mini|hochkant=1.35|Stadtteile und umliegende Gemeinden von Rabenau

Rabenau ist eine Kleinstadt zwischen Dippoldiswalde und Freital im sächsischen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Der Ort Rabenau ist Verwaltungssitz der sechs Ortsteile der Stadt. Diese erstreckt sich über ein Territorium von 30 Quadratkilometern am nördlichen Rand des Osterzgebirges.

Geographie

Lage

Rabenau befindet sich an einem nach Süden exponierten Hang, der von einem sattelförmigen Höhenzug zum Oelsabach hin abfällt. Die höchsten Punkte bilden die westlicher gelegene Rabenauer Höhe (352 m) mit dem Sendeturm sowie die beim Wasserturm und der Rabenauer Schule gelegene Höhe. Der nördlich der Stadt gelegene nordexponierte Hang („Läusewiesen“) ist kaum bebaut. Tiefster Punkt des Ortes ist die Rabenauer Mühle an der Roten Weißeritz.

Stadtgliederung Zur Stadt Rabenau gehören neben der Kernstadt fünf weitere Ortsteile im Umland. In der folgenden Tabelle sind diese mit dem Jahr der Eingemeindung und ihrer Einwohnerzahl am 9. Mai 2011 angegeben.

Ortsteil seit Einwohner zugehörige Wohnplätze Karsdorf 1994 457 Lübau 1952 211 Obernaundorf 1974 327 Obere Poisenhäuser Oelsa 1994 1226 Rabenau – 1935 Siedlung Waldfrieden Spechtritz 1952 191

Flächennutzung Neben den bebauten Ortsteilen wird ein Großteil der Flächen landwirtschaftlich genutzt, vor allem für Ackerbau. Fast die Hälfte der Fläche ist von Waldgebieten bedeckt wie der Dippoldiswalder Heide mit 12 km², dem Poisenwald mit 2,22 km², dem Rabenauer Vorholz mit 0,72 km² bei Eckersdorf, dem Rabenauer Forst mit 0,79 km², sowie dem Rabenauer Buchwald mit den Wäldern im Rabenauer Grund mit 1,11 km².

Geschichte mini|Rabenau um 1905 miniatur|Rabenau, Konfessionsdenkmal auf dem Galgenberg (Zustand 2015) mini|Rabenau, Konfessionsdenkmal (Zustand 2018)

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort indirekt als „Rabinowe“ im Jahr 1235. Nach Schöttgen kommt diese Namensform aus dem Sorbischen.Johann Christian Schöttgen: Historische Nachricht von Rabenau. Druck: Johann Wilhelm Harpeter, Dresden 1740 (Online). Als Kolonisten gelten fränkische Siedler unter dem burggräflich-dohnaischen Dienstadligen Burchhardus de Rabinowe, der wohl mit dem 1206 erwähnten Burkhard von Kaitz identisch ist. Die Herrschaft Rabenau mit ihrer um bzw. kurz vor 1200 dort auf einem Felssporn über dem Oelsabachtal errichteten Wehranlage Burg Rabenau als Mittelpunkt scheint von Kaitz ausgehend angelegt worden zu sein. Dieser Siedlungszug ordnet sich in die Kolonisation der Burggrafen von Dohna an den Weißeritzen mit den Schwerpunkten Burg Thorun (Pesterwitz), Rabenau, Dippoldiswalde, Höckendorf bzw. Ruppendorf ein.Vincenz Kaiser: Zur Kolonisation und Herrschaftsbildung der Burggrafen von Dohna im Weißeritzgebiet, unveröffentlichtes Manuskript, Dresden 2007

Nach der Dohnaischen Fehde (1385–1402) gelangte die Herrschaft in markgräflich-meißnischen Besitz und verlor ihre strategische Bedeutung. Das Stadtrecht erlangte Rabenau im Jahr 1488 (nach anderen Quellen bereits 1412Rabenau im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen - Verfassung).

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) musste der Ort mehrfach Plünderungen erleiden. Als die Stadt am 17. April 1639 durch schwedische Truppen, welche auf dem Weg von Freiberg nach Pirna waren, angezündet wurde, versteckte sich die Bevölkerung unter der Führung von Pfarrer Anton Bodenhäuser im Rabenauer Grund. Die Kirchenbücher sind ab 1643 erhalten geblieben.Archiv der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen, digital verfügbar über Archion

Neben der Landwirtschaft wurde die handwerkliche Holzverarbeitung wesentlicher Lebensunterhalt in Rabenau. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich so in Rabenau und Umgebung das Handwerk des Stuhlbaus. Der kursächsische Hofgeograph Adam Friedrich Zürner berichtete 1720 über Rabenau, dass fast alle Einwohner Stuhlmacher gewesen seien. Die 1730 errichtete kursächsische Postmeilensäule verschwand im 19. Jahrhundert vom Markt. Sie wurde 2013 durch eine Nachbildung ersetzt.

