mini|Baxter im Kreis seiner Familie, 1950er Jahre James Keir Baxter (* 29. Juni 1926 in Dunedin; † 22. Oktober 1972 in Auckland) war ein neuseeländischer Schriftsteller, der zahlreiche Gedichtbände verfasste und durch die Beherrschung der Verskunst und auffällige Bildsprache zu einem der wichtigsten modernen Dichter Neuseelands wurde. Bedingt durch seinen eigenen Alkoholismus engagierte er sich für Drogenabhängige. Ende der 1960er Jahre versuchte er am Whanganui River in Jerusalem den Aufbau einer Kommune, die die ursprüngliche Werte der Māori erhalten wollte, die der dominierenden urbanen Pākehā-Gesellschaft des Landes verloren gegangen waren.

Leben Familiäre Herkunft und Grundschulbildung miniatur|Auszug aus dem Gedicht Māori Jesus auf einem Betonblock Baxter wurde als zweiter Sohn des Farmers, Schriftstellers und Pazifisten Archibald McColl Learmond Baxter (1881–1970) und dessen Ehefrau, der ebenfalls als Pazifistin aktiven Millicent Amiel Baxter Brown (1888–1984), geboren. Sein zweiter Vorname Keir bezog sich auf den britischen Politiker der Labour Party, Keir Hardie, und unterstrich damit die Verbindung seiner Eltern zur politischen Linke. Auch die unterschiedlichen Herkünfte seiner Eltern beeinflussten seine Entwicklung. Während sein Vater sich seine Bildung selbst aneignete und Nachfahre von Kleinbauern auch den Highlands von Schottland war, war seine Mutter die älteste Tochter des anerkannten Professors am Canterbury College, John Macmillan Brown, der sich schon frühzeitig für die Bildung von Frauen einsetzte. Sein Vater hatte im Ersten Weltkrieg den Kriegsdienst verweigert, wohingegen seine Mutter Sprachwissenschaften am Newnham College der University of Cambridge sowie an der Universität Halle studiert hatte. Zur Verärgerung ihres Vaters kam es zur Eheschließung mit Archibald Baxter.

Die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte Baxter auf der Farm seiner Eltern in Kuri Bush, südlich des von Otago gelegenen Küstendorfs Brighton. 1931 verzog die Familie nach Brighton, wo er die örtliche Grundschule besuchte. Gleich am ersten Tag seines Schulbesuchs verbrannte er sich eine Hand an einem Ofen, ein Unfall, der zu einem Symbol seiner dauerhaften Abneigung gegen systematische Bildung wurde.

Dichterische Anfänge, Sekundarschulbesuch und Reise nach England Durch seinen Vater, den er später als „einen Dichter, den die Zeit betrog / Zu handeln“ (‚a poet whom the time betrayed / To action‘) würdigte, lernte er das Wissen und die Praxis von Lyrik und verfasste im Alter von sieben Jahren sein erstes Gedicht. Seine frühen Verse waren beeinflusst durch schottische Traditionen und englische Märchen und Gedichte, denen die Unmittelbarkeit der Landschaft und des Lebens in Neuseeland beigefügt wurden. Bereits im jungen Alter bemerkte er jedoch einen Unterschied zwischen der von seinem Großvater mütterlicherseits repräsentierten herrschenden sozialen Ordnung Neuseelands, und den „engmaschigen Otago-Stämmen von meines Vaters’ Familie“ (‚closely-knit Otago Tribes of my father’s family‘). Durch seine schottisch-gälischen Vorfahren entwickelte er eine Vorstellung von einem Stammesethos „von Nächstenliebe, Frieden, und einem Überleben, das mehr als Selbsterhaltung ist“ (‚of charity, peace, and a survival that is more than self-preservation‘) und identifizierte diese gleiche Konzept „wie es wie Radium in den Zellen meines Körpers“ (‚like radium in the cells of my body‘) brannte. Dieses Gespür für Unterschied gab ihm den Anstoß für sein schriftstellerisches Werk.

