Die portugiesisch-russischen Beziehungen umfassen das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Portugal und Russland. Seit 1779 unterhalten die Länder direkte diplomatische Beziehungen, seit 1974 ununterbrochen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu Russland beim diplomatischen Institut im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 4. Mai 2019 Zwischen 1974 und 1991 wurde das Verhältnis von den portugiesisch-sowjetischen Beziehungen abgelöst.

Der bilaterale Handel und die seit den 1990er Jahren eingewanderte russische Gemeinde in Portugal sind heute die wesentlichen Verbindungsglieder. Beide Länder sind zudem Partner in einer Vielzahl internationaler Organisationen, darunter die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der Europarat, die Welthandelsorganisation, die Weltbank und die verschiedenen UN-Organisationen.

Zum Vermächtnis der seit Peter dem Großen nach Russland gekommenen Portugiesen zählen russische Nachnamen wie Portugalow, Portugalskii, Dakosta (von da Costa), Devier (von de Vieira) oder auch Velho.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006 (ISBN 972-47-2935-4), S. 849f

Geschichte Anfänge (10. bis 16. Jh.) Die ersten Kontakte zwischen den beiden heutigen Ländern gehen auf das 10. Jahrhundert zurück. Bei einer Volkszählung im Chasarischen Königreich wurden zwei jüdische Einwohner gezählt, die von der Iberischen Halbinsel stammten: Iehuda, Sohn des Rabbi Meira, Sohn des Rabbi Natan; ein intelligenter und Mann von Kenntnis und Bildung und Rabbi Iossif Hagris, auch ein Mann des Wissens.

Mit der Ausweisung der Juden aus Portugal ab 1494 übersiedelten auch eine Reihe von ihnen in Gebiete des heutigen Russlands.

Die ersten offiziellen russischen Dokumente, in denen Portugal erwähnt wird, stammen aus den Annalen des Großfürstentums Moskau aus den 15. und 16. Jahrhundert, in denen die einflussreichsten europäischen Könige aufgezählt und eingeschätzt wurden. Auch bemühten sich Handelsmächte, die durch den erfolgreichen Indienhandel abgelöst wurden, um Russland als Verbündeten gegen die aufstrebende Weltmacht Portugal. So kam eine Delegation der Republik Genua 1521 nach Moskau, um Wassili III. für eine alternative Handelsroute durch Russland nach Indien zu gewinnen, der jedoch ablehnte, um keine fremden Mächte in seinem Land zu haben.Como a moscóvia “descobriu” Portugal - „Wie das Großfürstentum Moskau Portugal entdeckte“, Artikel vom 4. März 2012 auf der Website der russischen Botschaft in Portugal, abgerufen am 19. Dezember 2017

Gesicherte Daten über einen portugiesisch-russischen Handel in dieser Zeit gibt es noch nicht, doch ist bekannt, dass die von Portugals König D.Manuel I. geprägten Goldmünzen im 16. Jahrhundert auch am russischen Hof kursierten. Sie waren sehr begehrt, so dass Zaren wie Iwan der Schreckliche sie als Auszeichnung für besondere militärische Diente verwendeten. Einige russische Historiker halten die am damaligen Hof als „Portugal“ bekannte Münze für den ersten offiziellen Verdienstorden, der von russischen Herrschern verliehen wurde.

Russisches Zarenreich (17. bis 20. Jh.) mini|Anton de Vieira, Generalpolizeimeister von St. Petersburg 1669 organisierte der in Amsterdam lebende portugiesischstämmige Sepharde António Lopes Suasso mit seinen Cousins Issac und Jacob Pinto eine Erkundungsfahrt entlang der Nordküste des Russischen Zarenreichs, auf der Suche nach einem neuen Weg nach Asien.

Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts gehörten portugiesische Missionare zu den wichtigsten Akteuren der katholischen Kirche in Russland, die sich seit der Abspaltung des Byzantinischen Reichs um die Rückkehr der russischen Christen in ihre Obhut bemüht. Insbesondere die Jesuiten aus Polen bemühten sich um Russland und stützten sich dabei auch auf Arbeiten portugiesischer Theologen, die so vermehrt Russland erreichten. So wurde die „Gramática Latina“ des portugiesischen Geistlichen Manuel Alvares an den Schulen Peters des Großen verwendet, und der russisch-orthodoxe Kleriker, Pädagoge und Poet Simeon Polozki las die Schriften des Portugiesen Jerónimo Osório, den er auch in seinen didaktischen Versen erwähnte.