Ein Silberbergwerk wird bereits 1797 unter dem Besitzer Wünschmann als „Silberner Rabe Erbstollen“ an der Pfarrwiese gelegen, welchem ein weiteres unter dem Namen „Silberner Rabe Fundgrube“ von der Rabenauer Eigenlöhnergesellschaft am Mühlberg (Fahrweg zur Rabenauer Mühle) mit einigen kleinen Pingen folgte.

Um 1830 erhielt die Rabenauer Mühle das Schankrecht. 1869 brannte sie ab und wurde als Gastwirtschaft und Holzschleiferei im Schweizer Stil wieder aufgebaut. Im Zeitalter der Industrialisierung und der Gründerzeit dehnte sich das Siedlungsgebiet auf höhergelegene Teile des stark geneigten Südhangs aus. 1875 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, im gleichen Jahr wurde Rabenau Teil der Amtshauptmannschaft Dresden. 1882 erhielt Rabenau Anschluss an die Weißeritztalbahn, was große Bedeutung für die örtliche Stuhlbauindustrie hatte. Gleichzeitig wurde die Ortsverbindungsstraße von Eckersdorf (Ortsteil von Hainsberg bzw. Freital, heute Freitaler Straße) errichtet und ersetzte den steilen Eckersdorfer Weg. An dieser Straße entstand über dem Rabenauer Grund die Siedlung Waldfrieden. In der Gründerzeit wurden das Rathaus und eine Vielzahl von markanten Bürgerhäusern am Marktplatz erbaut. 1832 erfolgte der Bau einer ersten Röhrwasserversorgung mittels Stollen, welcher oberhalb dem Rote-Berg unter dem Wohngebiet Talblick beginnt und an der Kreuzung Freitaler/Obernaundorfer Straße in einer Brunnenstube endet und in Holzröhren zu den Häusern gelangte, 1896 erfolgte der Bau des Hochbehälters mit einer ersten Wasserleitung, 1911 ging im Rabenauer Grund das Wasserkraftwerk in Betrieb. Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete die Stadt Rabenau eine freifließende Trinkwasserleitung, die ihr Wasser aus der Paulsdorfer Heide bei Höckendorf bezieht und durch den Bau eines Wasserturms am zweithöchsten Punkt des Orts ein zeitgemäßes lokales Trinkwassernetz darstellte.

Am 8. Mai 1945 wurde Rabenau von sowjetischen Truppen besetzt, dabei gab es mindestens einen Toten in der Zivilbevölkerung. Mit der Stadtverwaltung wurden Angehörige bzw. Sympathisanten der KPD und SPD betraut. In der Folge wurden mehrere Großbauern und Industrielle enteignet, andere verhaftet. Einige hundert Vertriebene ließen sich in Rabenau nieder.

Im Zuge der sozialistischen Wirtschaftsreformen nach 1945 wurden die großen Rabenauer Stuhlbauunternehmen enteignet und in Volkseigentum als VEB Möbelindustrie Oelsa-Rabenau überführt, welcher mehrere Werke in Oelsa, Rabenau und weiteren Orten umfasste.PM Oelsa GmbH, Auf den Spuren der Zeit 1869 - 1986, abgerufen am 21. Juli 2025 In den 1960er Jahren wurde dann ein Großteil der Bauern in der LPG Lübau-Oelsa zwangskollektiviert.

Rabenau erhielt 1953 eine Betriebsberufsschule für Stuhl- und Möbelbau, in der im Rahmen der RGW-Entwicklungshilfe zeitweise auch Ausländer ausgebildet wurden. Die Schule wurde zur zentralen Ausbildungsstätte für holzverarbeitende Betriebe in der DDR. Hier wurden Polsterer, Tischler, Stuhlbauer und Möbel-Polierer ausgebildet und nach 1991 zum Raumausstatter umgeschult. Zwischen 1960 und 1980 konnte zudem in vier Ausbildungsrichtungen eine Berufsausbildung mit Abitur absolviert werden. In anderen Rabenauer Betrieben wurden auch Holzbildhauer und Drechsler ausgebildet, ebenso gab es Meisterausbildungen und ErwachsenenqualifizierungStuhlbaumuseum Rabenau: "Meister fallen nicht vom Himmel" (30.06.2013 - 17.11.2013), kulturpur.de, abgerufen am 5. Juni 2024. Die Berufsschule befand sich im vormaligen „Stuhlbaubetrieb Ferdinand Büsser“ auf der Freitaler Straße 10 (bis 1993: Hauptstraße 10) und wurde 1994 in das BSZ Freital eingegliedert.Sächsische.de: Wird Rabenauer Ruine zur Wohnanlage? 23. März 2019, abgerufen am 5. Juni 2024 Das Schulgebäude und die Lehrwerkstätten wurden restituiert und stehen nach Verkauf seitdem ohne Nutzung.

