Landau in der Pfalz (im Südpfälzer Dialekt Landaach) ist eine kreisfreie Stadt mit Einwohnern () im südlichen Rheinland-Pfalz und Teil der Metropolregion Rhein-Neckar. Die ehemalige elsässische Reichsstadt ist Verwaltungssitz des Landkreises Südliche Weinstraße, welchem sie selbst aber nicht angehört. Nach der Einwohnerzahl ist Landau die sechstgrößte Stadt der Pfalz. Flächenmäßig ist Landau sogar die drittgrößte Stadt der Region nach Kaiserslautern und Neustadt an der Weinstraße. Die Stadt ist ein Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums. Die nächsten Großstädte sind Karlsruhe, Ludwigshafen am Rhein und Mannheim.
Geographie Lage Der Osten der Stadt liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, der Westen einschließlich der Kernstadt ist Teil der Weinstraße. Darüber hinaus gehören ausgedehnte Waldgebiete des Pfälzerwaldes zum Stadtgebiet. Die Stadtwald-Exklave Taubensuhl/Fassendeich, die Gemarkung Oberhaingeraide mit einer Fläche von 2248,58 Hektar, liegt im Bereich des Forsthauses Taubensuhl und nach Westen bis zur Bundesstraße 48. Eine zweite Exklave im Pfälzerwald, die zu Landau gehört, ist der sogenannte Wollmesheimer Wald bei Eschbach bzw. im Wasgau. Dieser ist Teil der Gemarkung und des Ortsteils Wollmesheim und weist eine Fläche von 79 Hektar auf, liegt aber mehr als fünf Kilometer westlich des Ortskerns von Wollmesheim.
Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Walsheim, Knöringen, Essingen (Pfalz), Bornheim (Pfalz), Offenbach an der Queich, Herxheim bei Landau/Pfalz, Insheim, Impflingen, Billigheim-Ingenheim, Heuchelheim-Klingen, Göcklingen, Ilbesheim bei Landau in der Pfalz, Leinsweiler, Ranschbach, Birkweiler, Siebeldingen, Frankweiler und Böchingen.
Stadtgliederung mini|Kernstadt Landau und eingemeindete Ortsteile (ohne Exklaven)
Mit Arzheim, Dammheim, Godramstein, Mörlheim, Mörzheim, Nußdorf, Queichheim und Wollmesheim gehören zu Landau insgesamt acht eingemeindete Ortsteile. Queichheim und Mörlheim wurden 1937 eingemeindet, alle anderen Teilorte wurden im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform um 1972 der Stadt zugeschlagen. Queichheim ist mit der Kernstadt inzwischen fast zusammengewachsen. Größere Neubaugebiete sind der Horst im Osten und die Wollmesheimer Höhe im Westen. Aktuell werden vor allem im Südosten der Stadt (im Bereich des neuen Messegeländes (Alfred-Nobel-Platz) bei Queichheim), sowie im Süden der Stadt (Wohngebiete Quartier Vauban) größere Gebiete bebaut. Mit dem „Wohnpark am Ebenberg“ entsteht auf den ehemaligen Kasernengeländen „Estienne et Foch“ im Süden der Stadt ein neues Wohngebiet für etwa 2200 Einwohner.
Ortsteil bzw.Gemarkung Nr. Die Kernstadt Landau in ihren ursprünglichen Grenzen wird in die statistischen Bezirke 11 bis 20 gegliedert. Die übrigen Ortsteile entsprechen statistischen Bezirken. Gemarkungs-Nr. (ZIP; 249 kB) Flächein ha Einw. Bevölkerungsdichte Landau 11–20 075551 1.181,25 29.151 2.467,8 Queichheim 21 075554 581,16 3.539 608,9 Mörlheim 22 075553 644,76 1.068 165,6 Arzheim 33 075560 606,10 1.401 231,1 Dammheim 34 075555 322,13 1.128 350,2 Godramstein 35 075558 687,57 2.677 389,3 Mörzheim 36 075562 652,22 1.135 174,0 Nußdorf 37 075556 702,44 1.558 221,8 Wollmesheim 38 075561 469,13 795 169,5 Oberhaingeraide – 075552 2.448,58 0 0,0 Landau 8.295,32 48.310 …
Erhebungen Im Süden der Gemarkung unweit der Grenze zu Insheim erhebt sich der 160 Meter hohe Ebenberg. Südwestlich von Arzheim unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Ilbesheim erstreckt sich die 270,5 Meter hohe Kleine Kalmit. Die Westflanke des 523 Meter hohen Schletterbergs gehört zur Exklave Wollmesheimer Wald. Die größere Exklave Landauer Stadtwald einschließlich des Nußdorfer und Godramsteiner Waldes umfasst Erhebungen wie den 552,9 Meter messenden Erlenkopf, den Armbrunnenkopf (545 Meter), das Döreneck (514 Meter) und den Kesselberg (502,4 Meter).
