieler hauptsächlich dem Kino und entwickelte dort die tollpatschige Figur Didi weiter, die durch Nonstop Nonsens zu seinem Markenzeichen geworden war. Im Film Didi – Der Doppelgänger, der 1984 in die Kinos kam, spielte er die Hauptrolle. In dieser deutschen Verwechslungskomödie, die Hallervorden noch populärer machte, wirkte er zudem als Drehbuchautor mit.

1992 kehrte er zum politischen Kabarett zurück, zunächst auf Sat.1 mit 21 Folgen der Sendung Spottschau und von 1994 bis 2003 im Ersten mit Hallervordens Spott-Light. Für die ARD moderierte er von 1996 bis 1997 die Sendung Verstehen Sie Spaß? und produzierte 2000 zwölf Folgen der von Frank Lüdecke geschriebenen Familien-Komödie Zebralla! Von 2005 bis 2010 gehörte er zum Team der Comedy-Falle auf Sat.1. In der 2011 auf ProSieben erstausgestrahlten zweiten Staffel des Comedy-Formats Old Ass Bastards war Hallervorden mit anderen prominenten Gaststars wie Erika Berger und Ingrid van Bergen zu sehen.

mini|hochkant|Dieter Hallervorden, 2016

Ab 2010 übernahm Hallervorden verstärkt ernsthafte Rollen in Kino- und Fernsehproduktionen, für die er auch Auszeichnungen erhielt. 2011 spielte er unter der Regie von Wolfgang Eißler den König in dem Märchenfilm Die zertanzten Schuhe. 2012 verkörperte er einen Kinderschänder in dem Thriller Das Kind. 2013 übernahm er als Paul Averhoff die Hauptrolle eines Olympiasiegers im Marathonlauf in dem Filmdrama Sein letztes Rennen. 2014 stellte er die Rolle des schwer an Alzheimer erkrankten Amandus in Til Schweigers Tragikomödie Honig im Kopf dar. 2016 spielte er in der Filmkomödie Ostfriesisch für Anfänger den plattdeutschsprechenden „letzten Ostfriesen“ Uwe Hinrichs. 2019 spielte er in Marco Petrys Fernsehkomödie Mein Freund, das Ekel an der Seite von Alwara Höfels den grantigen Rentner Olaf Hintz. 2021 wurde der Film mit ihm mit einer sechsteiligen Fernsehserie fortgesetzt.Mein Freund, das Ekel / Die Erfolgskomödie mit Dieter Hallervorden und Alwara Höfels wird zur Serie Presseportal, abgerufen am 9. Dezember 2020.

mini|Dieter Hallervorden (2023)

Im Frühjahr 2020 nahm er als Chamäleon verkleidet an der zweiten Staffel der ProSieben-Sendung The Masked Singer teil. Er belegte den fünften Platz von zehn Teilnehmern.Das Chamäleon ist enttarnt. Spiegel online, 22. April 2020, abgerufen am 22. April 2020. Hallervorden betätigt sich daneben als Synchronsprecher. Er ist die deutsche Stimme von Marty Feldman in dessen Fernsehserie Marty und die von sämtlichen Figuren in der Kinderserie Die Wombles. Seit September 2008 spricht Hallervorden für den KiKA die Figur des „Professor Gehirnkopf“ in der Zeichentrick-Serie Cosmic Quantum Ray.

Theater mini|hochkant|Dieter Hallervorden in den 1970er-Jahren Erste Erfahrungen als Theaterschauspieler sammelte Hallervorden an der Berliner Tribüne und an der Vagantenbühne. Mit seinem musikalischen Solo-Programm Mit dem Gesicht sowie mit den Boulevard-Komödien Dinner für Spinner und Die Nervensäge feierte er große Erfolge in seinem Theater Die Wühlmäuse in Berlin und im Anhaltischen Theater in seiner Heimatstadt Dessau.

In seiner Funktion als Leiter des Kabarett-Theaters Die Wühlmäuse sorgte Hallervorden im Mai 1992 für öffentliches Aufsehen, als er der Chansonsängerin Evelyn Künneke ein Hausverbot aussprach und eine geplante Zusammenarbeit kurzfristig aufkündigte. Hintergrund war eine hochemotional geführte Debatte um das Erbe der kurz zuvor verstorbenen Marlene Dietrich. Hallervorden warf Künneke vor, durch kritische Äußerungen das Andenken der Künstlerin „beschmutzt“ zu haben, und positionierte sich damit deutlich innerhalb der Berliner Kulturszene als Verteidiger von Dietrichs Ruf.

