Die Shinshū Maru () war ein Landungsbootträger des Kaiserlich Japanischen Heeres, das im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam. Das Schiff war das weltweit erste amphibische Angriffsschiff, das als solches konzipiert wurde.
Geschichte Entwicklungsgeschichte Die Führungsstäbe der Kaiserlich Japanischen Streitkräfte führten zum Ende des Ersten Weltkrieges eine Neubewertung ihrer Kriegspläne, die im Yohei koryo und seiner Ergänzung dem Teikoku Kokubo Hoshin verankert waren, durch. In der 1918er Version des Yohei koryo wurde eine Landung auf Luzon als Teil eines Planes gegen die Vereinigten Staaten von Amerika betont, die 1923 um eine Landung auf der Insel Guam erweitert wurde. Nachdem der Generalstab des Heeres die Schlacht von Gallipoli studiert hatte, kamen sie zu dem Schluss, dass sie sich bei der Organisation von amphibischen Landungen nicht mehr ausschließlich auf die Marine verlassen könne. Daher, und noch ohne sich Gedanken über die Bedrohung durch Flugzeuge und U-Boote zu machen, glaubten die Verantwortlichen Offiziere, dass sie innerhalb kürzerer Zeit und kampfbereit an Land kommen müssten. Da das Szenario vergangener Operationen, bei dem leichtbewaffnete Infanterie einen unverteidigten Strand einnimmt, gefolgt durch die relativ langsame Ausschiffung des Weiteren Materials und anschließende Organisation der Truppen für einen Feldzug, den Realitäten des modernen Krieges nicht mehr gerecht würde. Das Kaiserlich Japanische Heer hatte bereits eine institutionelle Basis, auf der sie eine amphibische Kriegsführung aufbauen konnten. Die Marine war daher nicht in der Lage die Pläne des Heeres in diesem Bereich zu stoppen und leistete daher Unterstützung, als das Heer in den 1920er Jahren begann entsprechende Truppen aufzubauen.
Die Heeres-Transportabteilung die in Ujina bei Hiroshima angesiedelt war, versorgte die Landstreitkräfte mit allen Land- und Seetransportdiensten, die es benötigte. Die Abteilung verfügte über ein Büro für Seetransporte mit einer eigenen Flotte von Schiffen und unterhielt gute Beziehungen zur japanischen Schifffahrtsindustrie. Des Weiteren hatte sie die finanziellen Mittel als auch die Aufsichtsbefugnisse, um Forschung und Entwicklung für amphibische Operationen ohne Einmischung der Marine durchzuführen, insbesondere bei der Konstruktion von Landungsbooten, obwohl in der Praxis die beiden Teilstreitkräfte eng zusammenarbeiteten. Die Doktrin für die amphibische Kriegsführung, die dabei maßgeblich durch das Heer entwickelt und im harten Praxisalltag, unter Verlust von Menschen und Material, entwickelt wurde. Zeigte bis 1932, das beide Teilstreitkräfte über eine gute Einschätzung der grundlegende Anforderungen für eine erfolgreiche Landung an einer feindlichen Küste verfügten, aber nach dem Shanghai-Zwischenfall (Erste Schlacht um Shanghai) plante das Heer, für zukünftige Operationen nur noch ihre eigenen Transportschiffe und Landungsboote zu verwenden, da die Truppen der Marine in diese Schlacht ohne ausreichend Munition und schwere Waffen gegangen waren.Allan R. Millett: Assault from the Sea: The development of amphibious warfare between the wars. S. 64 bis 70
Daraufhin wurde ein Schiff entwickelt, das folgende Punkte erfüllen sollte: ein Deck im Schiffsinneren für eine größere Anzahl von Landungsbooten die über das Heck sicher und schnell zu Wasser gelassen werden können, Einrichtungen zur Aufnahme von Luftfahrzeugen zur Unterstützung von Landungstruppen.
Das daraus entwickelte Seefahrzeug war das erste Landungstransportschiff der Welt, das als solches konzipiert wurde, und ist damit der Vorfahr der Amphibischen Angriffsschiffe wie sie die amerikanische Marine nutzt.
Bau Der Bauauftrag für das R1 (Rikugan 1) genannte Schiff, die spätere Shinshū Maru, wurde an Ishikawajima-Harima vergeben. Diese legte den Rumpf am 8. April 1933 auf ihrer Werft (Harima Zōsen) im heutigen Aioi auf Kiel und das zu Wasser lassen mit Taufe erfolgte am 15. März 1934 und die offizielle Indienststellung am 15. Dezember 1934.
