Sant’Elena al Calvario ist ein Libretto zu einer azione sacra in zwei Teilen von Pietro Metastasio. Es ist das zweite seiner sieben in Wien geschriebenen Oratorienlibretti und wurde ungefähr 30 Mal vertont. Erstmals aufgeführt wurde es in der Vertonung von Antonio Caldara am 20. März 1731 in der Hofburgkapelle in Wien.

Eine deutsche Übersetzung des Librettos erschien 1753 und 1766 in Augsburg als Sprechdrama mit dem Namen Helena, die heilige Kaiserinn auf dem Calvarieberge in der Geistlichen Schaubühne des Ulmer Augustiners Peter Obladen.Peter Obladen: Helena, die heilige Kaiserinn auf dem Calvarieberge (deutsche Übersetzung des Librettos). In: Geistliche Schaubühne. Zweyte verbesserte Auflage. Matthäus Rieger und Söhne, Augsburg und Leipzig 1766. Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum, S. 159.

Handlung

Das Libretto handelt von der Pilgerreise der Heiligen Helena, der Mutter Kaiser Konstantins des Großen, nach Jerusalem, auf der sie der Legende zufolge das Grab und das Kreuz Christi wiederentdeckte.

Erster Teil

Bischof Macario begrüßt Helena in Jerusalem. Diese ist ergriffen, im heiligen Land angekommen zu sein. Der römische Landpfleger Draciliano meldet die Ankunft von zwei Personengruppen, einer Frauengruppe mit der christlich geborenen Römerin Eudossa und einer Männergruppe mit dem neu getauften Eustazio aus Palaestina. Die beiden Gruppen besingen als Chor das Leid Christi, durch das die Welt erlöst wurde. Helena erkundigt sich bei ihnen nach dem Ort des Grabes Jesu. Eustazio erklärt, dass dieser schon seit langem nicht mehr bekannt sei, und Eudossa ergänzt, dass er von den Heiden geheim gehalten und mit Götzenbildern überbaut worden sei. Helena drängt darauf, die Suche nach dem Kreuz zu beginnen. Sie erzählt von einem Traum, in dem sie in einer Wüste eine Quelle gefunden hatte. Eustazio hält dies für ein gutes Vorzeichen. Er glaubt, Gott habe das Kaiserhaus als Spender seiner Wohltaten ausersehen. Nach einem Gebet Helenas endet der erste Teil mit einem Chor, der die Bedeutung der Monarchen als positives oder negatives Vorbild seiner Untertanen hervorhebt.

Zweiter Teil

Das Grab wurde gefunden, und Macario, Draciliano, Eustazio und Eudossa präsentieren es Helena. Diese reagiert jedoch nicht wie von den anderen erwartet freudig, sondern erbleicht vor Ehrfurcht und gedenkt des Leidens Christi. Macario vergleicht das marmorne Grab mit der Mutter Gottes, da beide den Erlöser in sich verschlossen gehalten hatten. Helene nähert sich dem Grab und entdeckt unter dem Schutt die Kreuze von Jesus und seinen beiden Mitverurteilten. Eudossa rät zur Geduld, da man noch nicht wissen könne, welches davon das Kreuz Jesu ist. Da das Namensschild nicht mehr am Kreuz befestigt ist, ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich. Da nähert sich ein Leichenzug. Macario schlägt vor, das mittlere der drei Kreuze auf die Probe zu stellen. Er bittet Helena, am Grab zu bleiben, um ihr Vorhaben durch Gebete zu unterstützen, und entfernt sich mit Eustazio. Nach einer Weile kehrt Eustazio zurück und berichtet, dass Macario das Kreuz über den Leichnam gehalten habe und der Tote wieder zum Leben zurückgefunden habe. Damit sind alle Zweifel zerstreut. Nun kehrt auch Macario zurück. Er ruft das Volk auf, angesichts des Kreuzes alle bösen Neigungen abzulegen. Auch Helena bittet Gott um Vergebung für ihre Sünden. Zum Abschluss des Oratoriums fordert der Chor die Gläubigen auf, ihrem Beispiel zu folgen.