Gewässer mini|Die Queich am zentralen Spritzenhaus in der Stadtmitte Zentrales Fließgewässer innerhalb der Stadtgrenzen ist die Queich, die in West-Ost-Richtung zunächst am südlichen Ortsrand von Godramstein und anschließend durch die Kernstadt verläuft; danach passiert sie den nördlichen Rand von Queichheim und Mörlheim. Der Ranschbach streift den nördlichen Siedlungsrand von Arzheim, bevor er von rechts in die Queich mündet. Der Birnbach durchfließt Wollmesheim, bevor er den südlichen Rand der Kernstadt passiert, danach südlich von Queichheim verläuft; zwischen Queichheim und Mörlheim mündet er von rechts ebenfalls in die Queich. Der Brühlgraben bildet im Süden die Grenze zu Impflingen und Insheim und verläuft danach südlich von Mörlheim. Nordwestlich von Nußdorf verläuft der Ranzgraben an der Grenze zu Böchingen; unmittelbar östlich der Nußdorfer Bebauung entspringt der Schleidgraben; beide münden jenseits der Stadtgrenzen von rechts in den Hainbach.
Der Oberlauf des Helmbachs befindet sich innerhalb der Exklave Landauer Stadtwald, ebenso derjenige von dessen Nebenfluss Grobsbach, die Bestandteil des Flusssystems Speyerbach sind. Mitten durch die Exklave verläuft die Wasserscheide zwischen Speyerbach und Queich. Zum Einzugsgebiet Letzterer gehören der Wellbach, der die westliche Grenze der Exklave markiert, und der Eußerbach, der im Südosten für rund anderthalb Kilometer durch die Gemarkung verläuft. Innerhalb dieser mündet von rechts in diesen der Dörenbach, der im Erlenbrunnen entspringt, das nach ihm benannte Tal durchfließt und seinerseits von rechts den im Armbrunnen entspringenden Armbrunnertalbach und den Godramsteiner Bach aufnimmt.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 667 Millimeter.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Geschichte Antike und Entstehung Im März 2022 stießen bei Bauarbeiten an der B 10-Ausfahrt bei Landau-Godramstein Bauarbeiter auf Überreste eines spätantiken römischen Kastells.Ulrike Brandt: „Sensationsfund“ bei Landau – Militärlager der Römer bei Bauarbeiten an B10 entdeckt. SWR, 19. August 2022, abgerufen am 24. Juli 2024.Die alten Römer in Landau. Stadt Landau, 10. Oktober 2022, abgerufen am 24. Juli 2024. Bereits im letzten Jahrhundert wurde in Landau ein römisches Gräberfeld entdeckt.
Gegründet wurde Landau um 1260 von Graf Emich IV. von Leiningen-Landeck. Dieser ließ eine in die Ebene vorgelagerte Befestigung als zusätzlichen Schutz für seine Burg Landeck errichten. 1274 erhielt Landau von König Rudolf I. von Habsburg die Stadtrechte. Der König gewährte Landau 1291 den Status einer Reichsstadt. In dieser gingen vom späten 13. bis zum 15. Jahrhundert die umliegenden älteren Dörfer Oberbornheim, Eutzingen, Servelingen und Mühlhausen auf.Eduard von Moor: Geschichte der ehemaligen Reichsstadt und jetzigen Bundesfestung Landau. Landau 1866. S. 4.
1324 wurde Landau an den Bischof von Speyer Emich von Leiningen verpfändet. Erst 1511 wurde es durch Kaiser Maximilian I. wieder ausgelöst und der Vogtei Hagenau unterstellt. 1521 trat Landau der Dekapolis, dem Elsässischen Zehnstädtebund, bei. Bürgermeister Hans Hitschler unterzeichnete 1579 für den Rat der Stadt die lutherische Konkordienformel von 1577.Vgl. BSLK, S. 765; vgl. S. 16.
Frühe Neuzeit mini|Ansicht aus dem 17. Jahrhundert Seit dem Westfälischen Frieden von 1648Museum für Stadtgeschichte / Stadtarchiv Landau. Stiftung Orte der Deutschen Demokratiegeschichte, abgerufen am 22. August 2024.Johannes Kepler Universität Linz: Der Westfälische Friede, 24. Oktober 1648 (PDF; 111kB). S. 5, abgerufen am 22. August 2024. war Landau mit kurzen Unterbrechungen Exklave des Königreichs Frankreich bzw. französische Enklave im Reichsgebiet. Im Holländischen Krieg zeitweise wieder unter Kontrolle von Reichstruppen, bestätigte der Friede von Nimwegen (1678–1679) endgültig die Abtretung Landaus vom Heiligen Römischen Reich an Frankreich. Landau wurde 1688 bis 1691 von Vauban zur FestungHistorische Karten als Digitalisate 1 und 2 der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf ausgebaut. Dabei wurde die mittelalterliche Stadt zum großen Teil niedergebrannt. Vermutungen, dass der Brand im Auftrag des französischen Festungsbaumeisters gelegt wurde, konnten nie bewiesen werden. Beim Neubau entstanden gerade Straßen, rechtwinkelige Bauquadrate und der Marktplatz. Mit der Anlage der Festung änderte sich das Leben der Bewohner. Der Einlass in die Stadt erfolgte lediglich durch die Stadttore und war nach Sonnenuntergang nicht mehr möglich.