Seit 2001 veranstaltet das Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“ in jedem Jahr Das große Kleinkunstfestival unter Leitung von Dieter Hallervorden. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden treten fünf Künstler gegeneinander an, um den Jury- und den Publikumspreis für sich zu gewinnen. Der Berlin-Preis und der Ehren-Preis gehen an gestandene Comedians und Kabarettisten. Weitere Künstler und „handverlesene“ Nachwuchstalente tragen zur Abendunterhaltung durch Gastauftritte bei. Als Moderator fungiert Dieter Nuhr. Seine Autobiografie Wer immer schmunzelnd sich bemüht … erschien Anfang September 2005 zu seinem 70. Geburtstag. Sein autobiografisches Kabarettprogramm Stationen eines Komödianten, das er gemeinsam mit Harald Effenberg aufführt, hatte im Februar 2008 in Berlin Premiere.

Ende 2008 vergab die Stadt Berlin das Schlosspark Theater nach einer Ausschreibung an Hallervorden, der einen zehnjährigen Mietvertrag unterschrieb und mit privatem Geld Umbauarbeiten am Theater durchführen ließ. Ihm wurden fünf Jahre Mietbefreiung gewährt. Im September 2009 nahm die Spielstätte ihren vollen Spielbetrieb wieder auf. Neben zahlreichen Gastspielen von prominenten Kollegen steht Hallervorden auch selber auf der Bühne. Ende 2011/Anfang 2012 gab es Rassismus-Vorwürfe seitens Bühnenwatch gegen Dieter Hallervorden und Joachim Bliese, da in dem Theaterstück Ich bin nicht Rappaport die Figur des schwarzen Midge Carter mit Bliese als Blackface besetzt worden war.

Im Januar 2015 geriet Hallervorden in ähnlicher Thematik in die Schlagzeilen. Die Berliner BVG hatte von Prominenten Durchsagen der U-Bahnhöfe machen lassen. Hallervorden kündigte die Mohrenstraße an, für deren Umbenennung sich der Verein Berlin Postkolonial seit längerem einsetzte und dementsprechend angesichts der Blackfacing-Debatte von 2012 protestierte.

Anlässlich der Corona-Krise rief Hallervorden im April 2020 das Projekt Geist mit Humor ins Leben, das live aus dem Berliner Schlosspark Theater übertragen wurde. Die Aufführungen wurden ohne Publikum präsentiert und auf Facebook und YouTube übertragen. Im September 2022 eröffnete Hallervorden in seiner Heimatstadt Dessau sein Mitteldeutsches Theater in der Marienkirche. In der Spielzeit 2022/23 war Hallervorden im Theater Hof als Erzähler im Musical Jack the Ripper zu hören.

Am 1. September 2025 wurde mit Hallervorden – Didi gegen den Rest der Welt ein Dokumentarfilm, der das Leben Hallervordens anlässlich seines 90. Geburtstag nachzeichnet, auf Das Erste erstmals ausgestrahlt.

An seinem 90. Geburtstag, dem 5. September 2025, war Hallervorden in der Erstaufführung am Schlosspark Theater in der Hauptrolle von Der eingebildete Kranke von Molière zu sehen.

mini|Dieter Hallervorden, fotografiert von Oliver Mark, 2013

Musik Dieter Hallervorden veröffentlichte eine Reihe von Musiktiteln, unter anderem Ich bin der schönste Mann in unserer Mietskaserne (1976), Du, die Wanne ist voll (1978, Duett mit Helga Feddersen, eine Parodie auf You’re the One That I Want), Fatima – Heut’ ist Ramadan (1978, eine Parodie auf Arabian Affair von The Abdul Hassan Orchestra), Punker Maria (1980, eine Parodie auf Santa Maria von Oliver Onions bzw. Roland Kaiser), Super Dudler (1980, eine Parodie auf Super Trouper von ABBA), Wo ist mein Toupet? (1981, eine Parodie auf Rain in May von Max Werner) und Der Würger vom Finanzamt (1982).

In der ARD-Fernsehsendung Wunderland sang er in den 1980er-Jahren das Lied von Till Eulenspiegel. 1984 erschien die Filmmusik Didi – Der Doppelgänger zum gleichnamigen Kinofilm. Hallervorden sang dort die Titelmelodie, die von Harold Faltermeyer komponiert und produziert wurde. Im November 2021 erschien sein Album 80 plus, das sich auf Platz 44 der Deutschen Albumcharts platzierte.

Politisches und gesellschaftliches Engagement