Die Ausbreitung des Russischen Reiches weit nach Asien, wo Portugal alte und weitreichende Einflusssphären unterhielt, brachte beide Staaten einander näher. Das Russische Reich und China etwa richteten ihre ersten diplomatischen Beziehungen unter Mithilfe portugiesischer Jesuiten in Russland ein. mini|Der portugiesische Arzt Ribeiro Sanches lebte ab 1731 über 15 Jahre in Russland und hatte bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Medizin dort. Der russische Zar Peter der Große engagierte auf seinen Europareisen ab 1713 eine Reihe Fachleute, um sein Land zu modernisieren, darunter auch einige Portugiesen. Einer war Anton de Vieira, der erster Polizeidirektor der Hauptstadt Sankt Petersburg wurde.Moscovo e lisboa celebram mais de dois séculos de contactos - „Moskau und Lissabon feiern mehr als zwei Jahrhunderte Beziehungen“, Artikel vom 4. März 2012 auf der Website der russischen Botschaft in Portugal, abgerufen am 18. Dezember 2017 Seine Nachfahren nahmen einige bedeutende zivile und militärische Stellungen in Russland ein. Ein weiterer Portugiese im Dienste des Zaren war der Kaufmann João Christian Semah da Costa Cortiços aus Hamburg. Der aus einer portugiesisch-sephardischen Familie aus dem heutige Marokko stammende, in Russland als Ivan Dakosta bekannte Mann wurde einer der berühmtesten Hofnarren des Zarenreichs und hinterließ eine Sammlung an Witzen und Späßen.

Der bedeutende portugiesische Arzt António Nunes Ribeiro Sanches wirkte ab 1731 in Russland, wo er u. a. Doktor der kaiserlichen Armee, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg und Leibarzt der Zarin Anna wurde. An dem in Fremdsprachen wenig bewanderten russischen Hof war er zudem ein bedeutender Mittler im wissenschaftlichen Austausch der Akademien der beiden Länder, der zwischen 1735 und 1741 regelmäßig stattfand und bedeutende wissenschaftliche Bücher aus West- und Mitteleuropa nach Russland brachte.Da história do desenvolvimento das relações entre a Rússia e Portugal - „Aus der Geschichte der Entwicklung der russisch-portugiesischen Beziehungen“, Artikel vom 4. März 2012 auf der Website der russischen Botschaft in Portugal, abgerufen am 19. Dezember 2017 1747 musste Ribeiro Sanches Russland verlassen, nachdem er als Jude denunziert worden war, bis er 1748 schließlich aus der Akademie ausgeschlossen wurde.

1724 richtete die portugiesische Regierung an Zar Peter den Großen den Vorschlag zur Einrichtung diplomatischer Beziehungen. Portugal war an russischem Holz, Hanf und Harz für seinen Flottenbau interessiert. Aufzeichnungen von 1739 belegen tatsächlich portugiesische Einfuhren von Holz, Eisen, Leinen und Wachs aus Russland, das dafür Wein, Früchte, Kork, Olivenöl und Salz aus Portugal bezog. Doch blieb der Handel weit hinter den portugiesischen Erwartungen zurück, und Portugal untermauerte sein Interesse am Ausbau seines Handels mit Russland durch die Ernennung des aus Hamburg stammenden Kaufmanns Joăo António Borcher als ersten russischen Konsul in Lissabon am 2. Oktober 1769. Er blieb jedoch mehr an der Versorgung der russischen Schiffe interessiert, die in Lissabon auf ihrem Weg ins Mittelmeer Halt machten, und der bilaterale Handel blieb überschaubar.

Erst die portugiesische Königin D.Maria I. und die russische Kaiserin Katharina II. vereinbarten danach direkte diplomatische Beziehungen. Die Ankunft des portugiesischen Botschafters Francisco José da Horta Machado in St. Petersburg am 20. Oktober 1779 gilt seither als Beginn der offiziellen portugiesisch-russischen Beziehungen; am 4. Juli 1780 trat der Graf von Nesselrode als erster russischer Botschafter in Lissabon seinen Dienst an.

