Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der tschechoslowakischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Die Tschechoslowakei nahm achtmal an Weltmeisterschaften teil und wurde zweimal Vizeweltmeister. Nach der Aufspaltung des Landes nehmen Tschechen und Slowaken getrennt teil. Tschechien konnte sich bisher zweimal (2006 und 2026) und die Slowakei einmal (2010) qualifizieren. Die FIFA zählte die Ergebnisse der Tschechoslowakei zunächst sowohl für Tschechien als auch die Slowakei, mittlerweile nur noch für Tschechien.
Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (dort unter Ergebnisse für „Czech Republic“; PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1930Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien FinaleItalien Vizeweltmeister Oldřich Nejedlý Torschützenkönig 1938Frankreich ViertelfinaleBrasilien 5. Aus im Wiederholungsspiel 1950Brasilien nicht teilgenommen 1954Schweiz VorrundeUruguay, Österreich 14. 1958Schweden Vorrunde Nordirland, Deutschland, Argentinien 9. Im Entscheidungsspiel an Nordirland gescheitertDas 6:1 gegen Argentinien ist eine der höchsten Niederlagen Argentiniens und der höchste Sieg der Tschechoslowakei bei einer WM 1962 Chile FinaleBrasilien Vizeweltmeister 1966 England nicht qualifiziert In der Qualifikation an Portugal gescheitert 1970 Mexiko VorrundeBrasilien, England, Rumänien 15. 1974 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schottland gescheitert 1978 Argentinien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schottland gescheitert 1982 Spanien VorrundeKuwait, England, Frankreich 19. 1986 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Deutschland und Portugal gescheitert 1990 Italien ViertelfinaleDeutschland 6. 1994 USA nicht qualifiziert In der Qualifikation an Rumänien und Belgien gescheitert
Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der tschechoslowakischen und tschechischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Teilnahmeverzicht: 2× (8,7 %; 1930, 1950) Nicht qualifiziert: 5× (21,7 %; 1966, 1974, 1978, 1986, 1994) Nicht mehr existent: 8× (34,8 %; seit 1998) Sportliche Qualifikation: 8× (34,8 % bzw. bei 61,5 % der Versuche) Vorrunde: 4× (17,4 %; 1954, 1958, 1970, 1982) Viertelfinale: 2× (8,7 %; 1938, 1990) Vizeweltmeister: 2× (8,7 %; 1934 und 1962)
Häufigster letzter Gegner: Brasilien (2×), zudem mit fünf Spielen häufigster Gegner insgesamt vor Deutschland (3 Spiele)
Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay Wie die meisten europäischen Mannschaften nahm auch die Tschechoslowakei nicht an der ersten WM teil.
1934 in Italien links|mini|Die beiden Torhüter und Kapitäne František Plánička (r.) und Gianpiero Combi (l.) mit Schiedsrichter Ivan Eklind (m.) vor dem WM-Finale 1934 mini|Finalaufstellungen
Für die erste WM in Europa musste sich die Tschechoslowakei gegen Polen qualifizieren. Nachdem die polnische Mannschaft zuhause mit 1:2 verloren hatte, trat sie zum Rückspiel nicht an, weil die polnische Regierung auf Grund von Grenzstreitigkeiten zwischen beiden Staaten keine Reisegenehmigung erteilte. Die Tschechoslowakei war damit für die WM qualifiziert. In Italien traf die Mannschaft im Achtelfinale auf Rumänien und gewann mit 2:1.fifa.com: „Tschechoslowakei - Rumänien 2:1 (0:1)“ Im Viertelfinale wurde die Schweiz mit 3:2 besiegt.fifa.com: „Tschechoslowakei - Schweiz 3:2 (1:1)“ Es folgte ein 3:1-Sieg im Halbfinale gegen Deutschland,fifa.com: „Tschechoslowakei - Deutschland 3:1 (1:0)“ bei dem die Mannschaft von Fehlern des deutschen Torhüters Willibald Kreß profitierte, der danach kein weiteres Spiel mehr machte. Alle drei Tore erzielte Oldřich Nejedlý, der mit insgesamt 5 Toren Torschützenkönig des Turniers wurde. Im Finale gelang ihm aber kein Tor und gegen den Gastgeber Italien, gegem den mit 1:2 nach Verlängerung verloren wurde.fifa.com: „Italien - Tschechoslowakei 2:1 n.V. (1:1, 0:0)“ Dabei gingen die Tschechoslowaken durch Antonín Puč, der zuvor mehrmals gefoult worden war, in der 76. Minute in Führung. Raimundo Orsi, der 1928 mit Argentinien die Silbermedaillen bei den Olympischen Spielen gewann, gelang in der 81. Minute der Ausgleich und Angelo Schiavio in der sechsten Minute der Verlängerung der Siegtreffer.
