Der Schuhu und die fliegende Prinzessin ist eine Oper in drei Abteilungen von Udo Zimmermann (Musik) mit einem Libretto von Udo Zimmermann und Eberhard Schmidt nach dem Märchen Der Schuhu und die fliegende Prinzessin von Peter Hacks. Sie wurde am 30. Dezember 1976 im Großen Haus der Staatsoper Dresden uraufgeführt.
Handlung
Peter Hacks’ Märchen zeigt unter dem Eindruck der Trennung der Menschheit in zwei Gesellschaftssysteme durch den „Eisernen Vorhang“ die utopische Vorstellung eines Vogels, der problemlos die Grenzen überfliegen kann, um sich seine eigene Meinung zu bilden und letztlich einen paradiesischen Ort auf einem Berggipfel zu suchen. In der Opernfassung wird daraus eine „Parabel über Sehnsucht nach Liebe und Glück in anachronistischen Verhältnissen“.
Die Frau eines armen Schneiders bekommt ihr zehntes Kind. Unerwarteterweise ist es kein Baby, sondern ein Ei, aus dem nach sieben Monaten der „Schuhu“, eine Art Vogelmensch, schlüpft. Dieser besitzt magische Kräfte, durch die er „aus wenig viel“ machen kann. Der Schuhu verhält sich zunächst unauffällig, doch dann erfährt der Bürgermeister von seinen Fähigkeiten und kauft ihn seinem Vater ab. Da der Schuhu aber auch alles Schlechte vermehrt, verstößt der Bürgermeister ihn schnell wieder. Auch seine Eltern nehmen ihn nicht mehr auf. Der Schuhu begibt sich auf eine Wanderung, um einen neuen Herrn zu suchen. Nach einer Abfuhr am Hof von Coburg-Gotha erhält er schließlich eine Stellung als Nachtwächter im siebzehnten kaiserlichen Garten des Kaisers von Mesopotamien, der sich im Krieg mit seinem Bruder, dem Großherzog von Coburg-Gotha, befindet. Der Schuhu lockt mit dem Spiel auf seinem Nachtwächterhorn die fliegende und singende Prinzessin von Tripolis herbei. Schon bevor sie sich das erste Mal begegnen, verlieben sich die beiden ineinander. Sowohl der Kaiser als auch der Großherzog werben um die Prinzessin, da sie ihren Vater als Bündnispartner gegen ihren jeweiligen Bruder benötigen. Die Prinzessin erklärt sich jedoch für den Schuhu. Daraufhin verbünden sich Kaiser und Großherzog, um gemeinsam ihren Rivalen aus dem Weg zu räumen. Der Schuhu besiegt ihre vereinten Heere in einer Seeschlacht und kann endlich in Tripolis die Prinzessin heiraten. Nach dem Tod ihres Vaters herrschen sie gemeinsam über das Land, doch nach einer Weile macht sich Langeweile breit. Die Prinzessin erliegt den Verführungskünsten des Starosten von Holland und folgt ihm in seine Heimat. Da dieser jedoch ihre Freiheit unnötig einschränkt, sehnt sie sich bald wieder nach dem Schuhu, ruft diesen mit ihrem Gesang und zieht mit ihm in einen paradiesischen Ort auf einem Berggipfel.
Die folgende Inhaltsangabe der Oper basiert auf den Angaben bei Czerny, Neef, Kloiber, Harenberg und Reclam sowie einigen Details aus dem Artikel im Tamino Klassikforum.
Erste Abteilung: „Die Geburt des Schuhu“
Szene 1. Es war ein armer Schneider. Der Schneider lädt anlässlich der bevorstehenden Geburt seines zehnten Kindes Verwandte und Freunde ein. Der Bürgermeister des Dorfes soll Pate werden.
Szene 2. Die Gäste kommen. Für die eintreffenden Gäste besorgt der Schneider ein Bierfass.
Szene 3. Die Geburt des Schuhu-Eies. Der Bürgermeister betrinkt sich und schläft schnarchend ein. Als der Schneider nach der Niederkunft seiner Frau stotternd das Ergebnis präsentiert, sind die Gäste schockiert – es handelt sich um ein Ei. Im folgenden Durcheinander lässt es der Schneider erschrocken fallen. Es rollt unter einen Schrank. Der inzwischen wieder erwachte Bürgermeister fragt nach seinem Patenkind. Darauf erzählt ihm der Schneider von dem Geschehen. Der Bürgermeister fühlt sich von den lachenden Gästen verhöhnt.
Szene 4. Der Bürgermeister sinnt auf Rache. Der Bürgermeister verlässt laut drohend das Haus („Diese Lache fordert Rache, schreckliche und tausendfache“).
Szene 5. Großreinemachen im nächsten Frühjahr. Beim Hausputz sieben Monate später wird das Ei wiedergefunden. Der Schneider will es als Stopfei benutzen, doch als er es in einen Ärmel steckt, erklingt eine Stimme und gibt Anweisungen, wie es auszubrüten sei: Es müsse in siedendes Wasser gelegt und anschließend vom Schmied aufgeschlagen werden.