Einsatzgeschichte Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg mini|Die Shinshū Maru am 12. Oktober 1938 in der Bias Bay.
Im Januar 1935 verlegte das Schiff in die Marinewerft Kure, wo es mit einem Flugzeugkatapult ausgestattet wurde. Nach Abschluss der Erprobungen dieses Katapults am 28. Februar galt das Schiff als Einsatzbereit. Anschließend wurden weitere Erprobungen und Übungen durchgeführt, welche auch mit Werftaufhalten verbunden waren, bis es am 7. Juli 1937 zum Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke kam, welcher als Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges gilt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Shinshū Maru für Überholungsarbeiten in der Marinewerft Maizuru. Nach Abbruch dieser Arbeiten und unter Verwendung zusätzlichen Personal wurde das Schiff einsatzbereit gemacht, sodass es am 17. Juli nach Ujina verlegt werden konnte. Von dort transportierte sie am 10. August die 10. Division, zusammen mit vier anderen Schiffen, nach China. Wobei sie zu diesem Zeitpunkt zur Verschleierung die Bezeichnung MT führte. Der Verband traf drei Tage vor Taegu ein, woraufhin die Truppen angelandet wurden, was ohne Probleme passierte, da das Gebiet bereits durch japanische Truppen gesichert war. Danach Rückkehr nach Japan, worauf hin sie noch an zwei weiteren Landungen beteiligte. Einmal die Anlandung der 10. Armee vom 5. bis 12. November 1937 südlich von Shanghai in Jinshanwei (Hangzhou-Bucht). Die Anlandung bei Jinshanwei wurde dabei durch britische und amerikanische Verbindungsoffiziere beobachtet, welche sofort die Bedeutung für die amphibische Kriegsführung erkannten.Murray, Williamson., Millet, Alan R.: Military innovation in the interwar period. Cambridge: Cambridge University Press. 1998. ISBN 978-1-107-26688-9. S. 81
Vom 12. bis 21. Oktober 1938 war das Schiff bei der Operation „Canton“ (Anlandung der 21. Armee nordöstlich von Hongkong in der Bias-Bucht) im Einsatz.
Pazifikkrieg Vier Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 verließ die Shinshū Maru (unter der Bezeichnung Ryūjō Maru) den Hafen von Humen im japanisch kontrollierten Teil Chinas und verlegte nach Cap Saint-Jacques im südlichen Vietnam. Nach zwei Tagen lief das Schiff am 19. Dezember aus und erreicht am 25. Dezember, kurz vor Mitternacht, Singora in Thailand, wo der Stab der 25. Armee angelandet wurde. Am Folgetag kam es zur Verlegung nach Kota Bharu in Malaya, wo sie bis zum 30. Dezember blieb, dann nach Formosa auslief, wo sie bis zum 22. Januar bleieb und dann in die Bucht von Cam Ranh verlegte.
mini|Karte der Sunda-Straße Am 18. Februar verließ die Shinshu Maru als Teil eines Konvois von 56 Transportschiffen, die Bucht von Cam Ranh; dieser Konvoi transportierte die Truppen der Westgruppe für die Operation „J“ (Invasion von Java). Auf ihr selbst wurde dafür der Stab der 16. Armee und deren Kommandeur Generalleutnant Imamura Hitoshi eingeschifft. Infolge der geplanten Invasion Javas kam es am 27./28. Februar 1942 zur Schlacht in der Javasee. Bei dieser wurde ein Großteil der ABDA-Flotte vernichtet, welche eine Gefahr für die Invasion Javas darstellte. Bei dieser Operation hatten die Shinshū Maru und 26 weitere Transportschiffe den Auftrag die 2. Division in den Morgenstunden des 1. März in der Bantam Bay anzulanden, während sechs andere Schiffe Truppen in Merak anlanden sollten. Zur Sicherung waren nördlich und westlich der Landungsgebiete drei Kreuzer sowie sieben Zerstörer und im Osten zur Aufklärung ein weiterer Zerstörer eingesetzt. Als direkte Sicherung befanden sich zwei Zerstörer und eine Minensuchboot-Division in der Bucht. Um etwa 22:15 Uhr trafen zwei Kreuzer der Alliierten, welche sich aus Tanjung Priok (Batavia, dem heutigen Jakarta) in von eigenen Truppen kontrollierte Gewässer zurückziehen wollen, auf die Sicherung des Landungsverbands und griffen diese notgedrungen an (Schlacht in der Sundastraße). Während dieses Gefechtes wird durch den japanischen Kreuzer Mogami um ca. 23:27 eine Salve von sechs Torpedos auf den amerikanischen Kreuzer Housten abgefeuert, die diesen aber ausweichen kann. Die Torpedos laufen daraufhin in die Bantam Bay, wo sie alle ein Ziel finden. Dies sind neben dem Minensuchboot Sōkaitei Nr.2 weitere vier Transportschiffe einschließlich der Shinshū Maru, die im seichten Wasser sinkt.
