mini|Fritz Schumacher, Radierung von Leopold von Kalckreuth (1916) mini|Finanzbehörde am Gänsemarkt: Fassade schräg aufwärts mini|Volksschule Slomanstieg auf der Veddel mini|Fritz-Schumacher-Statue im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Fritz Schumacher (* 4. November 1869 in Bremen; † 5. November 1947 in Hamburg; vollständig Friedrich Wilhelm Schumacher) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner, Baubeamter und Hochschullehrer, der von 1909 bis 1933 als Oberbaudirektor in Hamburg wirkte. Er war Mitbegründer des Deutschen Werkbundes und Förderer der neuzeitlichen Backstein-Bauweise in Norddeutschland.

Biografie Jugend und Ausbildung Fritz Schumacher war der Sohn des Juristen, Historikers und Syndicus der Handelskammer Bremen Hermann Albert Schumacher und der Bruder des Nationalökonomen Hermann Schumacher. Der Vater war Ministerresident des Deutschen Reiches in Bogotá und New York. Nach seiner Kindheit kehrte die Familie 1883 nach Bremen zurück. Er besuchte das Alte Gymnasium in Bremen. Sein Schulfreund war der spätere Historiker Karl Ludwig Hampe. Der Bremer Architekt Friedrich Schumacher war sein Cousin.

Schumacher studierte von 1889 bis 1896 an der Technischen Hochschule München zuerst Mathematik und Naturwissenschaften und wechselte schließlich zur Architektur, unter anderem bei Friedrich von Thiersch.

Architekt und Hochschullehrer Seinen beruflichen Einstieg fand Schumacher im Büro des Münchner Architekten Gabriel von Seidl, der ihn bereits während seines Studiums zeitweilig in die Mitarbeitergruppe aufnahm und nach dem Studienabschluss anstellte. Dadurch kam er zweimal mit dem Projekt des Bayerischen Nationalmuseums in Berührung. Fritz Schumacher fand dabei in der Zusammenarbeit mit Seidl, einem exponierten Vertreter des Historismus, große Freude. Besonders schätzte der junge Architekt die Maßgabe seines Arbeitgebers, das Aufgreifen historischer Epochen innerhalb der Architektur des neuen Nationalmuseums durch die jeweils zeitgerechte Formensprache und Stimmung umzusetzen.

In der Münchner Zeit kam Schumacher mit Ferdinand von Miller und dem Kunstsammler Alexander Günther zusammen. Für Günther übernahm er selbständig Aufgaben zur Umgestaltung in dessen Schloss (Schloss Prösels) in Tirol und späterem Wohnsitz am Gardasee. Er unterstützte ihn zwischen 1895 und 1898 finanziell bei seinen Studienreisen.Christian Weller: Reform der Lebenswelt durch Kultur. Die Entwicklung zentraler Gedanken Fritz Schumachers bis 1900. In: Hartmut Frank (Hrsg.): Reformkultur und Moderne. Stuttgart 1994, ISBN 3-7757-0491-4, S. 48.

Im Jahr 1896 nahm er durch Empfehlung von Theodor Fischer im Stadtbauamt Leipzig unter der Leitung von Hugo Licht seine Tätigkeit auf, die bis 1901 andauerte. Hier kam Schumacher mit Friedrich Naumann und dessen Reformgedanken für die Gesellschaft zusammen und war Mitglied verschiedener reformorientierter Gruppen. Während der Weimarer Republik stand er der Deutschen Demokratischen Partei nahe. Das freundschaftliche Verhältnis mit Max Klinger brachte ihn schnell mit avantgardistischen Kreisen von Leipzig in Verbindung. Die sich zunehmend konfliktreich entwickelnde Zusammenarbeit mit seinem Vorgesetzten Hugo Licht beförderte seine Abkehr vom Historismus. Das von Licht innerhalb eines Wettbewerbes geplante, anonym ausgewählte und daraufhin errichtete Neue Rathaus in Leipzig bezeichnete Schumacher in einem Brief an seinen Bruder als „scheußliches Werk“, das er mit mehreren Verbesserungsvorschlägen beeinflussen konnte. Diese Kontroverse war in einen aktuellen kunstkritischen Diskurs eingebettet, zu dem Schumacher 1899 mit einem eigenen Theaterstück Phantasien in Auerbachs Keller beitrug. Dessen Aufführung diente dem Festspiel anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Kunstgewerbemuseums in Leipzig. Dabei band er die Rollen des Faust und Mephisto in einen Disput über Aspekte der modernen Kunst ein. Kontakte mit Leipziger Verlegern ermunterten Schumacher zu Entwürfen für die Buchgestaltung und Exlibris, von denen 1901 ausgewählte Arbeiten im Deutschen Buchgewerbe-Museum gezeigt wurden.Christian Weller: Reform der Lebenswelt durch Kultur. Die Entwicklung zentraler Gedanken Fritz Schumachers bis 1900. In: Hartmut Frank (Hrsg.): Reformkultur und Moderne. Stuttgart 1994, ISBN 3-7757-0491-4, S. 50–54, 300.

