mini|130px|Schnittzeichnung einer 7,5 cm Pzgr. 39 (nur das Projektil, ohne Hülse)
1 – Bodenzünder 2 – Leuchtspursatz 3 – Führungsband 4 – Sprengstofffüllung 5 – Eisenkörper 6 – Weicheisenkappe 7 – Ballistische Haube
Die Panzergranate 39 (kurz PzGr. 39 oder Pzgr. 39) war eine deutsche Standardgranate, die im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde. Sie wurde in verschiedenen Kalibern gefertigt und war eine der am häufigsten verwendeten panzerbrechenden Granaten im direkten Feuerkampf gegen gepanzerte Gefechtsfahrzeuge. Äußerlich ähnelte das Projektil der PzGr. 40 und wurde vornehmlich als Granatpatrone aus Kampfwagenkanonen (KwK), Panzerjägerkanonen (PjK) und Panzerabwehrkanonen (PaK) verschossen. Bis Kriegsende kam es mehrfach zu Änderungen.
Aufbau und Technik Die Granate würde nach heutiger Nomenklatur als APCBC-HE-T (Armour Piercing Capped Ballistic Cap - High Explosive - Tracer; panzerbrechend, mit Kappe und ballistischer Haube - hochexplosiv - Leuchtspur) bezeichnet werden.
Konstruktiv bedeutet dies, dass der gehärtete, eigentliche panzerbrechende Wirkkörper („Penetrator“) mit einer Kappe aus weicherem Material versehen war, die den Aufprallschock dämpfte und den eigentlichen Wirkkörper schützte. Um die dadurch verschlechterte Aerodynamik wieder auszugleichen, wurde sie mit einer weiteren Ummantelung, der ballistischen Haube, versehen, um die Ballistik zu optimieren („APCBC“). Die Wirkung auf Panzerung entspricht der eines Wuchtgeschosses, da zu ihrer Durchdringung rein die kinetische Energie verwendet wird.
Zusätzlich war eine geringe Sprengstoffmenge im Inneren („HE“), die über einen Verzögerungszünder am Boden nach dem Durchdringen der Panzerung die Granate zur Explosion brachte. Der Leuchtspursatz („T“) war im Boden zur Schussbeobachtung eingebracht.
Für die PzGr. 39 wurden – bei gleichem konstruktivem Aufbau – unterschiedliche Patronenhülsen gefertigt, um sie aus verschiedenen Kanonen verschießen zu können. So wurde zum Beispiel aus der Panzerabwehrkanone 7,5-cm-PaK 40 (L/46) und der Kampfwagenkanone 7,5-cm-KwK 40 (L/48), bei völlig unterschiedlichen Patronenhülsen, das gleiche Projektil verschossen.
Es wurden verschiedene Versionen der Granate produziert, die in der Regel nur geringe Änderungen aufwiesen. Beispielsweise wurde in der 8,8-cm-Version PzGr. 39-1 die Qualität des Stahls verbessert. Die 7,5-cm-PzGr. 39/42 hatte zwei Führungsbänder. In der PzGr. 39/43 wurden die Führungsbänder gegenüber der PzGr. 39-1 verbreitert, da die höheren Gasdrücke der längeren Rohre Probleme beim Abfeuern der älteren PzGr. 39-1 mit schmalen Führungsbändern erzeugten. Die Abkürzung „FES“, welche sich auf vielen Granaten wiederfindet, weist auf die Verwendung von Sintereisen in den Führungsbändern hin, welches kriegsbedingt durch die Verknappung der Rohstoffe statt Kupfer eingesetzt wurde.
Einsatz in verschiedenen Waffensystemen Die Granate war speziell für die Bekämpfung gepanzerter Gefechtsfahrzeuge ausgelegt und wurde bis Kriegsende immer weiter verbessert und modifiziert. Als eines der Standardprojektile wurde sie in verschiedenen Kalibern gefertigt, die in einer ganzen Reihe von Waffensystemen verschossen werden konnten. Die nachstehende Übersicht zeigt waffenbezogen (KwK/PaK/PjK) die Durchschlagsleistung verschiedener Kaliber dieses Projektils im Vergleich zu anderen panzerbrechenden Granattypen.