Gestaltung

Die sieben Wiener Oratorien Metastasios stehen in der Nachfolge derjenigen seines Amtsvorgängers Apostolo Zeno. Einfachheit und Klarheit im Aufbau sind vorherrschend. Metastasio verzichtete innerhalb der Handlung auf göttliche und allegorische Personen und hielt sich an die drei Aristotelischen Einheiten von Raum, Zeit und Handlung. Daher werden viele Passagen nur rückblickend erzählt. Seine theologischen Interpretationen halten sich streng an die exegetischen Vorgaben der Kirche. An vielen Stellen gab er Belege in Form von Bibelstellen und Zitaten aus Schriften von Kirchenlehrern an. Wie in seinen Opernlibretti wird die Handlung in Rezitativen dargestellt, die in Da-Capo-Arien münden. Ensemblestücke und Chöre werden nur sparsam eingesetzt.Elisabeth Birnbaum: Das Juditbuch im Wien des 17. und 18. Jahrhunderts. Peter Lang, 2009, S. 186 (online bei Google Books).

Vertonungen

Folgende Komponisten vertonten dieses Libretto:

Komponist Uraufführung Aufführungsort AnmerkungenAntonio Caldara20. März 1731, HofburgkapelleSant’ Elena al Calvario (Antonio Caldara) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020., abgerufen am 29. April 2015.. Wien 80pxLeonardo Leo1732Sant’ Elena al Calvario (Leonardo Leo) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020., abgerufen am 29. April 2015.Bibliotheksdatensatz des Oratoriums von Leonardo Leo bei librettodopera.it, abgerufen am 8. April 2018..Libretto (italienisch) des Oratoriums von Leonardo Leo, Kremsmünster 1773 als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum.Partitur des Oratoriums von Leonardo Leo als Digitalisat beim International Music Score Library Project.Michaela Freemanová: Three points of a triangle : Italian, Latin and German oratorios and sepolcros in the early 18th century Central Europe (Abstract), abgerufen am 11. Mai 2015. Neapel auch 1733 in Modena; 1734 in Bologna sowie in lateinischer Sprache in Prag; 1744 in Venedig, 1773 im Stift Kremsmünster 80pxFrancesco Bartolomeo Conti1736, Saint James Parish ChurchSant’ Elena al Calvario (Francesco Bartolomeo Conti) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. Brünn Der Uraufführungsdatenbank der Universität Stanford zufolge stammt das Libretto von Antonio Maria Lucchini. Conti starb bereits am 27. Juli 1732.Pietro Vincenzo Chiocchetti1737, Congregazione dell’Oratorio di S. Filippo NeriDatensatz des Oratoriums von Pietro Vincenzo Chiocchetti bei librettodopera.it, abgerufen am 8. April 2018. GenuaBenedetto Leoni1737, Congregazione dell’oratorio di S. Filippo NeriBibliotheksdatensatz des Oratoriums von Benedetto Leoni bei WorldCat, abgerufen am 12. Mai 2015. GenuaJohann Adolph Hasse9. April 1746, HofkapelleSant’ Elena al Calvario (Johann Adolf Hasse) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020.Libretto (italienisch/deutsch) des Oratoriums von Johann Adolph Hasse, Dresden 1746 als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum.Libretto (italienisch) des Oratoriums von Johann Adolph Hasse, Dresden 1753 als Digitalisat bei der Staatsbibliothek zu Berlin. Dresden deutsche Fassung als Die heilige Helena an der Schädelstäte; auch 1753 in Dresden 80pxCarlo Luigi Grua1750, Cappella elettorale PalatinaSant’ Elena al Calvario (Karl Louis Peter Grua) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020.Libretto (italienisch) des Oratoriums von Carlo Luigi Pietragrua, Mannheim 1750 als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum. Mannheim 80pxJohann Ernst Eberlinwahrscheinlich zwischen 1753 und 1763Laurenz Lütteken (Hrsg.) et al.: Metastasio im Deutschland der Aufklärung. Gulde Druck, Tübingen 2002, ISBN 3-484-17528-1, S. 229 (online bei Google Books). Salzburg deutsch als Die Heilige