Ein Varicellaimpfstoff oder Varizellaimpfstoff (synonym: Windpockenimpfstoff) ist ein Impfstoff gegen Infektionen mit dem Varizella-Zoster-Virus (VZV). Der Varicellaimpfstoff befindet sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation.

Eigenschaften Der Varicellaimpfstoff ist ein attenuierter Windpocken-Lebendimpfstoff.CDC Pink Book: Varicella Zoster Virus. (PDF; 169 kB) Centers for Disease Control and Prevention. Der erste Varicellaimpfstoff vom Impfstamm Oka wurde in den 1970er Jahren in Japan entwickelt und im Jahr 1984 in Deutschland unter dem Namen Varilrix, Varilrix: Produktbeschreibung. Paul-Ehrlich-Institut. sowie 1988 in Japan und Korea zugelassen. 1995 wurde in den USA Varivax zugelassen, der auf dem Oka/Merck-Impfstamm basiert – 2010 in Deutschland. In Form eines Kombinationsimpfstoffes wurde die Varicellakomponente in den MMRV-Impfstoffen erstmals in Form von ProQuad integriert; dieser kam 2005 in den USA und 2006 in Deutschland auf dem Markt. In der Schweiz wurde der monovalente Impfstoff Varilrix 1995 zugelassen, Varivax kam 2005 auf den Markt, und der Kombinationsimpfstoff ProQuad wurde 2010 in der Schweiz zugelassen. Alle vier Impfstoffe sind von Swissmedic ab 9 Monaten zugelassen, sind aber auch für Jugendliche und Erwachsene erhältlich. Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Impfung in zwei Dosen bei Säuglingen zwischen 9 und 12 Monaten.

Die Attenuierung des Varicellavirus-Impfstamms Oka wurde durch serielle Passagen in humanen embryonalen Lungenzellkulturen, in embryonalen Meerschweinchen-Fibroblasten und in der WI-38-Zelllinie erreicht. Der Oka/Merck-Impfstamm wurde zusätzlich 31-mal in der Zelllinie MRC-5 passagiert. Im Einzel-Varicellaimpfstoff sind 1350 PFU (Plaque Forming Units, bzw. PBE plaquebildende Einheiten) enthalten, während knapp 10.000 PFU (ProQuad) bzw. 2000 PFU (Priorix-Tetra) im MMRV-Impfstoff vorhanden sind. Im Varicellaimpfstoff gegen Herpes-Zoster sind 19.400 PFU enthalten.

Der Monoimpfstoff enthält neben den lebenden, abgeschwächten Varicella-Viren noch als Inhaltsstoffe oft Saccharose, Aminosäuren, Natrium- und Kaliumsalze sowie deren Phosphate. Wasser dient als Lösungsmittel.

+ Zugelassene Monoimpfstoffe Impfstoff Unternehmen Vakzintyp Ergebnisse Zulassung Varivax, Varilrix MSD & GlaxoSmithKline attenuiert Stamm Oka/Merck (mind. 1350 plaquebildenden Einheiten [PBE]) bzw. Oka1 (mind. 2000 PBE)

hergestellt in MRC-5 Nach einmaliger Impfung wird in 95 % der Geimpften eine milde Erkrankung verhindert und in 100 % eine schwere Erkrankung Windpocken Shingrix GlaxoSmithKline Untereinheitenimpfstoff (Glykoprotein-E-Antigen) mit Adjuvans AS01B/QS-21/Monophosphoryl-Lipid A (MPL) hergestellt in CHO-Zellen Immunantwort in Geimpften über 65 Jahren. Im ersten Jahr 90 % Impfschutz, nach vier Jahren 88 % Gürtelrose

Immunologie Der Impfstoff für Kinder wird meistens durch zweimalige, subkutane Injektion verabreicht. Nach einer Impfung entwickeln 97 % der Kinder über zwölf Monaten messbare Titer für neutralisierende Antikörper für eine Dauer von sieben bis zehn Jahren. Der Impfschutz gegen eine Infektion liegt nach einer Impfung zwischen 70 und 90 % bzw. zwischen 90 und 100 % gegen eine Erkrankung. Bei Menschen über 13 Jahren entwickeln 78 % der Geimpften Antikörper und 99 % der Geimpften nach einer zweiten Impfung. Eine erworbene Immunität hält mit über zwanzig Jahren vergleichsweise lange an, vermutlich lebenslang in einem Großteil der Geimpften. Jedoch verlieren manche Kinder ihren Impfschutz bereits nach fünf bis acht Jahren. Eine Erkrankung verläuft bei Geimpften milder, mit meistens weniger als 50 Pockenläsionen und meistens ohne Fieber.

Varicellaimpfstoffe sind Bestandteil des Mehrfachimpfstoffs MMRV-Impfstoff (Zulassung USA 2005), zusammen mit einem Mumpsimpfstoff, einem Masernimpfstoff und einem Rötelnimpfstoff. Zugelassen sind auch Monoimpfstoffe.

Handelsnamen Handelsnamen für Varicellaimpfstoffe sind in Deutschland die Monoimpfstoffe Varivax und Varilrix sowie die MMRV-Impfstoffe ProQuad und Priorix-Tetra (Stand 2021).

In Deutschland und den USA wurde der Vertrieb von Zostavax eingestellt, seit 1. Juni 2025 ist es nicht mehr in der Europäischen Union zugelassen. Literatur D. M. Knipe, Peter M. Howley, D. E. Griffin (Hrsg.): Fields Virology. 5. Auflage. Lippincott Williams & Wilkins, Philadelphia 2007, ISBN 978-0-7817-6060-7.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Impfstoff Kategorie:Arzneistoff Kategorie:ATC-J07