Lingen (Ems) ist eine Mittelstadt im Süden des Landkreises Emsland und im Westen von Niedersachsen. Die an der Ems und grenznah zu den Niederlanden gelegene Stadt ist mit (55.092 lt. Zensus am 15. Mai 2022) Einwohnern die mit Abstand größte Stadt des Landkreises. Lingen hat den Status einer großen selbständigen Stadt und ist raumplanerisch als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums eingestuft.Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (ML): Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen 2008, Hannover 2008, S. 14. (ml.niedersachsen.de PDF; 4,6 MB.)
Geographie Geographische Lage Lingen liegt im südlichen Teil des sich hauptsächlich in Nord-Süd-Richtung ausdehnenden Emslands. Ostsüdöstlich von Lingen, das überwiegend am östlichen Ufer der Ems liegt, befindet sich die Lingener Höhe.
Stadtgliederung 300px|links|Karte des Stadtgebiets Lingen (Ems) Die Stadt Lingen (Ems) setzt sich zusammen aus der historischen Kernstadt, bestehend aus der Altstadt und den Stadtteilen Reuschberge, Stroot, Damaschke, Heukamps-Tannen und Telgenkamp, sowie aus zehn Ortschaften (im Sinne des § 90 Abs. 1 NKomVG), die die Kernstadt umschließen und früher Landgemeinden oder Samtgemeinden waren. Im Einzelnen sind dies Altenlingen, Baccum, Bramsche, Brockhausen, Brögbern, Clusorth-Bramhar, Darme, Holthausen, Laxten und Schepsdorf., abgerufen am 4. September 2016.
Altenlingen mit Wachendorf Baccum mit Ramsel und Münnigbüren Bramsche mit Sommeringen-Hüvede, Mundersum und Estringen Brockhausen Brögbern Clusorth-Bramhar Darme Holthausen mit Biene Laxten Schepsdorf
Nachbargemeinden Lingen grenzt im Norden an Geeste und Bawinkel, im Osten an Langen, Thuine und Messingen, im Süden an Lünne und Emsbüren sowie im Westen an Wietmarschen. Die nächsten größeren Städte in der Umgebung sind Meppen (23 km), Nordhorn (20 km) und Rheine (34 km).
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Stadtgebiet von Lingen liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems.
Die wichtigsten Oberflächengewässer sind die Ems, die Große Aa sowie der Dortmund-Ems-Kanal. Hinzu kommen kleinere Stillgewässer und Altarme, darunter das Mickelmeer.
Die Ems ist das prägende Fließgewässer der Stadt; Lingen liegt überwiegend am östlichen Ufer des Flusses. Die Ems bildet hier den Übergang von der Oberen zur Mittleren Ems. Für die Ems und die Große Aa sind im Stadtgebiet festgesetzte Überschwemmungsgebiete ausgewiesen.
Der Dortmund-Ems-Kanal ergänzt als künstliche Wasserstraße das Gewässersystem.
Zu den bedeutendsten Moor- und Feuchtgebieten im Stadtgebiet zählt das Gebiet Moorschlatts und Heiden in Wachendorf, das sowohl als Naturschutzgebiet (NSW WE 256) als auch als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet 305) ausgewiesen ist. Es umfasst im Stadtgebiet rund 136 Hektar als Naturschutzgebiet beziehungsweise etwa 107 Hektar als FFH-Gebiet. Das Gebiet besteht aus Moorresten, Feuchtheiden, Heiden sowie nährstoffarmen Feuchtstandorten und gehört zu den ökologisch wertvollsten Feuchtlebensräumen der Stadt. Seit 2024 werden dort gezielte Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, um ehemalige Moorflächen wiederzuvernässen und ihren ursprünglichen Charakter als Moorstandort wiederherzustellen.
Ein weiteres wichtiges Feuchtgebiet sind die Emsauen, die sich entlang der Ems erstrecken. Diese Niederungslandschaften bestehen aus Überschwemmungsflächen, Nasswiesen, Altarmen und auentypischen Feuchtbiotopen. Sie sind Teil des Landschaftsschutzgebietes „Emstal“ sowie des Schutzraumes „Natura 2000-Emsauen in Lingen (Ems)“. Die Überschwemmungsgebiete von Ems und Großer Aa sichern dabei die hydrologische Funktion dieser Feuchtlandschaften.
Darüber hinaus bestehen im Stadtgebiet zahlreiche gesetzlich geschützte Biotope wie seggen- und binsenreiche Nasswiesen, naturnahe Still- und Fließgewässer sowie kleinräumige Sumpfflächen. Als Beispiel nennt die Stadt Lingen die „Sumpffläche am Kiebitz“, die als Naturdenkmal geschützt ist. Insgesamt stehen rund 200 Biotope unter besonderem Schutz.
