Zweibrücken (, , pfälzisch Zweebrigge) ist eine Stadt in Rheinland-Pfalz. Sie ist Sitz des Pfälzischen Oberlandesgerichts und mit Einwohnern die kleinste kreisfreie Stadt Deutschlands.

Geographie mini|Stadtgliederung von Zweibrücken Geographische Lage Zweibrücken liegt in der Westpfalz auf der Westricher Hochfläche, unmittelbar an der Grenze zum Saarland. Nach Pirmasens, das am Westrand des Pfälzerwalds liegt, sind es etwa 26 km, nach Saarbrücken 40 km und nach Kaiserslautern 55 km (über die Autobahnen A 8 und A 6). Durch Zweibrücken fließen der Schwarzbach, der westlich von Zweibrücken bei Einöd in die Blies einmündet, sowie der Hornbach, der bei Bitsch entspringt und im Zweibrücker Stadtgebiet in den Schwarzbach mündet.

Vom Norden zum Süden der Stadt sind es etwa 15 km, vom West- bis zum Ostrand ungefähr 10 km. Die Gesamtfläche Zweibrückens beträgt 7064 ha.

In der Umgebung Zweibrückens gibt es zahlreiche Waldgebiete, in denen sich auch seltene Baumarten wie die Elsbeere finden. In einem dieser Waldgebiete steht mit 32,6 m Höhe eine der höchsten Elsbeeren der Welt (Stand 1994).

Stadtteile Zweibrücken gliedert sich neben der Innenstadt in mehrere Stadtteile. Bubenhausen und Ernstweiler wurden 1926 eingemeindet, 1938 Ixheim und Niederauerbach, schließlich 1972 Mörsbach im Norden, Oberauerbach im Nordosten, Rimschweiler im Süden, Mittelbach-Hengstbach im Südwesten und Wattweiler im Westen der Stadt. Die letztgenannten bilden laut Hauptsatzung der Stadt jeweils einen Ortsbezirk.

Klima Der Jahresniederschlag beträgt 860 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD

Geschichte + Politische Zugehörigkeit Zweibrückens seit 1170 Staat Prägendste Verwaltungseinheit Zugehörigkeit Heiliges Römisches Reich Grafschaft Saarbrücken 1170–1182 Grafschaft Zweibrücken 1182–1286 Grafschaft Zweibrücken(-Zweibrücken) 1286–1394 Kurpfalz 1394–1410 Pfalz-Simmern-Zweibrücken 1410–1444 Pfalz-Zweibrücken 1444–1680 Frankreich Reunionsgebiet 1680–1697 Heiliges Römisches Reich Pfalz-Zweibrücken 1697–1793 Frankreich Französische Besatzungszone 1793–1798 Frankreich Département du Mont-Tonnerre 1798–1814 Königreich Bayern Pfalz 1814–1871 Deutsches Reich Königreich Bayern 1871–1945 / Deutschland Französische Besatzungszone 1945–1946 Rheinland-Pfalz Regierungsbezirk Pfalz 1946–1949 Bundesrepublik Deutschland Rheinland-Pfalz 1949–heute

Mittelalter Lage und Name der Stadt deuten auf eine Entstehung an einem Flussübergang hin. Eine alte Salzstraße (wohl in der Führung der heutigen Hauptstraße) überquerte hier den Schwarzbach und wurde durch eine Burg der Grafen von Saarbrücken bewacht. Burg und Ort trugen den gleichen Namen. Der Name (anfänglich Zweinbrücken u. ä., zu mhd. zwein und mhd. brücke, lat. Geminus pons ‚Zwillingsbrücke‘, siehe auch Bipontum) erscheint erstmals in einer undatierten Urkunde etwa zwischen 1174 und 1179.Carl Pöhlmann: Regesten der Grafen von Zweibrücken aus der Linie Zweibrücken, bearbeitet durch Anton Doll, Speyer 1962, S. 3, Nr. 5. Durch Erbteilung im Saarbrücker Grafenhaus kam Zweibrücken 1182/90 an den jüngeren Sohn Heinrich I., der die Linie der Grafen von Zweibrücken begründete. 1237 wird erstmals die bürgerliche Siedlung indirekt genannt. 1352 freite König Karl IV. dem Grafen Walram II. die beiden Städte Zweibrücken und Hornbach nach Hagenauer Recht. Am 16. April 1352 erfolgte diese Stadtrechtsverleihung. Der letzte Graf aus der jüngeren Linie Zweibrücken, Eberhard II., der ohne erbberechtigte Nachkommen war, verkaufte die Grafschaft Zweibrücken 1385 für 25.000 Gulden an die Pfalzgrafen bei Rhein aus der pfälzischen Linie der Wittelsbacher und erhielt die Hälfte als Lehen zurück. Nach seinem Tod 1394 zog Kurpfalz das erledigte Lehen ein. 1410 wurde das neu gebildete Fürstentum Pfalz-Simmern-Zweibrücken mit diesem und weiterem Besitz ausgestattet. 1470 brannten große Teile der Stadt nieder, was Herzog Ludwig I. veranlasste in einer Bauvorschrift zu verfügen, dass Dächer ab nun mit Ziegeln statt mit Holzschindeln zu decken seien. Schon um das Jahr 1488 wurde durch Jörg Gessler der Buchdruck in Zweibrücken eingeführt. In der Zeit von 1493 bis 1510 wurde unter Pfalzgraf Alexander die Stadtkirche nach Plänen von Philipp Steinmetz erbaut.

