mini|250px|Frontfassade des Palazzo Porto, betrachtet von der Contrà Porti Der Palazzo Iseppo Porto ist ein Palast in der norditalienischen Stadt Vicenza an der contra Porti Nr. 21. Er wird oft als Palazzo Porto abgekürzt und ist nicht mit dem Palazzo Barbaran da Porto in unmittelbarer Nähe an der gleichen Straße Nr. 11 zu verwechseln. Der italienische Architekt Andrea Palladio entwarf den Palast in den 1540er Jahren und baute ihn vermutlich bis 1552. Der Bauherr war Iseppo Porto, dessen Familie, die Porto, eine einflussreiche Stellung innerhalb der Gesellschaft Vicenzas einnahm. Als Teil der Palladio-Villen im Veneto gehört der Palazzo Iseppo Porto seit 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Zeitlicher Kontext
Der Palazzo Porto wurde Mitte des 16. Jahrhunderts in Vicenza errichtet. Zu Palladios Lebzeiten war die Stadt unter venezianischer Herrschaft. Den Machteinfluss der Republik Venedig belegt eine 1588–1597 von Georg Braun und Frans Hogenberg angefertigte Karte der Stadt, die eine Säule mit aufsitzendem Markuslöwen, dem Machtemblem Venedigs, aufweist. Die Stadt gehörte zu den bedeutendsten in Oberitalien und war zudem äußerst wohlhabend. Sie war befestigt und wurde von einer Stadtmauer sowie einem Fluss umgeben. Innerhalb dieser Anlage befand sich der Kern Vicenzas, dessen Zentrum die Piazza dei Signori war. Auf ihr konzentrierten sich „Politik und Handel, öffentliches und privates Leben“. Die mächtigen Familien in Vicenza, darunter die Familie Porto, trafen sich an der Piazza, nämlich im Palazzo della Ragione, den Palladio ab 1549 zur Basilika umformte.
Städtebaulicher Kontext Lage und Grundstück In der Umgebung der Piazza liegt das Grundstück, auf dem der Palazzo Porto errichtet wurde. Der schon damals vorhandene urbane Charakter des Baugrunds, vor allem aber die einflussreiche Stellung der Porto verlangte nach einem Stadthaus, einem Palazzo, mit Repräsentationscharakter. Palladio schreibt: „[Der Palazzo Iseppo Porto] geht auf zwei öffentliche Straßen hinaus“ und proklamiert damit, das Grundstück sei durch die angrenzende Bebauung und die Straßenführung auf eine langgestreckte, schmale Form zwischen zwei Gebäuden begrenzt. Ursel Berger stellt allerdings fest, dass die relativ unbedeutende stradella degli stalli im Gegensatz zur repräsentativen Contrà Porti „fast völlig unbebaut“ gewesen sei. Es ist also anzunehmen, dass das Grundstück tatsächlich wohl eher nur eine Stirnseite mit notwendiger Repräsentationsfassade hatte. Dennoch ist die Parzelle in ihrer Länge architektonisch eher anspruchsvoll und erfordert spezielle Lösungen zur Belichtung und Belüftung eines Gebäudes. Ein Palasttyp, wie Palladio ihn etwa bei seinem ersten Stadthaus, dem Palazzo Civena, zuvor plante, ließ sich daher nicht verwirklichen. Die Proportion des Grundstückes kommt der antiker pompejischer Atriumhäuser nahe. Diese nahmen teilweise die ganze Tiefe einer Insula, also eines Häuserblocks, ein und wurden dadurch ebenfalls an ihren langen Seiten von Gebäuden flankiert. Integration in den Bestand Lionello Puppi ist der Meinung, dass der Palazzo Porto ein „Glied in der städtebaulichen Erneuerung“ Vicenzas sei. Iseppo Porto habe angestrebt die Fassade in „das vorhandene Straßensystem [einzugliedern]“. Guido Beltramini sieht dies anders: „Palladio did not attempt to adapt his design to respect the neighbouring buildings“. Tatsächlich scheint Palladio in seinem Entwurf weder die Höhen noch die Fassadenachsen der angrenzenden Gebäude als definierende Parameter angesehen zu haben. So springt seine Fassade aus der Ebene des in der Ansicht linken Gebäudes hervor und bleibt hinter der des rechten Gebäudes weit zurück, auch die Traufhöhe des Gebäudes überragt die seiner Nachbarn bei weitem. Der Palast stellt einen starken „Ausdruck architektonischer Individualität“ dar, kann aber vielleicht trotzdem als Element der „kontinuierlichen Anstrengung der Nobilität, die Stadt durch Symbole ihrer Macht und ihres Reichtums zu verschönern“, gewertet werden. Er nimmt durchaus Bezüge auf, etwa zum Palazzo Thiene oder der Basilika, die das Streben nach Status des Adels versinnbildlichen.