mini|hochkant|Entwurf einer „modernen protestantischen Kirche“ auf der Dritten deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung Dresden 1906 Im Jahr 1901 wurde er als Professor an die Technische Hochschule Dresden berufen – ein Amt, das er bis 1909 ausübte.Christian Weller: Reform der Lebenswelt durch Kultur. Die Entwicklung zentraler Gedanken Fritz Schumachers bis 1900. In: Hartmut Frank (Hrsg.): Reformkultur und Moderne. Stuttgart 1994, ISBN 3-7757-0491-4, S. 302. Schumachers Tätigkeit als Hochschullehrer an der Hochbau-Abteilung der Technischen Hochschule und seine Begeisterung für John Ruskins kulturkritische Impulse veranlassten ihn mit Überlegungen und einem Beitrag zur Revision der Rolle des Architekten in seiner Gesellschaft. Während seiner Dresdner Professur war Schumacher an der Gründung des Städtebauseminars beteiligt. Aus diesen Erfahrungen beschrieb er 1916 rückschauend, zu diesem Zeitpunkt bereits in Hamburg als Baudirektor tätig, die Architekturentwicklung des 19. Jahrhunderts als eine Periode singulär hervortretender Werke, wonach sich jedes für sich „in einer Art Verteidigungsstellung gegen seine Umgebung zu behaupten“ bestrebt war. Diese Auffassung verband Schumacher mit der Forderung nach einer besseren Berücksichtigung städtebaulicher Zusammenhänge, die er um 1916 bereits als sich vollziehende Veränderungen wahrnahm. Seiner Meinung nach sind „an die Bildung des Architekten bedeutsame neue Anforderungen“ gestellt, die Aufgaben als Volkswirt und architektonischer Regisseur erforderlich machen. Die großen Herausforderungen an jeden verantwortungsvoll gestalteten Bebauungsplan, besonders im Bereich der Großstädte, bestehen in der harmonischen Verknüpfung von volkswirtschaftlichen und architektonischen Zielen.Fritz Schumacher: Grundlagen der Baukunst. Studien zum Beruf des Architekten. München 1916, S. 52–53.

mini|hochkant|Das Geschwister-Scholl-Haus in Leipzig, erste deutsche Handelshochschule, erbaut 1910 Neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer konnte er deutschlandweit einige Privatwohnhäuser realisieren.z. B. das Landhaus Richard Braun, 1905 bis 1906 in Dresden erbaut, siehe: Erich Haenel / Heinrich Tscharmann (Hrsg.): Das Einzelwohnhaus der Neuzeit. Bd. 1, J. J. Weber, Leipzig 1909, S. 11–13 [mit Abb.] Viele seiner Entwürfe entstanden in seiner Freizeit und am Wochenende. Er schrieb sehr viel und äußerte sich zu verschiedenen Themen der Stadtplanung und Architektur. In seiner Zeit in Hamburg traf er auf erörterungsfreudige Zeitgenossen und diskutierte seine Entwürfe. Für ihn stellte das Bauen einen wesentlichen Beitrag zur Reform der Kunst und damit des Lebens überhaupt dar.Staatsbauten 1909/21, S. 8.

Schumacher war gemeinsam mit Hermann Muthesius, Friedrich Naumann und Henry van de Velde Initiator und Mitbegründer des Deutschen Werkbundes und hielt die Eröffnungsrede zur Gründungsversammlung am 5. Oktober 1907. Das 1910 von ihm fertiggestellte Gebäude für die erste deutsche Handelshochschule (das heutige Geschwister-Scholl-Haus) in Leipzig ist ein herausragendes Beispiel seiner Auffassung von Reformarchitektur. Als konservativer Vertreter der Reformarchitektur stand er den weiteren Entwicklungen kritisch gegenüber und bemängelte am aus der Werkbund-Idee heraus entstandenen Bauhaus dessen „‚Konstruktionsfanatismus‘ einer neuen Sachlichkeit“. Dennoch gehörte auch Schumacher in den 1920er Jahren, insbesondere mit seinen funktionalistischen Hamburger Schulbauten, zu den Vertretern des Neuen Bauens und propagierte eine moderate, an regionalen Traditionen orientierte Moderne.