Szene 6. Der Schneider tat zum Brunnen den Gang (Pantomime). Die Schneidersfrau und die Nachbarinnen erzählen, wie der Schneider das Ei im Brunnenwasser kochen und mit dem größten Hammer auf dem Amboss zerschlagen lässt.
Szene 7. Die Schalen zerbrechen. Der „Schuhu“, ein Zwischenwesen aus Vogel und Mensch, schlüpft aus dem zerborstenen Ei und beruhigt seinen unglücklichen Vater sofort: Er werde den Menschen verborgen bleiben, denn alle werden ihn für eine Schneiderpuppe halten.
Szene 8. Der Schneider sieht seinen Ruf bedroht. Verfolgt von den „Schande“-Rufen der Dorfbewohner eilt der Schneider mit dem unter seinem Mantel verborgenen Schuhu nach Hause. Da die Tür abgeschlossen ist, muss er warten, bis ihn seine Frau hineinlässt.
Szene 9. So stand der Schuhu in der Stube und stand still auf seinem Fleck. Die Schneider und ihre Nachbarn sind verwundert über das Verhalten des Schuhu, der mit den Augen rollend über die Welt nachdenkt. Der Bürgermeister ruft in der Ferne noch immer nach Rache.
Szene 10. Die Rache des Bürgermeisters. Der Bürgermeister gibt einen Mantel in Auftrag, den der Schneider aus einem handgroßen Stück Stoff herstellen soll. Falls er nicht akzeptiere, drohe ihm der Tod. Der Bürgermeister freut sich vor dem Haus über seine Rache, die ihm zur „Herzenssache“ wurde. Doch der Schuhu zaubert aus dem kleinen Fetzen ein großes Tuch, und so gelingt dem Schneider das Werk. Als der Bürgermeister seinen Mantel in Empfang nimmt, verlangt er heimtückisch die Stoffreste zurück. Der Schneider reicht ihm einen dicken Stoffballen und gibt ihm für den bezahlten Heller einen ganzen Dukaten zurück. Auf die Frage nach seinem Geheimnis antwortet der Schneider zögernd: „Ich habe einen Schuhu. Der macht aus wenig viel.“
Szene 11. Er macht aus wenig viel. Nachdem der Bürgermeister nun Bescheid weiß, möchte er natürlich den Schuhu für sich selbst haben. Er kauft ihn für hundert Dukaten dem Schneider ab. Der Schuhu selbst besiegelt den Vertrag. Unterwegs warnt er den Bürgermeister vor den möglichen negativen Folgen seiner Gabe, denn auch das Schlechte werde vermehrt. So könne er beispielsweise in einem Nieselregen ertrinken, oder an einer Ohrfeige seiner Frau sterben. Entsetzt verscheucht der Bürgermeister den Schuhu und eilt durch den Regen nach Hause, wo ihn seine Frau mit einer Maulschelle empfängt. Aber auch der Schneider verstößt seinen „falschen Sohn“, der schlauer ist als die Obrigkeit. Der enttäuschte Schuhu lässt sich weinend vor der Türschwelle nieder.
Zweite Abteilung: „Die Wanderung des Schuhu (1. Teil)“
Szene 1. Abschied von der Vaterstadt. In der Nacht verlässt der Schuhu seine Heimat, um sich auf die Suche nach einem neuen Herrn zu machen. Er nähert sich im Morgengrauen dem Schloss von Coburg-Gotha.
Szene 2. Coburg-Gotha, die Schuhulogenszene. Der Schuhu will sich beim Herzog vorstellen. Ein Wachposten holt den „Großherzoglichen Hofschuhulogen“ herbei, der ihn begrüßt und seine Eignung einschätzt. Doch der Schuhu besteht die Prüfung nicht, da er die Schuhusprache nicht kennt. Er wird als „Auf-Schneider“ fortgejagt.
Szene 3. Die Prinzen-Pantomime. Einer der Darsteller berichtet von der Ankunft des Schuhu in Mesopotamien. Dort liegt der Kaiser mit seinem Bruder, dem Großherzog von Coburg-Gotha, wegen der Farbe ihrer Bärte in Krieg. Der des Kaisers ist rot, der des Großherzogs grün. Um die jeweilige Farbe herzustellen, verwendet der Kaiser rote Schnecken, der Herzog aber Spinat. Die Schnecken haben jedoch die Grenze verletzt, um den Spinat zu fressen. „Aus so beschaffenen Dingen entsprang der Krieg.“
Szene 4. Die Verurteilung des Berges. Auf der Landstraße trifft der Schuhu auf den Kaiser mit seinem Gefolge. Er versteckt sich vorsichtshalber hinter einem Berg und beobachtet, wie der Kaiser den Berg vom Obersten Schneckenhirten anklagen lässt. Da sich der Berg nicht verteidigt, lautet das Urteil: Er wird „ausgetilgt […] aus der Gegenwart und aller Zukunft“, weil er dem Heer im Wege steht und das Pferd des Kaisers zu Fall gebracht hat.