1936 verzog die Familie nach Wanganui, wo James und sein vier Jahre älterer Bruder Terrence die Quaker St John’s Hill School besuchten. 1937 unternahm die Familie eine Reise nach England, wo er und Terrence auf eine weitere Schule der Quäker in Sibford in Cotswolds gingen, die in jenen Jahren auch von der späteren australischen Schriftstellerin Elizabeth Jolley absolviert wurde. Ende 1938 kehrte die Familie nach Neuseeland zurück und ließ sich dort wieder in Brighton nieder. Er begann ab 1939 wieder die Quaker St John’s Hill School zu besuchen, diesmal als Internatsschüler, wobei er diesmal fühlte, dass er „keine Beziehung zu den Kameraden seiner Kindheit hatte und unsicher war, ob er Engländer oder ein Neuseeländer sei“ (‚out of touch with my childhood companions and uncertain whether I was an Englishman or a New Zealander‘). Er drückte diese Unsicherheit in seinen Gedichten aus, welche er in dieser Zeit in einer Rate von vier bis fünf pro Woche verfasste.

Zeit des Zweiten Weltkrieges, Studium und erste dichterische Erfolge Nachdem Baxter 1940 nach Brighton zurückgekehrt war, wechselte er als Schüler an die King’s High School nach Dunedin. Der aufkommende Zweite Weltkrieg war eine schwierige Zeit, da seine pazifistisch eingestellten Eltern der Spionage verdächtigt, er von seinen Mitschülern gemobbt und sein älterer Bruder wegen Kriegsdienstverweigerung verhaftet wurde. Seine Jugendjahre wurde somit zu einer einsamen Zeit für ihn, wenngleich er fühlte, dass seine Erfahrungen „eine Lücke schufen, in denen die Gedichte die Möglichkeit hatte, um zu wachsen“ (‚created a gap in which the poems were able to grow‘). Er verfasste zwischen 1942 und 1946 rund 600 Gedichte.

1944 begann er ein Studium an der University of Otago und beschrieb die nachfolgende Zeit als eine „lange, nicht erfolgreiche Liebesaffäre mit der höheren Bildung“ (‚long, unsuccessful love affair with the Higher Learning‘) und dass sein „beginnender Alkoholismus Flügel hätte wie ein Buschfeuer“ (‘incipient alcoholism took wings like a bush fire’). Tatsächlich widmete er sich weit mehr der Lyrik und wurde inspiriert von zeitgenössischen Dichtern wie W. H. Auden, Stephen Spender, Louis MacNeice und Cecil Day-Lewis.

Für sein Gedicht Convoys wurde er mit dem Macmillan Brown Prize ausgezeichnet und auch sein beim Verlag Caxton Press erschienener erster Gedichtband Beyond the palisade fand Anerkennung bei der Literaturkritik, wohingegen das als zweite Gedichtsammlung vorgesehene Cold Spring erst 1996 veröffentlicht wurde.

Nachkriegsjahre, Alkoholismus und Eheschließung mit Jacqueline Sturm Nach Kriegsende arbeitete Baxter zwischen 1945 und 1947 in Fabriken sowie auf Farmen und beschrieb diese Zeit in seinem postum erschienenen Roman Horse (1985). Sein Kampf mit seiner Alkoholsucht brachte ihm den Ruf als eine Art „wilder Mann“ ein und seine Trinkanfälle spielten möglicherweise eine Rolle beim Scheitern seiner ersten Liebesaffäre mit einer jungen Medizinstudentin. 1947 traf er Jacqueline Cecilia Sturm, die als eine der wenigen Angehörigen der Māori einen Studienplatz belegte.

Ende 1947 kehrte er nach Christchurch zurück, um an der University of Canterbury einerseits sein Studium wieder aufzunehmen, zum anderen aber auch einen durch Carl Gustav Jung inspirierten analytischen Psychologen aufzusuchen. Als ein Ergebnis aus diesen Gesprächen begann er damit, den Symbolismus Jungs in seiner poetischen Theorie und Praxis aufzunehmen. Er besuchte nur sporadisch die Vorlesungen und arbeitete in Gelegenheitsjobs wie zum Beispiel als Hausdiener in einem Sanatorium, als Manuskripthalter beim Verlag Christchurch Press sowie als Arbeiter in einem Kühlhaus.

Zu dieser Zeit begann er mit Dichtern wie Allen Curnow und Denis Glover zu verkehren und mit dem Lesen der Werke von Arthur Rimbaud, Dylan Thomas und Hart Crane. Die 1948 erfolgte Veröffentlichung des Gedichtbandes Blow, wind of fruitfulness bestätigte seinen Ruf als herausragender Dichter seiner Generation. Seit Ende der 1940er Jahre wuchs auch sein Interesse an Religion, was dazu führte, dass er sich im November 1948 durch die Taufe in die anglikanische Gemeinschaft aufnehmen ließ.