1782 unterzeichneten Portugal und Russland ein erstes Schifffahrtsabkommen, 1786 folgte ein Handelsabkommen und 1799 schlossen sie in St. Petersburg einen Verteidigungs- und Beistandsvertrag. mini|Soldat der Portugiesischen Legion: sie erlitt bei Napoleons Russlandfeldzug 1812 viele Verluste. Insbesondere in den Bereichen Handel und Militär entwickelte sich danach ein gutes bilaterales Verhältnis. Lissabon wurde der wichtigste Versorgungshafen für russische Schiffe, die mit dem zunehmenden Interesse des Zarenreiches im Mittelmeerraum häufiger wurden. Zudem suchten beide Staaten neue Absatzmärkte für ihre Produkte. José Pedro Celestino Velho etwa, ein Händler aus Porto, versorgte Russland fortan mit Portwein. Zunächst portugiesischer Konsul in Russland, bediente er später den russischen Hof und machte eine steile Karriere, in deren Folge auch seine Nachfahren zu einflussreichen Posten in der russischen Politik kamen. So wurde sein Enkel Ivan Velho Chef der Russischen Post (heute Potschta Rossii) und organisierte die tägliche Postzustellung im ausgedehnten Staatsgebiet.

Mit Napoleons Russlandfeldzug 1812 kamen auch portugiesische Soldaten nach Russland. Die Portugiesische Legion erlitt dabei schwere Verluste in den Schlachten von Wagram, Smolensk, Wizebsk und Borodino.

Nach der Liberalen Revolution in Portugal 1822 und dem folgenden Miguelistenkrieg bis 1834 in Portugal blieben die portugiesisch-russischen diplomatischen Beziehungen zwischen 1828 und 1842 unterbrochen. Waren die politischen Kontakte nun vorübergehend beeinträchtigt, so nahm der geistige Austausch dagegen weiter zu. Die liberalen Ideen auf der Iberischen Halbinsel wurden auch von russischen Intellektuellen beobachtet, darunter Alexander Puschkin. Pavel Pestel, der 1825 die gescheiterte liberale Revolution der Dekabristen in Russland mit anführte, gab in den anschließenden Polizeiverhören auch die Liberale Revolution in Portugal als Motivation an, neben den anderen Vorkommnissen in Neapel und Spanien.

Ein erneutes Handelsabkommen wurde 1851 in Lissabon unterzeichnet, diesmal auf russische Initiative hin. Der Besuch der Portugiesischen Armada im Zarenreich 1885 untermauerte die guten Beziehungen zwischen Russland und Portugal, das zu der Zeit verstärkt die diplomatische Unterstützung Russlands suchte: mit der Hochphase des Imperialismus, insbesondere im Wettlauf um Afrika, sah Portugal sich in seinen Überseebesitzungen durch den alten Verbündeten England, aber auch durch Frankreich und Deutschland zunehmend bedroht. Das Jahr 1895 markierte eine Hochphase der Beziehungen, mit einem neuen Schifffahrts- und Handelsabkommen, dem Besuch des russischen Schlachtschiffs Nikolaus I. in Lissabon, und der öffentlichkeitswirksamen Hilfe der zufällig anwesenden Besatzung der russisch-kaiserlichen Tsarevna bei der Löschung eines Brandes im Parlamentsgebäude in Lissabon im Juli.

Diese vorübergehende Annäherung trugen jedoch keine handfesten Früchte. Anfang des 20. Jahrhunderts waren zwar elf russische Konsulate in Portugal eingerichtet, davon fünf in Kontinentalportugal (Lissabon, Porto, Setúbal, Faro und Portimão) und sechs auf Madeira und den Azoren. Die Honorarkonsule waren jedoch selten Russen. So hatten sie kaum Kontakte in Russland und waren wenig motiviert, die Handelsbeziehungen zu fördern. Lediglich das Generalkonsulat in Lissabon arbeitete daher wirkungsvoll. In der Folge blieben die Beziehungen im Wesentlichen auf den kaum wachsenden Warenaustausch beschränkt, der zu keinem Zeitpunkt mehr als 1,8 % des portugiesischen Außenhandels ausmachte.

Nach Ausbruch des Russisch-Japanischen Kriegs 1904 erklärte Portugal zwar seine Neutralität, musste jedoch dem Druck seines alten Verbündeten Großbritannien nachgeben und seine Häfen für die Kaiserlich Russische Marine de facto sperren.

Mit dem tödlichen Attentat auf Portugals König D.Carlos I. 1908 und der Ausrufung der Ersten Portugiesischen Republik 1910 kühlten die Beziehungen nochmal deutlich ab. Erst am 30. September 1911 erkannte das zaristische Russland die Republik Portugal an.