Tettnang ist mit rund 20.000 Einwohnern die drittgrößte und mit 71,25 km² die flächengrößte Stadt im Bodenseekreis in Baden-Württemberg. Die Stadt gibt dem Hopfenanbaugebiet Tettnang seinen Namen. Seit 2025 führt die Stadt die Zusatzbezeichnung Hopfenstadt.Bekanntmachung des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen vom 17. November 2025, Az. IM2-2200-6, GABl. vom 26. November 2025, S. 878.

Geographie Lage Die Stadt liegt im Schussental, neun Kilometer nordöstlich von Friedrichshafen und 13 Kilometer südlich von Ravensburg im Hinterland des Bodensees, etwa 70 Höhenmeter über dem See. Von manchem Standort aus bietet sich daher ein weiter Panoramablick auf das „Schwäbische Meer“ und die Alpenkette, vor allem auf die Berge in Österreich und der Schweiz. Im Südosten des Gemeindegebiets liegt der Tettnanger Teil des landschaftlich geschützten Argentals, in dem sich mehrere Burgruinen und Schlösser befinden. Nur wenige Kilometer östlich von Tettnang beginnen die ersten Ausläufer des Allgäus.

Stadtgliederung Zum Stadtbezirk gehören der Stadtteil Bechlingen, die Siedlung Bürgermoos, die Weiler Baumgarten, Bernau, Blumenrain, Brünnensweiler, Büchel, Feurenmoos, Fünfehrlen, Gemertsweiler, Hagenbuchen, Höll, Missenhardt, Moos, Neuhäusle, Neuhalden, Reutenen, Ried, Wagnerberg und Zimmerberg, die Höfe Argenhardt, Oberhof, Schäferhof, Schöneck und Waldhub sowie die Häuser Frohe Aussicht, Irrmannsberg, Kaltenberg und Venushalde. Daneben gibt es noch drei Ortschaften: Kau mit den Wohnplätzen Pfingstweid, Walchesreute und Motzenhaus Langnau mit den Dörfern Hiltensweiler, Laimnau und Oberlangnau, den Weilern Apflau, Badhütten, Bleichnau, Busenhaus, Degersee, Dentenweiler, Echetweiler, Gitzensteig, Götzenweiler, Heggelbach, Muttelsee, Oberwolfertsweiler, Rappertsweiler, Rattenweiler, Reichen, Rudenweiler, Saßenweiler, Steinenbach, Unterlangnau, Unterwolfertsweiler, Wellmutsweiler, Wettis, Wielandsweiler, Wiesach und Wolfratz sowie dem Gehöft Hinterberg Tannau mit den Weilern Alberweiler, Bachmaier, Baldensweiler, Biggenmoos, Dietmannsweiler, Enzisweiler, Flockenbach, Gebhardsweiler, Herishäusern, Herrgottsweiler, Holzhäusern, Iglerberg, Krumbach, Matzenhaus, Mehrenberg, Notzenhaus, Obereisenbach, Prestenberg, Schierlingen, Schübel, Schwanden, Siggenweiler, Straß, Untereisenbach, Vorderreute, Wiedenbach und Wiesertsweiler sowie den Höfen Burnau, Gesnauwiesen, Hübschenberg, Loderhof, Scheiben, Schletterholz, Stiefel und Ucht.

Schutzgebiete Auf dem Gebiet der Stadt Tettnang sind (Stand 31. Oktober 2011) neun Naturschutzgebiete (Argen, Birkenweiher, Buchbach, Hirrensee, Knellesberger Moos, Loderhof-Weiher, Matzenhauser Mahlweiher, Schachried und Wasenmoos), sieben Landschaftsschutzgebiete (darunter Seenplatte und Hügelland südlich der Argen und Nonnenbachtal), zwei flächenhafte und 16 Einzelgebilde-Naturdenkmäler ausgewiesen.

Klima

Geschichte Mittelalter Tettnang wurde unter dem Namen „Tettinanc“ im Jahr 882 in einer in Wasserburg ausgestellten Urkunde des Großbauern Cunzo und des Klosters St. Gallen zum ersten Mal offiziell erwähnt. Diese bestätigte die Übergabe von Land in Cunzos Besitz an das Kloster, um es unter dessen Schutz zu stellen. Der Großbauer durfte das Land gegen Zahlung von Zinsen allerdings weiter nutzen, er hatte darauf auch ein Rückkaufsrecht. Des Weiteren ist von einem Besitz von zwei Huben (Hufen) des Stiftes Lindau zu lesen. Zwischen 1112 und 1154 wurde eine Burg in Tettnang gebaut, die das Zentrum einer neuen Grafschaft Tettnang bildete. Deren Graf Kuno, in zwei Urkunden König Friedrichs I. Barbarossa erwähnt, regte die Ansiedlung der ersten Ministerialen an. Über die Grafschaft Bregenz kam Tettnang an Hugo I., den ersten Grafen von Montfort. Dessen Enkel Hugo III. von Montfort erhielt bei der Teilung der Grafschaft die Gebiete um Tettnang, war also Begründer der sogenannten „Tettnanger Linie“. Er initiierte Ende des 12. Jahrhunderts die Anlegung eines Marktes in Tettnang, da die Lage an der Fernstraße Ulm-Ravensburg-Lindau günstig erschien. Mit der Verleihung des Marktrechts wurde auch ein Gericht notwendig, das in entsprechenden Streitfällen Recht sprechen konnte.