Szene 5. Die Vollstreckung des Urteils und das Lachen des Kaisers. Soldaten tragen den Berg ab und schichten ihn daneben in gleicher Höhe neu auf. Der Kaiser bekommt bei diesem Anblick einen Lachkrampf.
Szene 6. Auf dem Weg nach der Hauptstadt. Der Schuhu hat sich dem Gefolge des Kaisers angeschlossen. Er begleitet den Marsch zur Hauptstadt mit einem Leierkasten. Seine Musik verwandelt sich allmählich in einen langsamen Walzer. Als er endlich vor den Kaiser tritt, um ihm seine Dienste anzubieten, lässt er die Kurbel des Leierkastens los. Die Musik spielt dennoch bis zu seinem Handzeichen weiter.
Szene 7. Die Rätsel des Schuhu. Auf die Frage des Kaisers nach seinen Fähigkeiten erwidert der Schuhu: „Ich kann bei Nacht sehen, alle Rätsel lösen und gute Ratschläge erteilen.“ Als der Kaiser darauf hinweist, dass er bereits zehntausend Gelehrte habe, meint der Schuhu, er sei klüger als sie alle. Der Kaiser gestattet ihm, seinen Leuten drei Fragen zu stellen. Zuerst fragt der Schuhu, was aus einer weißen Kugel komme und in eine schwarze gehe. Niemand weiß die Antwort – es ist der Schuhu selbst, der aus einem Ei geschlüpft ist und nach seinem Tod in die schwarze Erde gehen wird. Auch die zweite Frage – was kommt nur zustande, wenn es abgelagert, ausgekocht und dann abgehärtet ist – kann niemand beantworten. Wieder ist er selbst die Antwort. Die dritte Frage ist eine Fangfrage: Was fällt im Winter vom Himmel und schmilzt in der Hand? Die Gelehrten antworten spontan: „Das bist du!“ – doch richtig wäre „eine Schneeflocke“. Nach dieser erfolgreichen Probe lobt der Kaiser den Schuhu, stellt ihn als Nachtwächter im siebzehnten kaiserlichen Garten ein und gibt ihm ein Horn.
Szene 8. Das Hornkonzert (Echos). Der Schuhu sieht sich das Instrument genau an und beginnt darauf zu spielen. Ein Echo nimmt seine Melodie kontrapunktisch auf.
Szene 9. Das Hornkonzert und das Königreich Tripolis (Simultan-Szene). Die Horntöne fliegen weit bis ins Königreich Tripolis, wo sie die „fliegende Prinzessin“ begeistern. Sie versucht, die Melodie nachzusingen.
Szene 10. Der Flug der Sehnsucht. Die Sehnsucht der Prinzessin wird so unwiderstehlich, dass sie nach Mesopotamien fliegt. Noch bevor sich die beiden sehen, überlagert sich ihr Gesang mit den Echotönen des Schuhu. Die Szene verwandelt sich in den kaiserlichen Garten. Es ist Abend. Der Schuhu hängt sein Instrument an einen hohlen Baum und legt sich darin schlafen.
Szene 11. Was für ein wundervolles Lied. Der Schuhu wurde vom Gesang der Prinzessin geweckt. Er findet ihn wunderschön und steigt aus dem Baum, um sich nach der Sängerin umzusehen. Doch kann er sie im Dunkeln nicht finden. Da die Töne von oben kommen, erhebt er sich singend in die Luft. Unterdessen ist die Prinzessin an seinem Baum angekommen, wo sie den Schuhu nicht mehr antrifft. Sie ist genauso fasziniert von seinem Gesang wie er von ihrem. Am frühen Morgen fliegt sie zurück nach Tripolis. Sie hat den Schuhu nicht gefunden. Dennoch haben sich beide ineinander verliebt.
Szene 12. Die beiden Reiche. Die beiden verfeindeten Brüder erkennen, dass ihre Heere gleich stark sind und sie sich militärisch nicht besiegen können. Beide besprechen sich mit ihren jeweiligen Ratgebern – der Kaiser von Mesopotamien mit dem Obersten Schneckenhirten und der Großherzog von Coburg-Gotha mit dem Ersten Spinatgärtner. Beide erhalten den Rat, die fliegende Prinzessin zu ehelichen, um ein Bündnis mit ihrem Vater, dem wohlhabenden König von Tripolis, zu schließen. Schneckenhirt und Spinatgärtner eilen als Brautwerber nach Tripolis.
Dritte Abteilung: „Die Wanderung des Schuhu (2. Teil)“
Szene 1. Der Wettlauf der Brautwerber. Trotz aller Bemühungen erreichen Schneckenhirt und Spinatgärtner Tripolis zur gleichen Zeit, während der König Mittagsschlaf hält.