Der Solling ist ein bis hohes Mittelgebirge des Weserberglands im Süden Niedersachsens (Deutschland), dessen äußerste Südausläufer nach Hessen und Nordrhein-Westfalen reichen.
Innerhalb Niedersachsens stellt er das flächenmäßig zweitgrößte und nach dem Harz (Wurmberg; ; höchster Punkt im niedersächsischen Harzgebiet) sowie dem Nordteil des nach Niedersachsen hineinreichenden Kaufunger Walds (Haferberg; ) das dritthöchste Gebirge dar.
Der Solling bildet zusammen mit dem kleineren und niedrigeren Mittelgebirgszug Vogler und dem kleinen Höhenzug Burgberg, die sich nördlich an den Solling anschließen, den Naturpark Solling-Vogler.
Name mini|Niedersächsisches Bergland Der Name Solling wird etymologisch interpretiert als eine durch ihren Reichtum an sumpfigen Stellen charakterisierte Waldlandschaft. Vorformen des Wortes gehen zurück auf die Silbe sol, die eine Niederung oder morastige Stelle meint und sich auch in Flurnamen wie Heimbuchsoll wiederfindet. Auch die heutigen Wörter Suhle und Soll gehen auf diesen Wortstamm zurück.
Der Solling wird erst relativ spät urkundlich erwähnt, der erste Hinweis findet sich in einer Urkunde der Fuldaer Traditionen aus dem Jahr 1157: pro foreste Sulgo.
Geographie Lage Der Solling liegt fast vollständig in Südniedersachsen in den Landkreisen Holzminden und Northeim. Lediglich sein Südwestausläufer mit den Hannoverschen Klippen gehört rechtlich zum Kreis Höxter in Ostwestfalen, und seine Südwestabdachung mit dem Stadtviertel Gartenstadt Bad Karlshafens befindet sich in Nordhessen im Landkreis Kassel, wo auch die Südabdachung des Sollings bei der Gemeinde Wesertal ausläuft.
Am Solling liegen die größeren Orte entlang eines gedachten Ringes an seinem Rand. Im Uhrzeigersinn sind dies Deensen, Heinade, Dassel, Moringen, Hardegsen, Uslar, Bodenfelde, Bad Karlshafen, Lauenförde, Beverungen, Fürstenberg, Boffzen, Höxter, Holzminden und Bevern.
Im Norden stößt der Solling an den Burgberg, hinter dem sich der Vogler befindet, im Nordnordosten an den Homburgwald, im Nordosten an die Höhenzüge Amtsberge, Holzberg und Ellenser Wald, im Osten an die Ahlsburg, im Südosten an den Weper, im Süden an den Kiffing und im Südwesten an den Reinhardswald. Im Südwesten, Westen und Nordwesten bildet das Obere Wesertal die naturräumliche Begrenzung des Sollings.
Naturräumliche Zuordnung Naturräumlich ist der Solling der größte und höchste der drei namensgebenden Buntsandstein-Blöcke der Haupteinheit Solling, Bramwald und Reinhardswald (Nr. 370). In den naturräumlichen Zuordnungen spielt indes das Schwülmetal, das landläufig als Südgrenze des Solling gesehen wird und gleichzeitig die Landesgrenze zu Hessen und die Südgrenze des Naturparks bildet, keine Rolle.
Das eigentliche Kerngebirge bis zu den tiefer und breiter eingeschnittenen nördlichen Nebentälern von Ahle und Rehbach bildet den Naturraum Nördlicher Solling (370.0). Die tiefer eingetalte und etwas weniger hohe Landschaft von dort bis zum Niemetal, hinter dem sich der Bramwald anschließt, wird Kuppiger Solling (370.1) genannt. Inselartig von diesem durchgehend bewaldeten Gebiet umschlossen liegt das besiedelte Uslarer Becken um Uslar, das auch das Ahletal ab Schönhagen, das Rehbachtal ab Bollensen und das Schwülmetal zwischen Offensen und Vernawahlshausen umfasst.
Kulturlandschaftsraum Der Kulturlandschaftsraum Solling, Bram- und Kaufunger Wald umfasst ein 960 km² großes Gebiet. Diese Zuordnung zu den Kulturlandschaften in Niedersachsen hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 2018 getroffen. Ein besonderer, rechtlich verbindlicher Schutzstatus ist mit der Klassifizierung nicht verbunden.Christian Wiegang: K37 Solling, Bram- und Kaufunger Wald in: Kulturlandschaftsräume und historische Kulturlandschaften landesweiter Bedeutung in Niedersachsen. Landesweite Erfassung, Darstellung und Bewertung, Hannover, 2019, S. 284–287.