Der Markt war die Grundlage zur Verleihung des Stadtrechts, die in einer am 1. Dezember 1297 durch König Adolf von Nassau ausgestellten Urkunde ihren formalen Abschluss fand. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete Hugo VI., der während seines Studiums in Bologna das italienische Stadtrecht studierte, das zu jener Zeit weiter entwickelt war. Das Original der Urkunde ist nicht erhalten, lediglich einige Kopien aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Nachdem die Habsburger Adolf von Nassau in der Schlacht bei Göllheim 1298 besiegt und den Königsthron in Besitz genommen hatten, bestätigte König Albrecht I. 1304 das Stadtprivileg Tettnangs. Darüber hinaus erteilte er das Recht auf einen Wochenmarkt.Peter Eitel: Die Städte der Grafen von Montfort in Oberschwaben. In: Decker-Hauff, Hansmartin, Franz Quarthal, Wilfried Setzler (Hrsg.): Die Pfalzgrafen von Tübingen. Städtepolitik, Pfalzgrafenamt, Adelsherrschaft im Breisgau. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1981, 29–38 1309 starb Hugo III.; sein Sohn Wilhelm II. erbte dessen Herrschaftsgebiet und damit auch Tettnang. In dem Thronstreit zwischen Friedrich dem Schönen und Ludwig dem Bayern stellte er sich zunächst auf die Seite der Habsburger, lief 1319 jedoch zu Ludwig über. Daher wurde die Stadt 1322 von dem Habsburger Herzog Leopold belagert und völlig zerstört. 1330 erteilte Kaiser Ludwig ein Privileg die Wehranlagen wiederherzustellen. Nach dem Wiederaufbau sah die Stadt Tettnang einem weiteren Problem entgegen, da viele Tettnanger Bürger in die benachbarten Reichsstädte Lindau, Ravensburg, Buchhorn und Wangen flohen, um sich mehr Rechte und Privilegien zu sichern.

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, setzte Heinrich IV. von Montfort 1379 eine städtische Verfassung ein, die mehr Privilegien für die Bürger gewährte. Im Wesentlichen entsprach sie dem Freiheitsbrief der Feldkircher Linie des Hauses Montfort. Sie enthielt die Festsetzung von Steuern, ein neues Erbrecht sowie die Befreiung von fremden Gerichten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden verschiedene zeitlich befristete Städtebünde, die den Landfrieden sichern sollten. So gehörte Tettnang unter anderem zum Schwäbischen Städtebund und zum Bund der Bodenseestädte. Das Stadtrecht wurde unter Wilhelm V. zu einem undatierten Zeitpunkt erweitert, um Ruhe und Ordnung des Marktes aufrechtzuerhalten. Aus diesen Entwicklungen sowie der Schaffung von Jahrmärkten resultierte ein wirtschaftlicher Aufschwung, der mit der Belebung des Handels einherging. Nach vielen Streitigkeiten um Grenzen und Rechtsverteilungen mit der Stadt Lindau kam es 1429 zu einem großen Konflikt der beiden Städte, der in einer Belagerung Tettnangs und dem Mord an Wilhelms unehelichem Sohn seinen Höhepunkt fand.

Nach dem Tod Wilhelms V. teilten seine Söhne Montfort in drei Komplexe: Tettnang, Rothenfels mit Wasserburg und Langenargen, sowie Werdenberg mit den rätischen Besitzungen. Ulrich V. (1440–1495) und dessen Sohn Ulrich VII. (1495–1520) widmeten sich daher Tettnang, das Hauptstadt der verkleinerten Grafschaft Montfort-Tettnang geworden war. Mit der Festigung der Rolle eines Bürgerrates, des Bürgermeisters und des Ammanns stabilisierten sie so die städtische Selbstverwaltung. An Kunst interessiert und daher beim Adel hoch geachtet, schufen die beiden das Torschloss und die Pfarrkirche St. Gallus und traten als Auftraggeber des Malers Bernhard Strigel hervor. Auch Kaiser Maximilian I. würdigte den kulturellen Aufschwung durch Besuche 1499 und 1516.