1938 in Frankreich links|mini|Tschechoslowakei gegen Niederlande vor 10.550 zahlenden Zuschauern und einigen Zaungästen beim einzigen WM-Spiel in Le Havre
Für die erste WM in Frankreich musste sich die Tschechoslowakei gegen Bulgarien qualifizieren. Nach einem 1:1 in Sofia wurde das Rückspiel in Prag mit 6:0 gewonnen. In Frankreich traf die Mannschaft im Achtelfinale auf die Niederländer, die mit 3:0 nach Verlängerung geschlagen wurden, wobei Oldřich Nejedlý mit dem letzten Tor seinen sechsten WM-Treffer erzielte.fifa.com: „Tschechoslowakei - Niederlande 3:0 n.V.“ Im Achtelfinale war Brasilien der Gegner. Nejedlý konnte mit seinem siebten und letzten WM-Treffer das 1:0 der Brasilianer zwar ausgleichen und ist damit ewiger tschechoslowakischer WM-Rekordtorschütze, da aber beiden selbst in der Verlängerung keine weiteren Tore gelangen, kam es zum Wiederholungsspiel.fifa.com: „Brasilien - Tschechoslowakei 1:1 n.V. (1:1, 1:0)“ Dieses wurde mit 1:2 verloren.Brasilien - Tschechoslowakei 2:1 (0:1) Torwart František Plánička, der im ersten Spiel gegen Brasilien trotz Armbruch beim Stand von 1:1 bis zum Ende durchspielte und kein weiteres Tor mehr zuließ, wurde im Wiederholungsspiel nicht eingesetzt, ebenso Jan Říha, der im ersten Spiel vom Platz gestellt worden war. Plánička erholte sich von dem Armbruch nie wieder und kam zu keinem weiteren Länderspiel. Er blieb bis 1963 aber mit 73 Länderspielen Rekordnationalspieler und wurde dann von Ladislav Novák abgelöst. In der ewigen WM-Tabelle verbesserten sich die Tschechoslowaken – auch weil der erste Weltmeister Uruguay zum zweiten Mal auf die Reise nach Europa verzichtete – auf Platz 2, ihre bis heute beste Position.
1950 in Brasilien Zwar bestritt die Tschechoslowakei bereits seit 1946 wieder zahlreiche Länderspiele, an der zweiten WM in Südamerika nahm sie aber nicht teil.
1954 in der Schweiz Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 hatte sich die Tschechoslowakei gegen Rumänien und Bulgarien qualifiziert und dabei nur im letzten Spiel, nachdem die Qualifikation schon feststand, beim 0:0 gegen Bulgarien einen Punkt abgegeben. In der Schweiz gehörte die Mannschaft aber nicht zu den gesetzten Mannschaften und wurde in eine Gruppe mit Titelverteidiger Uruguay, Österreich und Schottland – gegen das aber nicht gespielt wurde – gelost. Da sowohl gegen Uruguay als auch Österreich kein Tor gelang und beide Spiele verloren wurden (0:2 und 0:5), schied die Mannschaft bereits in der Vorrunde aus.fifa.com: „Uruguay - Tschechoslowakei 2:0 (0:0)“fifa.com: „Österreich - Tschechoslowakei 5:0 (4:0)“
1958 in Schweden mini|Tschechoslowaken (in Ringelsocken) gegen Nordiren in gemütlicher Atmosphäre in Halmstad
Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 konnte sich die Tschechoslowakei erneut qualifizieren und schaltete dabei Wales, das sich aber nachträglich noch gegen Israel und damit zum ersten Mal qualifizieren konnte, und die DDR aus, die erstmals an der Qualifikation teilnahm.
In Schweden traf die Mannschaft zunächst auf Nordirland und verlor mit 0:1.„Nordirland - Tschechoslowakei 1:0 (1:0)“ Im nächsten Spiel gegen Titelverteidiger Deutschland konnte ein 2:0-Vorsprung nicht gehalten werden und am Ende stand es 2:2.„Bundesrepublik Deutschland - Tschechoslowakei 2:2 (0:2)“ Obwohl im letzten Spiel Südamerikameister Argentinien mit 6:1 besiegt wurde,„Tschechoslowakei - Argentinien 6:1 (3:0)“ hatten dann die Tschechoslowakei und Nordirland beide 3:3 Punkte und da weder das Torverhältnis (das für die Tschechoslowakei besser war) noch der direkte Vergleich (den Nordirland gewonnen hatte) zählte, gab es ein Entscheidungsspiel um Platz 2. Dieses gewannen die Nordiren mit 2:1 nach Verlängerung und die Tschechoslowakei war zum zweiten Mal in der Vorrunde ausgeschieden.fifa.com: „Nordirland - Tschechoslowakei 2:1 n.V. (1:1, 1:1)“ Aber auch den Nordiren nützte dieser Sieg nicht viel, denn wie alle anderen Mannschaften, die durch Entscheidungsspiele weitergekommen waren, scheiterten sie im Viertelfinale. Diese unsinnige Regel wurde daher abgeschafft. Durch das Vorrundenaus fielen die Tschechoslowaken in der ewigen WM-Tabelle aus den Top-10.