Zu beachten ist, dass die betreffende Gliederung in Kulturlandschaften sich auf das Land Niedersachsen beschränkt und daher hessische Teile des Kaufunger Waldes und der Nordabdachung des Solling ausschließt sowie den Reinhardswald komplett. Die „Eingemeindung“ des niedersächsischen Teils des Kaufunger Waldes – über die Haupteinheit Fulda-Werra-Bergland naturräumlich bereits Teil des Hessischen Berglandes – ist bereits durch seinen geringen Anteil am Bundesland erklärbar.
Berge Zu den Bergen und Erhebungen des Solling gehören – mit Höhen in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders genannt laut ): Große Blöße (527,8 m) Großer Ahrensberg (524,9 m) Dasseler Mittelberg (ca. 515 m) Moosberg (513,0 m) – mit Hochsollingturm (AT) Vogelherd (Solling) (ca. 507 m) – direkt südwestlich des Großen Ahrensbergs Dreiberg (493,5 m) Großer Steinberg (492,5 m) – mit Harzblick (AT) Tünnekenbornstrang (490,1 m) Langenberg (484,6 m) Bärenkopf (473,0 m) Wolfsstrang (467 m) – mit Gaußstein, westlich von Sievershausen Schönenberg (457,1 m) Hasselberg / Schrodhalbe (452,5 m) – mit Fernmeldeturm Höxter Hahnenbreite (452,0 m) Alte Schmacht (447,5 m) – mit Sendeanlage Eisernstieg (446,3 m) Strutberg (444,1 m) – mit Sollingturm (AT) Großer Lauenberg (442,6 m) Wildenkiel (ca. 441 m) Auerhahnkopf (ca. 440 m) Hackeberg (428,4 m) Hengstrücken (424,4 m) Buchholz (421,7 m) Sonnenköpfe (414,6 m; Westgipfel) Sonnenköpfe (407,0 m; Ostgipfel) Junge Schmacht (388,0 m) Platte (379,7 m) Sommerberg (364,5 m) Kahlberg (224,7 m)
Gewässer Zu den Fließgewässern im und am Solling gehören: Ahle – entspringt im Solling, verlässt ihn südostwärts fließend und ist ein nordwestlicher Schwülme-Zufluss Beverbach – entspringt am Nordrand des Sollings in Schorborn, fließt westwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss Dieße – entspringt am Ostrand des Sollings nahe Fredelsloh, fließt nordnordostwärts und ist ein südsüdwestlicher Ilme-Zufluss Dürre Holzminde – entspringt im Solling im Erzbruch, fließt über Mühlenberg nach Holzminden und ist ein Holzminde-Zufluss Espolde – entspringt am Ostrand des Sollings nahe Espol, fließt überwiegend ostwärts und ist ein westlicher Leine-Zufluss Hasselbach – entsteht im Solling nahe Schießhaus, fließt überwiegend westwärts und ist ein östlicher Dürre Holzminde-Zufluss Helle – entspringt im Solling im Mecklenbruch, fließt durch Hellental und Merxhausen und ist ein südwestlicher Spüligbach-Zufluss Holzminde – entspringt im Solling im Mecklenbruch, fließt überwiegend nordwestwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss Ilme – entspringt im Solling nahe dem Neuen Teich, fließt überwiegend ostwärts und ist ein westlicher Leine-Zufluss Otterbach – entspringt im Solling nahe „Neuhaus im Solling“ im Rutenbruch, fließt nordwestwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss Rehbach – entspringt im Solling nahe dem Schönenberg, fließt südwestwärts und ist ein nordöstlicher Ahle-Zufluss Reiherbach – entspringt nördlich von Amelith, fließt südsüdostwärts nach Bodenfelde und ist ein nordnordwestlicher Weser-Zufluss Rottmünde – entspringt im Solling nahe „Neuhaus im Solling“ im Rutenbruch, fließt südwestwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss Schwülme – entspringt im Südosten des Sollings nahe Hettensen, fließt überwiegend westwärts und ist ein östlicher Weser-Zufluss Spüligbach – entspringt am Nordostrand des Sollings nahe Heinade, fließt südostwärts und ist ein nordwestlicher Ilme-Zufluss Weser – entsteht etwa 35 km (Luftlinie) südlich des Sollings bei Hann. Münden aus der Vereinigung von Fulda und Werra, passiert den Solling-Westrand in Süd-Nord-Richtung und ist ein in die Nordsee mündender Strom
Die beiden letztgenannten verlaufen peripher, während die anderen den Solling radial entwässern.