1952 wurde die Stadt dem neugebildeten Kreis Freital zugeordnet. 1971 wurde Karsdorf Ortsteil von Oelsa. 1973Spechtritz im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen wurde Spechtritz Ortsteil von Rabenau (vorher zu Seifersdorf gepfarrt), 1974 auch Lübau und Obernaundorf.

Rabenau feierte im August 1983 das 100-jährige Bestehen der Weißeritztalbahn, 1985 die 750-jährige Ortsgründung ebenfalls mit einer Festwoche. 1988 gab es ein weiteres Fest anlässlich 500 Jahre Stadtrecht. In den 1980er und 1990er Jahren bestand eine Partnerschaft der evangelischen Kirchgemeinde mit der Kirchgemeinde in Rethem in Niedersachsen.

1990 besiegelte man eine Städtepartnerschaft mit der mittelhessischen Gemeinde Rabenau (Hessen). Nach dortigem Vorbild entstand neben der CDU und PDS auch die Freie Wählergemeinschaft Rabenau. Bei den Kommunalwahlen im Mai 1990 zog diese mit großem Erfolg in den Stadtrat ein und stellte mit Frank Schönherr den ersten frei gewählten Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Stadt wurde 1994 infolge des freiwilligen Zusammenschlusses mit der Gemeinde Oelsa erheblich vergrößert und die Kommune im gleichen Jahr Teil des neugebildeten Weißeritzkreises. Die Stadtgemeinde hatte 2004 etwa 4.700 Einwohner, davon 2.000 in Rabenau selbst. Durch eine eher konservative Flächenwidmungspolitik in den 1990er Jahren verzeichnete Rabenau nur geringen Zuzug und kaum neue Gewerbeansiedlungen, sodass die Entwicklung der Gemeinde als Wohn- und Gewerbestandort im südlichen Dresdner Umland seitdem stagniert. Durch eine erneute Kreisreform gehört Rabenau seit dem 1. August 2008 zum Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Am 18. Mai 2013 wurde aus Anlass des Jubiläums 525 Jahre Stadtrecht auf dem Marktplatz wieder eine kursächsische Postmeilensäule aufgestellt.

Im November 2013 und im März 2014 wurden in der zu Rabenau gehörenden Dippoldiswalder Heide 13 US-amerikanische Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft, eine wurde vor Ort gesprengt. Es handelte sich um die bisher größte derartige Aktion in Sachsen.Entschärft. Thüringische Landeszeitung, 13. November 2013, S. 1

Politik Stadtrat

Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 13 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: CDU: 5 Sitze Freie Wählergemeinschaft Rabenau (FWG): 4 Sitze AfD: 2 Sitze Wählervereinigung „Pro Rabenau“ (Pro R): 2 Sitze +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU533,8643,8640,9Freie Wählergemeinschaft Rabenau427,3639,0538,0AfD220,7––––Pro Rabenau214,8217,2212,9Grüne–3,3––––Linke––––18,2Wahlbeteiligung75,0 %70,8 %59,9 %

Bürgermeister Bürgermeister nach 1990: 1990–1994: Frank Schönherr (Freie Wähler) 1994–2008: Gerd Hilbert (Freie Wähler) seit 2009: Thomas Paul (CDU) +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Thomas PaulCDU97,7201584,5200866,22001Gerd HilbertFWG97,6

Wirtschaft und Verkehr Industrie und Gewerbe mini|links|Polsterei im VEB Vereinigte Polstermöbelindustrie in Oelsa-Rabenau

Bekannt ist die Stadt für ihr traditionsreiches Stuhlbauhandwerk, das im 17. Jahrhundert seinen Aufschwung nahm und im 19. Jahrhundert mit zahlreichen Unternehmen und Werkstätten in Rabenau, Oelsa und Umgebung seine Blüte erreichte. In der DDR blieb Rabenau trotz Verstaatlichung der Handwerksbetriebe ein wesentliches Zentrum der nationalen Sitz- und Stuhlmöbelindustrie. Seit der Wende nimmt die lokale Bedeutung dieser Branche aufgrund des internationalen Wettbewerbs ab, traditionsreiche Handwerksbetriebe mussten schließen. Dennoch ist die Möbelfabrik mit 200 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber und Steuerzahler der Stadt.

Eisenbahnanschluss mini|Bahnhof Rabenau miniatur|Haltepunkt Spechtritz (2017)