Neuzeit mini|hochkant|Zweibrückische Landesaufnahme von Tilemann Stella (1564) Die Fürsten von Pfalz-Zweibrücken schlossen sich im Laufe der 1520er und -30er Jahren der Reformation an. Seit den 1520er Jahren wurde in der Stadtkirche deutsch gepredigt. Herzog Wolfgang gründete 1559 eine Landesschule in Hornbach, aus der das Herzog-Wolfgang-Gymnasium hervorging. In der Zeit um 1585 wurde das ältere Herzogschloss mit Schlossmühle und Bibliothek (Bibliotheca Bipontina) errichtet.

1584 wurde die herzogliche Münzprägestätte nach Zweibrücken verlegt und ein neues Münzgebäude erbaut. Unter Johann dem Jüngeren erreichten die in Zweibrücken geprägten Münzen ihre höchste Qualität, mit seinem Tod 1635, während des Dreißigjährigen Kriegs, ging Zweibrückens Zeit als Münzprägestätte jedoch zu Ende.

Danach wurde die Stadt mehrfach in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, zum ersten Mal bereits in Johanns Todesjahr: Im April 1635 führte Matthias Gallas die kaiserlichen Truppen gegen die Stadt, die aber durch Reinhold von Rosen verteidigt und gehalten werden konnte. Ein zweiter Angriff im Oktober war dagegen erfolgreich und führte zur Eroberung und schwerer Verwüstung der Stadt durch kaiserliche Truppen. 1677 wurde die Stadt ein zweites Mal verheert, dieses Mal von französischen Truppen, die gegen Ende des Holländischen Krieges große Teile der Stadt zerstörten. Im Rahmen der Reunionspolitik des Sonnenkönigs geriet die Stadt zeitweise (1680–1697) unter französische Herrschaft.

Unter Herzog Gustav Samuel Leopold erfolgte in der Zeit von 1720 bis 1725 der Bau des noch bestehenden Herzogschlosses durch den Baumeister Jonas Erikson Sundahl. Herzog Christian IV. gründete 1755 das Zweibrücker Gestüt. Nicolas Appert, Erfinder der Konserven, war Offizier des Herzogs Christian IV. von 1772 bis 1775.

Französische und bayerische Zeit mini|Zweibrücken nach einem Gemälde des 19. Jahrhunderts mini|Das Departement Donnersberg. Zweibrücken ist unten links auf der Karte unter dem französischen Namen Deux-Ponts markiert. Nach 1792 wurde Zweibrücken im Ersten Koalitionskrieg wie das gesamte Linke Rheinufer von französischen Revolutionstruppen besetzt und in der Folge das besetzte Gebiet annektiert. Von der französischen Direktorialregierung wurde 1798 die Verwaltung nach französischem Vorbild reorganisiert. Zweibrücken wurde Hauptort (chef-lieu) eines Arrondissements sowie eines Kantons und gehörte von 1798 bis 1814 zum Departement Donnersberg (franz. Département du Mont-Tonnerre).

Nachdem im Januar 1814 die Alliierten das linke Rheinufer wieder in Besitz gebracht hatten, wurde im Februar 1814 das Departement Donnersberg und damit auch Zweibrücken Teil des provisorischen Generalgouvernements Mittelrhein. Nach dem Pariser Frieden vom Mai 1814 wurde Zweibrücken der neu gebildeten Gemeinschaftlichen Landes-Administrations-Kommission zugeordnet, die unter der Verwaltung von Österreich und Bayern stand.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kam das Gebiet im Juni 1815 zu Österreich. Am 14. April 1816 wurde zwischen Österreich und Bayern der Vertrag von München geschlossen, in dem ein Austausch verschiedener Staatsgebiete vereinbart wurde. Hierbei wurden die linksrheinischen österreichischen Gebiete zum 1. Mai 1816 an das Königreich Bayern abgetreten. Zweibrücken gehörte nun im neu geschaffenen Rheinkreis zu dem aus dem vorherigen Arrondissement gebildeten Bezirk Zweibrücken. Nach der Untergliederung der Bezirke in Landkommissariate (1818) gehörte Zweibrücken zum gleichnamigen Landkommissariat.