Zu den Stillgewässern des Sollings gehören der Neue Teich und der benachbarte Lakenteich.
Ortschaften Ortschaften am oder im Solling sind: Abbecke Amelith Bad Karlshafen Bevern Bodenfelde Boffzen Bollensen Dassel Delliehausen Derental Einbeck Ellierode Eschershausen Espol Fohlenplacken Fredelsloh Fürstenberg Gierswalde Hardegsen Heinade Hellental Hettensen Hilwartshausen Holzminden Höxter Kammerborn Lauenberg Lauenförde Lichtenborn Lippoldsberg Lüchtringen Mackensen Merxhausen Moringen Mühlenberg Neuhaus Nienover Relliehausen Schießhaus Schlarpe Schönhagen Schoningen Schorborn Sievershausen Silberborn Sohlingen Stadtoldendorf Trögen Uslar Üssinghausen Vahle Vernawahlshausen Volpriehausen Wahmbeck Wesertal Wiensen
Gemeindefreie Gebiete Die unbewohnten Waldflächen des Sollings liegen größtenteils in insgesamt vier gemeindefreien Gebieten: Landkreis Holzminden Boffzen (gemeindefreies Gebiet) Holzminden (gemeindefreies Gebiet) Merxhausen (gemeindefreies Gebiet) Landkreis Northeim Solling (gemeindefreies Gebiet)
Geologie mini|Sandstein rötlicher Einfärbung In der Form eines umgedrehten Tellers hebt sich das Felsmassiv des Sollings von seiner Umgebung ab. Der Durchmesser beträgt etwa 30 km, die Mächtigkeit 300 m. Dieses Festgestein besteht aus Sandstein in meist rötlicher Einfärbung, dem Buntsandstein. Zu den Zeiten der variszischen Gebirgsbildung noch Teil einer ausgedehnten Senke, hob sich die Sollingscholle im Erdmittelalter. Anschließend entstand infolge eines regionalen tektonischen Vorgangs eine Verwerfung. Sie verläuft durch das gesamte Massiv entlang einer recht geraden Linie. An der Oberfläche wird sie als Graben sichtbar, der teilweise mit Lockergesteinen verfüllt ist. Im Nordosten verläuft heute durch diesen Graben die Helle, an dessen Nordende sie in den Spüligbach mündet. An dieses Bachtal anschließend hat sich in der Sollingmitte das Mecklenbruch gebildet. Der südwestliche Teil des Grabenbruchs zeigt bei Derental seine stärkste Ausprägung. Die gesamte Formation ist von einer Schicht Parabraunerde überlagert, auf der sich Moderhumus gebildet hat.
Die Mitte des Sollings mit Höhenlagen über wird auch als Hoher Solling oder Hochsolling bezeichnet. Auf dieser Hochfläche gehen die Böden in Pseudogley oder Stagnogley über, sodass sich Moorareale gebildet haben.
Über die beschriebene markante Grabenstruktur hinaus weist der Solling mehrere kleinere Verwerfungen auf, die sich oft als Bachtäler darstellen. Die Randbereiche des Solling lassen sich im Uhrzeigersinn so charakterisieren:
Im Norden schließt sich der Vogler an. Im Osten läuft der Solling flach in die Stadt Dassel aus. Im Südosten hat sich um Uslar ein Becken abgesenkt. Im Süden grenzt der Solling an den Reinhardswald. Den Westverlauf bildet die Weser, wo der Wesersandstein des Sollings als Hannoversche Klippen seine steilste Formation aufweist.
Landschaftsbild Die durchgehende Bewaldung des Sollings prägt sein Gesamterscheinungsbild. Fichtenbestand dominiert diese Kulturlandschaft. Buchenwaldareale bilden den Kern des Laubbaumbestandes. An einigen Stellen befinden sich lange Eichenalleen, die vor 250 Jahren vom Forstmeister Johann Georg von Langen angelegt wurden. Von den Durchgangsstraßen aus eröffnet sich über Forst- und Wanderwege der Zugang zu Lichtungsrändern, die auch andere Baumarten wie Ahorn, Birke, Douglasie, Esche, Lärche oder Tanne aufweisen. Der Boden ist, sofern sich kein Unterholz durchgesetzt hat, in der Regel mit Hainsimsen bewachsen. Bachtal- und Waldrandzonen haben Wiesencharakter.
In das Waldgebiet eingebettet befinden sich mitten im Solling mit dem Neuen Teich, dem Lakenteich und dem Hochmoor Mecklenbruch drei ökologisch wichtige Feuchtbiotope.
Geschichte Prähistorie