Étienne Martin Saint-Léon (* 31. Oktober 1860 in Paris; † 14. März 1934 ebenda) war ein französischer Jurist, Historiker, Wirtschaftswissenschaftler und wissenschaftlicher Bibliothekar.
Berufliche Karriere Martin Saint-Léon wurde 1886 zum Docteur en droit promoviert. Anschließend war er bis 1897 als Rechtsanwalt am Pariser Berufungsgericht tätig. Von 1897 bis 1914 war er „Conservateur de la bibliothèque“ am „Musée social“. Daraufhin war er von 1917 bis 1923 Sekretär der Rechtsabteilung des Musée social. Diese 1894 gegründete Einrichtung war weniger ein Museum als eine Forschungseinrichtung und hatte seinerzeit beträchtlichen Einfluss auf die französische Politik, bei der es für gesellschaftliche Reformen eintrat.
Martin Saint-Léon konnte – wie seine zahlreichen Veröffentlichungen zeigen – am Musee eigenständig wissenschaftlich arbeiten. Seinerzeit galt er als der Historiker der französischen Zünfte. Ein weiteres Feld waren die modernen Berufsverbände, Koalitionen und unternehmerischen Zusammenschlüsse, die Trusts und die Kartelle, als deren Vorläufer er die Zünfte sah.Martin Saint-Léon: Cartells et trusts. Paris 1903, S. 6–7.
Als einer der ersten unter den französischen Fachwissenschaftlern übernahm Martin Saint-Léon – ähnlich wie Arthur Raffalovich – 1903 den deutschen Kartellbegriff: Für ihn waren die französischen „Comptoirs“ und „Ententes“ ebenfalls Kartelle und nicht etwas davon Verschiedenes.Martin Saint-Léon: Cartells et trusts. Paris 1903, S. 16–17. Die Trusts hingegen grenzte er von den Kartellen ab.
Ab 1925 war er Gemeinderat von Versailles. Er war Präsident der Gesellschaft für Sozialwirtschaft, Mitglied der Königlichen Akademie für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft von Madrid und Ritter der Ehrenlegion.
Werke „Histoire des corporations de métiers : depuis leurs origines jusqu'à leur suppression en 1791 ; suivie d'une Étude sur l'évolution de l'idée corporative au XIXe siècle et sur les syndicats professionnels“. Paris 1897. „Les anciennes corporations de métiers et les syndicats professionals. Conference faite le 11 Déc. 1898“. Paris 1899. "Cartells et trusts. Paris 1903 (1909: 3. Aufl.). „Revision de la loi du 21 mars 1884 sur les syndicats professionnels et le projet Waldeck-Rousseau-Millerand“. Paris 1904.
Einzelnachweise
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