Da das Schiff aber als wertvoll betrachtet wurde, wurde am 19. März der Heeres-Schlepper Seiha Maru aus Singapur entsandt, um es so weit wieder schwimmfähig zu machen. Dies konnte bis zum 23. September durchgeführt werden. Anschließend wurde es in einen Hafen auf Java geschleppt und von dort zur abschließenden Instandsetzung am 21. Dezember nach Singapur. Dort wurde es von der 101. Schiffsreperatureinheit von Ende Dezember 1942 bis Mai 1943 in der Seletar Naval Base instand gesetzt.
mini|Kartographie Südostasien, Teile Japans sind am oberen Bildrand rechts zu sehen. Anschließend führte sie in den folgenden Monaten Transporte zur Versorgung der japanischen Truppen durch, öfters im Rahmen der Hi-Geleitzüge.
Für einen dieser Geleitzüge (Hi-65) mit 7.500 Soldaten verlässt das Schiff am 29. Mai 1944 um 6 Uhr den Hafen von Moji, das heutige Kitakyūshū. Der Transport besteht zu diesem Zeitpunkt neben der Shinshū Maru aus vier Frachtschiffen und fünf Tankern sowie als Sicherung den Geleitflugzeugträgern Kaiyō und Shin’yō, dem Kreuzer Kashii, drei Kaibōkan und zwei U-Jagdbooten. Des Weiteren läuft später ein Minenleger aus Moji aus, holt den Konvoi ein und schließt sich der Sicherung an. Am 2. Juni wird der Konvoi in der Bashistraße durch die amerikanischen U-Boote USS Guitarro und USS Picuda angegriffen. Die USS Guitarro kann dabei den Kaibōkan Awaji in der Nähe von Yashop Island torpedieren und versenken. Die USS Picuda kann zwei Torpedos abfeuern, die in der Nähe des Frachtschiffes Arimasan Maru vorzeitig explodieren und auf ihr leichte Schäden verursachen. Aber durch die entstandene Verwirrung kommt es zur Kollision des Hecks der Shinshū Maru mit dem Bug der Arimasan Maru, als diese versucht dem Flottentanker Shiretoko auszuweichen. Durch diese Kollision werden zwölf auf dem Heck der Shinshū Maru in Bereitschaft liegende Wasserbomben zur Explosion gebracht, diese zerreißen das Heck der Shinshū Maru und töten auf ihr 255 und auf der Arimasan Maru weitere 25 Personen. Anschließend wird die nicht steuerbare Shinshū Maru durch den Kreuzer Kashii in Schlepp genommen und nimmt mit der leicht beschädigten Arimasan Maru Kurs auf den Hafen von Kiirun. Dort treffen die drei Schiffe am 3. Juni ein und die eingeschifften Truppen gehen von Bord, um mit anderen Transportern auf die Philippinen zu verlegen. Anschließend werden bis zum 29. Juli nötige Arbeiten für die Verlegung des Schiffs nach Japan durchgeführt; die Instandsetzung in einer Werft in Ujina (Präfektur Hiroshima) dauert vom 4. August bis 23. September. Anschließend pendelt die Shinshū Maru bis zum 8. November zwischen Ujina und Busan in Korea.
Am 14. November 1944 verlässt die Shinshū Maru die Bucht von Imari als Teil des Geleitzuges Hi-81 nach Singapur zusammen mit den drei Heeres-Transportern, einem Seeflugzeugtender, fünf Tankern und gesichert durch den Geleitflugzeugträger Shin’yō, einem Zerstörer und sieben Kaibōkan. Sie transportiert dabei 6.400 Mann der 23. Division, 100 Sprengboote für die Philippinen und über 306 weitere Soldaten als Ersatz bzw. Verstärkungen für andere Einheiten.