mini|Elsa PlessnerElsa Plessner, geb. Elisabet Plessner,"Vienna, Lower Austria, Austria Aufzeichnungen," Aufnahmen, FamilySearch (: 17. Juni 2025), Aufnahme 122 von 323; Stadt- und Landesarchiv Wien. Aufnahmengruppen-Nummer: 005202612 verh. Ginsberg (22. August 1875 in Wien – 7. Mai 1932 in Alicante) war eine österreichische Schriftstellerin und Schauspielerin mit jüdischen Wurzeln. Nach ihrer Scheidung nutzte sie das Pseudonym Lisa Gerstenberg.
Leben Sie kam 1875 als Elisabet Plessner, Tochter des Journalisten und Holzhändlers Louis Plessner († 18. September 1895, im Alter von 48 Jahren) und der nachmaligen Sängerin und Schauspielerin Clementine Plessner, geb. Folkmann in Wien auf die Welt. Am 21. April 1903 heiratete sie im Wiener Stadttempel den Kaufmann Wilhelm Ginsberg (geboren Berlin, 6. Juni 1880, gestorben 13. Juni 1960 in Gent)."Österreich, Niederösterreich, Wien, Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde, 1784–1911," database with images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/3:1:33SQ-GBK5-RH6 : 25 January 2018), 01. Bezirk (Innere Stadt) > Trauungsbücher > Trauungsbuch N 1902–1903 > image 66 of 139; Israelitischen Kultusgemeinde Wien (Jewish Community of Vienna) Municipal and Provinical Archives of Vienna, Austria. Am 6. März 1904 wurde der gemeinsame Sohn Ludwig Julius geboren. Am 29. März 1908 brachte Plessner-Ginsberg ein totgeborenes Kind auf die Welt. Am 20. November 1908 promovierte ihr Mann im Fach Medizin. Die Familie lebte zeitweise in Halle (Saale). 1915 kam es zur Scheidung, danach lebte Plessner-Ginsberg in München, wo sie als Schauspielerin an den Kammerspielen und dem Arbeitertheater Neue Bühne auftrat. Sie starb am 7. Mai 1932 in der Carrer Gravina 15 in Alicante und wurde bereits am nächsten Tag im örtlichen Friedhof bestattet. Ihr früherer Ehemann Wilhelm heiratete Marcelle Louise Camille Vyt (13. August 1889, Gent – 20. November 1969 Gent) und bekam mit ihr zwei Kinder, Rudolf (22. November 1923 – 16. November 2011) und Franz Ginsberg.
Literarisches Schaffen mini|hochkant|Titelblatt von Der gläserne Käfig, 1901 In den Anfängen u. a. von Arthur Schnitzler und Hermann BahrIm Nachlass Bahrs im Theatermuseum Wien liegen drei Briefe von ihr: 27. Juli 1897, 29. Januar 1901, 6. Februar 1901. gefördert, erschienen die ersten Texte ab 1896 in verschiedenen Zeitschriften, darunter Die Zeit, Das Magazin für Litteratur und der Gesellschaft. Im Text Der gläserne Käfig ist ein Mädchen in einem Garten eingesperrt und beobachtet die Straße des Lebens. Es gelingt ihr nicht, die herrschenden Zwänge, die für Frauen die beobachtende Rolle vorsehen zu durchbrechen. Auch ein Mann, der sich in sie verliebt, will sie nur mit sauberem Kleid wissen, so dass sie für immer in dem Käfig bleibt, den sie eigentlich zerbrechen könnte. Damit wird auch ihre feministische Perspektive deutlich, die schon Momente von Die Wand von Marlen Haushofer vorwegnimmt. Neben der Novellensammlung Der gläserne Käfig, die die frühen Arbeiten versammelt, erschienen zwei Theaterstücke. Das Stück Die Ehrlosen, in dem es um Handlungsspielräume junger Frauen und Sex vor der Ehe geht, wurde am 16. März 1901 am Volkstheater (Wien) uraufgeführt und löste kontroverse Reaktionen aus. Mit Beginn ihrer Ehe stellte Plessner das Publizieren ein, bis auf ihr zweites Stück Das erste Kapitel, das 1910 bei Fischer erschien, aber nie zur Aufführung gelangte. Als sie nach der Scheidung den produktiven Dialog mit Schnitzler wieder aufnehmen wollte, wandte dieser sich ab. Am 16. Januar 1916 notiert er in seinem Tagebuch: „Las Nm. ein schlechtes Buch von Fr. Plessner, Mscrpt. aus München geschickt, mit eingebildetem Brief.–“ Die letzte bekannte Publikation stellt ein Filmromman dar, der 1924 in mehreren Folgen in der Kinozeitschrift Der Filmfreund veröffentlicht wurde.
Eine Werkedition sämtlicher Werke bis 1901 ist an der Österreichische Akademie der Wissenschaften in Vorbereitung und soll 2027 im Wallstein Verlag erscheinen.