Einen Monat später heiratete Baxter am 9. Dezember 1948 in der Cathedral Church of St John the Evangelist in Napier Jacqueline Sturm. Nach der Eheschließung verzog das Paar nach Wellington, wo er im Schlachthof von Ngauranga arbeitete.

Fortsetzung des Studiums und Lehrer Ein Jahr später wurde 1949 die Tochter Hilary Baxter geboren und beide setzten ihre Studien fort, er in einem Studiengang zur Erlangung eines Bachelor of Arts, während sie ein postgraduales Studium zum Erwerb des Master of Arts im Fach Philosophie aufnahm. Des Weiteren erweiterte er den Kreis seiner literarischen Freunde und gehörte zu einer Gruppe von Autoren, zu denen auch W. H. Oliver, Alistair Campbell und Louis Johnson zählten.

Im Februar 1951 begann Baxter schließlich ein Studium an der Pädagogischen Hochschule Wellington (Wellington Teachers’s College) und hielt wenige Monate später im Mai 1951 auf einer Schriftsteller-Konferenz in Christchurch auch einen Vortrag über aktuelle Strömungen in der neuseeländischen Dichtung, der kurz darauf auch veröffentlicht wurde. Seine Kommentare inspirierten einen Kritiker dazu, ihn als „den tiefgründigsten Kritiker, den wir haben“ (‚the profoundest critic we have‘) zu beschreiben. 1952 kam sein Sohn John Baxter zur Welt. Darüber hinaus erschien eine Auswahl einiger seiner Gedichte in der Anthologie Poems Unpleasant.

Nach Abschluss des Teachers’s College im Dezember 1952 verbrachte Baxter das Jahr 1953 mit einem Vollzeitstudium am Victoria University College und veröffentlichte ferner mit The Fallen House seine dritte eigene Gedichtsammlung. 1954 nahm er eine Stellung als Hilfslehrer an der Epuni School in Lower Hutt an und verfasste als Erinnerung an seine dortige Lehrtätigkeit eine Reihe von Kindergedichten, die 1974 posthum unter dem Titel The Tree House erschienen. Darüber hinaus hielt er 1954 drei Vorlesungen über Lyrik am Victoria University College, die 1955 in einer Sammlung von Literaturkritiken mit dem Titel The Fire and the Anvil herausgegeben wurden. Einige Kritiker betrachteten diese als eine Vereinfachung von Problemen und dem Vertrauen auf Anekdoten.

Für den 1954 von Brian Brake inszenierten Kurzfilm Snows of Aorangi verfasste er mit diesem zusammen das Drehbuch.

Beitritt zu den Anonymen Alkoholikern und erster internationaler Erfolg Ende 1954 war Baxter den Anonymen Alkoholikern (AA) beigetreten, um seinen Alkoholismus durch Rehabilitationsmaßnahmen sowie den Besuch von Beratungskursen und Justizvollzugsanstalten zu bekämpfen. Der Kampf gegen seine Alkoholsucht war auch finanziell hart für seine Familie, ehe er durch eine Erbschaft 1955 ein Haus erhielt, in dem er mit seiner Familie leben konnte. Nachdem er im Frühjahr 1956 einen Bachelor of Arts (B.A.) erworben hatte, gab er seine Lehrtätigkeit an der Epuni School auf und wurde Autor und Herausgeber von schulischen Bekanntmachungen der Abteilung für schulische Veröffentlichungen beim Bildungsministerium.

Internationale Anerkennung fand Baxter als 1958 vom Verlag Oxford University Press (OUP) sein Gedichtband In Fires of no Return veröffentlicht wurde. Kritiker bezeichneten das Werk jedoch locker und schwach ausgewählt. Zum anderen hatte er seinen größten Erfolg 1958 mit dem Radiohörspiel Jack Winter’s Dream, das 1960 auch für eine Bühnenversion adaptiert sowie 1979 verfilmt wurde.

Vorübergehende Trennung von seiner Ehefrau sowie Studienaufenthalt in Japan und Indien Weniger erfolgreich verlief jedoch sein Privatleben. Nachdem er zum Erstaunen seiner Ehefrau zur römisch-katholischen Kirche konvertierte, trennte sich das Paar vorübergehend im Oktober 1957. Im Januar 1958 ließ er sich offiziell taufen.

Durch ein Stipendium der UNESCO begann er im September 1958 einen halbjährigen Studienaufenthalt in Japan sowie anschließend in Indien, wohin ihm seine Familie später folgte. Er war überwältigt von der dortigen Armut und betroffen durch die Erfahrung, Teil einer ethnischen Minderheit zu sein.