+ Waffensystembezogene Durchschlagswerte der verschiedenen Projektile Waffensystem Granate Entfernung … / Durchschlagswert … Kanone Kaliberlänge 100 m 500 m 1.000 m 1.500 m 2.000 m2-cm-KwK 302-cm-KwK 38L/55PzGr. 3920 mm14 mm9 mm – – PzGr. 40 49 mm 20 mm – – – 3,7-cm-KwK 363,7-cm-PaK 36L/45PzGr. 3941 mm35 mm29 mm24 mm – PzGr. 40 64 mm 34 mm – – – 5-cm-KwK 38L/42PzGr. 3954 mm46 mm36 mm28 mm22 mm PzGr. 40 96 mm 58 mm – – – 5-cm-KwK 395-cm-PaK 38L/60PzGr. 3967 mm57 mm44 mm34 mm26 mm PzGr. 40 130 mm 72 mm 38 mm – – 7,5-cm-KwK 37(Stummel)L/24PzGr. 3941 mm39 mm35 mm33 mm30 mm Gran. 38 Hl 100 mm 100 mm 100 mm 100 mm – 7,5-cm-KwK 40L/43PzGr. 3998 mm91 mm82 mm72 mm63 mm PzGr. 40 126 mm 108 mm 87 mm 69 mm – L/48PzGr. 39106 mm96 mm85 mm74 mm64 mm PzGr. 40 143 mm 120 mm 97 mm 77 mm – 7,5-cm-KwK 427,5-cm-PaK 427,5-cm-PjK 42L/70PzGr. 39/42138 mm124 mm111 mm99 mm89 mm PzGr. 40/42 194 mm 174 mm 149 mm 127 mm 106 mm 8,8-cm-KwK 368,8-cm-FlaK 36L/56PzGr. 39120 mm110 mm100 mm91 mm84 mm PzGr. 40 171 mm 156 mm 138 mm 123 mm 110 mm Gran. 39 Hl 90 mm 90 mm 90 mm 90 mm 90 mm 100 %1 100 %1 99 %1 91 %1 89 %18,8-cm-KwK 438,8-cm-PjK 438,8-cm-PaK 43L/71PzGr. 39/43203 mm185 mm165 mm148 mm132 mm PzGr. 40/43 237 mm 217 mm 193 mm 171 mm 153 mm Gran. 39/3 Hl 90 mm 90 mm 90 mm 90 mm 90 mm12,8-cm-PaK 44L/55PzGr. 39187 mm166 mm143 mm127 mm117 mm PzGr. 40/43 193 mm 178 mm 167 mm 157 mm 148 mm 12,8-cm-KwK 4412,8-cm-PjK 44PzGr. 39223 mm212 mm200 mm189 mm178 mm PzGr. 40/43 – 166 mm 143 mm – 117 mm
Erläuterungen Wahrscheinlichkeitswert (1–100)%1: Versuchsweise erreichte Eindringtiefe, Zielfläche 2,5 m × 2,9 m Mittlere Durchschlagskraft gegen homogene, gewalzte Panzerstahlplatten bei einem Auftreffwinkel von 30° zur Vertikalen des Panzerfahrzeugs.
Technische Daten 7,5 cm PzGr. 39 FES: Gewicht, komplett mit Zünder: 6,8 kg Explosiver Füllstoff: 18 g RDX und Wachs (90/10) Anzahl der Führungsbänder: 1 Werkstoff des Führungsbandes: Sintereisen Durchmesser am Führungsband: 77,4 mm Durchmesser der Granate: 74,5 mm Zünder: Bd.Z. 5103 Zündertyp: Bodenzünder Zündergewicht mit Leuchtspursatz: 107 g Brennzeit Leuchtspur: 2 s Granatkartusche: 75 × 495 mm R (R = Rand-Kartusche) 75 × 640 mm R 75 × 714 mm R
Bildergalerie
Literatur Walter E. Wagenknecht: Die Fertigung von Panzergeschossen, In: Deutsches Waffen Journal, Nr. 5–6, 1977. D 460/1+ Geschoßringbuch, Band I, Juli 1939. D 460/10+ Ringbuch für Sprengladungen, Band I, 26. Oktober 1942. L.Dv. 4402/8 Munition der 8,8 cm Flak 41 (Munition der Flakartillerie Teil 8) Mai 1943. D 435/1, Handbuch, Munition der deutschen Geschütze und Werfer, 28. Dezember 1940.
Einzelnachweise
Kategorie:Geschützmunition Kategorie:Granate Kategorie:Militärische Ausrüstung (Wehrmacht)