Frühe Neuzeit und Bauernkrieg

mini|Versammlung der Bauern auf dem Rappertsweiler Blasenberg

Die Tettnanger Ortschaft Rappertsweiler war im Deutschen Bauernkrieg von 1524/25 Ausgangspunkt der Erhebung im südlichen Oberschwaben. Am 21. Februar 1525 versammelten sich auf dem dortigen Blasenberg rund 8000 Bauern, was wenige Tage später zur Gründung des Seehaufens führte. Die meisten von ihnen waren Untertanen des Grafen Montfort, der sie zuvor um angestammte Rechte lokaler Selbstverwaltung gebracht hatte. In der Folgezeit schlossen sich auch Tettnanger Bürger dem Aufstand an. Nach der weitgehend friedlichen Übergabe mehrerer Schlösser im Argental wurde im März auch das Tettnanger Schloss den Aufständischen übergeben, die Dienstleute der Grafenfamilie mussten einen Eid auf die Bauern ablegen.

Eines der neun Siegel auf dem Weingartener Vertrag, der das Ende des Aufstands in Oberschwaben einläutete, ist jenes der Stadt Tettnang, die damals unter Kontrolle des Seehaufens stand. Der Graf von Montfort, der als Vermittler an den Verhandlungen beteiligt war, gab dem Vertrag ebenfalls sein Siegel. Darüber hinaus werden für den Platz Tettnang die Bauernhauptleute Christian Ruepp, Hans Gerber und Ruedolf Scherer von Tettnang im Vertrag genannt.

Neuzeit Nach dem Tod Ulrichs VII. trat eine Besonderheit ein. Für sechs Jahre hatte dessen Frau Magdalena von Öttingen, die als emanzipiert beschrieben wird,Eine Legende besagt, dass sie ihren Ehemann heftig beschimpfte, als er ihre gemeinsame Tochter zwangsverheiraten wollte die Position der Stadtregentin inne. Nach ihrem Tod belehnte Kaiser Karl V. ihren Neffen Hugo XVI. mit Tettnang. Zur Zeit der Reformation war der Langenargener Urbanus Rhegius besonders in Tettnang tätig, wo er versuchte seine Schriften zu publizieren.Schieß: Briefwechsel. Band 1, S. 92–94

mini|hochkant|Magdalena von Öttingen

1780 traten die verschuldeten Grafen ihre Besitztümer an Österreich ab. Das Haus Österreich gliederte die Stadt samt der neu gebildeten Reichsgrafschaft Tettnang, die ein geschlossenes Gebiet am mittleren Nordufer des Bodensees bis nach Wasserburg umfasste, den Schwäbischen Vorlanden an. 1805 fiel Tettnang mit dem Pressburger Frieden an das Königreich Bayern, welches das Landgericht Tettnang einrichtete. Von Bayern gelangte Tettnang fünf Jahre später aufgrund des Grenzvertrags von 1810 an das Königreich Württemberg. Nun wurde Tettnang Sitz des neuen württembergischen Oberamts gleichen Namens. 1895 erhielt Tettnang vermittels einer privatwirtschaftlich betriebenen Stichbahn von Meckenbeuren Anschluss an das Schienennetz der Württembergischen Eisenbahn.

Bei der ersten Gemeindewahl zu der Frauen in Tettnang zugelassen waren am 20. Mai 1919 erhielt die Tettnanger Hausfrau Maria Leuthi von der Bürgerliche Wählervereinigung 660 Stimmen und gehörte dem Tettnanger Rat bis 1922 an. Sie war die einzige Gemeinderätin bis 1946.

Durch die Verwaltungsreformen während der NS-Zeit in Württemberg wurde das Oberamt Tettnang 1934 in Kreis Tettnang umbenannt und 1938 in den Landkreis Friedrichshafen überführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Kreisverwaltung 1945 von Friedrichshafen zurück nach Tettnang. Die Stadt war in die Französische Besatzungszone gefallen und wurde somit 1947 dem neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern zugeordnet, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging. Der Landkreis Tettnang kam 1973 im Zuge der Landkreisreform zum Bodenseekreis, Tettnang gab die Funktion als Kreisstadt an Friedrichshafen ab.

Bei Tettnang befinden sich die Reste folgender Burgen: Ruine Altsummerau, Burg Drachenstein und Burgrest Neusummerau.

Eingemeindungen 1. Mai 1972: Tannau 1. September 1972: Langnau 1975: Kau

Einwohnerentwicklung Jahr 1450 1823 1848 1895 1960 1970 1990 1995 2000 EinwohnerEinwohnerstatistik Statistisches Landesamt Baden-Württemberg ~ 650 1325 ~ 1400 2492 7115 9000 16.251 16.614 17.432 Jahr 2005 2010 2015 2020 2023 2024 Einwohner 18.323 18.806 18.975 19.589 20.682 20.843

Religionen Zur Zeit der Stadterhebung erlebte Tettnang auch einen religiösen Aufschwung. Neben dem Leutpriester Gerboldus, der 1246 das erste Mal erwähnt wird, bestimmte Hugo III. seinen Sohn Hugo IV. für die geistliche Laufbahn. Diesem Beispiel folgten auch einige Ministeriale.