Klima Das Klima in Lingen ist mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 9,3 °C und einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 789 Millimetern typisch für die gemäßigte, maritime Klimazone in Norddeutschland.Geoklima 2.1.
Wetterstation mini|Wetterstation Lingen am Tag des neuen Temperaturrekords
In Lingen befand sich seit dem 1. September 1990 nahe am Dortmund-Ems-Kanal, zwischen Stadion und Freibad, eine Messstation des Deutschen Wetterdienstes, die in früheren Jahren an verschiedenen Standorten innerhalb der Lingener Innenstadt untergebracht war. Die ehem. Station mit der Kennnummer 3023 befindet sich auf einer Höhe von 22 Metern über Normalhöhennull und maß verschiedene Wetterparameter.Stationsatlas des Deutschen Wetterdienstes siehe Station Lingen. Sie wurde am 25. Juli 2019 bundesweit bekannt, als dort mit 42,6 °C die höchste Temperatur Deutschlands seit Beginn aller Aufzeichnungen gemessen wurde. Seit März 2022 ist eine neue Wetterstation im Lingener Ortsteil Baccum in Betrieb.
Extremwerte Die höchste bisher gemessene Temperatur am 25. Juli 2019 betrug 42,6 °C Am 16. Februar 1956 wurde die bisher tiefste Temperatur mit −20,5 °C gemessen
In der ehem. Wetterstation wurden mehrfach Rekordwerte gemessen. Der am 26. Juli 2018 während der Dürre und Hitze in Europa 2018 aufgestellte Messstellen-Temperaturrekord von 37,8 °C wurde nach nur einem Jahr am 24. Juli 2019 mit 39,1 °C übertroffen. Das Hoch Yvonne sorgte in ganz Mitteleuropa für neue Temperaturrekorde, so auch in Lingen, wo die höchste jemals in Niedersachsen ermittelte Temperatur festgestellt wurde. Der alte Rekordwert für Niedersachsen wurde am 9. August 1992 in Faßberg und Bergen mit 38,6 °C gemessen. Am 25. Juli 2019 wurde eine Temperatur von 42,6 °C durch den DWD gemessen, womit in Lingen an diesem Tag ein neuer Hitzerekord für Deutschland aufgestellt wurde.
Die Messwerte sind allerdings im Dezember 2020 vom Deutschen Wetterdienst zurückgezogen worden, da die Messwerte der Station für das Regionalklima nicht repräsentativ seien. Unter anderem aufgrund des Standortes der bisherigen Wetterstation wurde ein neuer Standort im östlich gelegenen Ortsteil Baccum ausgewählt.Hitzerekord Lingen: Deutscher Wetterdienst annulliert Wert von Juli 2019 Nordwest-Zeitung vom 18. Dezember 2020, abgerufen am 5. Januar 2021.
Geschichte mini|Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis im 16. Jahrhundert mini|Die Festung Lingen um 1597 mini|Lingen vor der Schleifung der Festung (Kupferstich von 1647) mini|Preußen (1713–1810) mini|Hanseatische Departements Frankreichs (1811–1813) mini|Königreich Hannover (1814–1866) mini|Preußen (1866–1945)
Laut dem römischen Historiker Tacitus siedelte der germanische Stamm der Ampsivarier (germanisch „Ems-Männer“) im südlichen Emsland an der Ems. Der ursprüngliche Siedlungsschwerpunkt im Raum Lingen lag nördlich von Lingen, in Altenlingen. Was Altenlingen interessant machte, war seine Lage im überörtlichen Verkehrsnetz. Von Jütland herkommend überquerte hier die Flämische Straße die Ems. Sie traf dabei auf die Friesische Straße, die, dem Fluss folgend, Westfalen mit der Nordseeküste verband. Im Heberegister der Abtei Werden wird Lingen als Linga erstmals 975 als zum Venkigau gehöriger Ort erwähnt. Kaiser Otto II. übertrug im Jahr 975 dem Bischof Liudolf von Osnabrück Güter in Liinga als Lehen. Später wurde der Ort auch Lyongo und Linge genannt.Die älteste urkundliche Erwähnung Lingens findet sich abgedruckt in: Theodor von Sickel und Friedrich Hausmann: Monumenta Germaniae Historica. Band 2.1.Die Urkunden Ottos des II. Berlin [u. a.] 1888, Diplom Nr. 100.