mini|Kupferstich mit Draufsicht auf die Festung Landau, während der Belagerung von Landau im Jahr 1702
Im Spanischen Erbfolgekrieg wechselte die französische Festung Landau mehrfach nach aufwändigen Belagerungen den Besitzer. 1702 lösten die Kaiserlichen Truppen die Franzosen ab, 1703 gewannen die Franzosen Landau nach der Schlacht am Speyerbach zurück, 1704 wurde Landau wieder kaiserlich. Seit dem 12. März 1709 war Carl Alexander von Württemberg Festungskommandant.Allgemeine Deutsche Biographie 1713 wurde die Stadt von Marschall Jacques Bazin de Bezons (1646–1733) ab dem 6. Juni 1713 belagert, und die Franzosen gewannen die Festung am 20. August 1713 zurück.Zeno.org: Bezons, Jacques Bazin. Abgerufen am 5. November 2009 Im Frieden von Rastatt 1714 war der Heimfall von Landau an Frankreich der wesentlichste Gewinn für Ludwig XIV.
Von der Französischen Revolution bis frühes 20. Jahrhundert Wie im übrigen Frankreich herrschte ab dem 20. Juli 1789 die Französische Revolution in Landau. Die Stadt gehörte wie das Unterelsass seit 4. März 1790 zum Département Bas-Rhin und war 1793 bis 1800 Sitz des Distrikt Landau. Auch 1814, nach dem ersten Sieg im Befreiungskrieg über Napoléon Bonaparte, blieb Landau zunächst französisch. Aufgrund der Vereinbarungen im Zweiten Pariser Frieden vom November 1815 kam das nördlich der Lauter liegende Gebiet und damit auch Landau zunächst unter die Hoheit Österreichs.Vertragstext des „Zweiten Pariser Friedens“, Artikel I. Landau war jetzt Bundesfestung. Österreich war schon im Juni 1815 auf dem Wiener Kongress die vorher zum Département du Mont-Tonnerre (Departement Donnersberg) gehörende übrige Pfalz zugesprochen worden. Im April 1816 schließlich wurde die gesamte Pfalz in einem Staatsvertrag von Österreich an das Königreich Bayern abgetreten.Münchener Vertrag vom 14. April 1816 (Google Books)
mini|Landau Ostbahnstraße (1916) mini|Rathausplatz (Ostseite) in der Landauer Innenstadt
Nach dem Krieg 1870/71 war Landau nicht mehr Grenzstadt, da sich die Westgrenze des Deutschen Reichs infolge der Annexion Elsass-Lothringens deutlich nach Westen verschoben hatte. Die Festung wurde geschleift, neue Straßenzüge entstanden. Mit der Ausdehnung des 1869 im Norddeutschen Bund erlassenen Gesetz, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung auf Bayern nach der Reichsgründung 1871 kam es zu einem Zuzug jüdischer Familien.
Landau wurde zum Zentrum des pfälzischen Weinhandels und galt bald als wohlhabendste Stadt der Pfalz. Dies lässt sich bis heute an der für eine Kleinstadt vergleichsweise prächtigen Architektur ablesen. Es entstanden repräsentative Bürgerhäuser entlang der neu angelegten Ringstraße und ihrer Seitenstraßen. Das vorherrschende Baumaterial war Sandstein.
Landau setzte weniger auf die Entwicklung einer Industrie als auf das bayerische Militär. Es entstanden umfangreiche Kasernenanlagen für das 5. und 12. Feldartillerie-Regiment sowie das 18. und 23. Infanterie-Regiment. Seit 1. Januar 1910 hatte Landau den Status einer Kreisunmittelbaren Stadt, der zum 1. April 1940 mit der Eingliederung in den Landkreis Landau in der Pfalz wieder wegfallen sollte.
Erster Weltkrieg, Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg war Landau 35 mal Ziel alliierter, besonders amerikanischer Luftangriffe. Der schwerste erfolgte am „Schwarzen Freitag“, dem 16. März 1945. Insgesamt wurden 1.045 Tonnen Bomben auf Landau geworfen, 40 % der Stadt wurde zerstört und 586 Menschen fielen dem Luftkrieg zum Opfer.