Das Bürsten- und Heimatmuseum Schönheide von Schönheide (Westerzgebirge) zeigt Sammlungen zur Geschichte der Schönheider Bürstenindustrie und zur Ortsgeschichte.

Geschichte Gebäude Das Museum liegt in der Ortsmitte Schönheides an der Hauptstraße neben der Martin-Luther-Kirche. Das Fachwerkhaus wurde 1651 als Schule erbaut. Mit der Bildung einer eigenständigen Kirchgemeinde wurde es 1680 zum Pfarramt umgebaut und erhielt einen Anbau.Webseite des Museums, Abruf am 4. März 2021 Im Jahr 1848 ermittelte eine Baukommission so große Mängel, dass eine Bewohnen des Gebäudes nicht mehr möglich sei. Die größten Mängel wurden behoben, aber 1910 musste der Pfarrer binnen zwei Wochen ausziehen, weil die Schäden zu groß waren. Eine Reihe von Umbauten folgten.Volker Bretschneider und Bernd Garn: Alte Ansichten von Schönheide - Ein Gruß aus Schönheide, Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2012, ISBN 978-3-86595-460-2, S. 48. Nach dem Auszug des Pfarramts wurde das Gebäude bis in die 1990er Jahre als Wohnhaus genutzt. Dann wurde die das Fachwerk verbergende Verkleidung entfernt und das Haus für Museumszwecke saniert und hergerichtet, so dass im Jahr 2000 das Museum einziehen konnte. Die das Gebäude tragende Struktur des Fachwerks ist noch an einigen Stellen im Inneren zu sehen.

Das Gebäude ist vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsens als Kulturdenkmal (mit der Denkmalnummer 08957041) eingestuft und steht auf der Liste der Kulturdenkmale in Schönheide mit dieser Beschreibung des Landesamts: Fachwerkgebäude im Ortskern, ehemals Pfarrhof, Teil der alten Ortsstruktur, von ortsbildprägender Bedeutung und bezeichnet 1757 (Bauernhaus).

Museum Planungen für ein Museum gab es in Schönheide schon vor der Zeit des Ersten Weltkriegs, aber durch Krieg, Nachkriegszeit, Inflation und Wirtschaftskrise wurden sie nicht verwirklicht. In einer um 1916 veröffentlichten Publikation für Schönheide-Touristen sind zwei sogenannte Nagelkreuze abgebildet, deren Bildunterschrift „Nagelkreuze im Heimatmuseum“ lautet.Max Grohmann (Hrsg. im Auftrag des Erzgebirgs-Zweigvereins Schönheide): Auf nach Schönheide – Ratgeber in Bild und Wort für Einheimische und Fremde, für Sommerfrischler, Wanderlustige und Wintersportfreunde […], Schönheide o. J. (1916), S. 20 Etwa zur gleichen Zeit appellierte der Ausschuss „Heimatgrüße“ an Schönheider Soldaten, die im Ersten Weltkrieg an der Front waren, „Ansichten vom Felde, Zeitungen, Plakate, Karten, selbstgefertigte Dinge, Kunstgegenstände, Fotographien“ einzusenden, die „später dem Heimatmuseum“ zur Verfügung gestellt werden sollten.Ausschuss für „Heimatgrüße“ (Hrsg.): Heimatgrüße. Unsern lieben Feldgrauen und Meerblauen gewidmet von ihren Heimatgemeinden Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide. Monatliche Nachrichten aus der Heimat, S. 72 (Ausgabe 9, Augustnummer 1916) Digitalisat in der Staatsbibliothek Berlin Im Septemberheft von 1917 schrieb Max Grohmann, Direktor der Schule in Schönheide, es bestehe die „Absicht, in Schönheide ein Heimatmuseum zu errichten, um alles Sehenswerte aus Vergangenheit und Gegenwart der Zukunft zur Lehre und Ehrung zu erhalten“. Er schließt mit „Weltkriegserinnerung im Heimatmuseum. Auf, ans Werk, der Heimat zur Liebe! Niemand schließe sich aus!“Max Grohmann (mit dem Kürzel Gr.): Die Weltkriegsabteilung im geplanten Schönheider Heimatmuseum, in: Ausschuss für „Heimatgrüße“ (Hrsg.): Heimatgrüße. Unsern lieben Feldgrauen und Meerblauen gewidmet von ihren Heimatgemeinden Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide. Monatliche Nachrichten aus der Heimat, S. 173 (Blatt 22, Septembernummer 1917) Digitalisat in der Staatsbibliothek Berlin Eine „Weltkriegs-Bilderaustellung“ gegen Ende des Ersten Weltkrieges in Schönheide zeigte neben Kunstobjekten auch um Tausend Postkarten von Soldaten. In einem Bericht im letzten Heft der „Heimatgrüße“, das im November 1918 erschien, heißt es, die wichtigsten Exponate sollten dauerhaft im Heimatmuseum aufbewahrt werden.Ausschuss für „Heimatgrüße“ (Hrsg.): Heimatgrüße. Unsern lieben Feldgrauen und Meerblauen gewidmet von ihren Heimatgemeinden Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide. Monatliche Nachrichten aus der Heimat, S. 269 (Ausgabe 33/34, September- und Oktobernummer 1918) Digitalisat in der Staatsbibliothek Berlin