Zweite Karriere als Schauspielerin Ab 1920 trat Plessner unter dem Namen Lisa Gerstenberg an den Münchner Kammerspielen auf. Oskar Maria Graf, der als Dramaturg an der Neuen Bühne wirkte, berichtet, dass Plessner am Arbeitertheater als Gastspielstar für die Hauptrolle in Die Moral der Gräfin Dulska der polnischen Autorin Gabriela Zapolska engagiert wurde, um die Kasse des Theaters aufzubessern. In dem Film Dürfen wir schweigen? von Richard Oswald von 1926 ist in der Besetzungsliste eine Else Plessner geführt. Ob es sich um dieselbe Person oder um eine zufällige Namensgleichheit handelt, ist nicht geklärt.
Werke mini|Die Ehrlosen, erschienen November 1900, vordatiert auf 1901 Schatten. Ein Tagebuchblatt. In: Liebelei. Eine Wiener Zeitschrift. Nr. 7 (1. März 1896), S. 143–144. Der gläserne Käfig. Skizzen und Novellen. Wien und Leipzig: Leopold Weiß 1901. (2. Auflage im selben Jahr) Der gläserne Käfig Erstdruck: Der gläserne Käfig. In: Die Zeit, Bd. 12, Nr. 149, 7. August 1897. Der neue Lehrer Erstdruck: Der neue Lehrer. Novelle. In: Das Magazin für Litteratur. 69. Jahrgang, Nr. 10 (10. März 1900), Sp. 251–256, Nr. 11 (17. März 1900), Sp. 276–282. Warten Erstdruck: Warten. Novelle In: Das Magazin für Litteratur, Jg. 66, Nr. 29, 24. Juli 1897. Warum Erstdruck: Warum. In: Das Magazin für Litteratur, Jg. 67, Nr. 39, 30. September 1898, Sp. 926–928. Der Begräbnistag Erstdruck: Der Begräbnißtag. In: Neues Wiener Journal, Nr. 951, 17. Juni 1896, S. 1–2. Im Widerschein Erstdruck: Im Widerschein. In: Neues Wiener Journal, Nr. 1028, 4. September 1896, S. 1. Meine Freundin Clotilde Ein Brief Erstdruck: Ein Brief. In: Neues Wiener Journal, Nr. 1206, 2. März 1897, S. 1–2. Der Selbstmörder Erstdruck: Die Leiter der Seele. In: Simplicissimus, Jg. 1, Nr. 1, 6. Juni 1896, S. 6 Baby Erstdruck: Baby. In: Die Gesellschaft. Herausgegeben von M. G. Conrad und Hans Merian. Leipzig: Hermann Haacke. 13 (1897), Viertes Quartal, Heft 10, S. 79–83. Reminiscenz Erstdruck: Reminiscenz. In: Neues Wiener Journal, Nr. 1316, 23. Juni 1897, S. 1–2. Der Herr Cassenchef Am Wege Erstdruck: Am Wege. In: Neues Wiener Journal, Nr. 1056, 2. Oktober 1896, S. 1–2. Im Feuer geprüft Im Feuer geprüft. In: Neues Wiener Journal, Nr. 1008, 14. August 1896, S. 1–2 Die Ehrlosen. Schauspiel in 3 Acten. Wien und Leipzig: Leopold Weiss 1901 Das erste Kapitel. Schauspiel in 3 Akten. Berlin-Friedenau: Verlag des Bureau Fischer 1910 Liebet das Leben. Filmidee von Asagaroff. Filmmanuskript von Dr. Georg Asagaroff und Wladimir Gaidarow. Als Roman bearbeitet von Lisa Gerstenberg [=Elsa Plessner]. In: Der Filmfreund, Jg. 1, H. 1, 2. April 1924, S. 18–23; H. 2, 15. April 1924, S. 19–30; H. 3, 1. Mai 1924, S. 17–24; H. 4, 15. Mai 1924, S. 25–32; H. 6, 1. Juni 1924, S. 25–32.
Briefausgaben
Korrespondenz von Elsa Plessner mit Arthur Schnitzler. In: Arthur Schnitzler – Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Hg. Martin Anton Müller mit Gerd-Hermann Susen, Laura Untner und Selma Jahnke. Austrian Centre for Digital Humanities an der Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2025 Umfassender als: Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente 1891–1931. Hrsg. Kurt Ifkovits, Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018, ISBN 978-3-8353-3228-7 (Verlagspräsentation) Vier Briefe Plessners an Arthur Schnitzler
Sekundärliteratur Plessner, Fräul. Elsa. In: Literarisches Jahrbuch. I. Jahrgang 1902. Köln am Rhein 1903, p. 264 Ginsberg, Frau Elsa, geb. Plessner. In: Kürschners deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1915. Herausgegeben von Heinrich Klenz. Berlin: G. J. Göschen 1915, Sp. 538
Weblinks
Werkverzeichnis von Else Plessner in der PMB – Personen der Moderne Basis
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Drama Kategorie:Novelle Kategorie:Schriftsteller (Wien) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1875 Kategorie:Gestorben 1932 Kategorie:Frau