Witnica ( Vietz) ist eine Stadt im Powiat Gorzowski der polnischen Woiwodschaft Lebus mit etwa 6800 Einwohnern. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit rund 13.000 Einwohnern.
Geographische Lage Die Stadt liegt in der historischen Neumark, 20 km nordöstlich von Kostrzyn nad Odrą (Küstrin) im Warthebruch und 25 Kilometer westlich von Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe).
Geschichte Das alte Fischerdorf Vietz im Landsberger Land war vermutlich eine Gründung der Templer. Es ist nach dem Flüsschen benannt, von dem es durchflossen wird, der Vietze. Im Jahre 1261 gelangte der Ort aus dem Ordensbesitz zur Mark Brandenburg. Markgraf Otto IV. schenkte anno 1300 dem Kloster Kolbatz verschiedene Ländereien als Grundlage für die Gründung des Tochterklosters Himmelstädt. Mit der Säkularisation des Klosters im Jahre 1539 wurde Vietz zum kurfürstlichen Amtsdorf.
mini|links|Vietzer Rathaus im 19. Jahrhundert mini|Pfarrkirche mini|Heiligkreuzkirche mini|Stadt- und Gemeindeverwaltung mini|Brauerei-Gebäude mini|Bahnhaltestelle
In dem Dorf an der alten Handelsstraße (es war die spätere Reichsstraße 1 Aachen – Berlin – Königsberg (Preußen), deren Trasse dort die heutige Woiwodschaftsstraße DW 132 folgt) von Küstrin nach Landsberg lebten die Einwohner hauptsächlich von der Landwirtschaft und an dem Fließ zur Warthe waren einige Wassermüller ansässig. Das in der Niederung der Warthe liegende Gemeindegebiet war von regelmäßigen Überschwemmungen bedroht.Friedrich Heinrich Stubenrauch: Nachricht von der Verwaltung und Urbarmachung der Warthebrücher, Verlag C. Spener, Berlin 1787 (online).
Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Industrialisierung von Vietz. 1747 entstand eine Strumpf- und Leinenweberei. Für den Bedarf des preußischen Militärs wurde 1753 eine königliche Eisenhütte mit zwei Hochöfen errichtet, die zunächst hauptsächlich Kanonen fertigte. 1842 wurde das Hüttenwerk stillgelegt und nahm nach seinem Verkauf im Jahre 1855 als Eisengießerei und Maschinenfabrik wieder die Produktion auf.
Die Bedeutung des Ortes wuchs durch den Bau der Preußischen Ostbahn (heute Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze), die ab 1857 durch Vietz führte. Einerseits kam Arbeit durch deren Bau selbst in die Region, andererseits profitierte die Ortschaft später von diesen Verkehrsanbindungen. Im Dorf siedelten sich zahlreiche Betriebe des Maschinenbaus, der Holzverarbeitung und der Baustoffherstellung an. Die 1873 gegründeten Ludwig Hartmann, Dampfziegelwerke, Vietz a.d.Ostbahn, waren 1925, laut dem Vietzer Tageblatt, die größten Ziegelwerke im Regierungsbezirk Frankfurt.GenWiki: Vietzer Tageblatt Vietz im Landkreis Landsberg (Warthe) war zu dieser Zeit die größte Landgemeinde der Provinz Brandenburg. Seit 1935 ist Vietz eine Stadt. 1908 wurde das Amtsgericht Vietz eröffnet.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende kam Vietz unter polnische Verwaltung und wurde in Witnica umbenannt. In der Folgezeit wurde die ortsansässige deutsche Bevölkerung vertrieben und durch Polen ersetzt, vorwiegend aus von der Sowjetunion annektierten Gebieten östlich der neuen polnisch-sowjetischen Grenze.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1804 888 in 118 Haushaltungen (Feuerstellen)Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg. Berlin 1809, S. 116. 1818 1089 königliches Dorf und Vorwerk, mit Schäferei und WassermühleAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 71, Ziffer 334. 1840 1646 in 186 WohngebäudenTopographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844 S. 125, Ziffer 205. 1852 2124 Güthlein: Topographische Uebersicht des Appellationsgerichts-Departements Frankfurt a/O. Verlag Gustav Harnecker & Co., Frankfurt a/O. 1856, S. 74, Ziffer 193. 18582655 in 253 Häusern, darunter drei Katholiken und 59 Juden,W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 457. 1867 3000 am 3. DezemberKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 148–149, Ziffer 112. 1871 3060 am 1. Dezember, in 308 Wohngebäuden des Marktfleckens, davon 2967 Evangelische, 15 Katholiken und 78 Juden 1875 3281 1880 3956 1910 4313 am 1. DezemberVietz, Landkreis Landsberg (Warthe), in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Vietz) 1933 5469 1939 5637 Anzahl Einwohner nach Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr 2004 2016Einwohnerzahl 6858 6822
Gemeinde Die Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Witnica umfasst ein Territorium von 278 km² auf denen 12.570 Einwohner leben. Dazu gehören neben der Stadt selbst 17 Dörfer mit Schulzenämtern.
Kultur In der Gemeinde befindet sich der so genannte Wegweiser-Park. Mit den Exponaten aus Technik, Natur und Politik soll der gemeinsamen Geschichte der Polen und Deutschen gedacht werden. Er erinnert daran, dass übersteigerter Nationalstolz auf das eigene Volk Ursache vielen Übels zwischen den Völkern sei.Dietrich Schröder: Ein Weiser erklärt die Welt, in Märkische Oderzeitung, 24. September 2009, S. 10, Artikel online auf Der Sammler und eigentliche Schöpfer des Parks, Zbigniew Czarnuch, wurde für sein unspektakuläres, beharrliches Wirken für die polnisch-deutsche Verständigung vom Deutschen Kulturforum östliches Europa im Oktober 2009 in Berlin mit dem Georg Dehio-Kulturpreis ausgezeichnet., abgerufen 24. Juli 2010
Sehenswürdigkeiten Kirche Unserer Lieben Frau von der ewigen Hilfe, erbaut 1875 im neuromanischen Stil für die protestantische Gemeinde, seit 1945 katholisch Heiligkreuzkirche, erbaut 1930 Lubuskie Muzeum Browarnictwa, Brauereimuseumhttps://witnica.pl/wypoczynek/atrakcje/muzea/ Goldener Palast (Fabrikantenvilla) privates Militärmuseum
Wirtschaft und Infrastruktur Zu den ansässigen Unternehmen gehören die Gießerei ZPH MetalkolorZPH Metalkolor, die Brauerei Browar Witnica und die Hygienepapierfabrik LamixLamix.
Witnica ist über eine Woiwodschaftsstraße und über eine Bahnstrecke mit Kostrzyn nad Odrą und mit Gorzów Wielkopolski verbunden. Seit 2016 besteht ein Zugpaar am Tag nach Berlin.
Söhne und Töchter der Stadt Georg Heinrich von Priem (1794–1870), preußischer Generalmajor Adolf Gutmann (1876–1960), deutscher Augenarzt Johannes Schüler (1894–1966), deutscher Dirigent Helmut Jeske (1930–2014), Meteorologe und Geophysiker Joachim Neugebauer (1936–2023), deutscher Geologe und Hochschullehrer
Literatur W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 475–476. Patricia Clough: Aachen – Berlin – Königsberg. Eine Zeitreise entlang der alten Reichsstraße 1. Deutsche Verlagsanstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-04210-1.
Weblinks
Website der Stadt Witnica Website zu 750 Jahre Vietz-Witnica
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Lebus Kategorie:Gmina Witnica Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1935