Die Pläne für ein Museum wurden erst nach 1990 realisiert. Aus Anlass des 450-jährigen Bestehens der Gemeinde war 1987 eine Reihe von museumsgeeigneten Gegenständen gesammelt worden und nach den Jubiläumsfeierlichkeiten in einem Rathausnebengebäude aufbewahrt worden. Diese bildeten den Grundstock für das Museum, das zunächst in Oberschönheide in kleinem Rahmen in einem früheren Dienstgebäude der Volkspolizei gestaltet werden konnte.

Dauerausstellung mini|Bürstenfabrikation vor 100 Jahren mini|Wetterfahne der Kirche von 1699 Erdgeschoss Bürsten- und Pinselherstellung Das Erdgeschoss ist der Geschichte der Schönheider Bürstenindustrie gewidmet und zeigt in mehreren Räumen zahlreiche Exponate wie Maschinen aus der Frühzeit der Elektrotechnik, Gerätschaften, Rohwaren wie Bürstenhölzer, Borsten und Tierhaare. Alles zur Herstellung von Bürsten und Pinseln sowie der Prozess zu deren Herstellung ist zu sehen. Regelmäßige Vorführungen dokumentieren die verschiedenen Handwerke des Bürsten- und Pinselmachens. Nicht nur Fabrikationsanlagen, auch Verpackung, Werbung, Verwaltungs-, Brief- und Werbematerial und Unterlagen von in Schönheide ansässig gewesenen Firmen der Bürsten- und Pinselherstellung werden gezeigt. Der Vertrieb in der Form des insbesondere im 19. Jahrhundert weit verbreiteten Direktvertriebs, des Hausierens, wird dokumentiert.Webseite des Museums