Schumacher war sein ganzes Leben auch dem Theater sehr zugetan. Neben dem Stück Phantasien in Auerbachs Keller inszenierte er 1908 in Dresden den Hamlet.

Wirken für Bremen In Bremen bewarb er sich 1908/1909 für den Bau des neuen Rathauses, einen Auftrag, den sein erster Arbeitgeber Gabriel von Seidl nach einem beschränkten Wettbewerb erhielt. 1908 gestaltete er das Franziusdenkmal an der Weserbrücke in Bremen. Noch einmal konnte er von 1925 bis 1930 für eine Mitarbeit an der Stadt- und Landesplanung für Bremen gewonnen werden. Hierbei verhinderte er einen Straßendurchbruch am Bischofstor.Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.

Berufung nach Hamburg Nach der Choleraepidemie von 1892 entschloss sich der Hamburger Senat unter Bürgermeister Mönckeberg, das Gängeviertel in der östlichen Altstadt abzureißen und großzügig neu zu gestalten. Zu diesen Maßnahmen zählt der Bau der Mönckebergstraße, deren Verlauf der bereits 1901 vorgeschlagenen Trasse der U-Bahn zwischen Rathausmarkt und Hauptbahnhof entspricht. Im Rahmen der Citybildung als Folge der wachsenden Bedeutung des Handels nach dem Zollanschluss Hamburgs bestand außerdem ein wachsender Bedarf an Büroräumen in modernen Kontorhäusern. Im bisherigen Gängeviertel dominierten kleinere Betriebe und vor allem Wohnungen der Arbeiter. Neben dem Bedarf für eine zeitgemäße Verkehrsanbindung des Zentrums befriedigten vor allem die neu errichteten Geschäftshäuser, nahezu alle ohne Wohnungen konzipiert, den Bedarf des frühen 20. Jahrhunderts an Büroräumen. Es war auch ein Ziel aller Beteiligten, Hamburgs Stadtbild seiner Größe und Wirtschaftskraft entsprechend zu verschönern.

Hamburg war auf dem Wege zur Großstadt und der Senat suchte jemanden mit einem entsprechenden Weitblick als Stadtplaner. Schumacher stellte sich auf die besonderen Anforderungen ein, die Stadt war sich hierüber aber im klaren und wählte gezielt keinen Verwaltungsexperten, sondern einen Künstler. Beim Amtsantritt standen 31 Neubauten und neun Umbauten an.Staatsbauten 1909/21, S. 15f. Sein Vorgänger Carl Johann Christian Zimmermann hatte sich bereits seit einigen Jahren auf reine Entwurfstätigkeiten zurückgezogen. Albert Erbe, der Zimmermann vertreten hatte und sich für die Stelle beworben hatte, wechselte schließlich 1911 nach Essen.

1908 erfolgte die Berufung zum Baudirektor und Leiter des Hochbauwesens in Hamburg, wo er die Stelle am 1. September 1909 antrat. Seine Bauten dieser ersten Hamburger Phase adaptierten lokale Vorbilder der Baugeschichte und wirkten insbesondere mit der werkgerechten Verwendung des Klinkers prägend. Zu den Bauten aus dieser Zeit zählen das Tropeninstitut (1910–1914), die Hochschule für bildende Künste am Lerchenfeld (1911–1913), das Johanneum (1912–1914), das Fritz-Schumacher-Haus (Gebäude N 30) im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das jetzige Medizinhistorisches Museum am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (1913) mit dem Sektionssaal von 1926 und das Museum für Hamburgische Geschichte (1914–1923). mini|hochkant|Davidwache mini|hochkant|Bernhard-Nocht-Institut mini|hochkant|Fritz Schumachers Grab auf dem Friedhof Ohlsdorf

Hans Mackowsky würdigte bereits 1914 das Hamburger Werk Schumachers, er verneinte den regionalen, dem Heimatschutz nahestehenden Aspekt und betonte die technischen Eigenarten von Backstein und Klinker.Staatsbauten 1909/21, S. 9.

Nach einem Wettbewerbssieg wurde Schumacher in Hamburg beurlaubt und begleitete von 1920 bis 1923 als Beigeordneter und Stadtplaner unter Oberbürgermeister Konrad Adenauer die Stadtentwicklung Kölns, wo die Schleifung der Festungsringe die Anlage des Kölner Grüngürtels und der Lindenthaler Kanäle erlaubte. Nach seiner Rückkehr wurde er in Hamburg zum Oberbaudirektor ernannt. 1924 beteiligte er sich an der Großen Berliner Kunstausstellung mit dem Dresdener Krematorium und Backsteinbauten.Digitalisierter Ausstellungskatalog 1924.