Entwurf und Bau
Das exakte Entstehungsdatum des Palazzo Iseppo Porto ist nicht bekannt, der Anlass scheint jedoch die Hochzeit des Iseppo Porto mit Olivia Thiene gewesen zu sein. Lionello Puppi vermutet, dass es Iseppo Porto von Marc Antonio Thiene, Olivias Bruder, „nahegelegt worden“ sei, sich Palladios Diensten anzuvertrauen. Marc Antonio Thiene hatte 1542 Palladio damit betraut, den Palazzo Thiene auszuführen, Es sei darauf hingewiesen, dass der ursprüngliche Entwurf des Palazzo Thiene von Giulio Romano stammt und nicht von Andrea Palladio, dieser aber der ausführende Baumeister auf der Baustelle war und als solcher entscheidenden Einfluss auf das tatsächlich umgesetzte Projekt nahm, vor allem nach dem Tod Romanos im Jahre 1546. und riet Iseppo Porto, sich „ebenfalls einen seiner gesellschaftlichen Stellung entsprechenden Palast errichten zu lassen“ Aufgrund dieser Verbindung der Bauherrn und gewisser Ähnlichkeiten in der Konzeption beider Paläste, vor allem aber auch durch die Beschreibung in Palladios Vier Büchern zur Architektur sowie Entwurfszeichnungen im Besitz des Royal Institute of British Architects, kann der Entwurf relativ zweifelsfrei Palladio zugeschrieben werden. Dabei wird der Entwurf generell vor dem Palazzo Chiericati eingeordnet, das heißt um 1549/1550. Der Bau wurde 1552 beendet, wie eine Inschrift am Gebäude, die bis ins 18. Jahrhundert zu erkennen war, sowie die Datierung der Taufe eines Sohnes von Iseppo Porto im fertiggestellten Gebäude belegen.
Gliederung der Fassade
Die Fassade des Palazzos ist klar in drei Bereiche zoniert, in Rustika, Piano Nobile und Mezzaningeschoss. Besonders ist hier die Lesbarkeit des Mezzanins, das zuvor zugunsten einer klaren Gegenüberstellung von Erdgeschoss und Piano Nobile kaschiert wurde. Die Fassade wird horizontal durch sieben Fensterachsen gegliedert. Dabei sind sowohl der mittlere als auch die beiden äußeren Fassadenabschnitte durch Ornamente besonders gekennzeichnet. mini|Detail des Mezzanin-Geschosses. Die Fassade des Erdgeschosses ist aufgesockelt und durch eine Rustika gestaltet. Der Eingang sowie die Fensterachsen werden durch gleichartige Rundbögen aus Steinblöcken definiert. Die Blendbögen der Fensterachsen weisen dabei Schlusssteine mit maskenartigen Ornamenten auf, die aus der ansonsten glatt ausgeführten Rustika hervorspringen. Die eigentlichen Fensteröffnungen sind durch einen waagerechten Sturz aus Keilsteinen ausgebildet. Insgesamt wirkt das Erdgeschoss monolithisch, die Fenster und der Eingang wie herausgeschnitten, das ganze Stockwerk erscheint visuell wie ein massiver Sockel des darüber liegenden Stockwerks. Im Gegensatz zu den relativ glatten Oberflächen der Rustika weist das Piano Nobile eine größere plastische Gestaltung auf. "Die Halbsäulen [wölben sich] energisch hervor", und stehen direkt auf dem Gurtgesims. Die ionischen Kapitelle lasten das Gebälk ab, dessen oberster Sims „scharfkantig“ hervorspringt. Die Fenster sind durch Brüstungen unten sowie Stürze mit aufsitzendem Giebel begrenzt, wobei sich Dreieck- und Segmentbogengiebel abwechseln, und sind damit verspielter modelliert. Die mittlere Fensterachse über dem Eingang sowie die beiden äußeren Achsen sind durch florale Ornamente geschmückt, die den Abschluss des Gebäudes sowie seine mittlere Achse und damit die Symmetrie der Fassade betonen. Vor allem durch die sockelartige Ausbildung des Erdgeschosses werden Piano Nobile und Erdgeschoss stark verbunden, ihre Beziehung ist „eng und direkt“. Durch die Ausbildung eines Mezzanins als eigenes Attikageschoss nimmt Palladio „eine alte Tradition in neuer, klassischer Form auf“, denn das Mezzanin lässt sich in Vicenza seit dem Quattrocento in Palästen finden. Dadurch kann er Erdgeschoss und Piano Nobile harmonisch proportionieren. Die Statuen, die vor den Pilastern des Attikageschosses angeordnet sind, gehören „zweifellos zu einem ikonographischen Programm, das Da Porto gewünscht hat“, sie stellen die Familie Porto dar. Insgesamt ist das Attikageschoss kaum exponiert, die Auskragung des Gesimses und die Vorlagerung von Statuen lassen es, seiner Funktion als Dienstbotengeschoss entsprechend, zurücktreten.