Zweibrücken wurde daraufhin Sitz des Königlich Bayerischen Appellationshofes (heute Oberlandesgericht). Im Vormärz 1832 nahm Zweibrücken eine wichtige Rolle in der deutschen Demokratiebewegung ein. Unter anderem wurde in Zweibrücken, durch den von Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth gegründeten Deutschen Preß- und Vaterlandsverein, das Hambacher Fest organisiert. 1834 begann die Industrialisierung in Zweibrücken mit der Gründung der Dingler’schen Maschinenfabrik durch Christian Dingler.Dinglerwerke AG 1857 erfolgte der Anschluss an die Eisenbahn.

mini|Die Pfalz im Jahr 1844. Zweibrücken ist unten links auf der Karte. Die Verwaltungsgliederung ist auch erkennbar.

Im 18. und 19. Jh. erschien die französische Gazette des Deux-Ponts.

Bis zum Zweiten Weltkrieg mini|Zweibrücken im Jahr 1902 mini|Enttrümmerung, 1946

Das letzte große gesellschaftliche Ereignis vor dem Ersten Weltkrieg war die Einweihung des Zweibrücker Rosengartens durch Prinzessin Hildegard von Bayern im Juni 1914. Als Folge des Ersten Weltkrieges war Zweibrücken zwischen 1918 und 1930 durch französische Truppen besetzt. Im Jahr 1920 wurde Zweibrücken als Kreisunmittelbare Stadt (heute Kreisfreie Stadt) aus dem Landkommissariat Zweibrücken ausgegliedert. Die westlich der Stadt gelegenen Gebiete der Pfalz wurden dem neuen Saarland angegliedert.

1926 wurden die heutigen Stadtteile Bubenhausen und Ernstweiler eingemeindet, 1938 Ixheim und Niederauerbach.

In der Reichspogromnacht wurde 1938 auch die Zweibrücker Synagoge zerstört. Im Oktober 1940 wurden die noch in Zweibrücken lebenden Juden im Rahmen der „Wagner-Bürckel-Aktion“, der ersten groß angelegten Deportationsmaßnahme im Dritten Reich, ins Lager Gurs in Südfrankreich verschleppt.Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz in Verbindung mit dem Landesarchiv Saarbrücken (Hrsg.): Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945. Bd. 7: Dokumente des Gedenkens, Koblenz 1974, S. 119–192.

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt 1939–1940 evakuiert, weil sie in der so genannten Roten Zone lag. Von September bis November 1944 erfolgte eine erneute, weitgehende Evakuierung der Zivilbevölkerung. Kurz vor Kriegsende wurde Zweibrücken am 14. März 1945 durch einen Bombenangriff der britischen Royal Air Force und der Royal Canadian Air Force fast vollständig zerstört. Mit über 80 % ZerstörungenZweibrücken 600 Jahre Stadt, im Auftrag der Stadtverwaltung Zweibrücken herausgegeben vom Historischen Verein Zweibrücken, Zweibrücken 1952, S. 347. war sie eine der am stärksten zerstörten Städte Deutschlands. Am 20. März erreichten amerikanische Bodentruppen Zweibrücken. Der größte Luftangriff auf Zweibrücken am 14. März 1945 wird auch heute noch im Volksmund „Schwarzer Mittwoch“ genannt.

Jüdische Gemeinde Zweibrücken

Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebten jüdische Bürger in Zweibrücken. Von 1743 bis 1746 wird ein Moses Löw aus Zweibrücken erwähnt, dieser war „Juden-Oberschultheiß“ des Herzogtums Zweibrücken. 1768 und 1804 wurden jeweils 24 jüdische Personen in der Stadt gezählt, dann zogen verstärkt Juden aus den Landgemeinden zu: 1848 gab es 24 jüdische Haushaltungen mit 158 Personen, 1875 237, 1905 282 Personen. Den jüdischen Bürgern gehörten Handels- und Gewerbebetriebe, darunter Viehhandlungen.https://www.alemannia-judaica.de/zweibruecken_synagoge.htm

Bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Sitz der Rabbinats-Stelle für den Gerichtsbezirk Zweibrücken in Pirmasens, von 1879 bis 1911 war Zweibrücken Sitz eines Bezirksrabbinates.

Eine Synagoge wird erstmals 1815 genannt; 1833 wurde eine neue Synagoge am Ende der Judengasse eingeweiht. 1877 bis 1879 wurde auf dem Eckgrundstück Wallstraße/Ritterstraße eine neue Synagoge erstellt, sie wurde am 1. und 2. August 1879 eingeweiht.

Die Jüdische Gemeinde besaß außerdem eine Grund- und Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Neben dem Rabbiner war ein Lehrer angestellt, der zugleich Kantor und Schächter war.