mini|Albrecht-Joachim Boldt (2015) Albrecht-Joachim Boldt (* 6. April 1933 in Rostock; † 9. September 2020 in Wessin, Crivitz) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher. Zur Zeit der Wende und friedlichen Revolution in der DDR 1989/90 war er Propst in Plau am See.
Leben Boldt besuchte die Große Stadtschule Rostock und studierte an der Universität Rostock Evangelische Theologie. Ab 1960 war er Pastor der Kirchengemeinde Hanstorf / Heiligenhagen. 1968 kam er an die Pfarrkirche St. Marien (Plau am See). 1980 zum Propst gewählt, spielte er zur Wendezeit in Plau am See eine führende Rolle.Erinnerung an die Wende (Schweriner Volkszeitung, 26. Oktober 2009) Mit Plaus katholischem Pfarrer Klaus Rziha lud er zu einem „Gespräch in bewegter Zeit“ in St. Mariens Sakristei ein. Statt der erwarteten 40 kamen 1.500 Teilnehmer, von denen nur 1.000 in die Kirche passten. Axel Tohtz, ab 1990 Plaus Bürgermeister, forderte freie Wahlen und Meinungsfreiheit. Nach der Versammlung zogen die meisten Teilnehmer in einem Demonstrationszug durch die Stadt.
In den folgenden Tagen wurde ein Friedenskreis gegründet. Er traf sich wöchentlich in den Räumen der Kirchengemeinde und diskutierte über die in der Versammlung erhobenen Forderungen. Es wurden Demonstrationen in Plau organisiert und die Teilnahme an einer Kundgebung in Lübz beschlossen. In Lübz saß der Rat des Kreises. Angesichts wachsender Verunsicherung und Diffamierung rief Boldt zu einem politischen Gespräch. Der erste „Runde Tisch“ kam am 20. Dezember 1989 im Rathaus Plau am See zusammen. Teilnehmer waren unter anderem Jürgen Andrees und der Bürgermeister Manfred Kruse.
Der Runde Tisch stellte seine Arbeit nach der Kommunalwahl im Mai 1990 ein.Ergebnisse der Wahlen zu den Kreistagen der Landkreise und Gemeindevertretungen der kreisfreien Städte seit 1990 Walter Kempowski besuchte Boldt 1991. Einig waren sie sich in der Einschätzung der Wendezeit: „Es war ein gefährliches Klannerlaufen.“Klannerlaufen (Rostock Sailing) Über das zweistündige Gespräch berichtet Kempowski in Somnia. Tagebuch 1991 (München 2008). Boldt wurde 1993 emeritiert. Mit seiner Frau, einer Ärztin aus Masuren, hatte er vier Kinder. An der Parkinson-Krankheit leidend, starb er während der Kurzzeitpflege nach der Operation einer Femurfraktur.
Siehe auch Liste der Pastoren in Plau (Mecklenburg) Christen und Kirchen in der DDR Realsozialismus
Literatur Albrecht-Joachim Boldt: Wende in der Kirche – als Propst in Plau. Mein Mecklenburg IV/2015, S. 18–20.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Absolvent der Universität Rostock Kategorie:Lutherischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Person des Christentums (Landkreis Ludwigslust-Parchim) Kategorie:Person (Plau am See) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2020 Kategorie:Mann