Referenzbauten mini|Ein anonymer Druck von 1549 der die Fassade des Palazzo Caprini – das Haus des Raffael – abbildet. Die Ähnlichkeit zur Fassade des Palazzo Iseppo Porto ist auffällig. Die Bezüge auf Bramantes Bauwerke in Rom, vor allem auf den Palazzo Caprini – die „casa di Raffaello“ Borsi berichtet, dass das Haus laut dem Zeitgenossen Giorgio Vasari nicht von Bramante für Raffael errichtet wurde, sondern Raffael dieses erst später erworben haben soll – aber auch auf zwei weitere Paläste, den Palazzo Bresciano und den Palazzo Ossoli, sind erstaunlich deutlich. Palladio war vermutlich im Besitz einer Zeichnung des heute zerstörten Der Palast wurde zunächst umgebaut in den Palazzo dei Convertendi und schließlich 1937 abgerissen, um Platz für eine Straße zu machen Palazzo Caprini, der ihm bisweilen zugeschriebenetwa von Franco Borsi, vgl. wird. Guido Beltramini ist der entschiedenen Meinung, dass die Zeichnung (RIBA XIV/II recto) nicht von Palladio stammt Beim Vergleich der Zeichnung des Palazzo Caprini mit dem Palazzo Porto, aber auch des Palazzo Thiene werden Ähnlichkeiten evident. Vor allem in der Rustika des Erdgeschosses zeigt sich Bramantes Einfluss auf den Entwurf des Palazzo Porto, insbesondere in der Verwendung von Blendbögen und aus markanten Keilsteinen formulierten Fensterstürzen. In Bramantes Palast sind die Halbsäulen des Obergeschosses auf das sockelartige Erdgeschoss gestellt, dieses Motiv prägt auch den Charakter des Palazzo Porto.Vgl. Zeichnung RIBA XIV/II recto in Ebenso sprechen die Gliederung der Fenster des Obergeschosses mit Balkonbrüstung und Dreiecksgiebel für einen Einfluss Bramantes im Entwurf. Beltramini und Berger belegen jedoch, dass es sich nicht um eine uninspirierte Kopie handelt, sondern die bramanteske Lösung von Palladio erst nach einer Anzahl von verspielteren, opulenteren Versuchen gewählt wurde. und
Palladios Romreise hatte sein Repertoire erweitert und ihn zu neuen Lösungen, die er vor allem im Palazzo Thiene anwendete, inspiriert, auf die er jetzt erneut zurückgriff. Er verwendete beim Palazzo Porto zum ersten Mal die ionische Ordnung. Spielerische Architekturmotive wie verdoppelte Pilaster und mehrteilige Fenster wurden in diesem Entwurf zurückgedrängt, und zwar zugunsten eines neuen „Schmuckstil[s]“. Dabei war der Palazzo Porto eher ein Schritt in die Richtung einer neuen Architektursprache für Vicenzas Adel denn eine Rückwärtswendung. Palladio synthetisierte die römischen Erfahrungen, sie lieferten die wichtigsten, jedoch nicht die einzigen Anhaltspunkte für einen neuen Stil. Diese Entwicklung und Palladios Hinwendung zu „skulpturalen“ Fassaden wird deutlich, wenn man die Fassaden des 1542 begonnenen Palazzo Thiene, vor allem aber seinen Palazzo Civena von 1539/1540 mit dem Palazzo Porto vergleicht.
Der Palazzo Porto ist als Bindeglied zwischen dem Palazzo Thiene und dem Palazzo Chiericati zu betrachten. Am Palazzo Thiene konnte Palladio die römische Stadtarchitektur, anders als bei den Villenbauten, in einem urbanen Kontext verarbeiten. Wenn man Howard Burns in seiner Argumentation folgt, so konnte sich Palladio an diesem Projekt zwar entscheidend einbringen, es bleibt aber in der Grunddisposition der Entwurf Giulio Romanos, was Palladio in seiner gestalterischen Freiheit einschränkte. Die Zusammenarbeit mit Romano lehrte Palladio allerdings den professionellen Umgang mit Handwerkern und Bauherrn. Zudem besaß Romano Kenntnisse der römischen Architektur, was Palladio sicherlich in seiner Orientierung an den Meistern der Renaissance, Bramante, aber auch Fra Giocondo, bestärkte.