Obergeschoss Hammerwerk Schönheiderhammer Dem 1566 entstandenen Hammerwerk im Ortsteil Schönheiderhammer ist im Obergeschoss ein Bereich mit Produkten wie gusseisernen Öfen und Dokumenten aus der Werksgeschichte gewidmet. Handwerksgeschichte Die Urkunde über die Gründung der Handwerkerinnung von 1669 ist ein besonderes Exponat im Bereich zum Handwerk, von dem die Einrichtung einer Bäckerei, Fahnen und Pokale von Handwerkervereinigungen, Werkstücken von Tischler und Zimmermann und andere Stücke gezeigt werden. Wohnküche von 1920 mini|Wohnküche aus den 1920er Jahren mini|Schuhmacherwerkstatt mini|Werkstatt eines Mechanikers Der Platz für eine Heimarbeiterin in der Wohnküche einer Arbeiterfamilie zeigt bescheidenstes Wohnen und Arbeiten auf engem Raum. Dorfgeschichte Zahlreiche Landkarten, Ansichten, Bilder, Zeichnungen, Fotos, Dokumente, Exponate wie Wetterfahnen von Kirche und Rathaus, Ortseingangsschilder – auch in kyrillischer Schrift aus der Zeit der Besetzung durch sowjetische Truppen im Jahr 1945 – und Gegenstände dokumentieren die Entwicklung von Schönheide als Industriedorf. Auch die Bergbaugeschichte des Ortes wird angerissen. Der Eibenstocker Maler und Grafiker Thomas ist mit einer großen Grafik in Form einer Nachzeichnung der Kursachsen-Landkarte von Matthias Oeder und Balthasar Zimmermann aus der Zeit um 1600 und mit einer Zeichnung und Beschreibung der Baugeschichte des Museumsgebäudes im Museum vertreten. Schuhmacherwerkstatt Die Werkstatt des Schuhmachers Kurt Petzold, der Jahrzehnte in Schönheide wirkte, ist in einem Raum des Museums ausgestellt. Es fallen die großen Filzstiefel auf. Gesellen- und Meisterbrief hängen im Original neben einem Lebenslauf des Schuhmachermeisters: Die Gesellenprüfung bestand er 1924, seinen Meister machte er erst im Jahr 1947 – nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Foto Kurt Petzolds zeigt ihn in seiner Werkstatt. Werkstatt des Nähmaschinen- und Fahrradmechanikers Emil Oschatz Vor dem Raum mit der Werkstatt des Nähmaschinen- und Fahrradmechanikers Emil Oschatz steht ein Fahrrad mit Hilfsmotor aus den 1930er Jahren, dessen Zweitaktmotor vor dem Lenker angebaut war und seine Kraft mit einem Reibrad auf das Vorderrad übertrug. Solche Fahrräder hießen im Volksmund Hühnerschreck. Die Werkstatt versammelt alle Gerätschaften und Vorräte, wie sie ein Mechaniker dieser Fachrichtung braucht – auf dem Stand von vor etwa 1950. Die Werbemittel und Produkte in der Werkstatt und ihrem Schaufenster sind weitgehend aus der Zeit von vor 1945. Emil Oschatz hatte seine Werkstatt in Schönheide etwa von 1935 bis 1970. Er reparierte neben Nähmaschinen und Fahrrädern auch motorgetriebene Zweiräder – Motorräder und Besonderheiten wie den „Hühnerschreck“. Werkstatt eines Tischlers Gerätschaften eines Tischlers sind aus einer Zeit gesammelt, als die Leute sich noch Möbel vom Tischler anfertigen ließen und der Knochenleim auf dem Ofen in der Werkstatt stand. Das Adressbuch von 1894 listet 21 Tischlereien in Schönheide auf. Gemischtwarenladen mini|Lebensmittelladen An die Zeit, in der es im großen Dorf Schönheide für alle Bewohner in Fußgängerentfernung Lebensmittelläden gab, erinnern zahlreiche Sammlungsstücke und ein kleiner Laden, in dem es alles gab, was für das tägliche Leben gebraucht wurde. 1894 gab es in Schönheide 37 „Materialwaarenhändler“, also Lebensmittelläden,Möckels Adreß- und Auskunftsbücher - Schönheide i. Erzgeb., Möckels Verlag, Leipzig 1894, S. 33 Digitalisat sowie acht „Grünwaarenhändler“.Möckels Adreß- und Auskunftsbücher - Schönheide i. Erzgeb., Möckels Verlag, Leipzig 1894, S. 25 Digitalisat 16 Fleischereien,Möckels Adreß- und Auskunftsbücher - Schönheide i. Erzgeb., Möckels Verlag, Leipzig 1894, S. 23 Digitalisat sowie 19 BäckereienMöckels Adreß- und Auskunftsbücher - Schönheide i. Erzgeb., Möckels Verlag, Leipzig 1894, S. 18 Digitalisat boten zusätzlich ihre Waren an. Im Adressbuch von 1930 stehen 62 „Grün- und Materialwarenhändler“,Adressbuch für die Städte Aue, Eibenstock, Lößnitz, Schneeberg und 21 Landgemeinden in diesem Bezirk, Aue 1930, S. 475f. Digitalisat 19 BäckereienAdressbuch für die Städte Aue, Eibenstock, Lößnitz, Schneeberg und 21 Landgemeinden in diesem Bezirk, Aue 1930, S. 473 Digitalisat und 15 Fleischereien.Adressbuch für die Städte Aue, Eibenstock, Lößnitz, Schneeberg und 21 Landgemeinden in diesem Bezirk, Aue 1930, S. 475 Digitalisat Plakette Karl Emanuel Klitzsch Die am früheren Schulgebäude gegenüber dem Museum im Jahr 1908 angebrachte Bronzeplakette zum Andenken an den 1812 in Schönheide geborenen Komponisten Karl Emanuel Klitzsch wurde bei der Renovierung dieses Gebäudes und seine Umwandlung für eine sakrale Nutzung Anfang der 2000er Jahre entfernt. Sie hat nunmehr einen Platz im Museum.

Weihnachtspyramide von um 1835