1962 in Chile
mini|Finalaufstellungen
Zur Qualifikation für die dritte WM in Südamerika wurde die tschechoslowakische Mannschaft in eine Gruppe mit Schottland und Irland gelost. Da Schottland und die Tschechoslowakei beide Spiele gegen Irland und gegeneinander ihre Heimspiele gewannen, musste ein Entscheidungsspiel über die WM-Teilnahme entscheiden. In Brüssel setzte sich die Tschechoslowakei mit 4:2 n. V. durch. Bei der WM in Chile wurde die Mannschaft in eine Gruppe mit Titelverteidiger Brasilien, Mexiko und Spanien gelost. Mit einer sehr defensiven Einstellung, bei der sich die Mannschaft bis zum Finale auf ihren Torhüter verlassen konnte, und die 1962 von den meisten Mannschaften praktiziert wurde, gelang gegen Spanien, das mit vielen Spielern des Europapokal-Dauersiegers Real Madrid antrat, ein 1:0-Sieg und ein 0:0 gegen Brasilien. Im Spiel gegen Mexiko erzielte Václav Mašek bereits nach 15 Sekunden das 1:0 – es blieb 40 Jahre lang das schnellste WM-Tor – aber die Mexikaner konnten das Spiel noch drehen und 3:1 gewinnen. Dennoch wurde zum ersten Mal das Viertelfinale nach der Gruppenphase erreicht, denn den Mexikanern, die zuvor beide Spiele verloren hatten, nützte dieser Sieg nichts. Immerhin wurde damit die mit Stars bestückte Mannschaft von Spanien auf Platz 4 verwiesen. Gegen überlegene Ungarn wurde im Viertelfinale ein 1:0 ermauert.fifa.com: „Tschechoslowakei - Ungarn 1:0 (1:0)“ Im Halbfinale warteten dann die höher eingeschätzten Jugoslawen, die erstmals im Viertelfinale Deutschland besiegt hatten. Mit einer Reihe von Paraden sicherte Viliam Schrojf beim 3:1 den zweiten Einzug in ein WM-Finale.fifa.com: „Tschechoslowakei - Jugoslawien 3:1 (0:0)“ Ausgerechnet im Finale unterliefen dann dem besten Torhüter des Turniers spielentscheidende Fehler – womit er das Schicksal von Oliver Kahn teilt, der 40 Jahre später auch als bester Torhüter des Turniers seine Mannschaft ins Finale brachte und dann durch Fehler ebenfalls gegen Brasilien die Niederlage herbeiführte. Die Tschechoslowakei unterlag dem neuen und alten Weltmeister Brasilien mit 1:3.„Brasilien - Tschechoslowakei 3:1 (1:1)“ Neben Torhüter Schrojf ragte insbesondere Mittelfeldregisseur Josef Masopust aus der Mannschaft heraus, der dann auch 1962 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde. Dieser hatte im Endspiel die Tschechoslowakei in der 15. Minute in Führung gebracht, aber bereits zwei Minuten später konnte Pelés Vertreter Amarildo ausgleichen. Zito und Vavá, der damit als erster Spieler in zwei Endspielen ein Tor erzielte, besorgten dann in der zweiten Halbzeit den Endstand. In der ewiggen WM-Rangliste verbesserten sich die Tschechoslowaken auf Rang 7, eine Position, die sie nie wieder erreichen konnten.
1966 in England
Erstmals konnte sich die Tschechoslowakei nicht für die WM qualifizieren und scheiterte an Portugal mit dem späteren WM-Torschützenkönig Eusébio, wobei die 0:1-Heimniederlage im ersten Spiel gegen die Portugiesen entscheidend war, da das Rückspiel torlos endete. Da auch in Rumänien mit 0:1 verloren wurde, reichten der Heimsieg gegen die Rumänen und die zwei Siege gegen die Türkei nicht für die Qualifikation.
1970 in Mexiko