Nach Hermann Abels ist damit wahrscheinlich Altenlingen gemeint. Das angehängte n ist die Pluralendung für die Ansiedlung von mehreren Wohnstätten. 1227 besaß Lingen bereits einen stadtähnlichen Charakter; die Bischöfe von Osnabrück und Münster vereinbarten, nach einer erfolgreichen Eroberung Lingens die dortigen Einkünfte aus Zoll, Münze und Gericht unter sich aufzuteilen. Das Lingener Marktrecht von 1314 war Vorbild für den neu eingerichteten Markt in Friesoythe. 1372 wurden die Kivelinge, eine Bürgerwehr aus Jünglingen, gegründet. Sie verteidigten die Stadt und retteten Frauen, Kinder und ihre älteren Mitbürger.
1394 entstand der älteste Beleg für das Lingener Stadtwappen mit den drei Türmen. Graf Nikolaus II. von Tecklenburg bestätigte 1401 das um die Mitte des 14. Jahrhunderts verliehene und 1366 erstmals erwähnte Lingener Stadtrecht. 1493Geschichte des Kreises Lingen: Die allgemeine Geschichte, R. von Acken, S. 211. kam es zur Teilung der Grafschaft Tecklenburg; die Grafschaft Lingen entstand. Der Graf Nikolaus IV. residierte bis 1541 auf der Burg Lingen. 1541 erbte Konrad von Tecklenburg-Schwerin die Grafschaft Lingen. Er führte 1543 die Reformation ein. Zur Sicherung des Landfriedens sowie zur Vereinheitlichung des Münzwesens gehörte die Grafschaft Tecklenburg zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Das von alters her in Lingen geltende Recht wurde 1555 zusammengefasst und als Lingen’sches Landrecht in Kraft gesetzt.
Die Zeit der Reformation Nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes musste Konrad von Tecklenburg-Schwerin im Jahr 1548 Lingen an Kaiser Karl V. abtreten. Dadurch wurde Lingen wieder katholisch.Reformed History and Theology (Lesson 4: Reformed Confessionalisation in Germany and Upper Germany), Georg Plasger, 2004 (PDF; 65 kB). Lehnsherr der Grafschaft wurde der Graf Maximilian von Egmond, der noch im selben Jahr verstarb. Eine verheerende Feuersbrunst zerstörte 1548 große Teile der Stadt. 1554 wurde in Lingen eine kaiserliche Poststation eingerichtet; die heute noch bestehende Alte Posthalterei am Markt wurde 1653 erbaut.Quelle 1: Geschichte des Kreises Lingen: Die allgemeine Geschichte, R. von Acken, S. 267. Erbin Maximilians wurde seine Tochter Anna von Egmond, die 1551 Wilhelm I. von Oranien-Nassau heiratete. Kaiser Karl V. gab seine Zustimmung zur Heirat aber nur unter der Bedingung, dass Anna ihm die Grafschaft Lingen verkaufte. Die Regentschaft übertrug er seiner Schwester Maria von Ungarn, der Statthalterin der Niederlande. 1555 übertrug Kaiser Karl V. Lingen an seinen Sohn Philipp II., dem König von Spanien.Quelle: Lingen 975–1975, Wilfried Ehbrecht, Seiten 59–61.
Während des Feldzuges von 1597 eroberte Prinz Moritz von Oranien Lingen für die Utrechter Union, so dass Lingen wieder calvinistisch wurde. 1605 wurde die Festung Lingen vom spanischen Feldherrn Ambrosio Spinola erobert und rekatholisiert.Illustration von Frans Hogenberg von 1605: Lingen des Frieslands schlußell ist, Von altters und zu diser frist, Welch als des Spinols macht vernummen, … () Lingen war während der spanischen Regentschaft eine bedeutsame Festungsstadt an der Ems. Die Garnison in Lingen besaß eine Truppenstärke von 2000 Soldaten. Lingen hatte aufgrund seiner Lage an der Flämischen Straße von Zwolle nach Hamburg und an der Friesischen Straße von Münster nach Emden hohe militärische Bedeutung im Achtzigjährigen Krieg. Am 11. Februar 1624 rückte die Lingener Garnison über die gefrorenen Moorflächen in Hesepe und Haren unter dem Kommandeur Lucas Kairo gegen Ter Apel in der Provinz Groningen vor. Nach heftigen Kämpfen wurden die Spanier bis nach Groß Fullen bei Meppen zurückgedrängt. Durch den Verlust der Festung Oldenzaal und Wesel zogen sich 1630 die Spanier aus Lingen sowie aus allen deutschen Stellungen nördlich des Rheins endgültig zurück.Internet-Portal „Westfälische Geschichte“ – 1648: Krieg und Frieden in Europa. Hieraufhin wurde die Festung Lingen von 1632 bis 1633 geschleift und die Stadt ging in den Besitz der Oranier über, womit sie wieder calvinistisch wurde.