Helena Auf dem Schedelberg, Oder die Erfindung Des heiligen CreutzesAngelo del Seaglies1757Sant’ Elena al Calvario (Angelo del Seaglies) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. auch am 24. Oktober 1759 in SenigalliaGiovanni Battista Costanzi1758Sant’ Elena al Calvario (Giovanni Battista Costanzi) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. MacerataJohann Gottlieb Naumann15. April 1775, HofkapelleSant’ Elena al Calvario (Johann Gottlieb Naumann) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. DresdenPasquale Anfossi1777Sant’ Elena al Calvario (Pasquale Anfossi) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020.Datensatz des Oratoriums von Pasquale Anfossi (Rom 1790) bei librettodopera.it, abgerufen am 8. April 2018.Datensatz des Oratoriums von Pasquale Anfossi (Rom 1822) bei librettodopera.it, abgerufen am 8. April 2018.Libretto (italienisch) des Oratoriums von Pasquale Anfossi, Bologna 1781 als Digitalisat im Museo internazionale e biblioteca della musica di Bologna. Rom 1781 in Bologna; 1786 in Rom; 1790 in Rom; 1822 in Rom 80px Pozzo1777Lorenzo Baini1778, Oratorio di San Girolamo della CaritàBibliotheksdatensatz des Oratoriums von Lorenzo Baini bei opac.sbn.it, abgerufen am 13. Mai 2015. RomFortunato Luciani1779, Oratorio di San Girolamo della CaritàSant’ Elena al Calvario (Fortunato Luciano) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. RomNicola Luciani1780, Collegio Germanico UngaricoBibliotheksdatensatz des Oratoriums von Nicola Luciani bei opac.sbn.it, abgerufen am 13. Mai 2015. RomSante Pascali1780, Congregazione dell’OratorioBibliotheksdatensatz des Oratoriums von Sante Pascali bei polovea.sebina.it, abgerufen am 13. Mai 2015.Libretto (italienisch) des Oratoriums von Sante Pascali, Rom 1780 als Digitalisat bei Google Books. Rom Bearbeitung der 1777 entstandenen Vertonung von Pasquale Anfossi 80pxMarianna von Martines1781Sant’ Elena al Calvario (Marianne Martínez) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020.Marianne Martinez in der Encyclopedia of World Biography, abgerufen am 12. Mai 2015.Giuseppe Sarti1781Sant’ Elena al Calvario (Giuseppe Sarti) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. FlorenzAntonio Fontemaggi1784Sant’ Elena al Calvario (Antonio Fontemaggi) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. Rom Francesco Bringerium 1790, San Girolamo della CaritàDatensatz des Oratoriums von Francesco Bringeri bei librettodopera.it, abgerufen am 8. April 2018.Bibliotheksdatensatz des Oratoriums von Francesco Bringeri bei opac.sbn.it, abgerufen am 13. Mai 2015. RomPietro Pompeo Sales1790, Hofkapelle des KurfürstenSant’ Elena al Calvario (Pietro Pompeo Sales) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. EhrenbreitsteinAntonio Tozzi1790Sant’ Elena al Calvario (Antonio Tozzi) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. MadridGaetano Isola1791Sant’ Elena al Calvario (Gaetano Isola) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020. LissabonGiovanni Giacomo Lepri1817Libretto (italienisch) des Oratoriums von Giovanni Giacomo Lepri, Rom 1817 als Digitalisat im Internet Archive.Antonio Benciniunbekannt RomWilhelm Küffnerunbekannt als Die heilige HelenaGiuseppe MorosiniunbekanntBibliotheksdatensatz des Oratoriums von Giuseppe Morosini bei opac.sbn.it, abgerufen am 13. Mai 2015.Theodor von Schacht (mutmaßlich)unbekanntSant’ Elena al Calvario (Theodor von Schacht) bei Opening Night! Opera & Oratorio Premieres, Stanford University, abgerufen am 18. Dezember 2020.Werkinformationen zur Oper von Theodor von Schacht im Répertoire International des Sources Musicales, abgerufen am 13. Mai 2015.

Aufnahmen und Aufführungen in neuerer Zeit

Johann Adolph Hasse: