Paul Friedrich Christian Reimpell (* 23. Oktober 1858 in Lübeck; † 5. Februar 1926 ebenda) war Hauptpastor am Lübecker Dom.

Leben Herkunft Wie viele evangelische Geistliche jener Zeit entstammte Reimpell als zweiter von drei Söhnen mit drei Schwestern einem Lehrerhause. Er war der Sohn von Heinrich Ehregott Reimpell (* 1812; † 12. Juli 1896 in Lübeck) und Maria Dorothea Wilhelmine. Am Katharineum und dem Lehrerseminar ausgebildet, wurde er am 25. September 1839 zum zweiten und Michaelis 1863 zum ersten Lehrer an der Dom-Knaben-Schule ernannt. Als die Schule einging trat er zu Ostern 1872 in den Ruhestand. Nachdem er bereits als Schüler in der Bibliothek freiwillige Hilfsarbeiten geleistet hatte, wurde er dort am 2. März 1837 als Bibliotheksgehülfe eingestellt und wurde auf sein Ansuchen hier zum 1. Oktober 1893 in den Ruhestand versetzt. Bereits am 26. Januar 1892 schied er als deren Vorsteher aus und Paul Lütge war zu seinem Nachfolger bestimmt worden.Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit. In: Lübeckische Blätter, 34. Jahrgang, Nr. 8, Ausgabe vom 27. Januar 1892, S. 48. Sechs Jahre nach seinem Ausscheiden sprach ihm die Ober-Schulbehörde für seine 56-jährige Tätigkeit in der Stellung ihre Anerkennung aus.Heinrich Ehregott Reimpell †. In: Lübeckische Blätter, 38. Jahrgang, Nr. 41, Ausgabe vom 19. Juli 1896, S. 316.

Bereits sein älterer Bruder, Johannes Christian (* 29. Oktober 1848; † 9. August 1914), studierte die Theologie und gehörte zu den Gründern der Nordalbingia. Nach bestandenem Examen und gehaltener Probepredigt wurden er und Theodor ZietzTheodor Zietz war Sohn des Pastors Zietz, wurde später Hauptpastor der Petrikirche und verstarb an einem Morgen im Dezember 1912, wenige Stunden bevor er ein Paar trauen sollte. zum 1. Juli 1872 als Kandidaten im E. Ehr. Min. aufgenommen.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 14. Jahrgang, Nr. 53, Ausgabe vom 3. Juli 1872, S. 296. Bereits seit Beginn des neuen Schuljahrs war er als Hilfslehrer am Katharineum tätig.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 14. Jahrgang, Nr. 29, Ausgabe vom 4. April 1872, S. 160.

Am 4. Januar 1874 begannen die Wahlpredigten für die vakante Pfarrstelle in dem zum Lübecker Landgebiet gehörenden Dorf Nusse. Oberlehrer Satori hatte verzichtet und die Kandidaten Reimpell und Tischler sich nicht gemeldet. Nach Carl J. Amann und Mertens predigte am 18. Heinrich Lindenberg, gefolgt von Theodor Zietz und Holm.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 16. Jahrgang, Nr. 1, Ausgabe vom 4. Januar 1874, S. 8. Die Wahlpredigten für die erledigte Pfarre in Behlendorf hielten am 4. Oktober 1876 in der Marienkirche die Kandidaten Reimpell und am darauffolgenden Samstag Fischer.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 18. Jahrgang, Nr. 80, Ausgabe vom 4. Oktober 1876, S. 482. Nachdem der schlutuper Pastor am 30. September 1877 als Folge seiner Versetzung in den Ruhestand seine dortige Abschiedspredigt gehalten hatte, hielt unter Anderen Kandidat Reimpell eine Wahlpredigt für dessen Nachfolge.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 19. Jahrgang, Nr. 79, Ausgabe vom 3. Oktober 1877, S. 448. Auch in die Wahlpredigt in Genin war erfolglos. Statt Reimpell wurde dort Pastor Fuchs aus Steinhude zu Wunstorf erwählt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 20. Jahrgang, Nr. 9, Ausgabe vom 29. Januar 1878, S. 48. Im März des Jahres wurde er, inzwischen Inhaber einer Privatschule in Nusse, zum Pastor der Patronatspfarre St.-Abundus-Kirche in Lassahn am Schaalsee ernannt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 20. Jahrgang, Nr. 19, Ausgabe vom 5. März 1878, S. 108.

Reimpell schrieb zur theologischen Diskussion der Sonntagsruhe, Sonntagsheilung und das Verbot der Sonntagsarbeit den in der Monatsschrift der Inneren Mission 1883 erschienenen Aufsatz Biblische Begründung des Sonntags. Hierin versuchte er darzulegen, dass die Auffassung nicht durch ein göttliches Gebot zu begründen, sondern Forderung biblisch zu belegen sei. Der 1878 dort erschienene Aufsatz des Treptower Gymnasiallehrers Erich Haupt Der Sonntag und die Bibel war für ihn als Ansatz nur eine Negativfolie einer anthropologischen Argumentation.Friedrich Heckmann: Arbeitszeit und Sonntagsruhe: Stellungnahmen zur Sonntagsarbeit als Beitrag kirchlicher Sozialkritik im 19. Jahrhundert. , Verlag Die blaue Eule, Essen 1986, ISBN 3-924368-90-2Arbeitszeit und Sonntagsruhe

Durch den Abgang des Pastoren v. Tilling als zweiter Pastor in Travemünde hat der Kirchenvorstand den Kandidaten Hermann Gädecke, den Vikar von St. Jakobi Paul Lütge und ihn aus Lauenburg auf den Wahlaufsatz für die St. Lorenz gebracht.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 31. Jahrgang, Nr. 36, Ausgabe vom 5. Mai 1889, S. 208. Unter den für die Wahl eines Hauptpastors an der Stadtkirche in Heiligenhafen zur Wahl Stehenden standen mit ihm und Franz HermbergPastor Franz Hermberg war der Vater des Wirtschaftswissenschaftlers Paul Hermberg., Suppleant der St.-Anschar-Kirche, aus Münsterdorf, zwei Lübecker.Local- und vermischte Notizen. unter Berufung auf den Hamburgischen Correspondenten In: Lübeckische Blätter, 35. Jahrgang, Nr. 64, Ausgabe vom 9. August 1893, S. 376.

Im Juli 1894 berief das schleswig-holsteinische Konsistorium Reimpell zum 2. Pastor an die Peter-Paul-Kirche in Oldesloe.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 36. Jahrgang, Nr. 57, Ausgabe vom 18. Juli 1894, S. 394.

Laufbahn Wie seine Brüder besuchte er zunächst die Domschule. Diese Schule trug ihren Namen nicht nur wegen ihrer Lage in der Nähe zur Domkirche, sondern die alte Kirchspielschule war schon die der Domgemeinde gewesen. Bereits in den 1860ern, lange vor dem 1887 erfolgtem Erlass des Unterrichtsgesetzes und der damit durchgeführten Reorganisation des „Lübecker Volksschulwesens“, erwuchs die lebenslängliche Anhänglichkeit zum Dom und seiner Gemeinde. Zu Ostern 1870 wurde er in die Quinta des Katharineums aufgenommen und sollte von der Quarta bis zur Prima fast immer der Erste seiner Klasse sein. Bereits in den unteren Klassen stand für ihn fest, dass er sich dem Studium der Theologie widmen werde.

Nach dem Ostern 1879 bestandenem Abiturexamen bezog er gemeinsam mit dem späteren lübeckischen Senior Johannes Evers die Universität Erlangen. Sie verließen zu ihrer zweitägigen Anreise am 27. März 1879 den lübeckischen Bahnhof und übernachteten in Eisenach auf der Wartburg.

Während der ersten beiden Semester genügten sie als Einjährig-Freiwillige Ihrer Militärdienstpflicht und wurden in den darauffolgenden drei Semestern von dem Dogmatiker Franz Hermann Reinhold Frank und dem Neutestamentler Theodor Zahn geprägt. Im Herbst 1881 ging Reimpell an die Universität Leipzig zu dem theologischen Dreigestirn Christoph Ernst Luthardt, Franz Delitzsch und Karl Friedrich August Kahnis das am akademischen Himmel der Theologen leuchtete. Als Verbindungsbruder Ernst Troeltschs und Wilhelm Boussets in der einst von seinem Bruder mit gegründeten Verbindung wurde er Philister. Zusammen mit seinem Freund, Eduard Harder,Eduard Harder wurde später Pastor in Nusse und trug maßgeblich zur Finanzierung des dortigen „neuen“ Kirche bei. bestand er kurz nach Ostern 1883 vor der Prüfungskommission des Geistlichen Ministeriums in Lübeck das (damals einzige) Theologische Amtsexamen. Als Predigtamtskandidat war er nun, wie es damals Sitte war, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, als Lehrkraft tätig. Als solche unterrichtete er an der Mädchenschule von Fräulein Amalie Dethloff die später in die Leitung von Ina Freese überging. Noch als junger Pastor sollte er hier noch einige Jahre neben seinem Kirchlichem Amt unterrichten.

mini|Lübeckischer Dom Neben dem feinsinnigen Hauptpastor Eginhard Petersen war damals in der Domgemeinde als Archidiakonus Pastor Friedrich Luger tätig. Dieser, ein zeitlebens kranker Mann, hatte die undankbare Aufgabe, nur in Frühgottesdiensten oder am Nachmittag predigen zu dürfen. Das unumstrittene Recht für die Hauptgottesdienste hatten die Hauptpastoren. Luger hatte aber als Frühprediger eine kleine anhängliche Zuhörerschaft, zu der Reimpells Vater, einer der treusten Kirchgänger der Gemeinde, zählte. Luger hatte dessen sämtlichen Kinder eingesegnet, die theologische Entwicklung Christians verfolgt und sich ihn als Nachfolger im Amt gewünscht. Am 20. April 1884 hielt Reimpell, jedoch erfolglos, seine Wahlpredigt für den emeritierten Peter Hermann Münzenberger in der Marienkirche.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 26. Jahrgang, Nr. 33, Ausgabe vom 23. April 1884, S. 208. Im Sommer war seine Wahlpredigt für den in den Ruhestand tretenden Pastor Luger erfolgreicher und er wurde zum 1. Oktober 1884 als Pastor am Dom erwählt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 26. Jahrgang, Nr. 67, Ausgabe vom 20. August 1884, S. 411. Johann Carl Lindenberg, Senior des Geistlichen Ministeriums in Lübeck, nahm am 5. Oktober die Ordination des neu erwählten Pastors vor.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 26. Jahrgang, Nr. 79, Ausgabe vom 1. Oktober 1884, S. 484. Bald darauf bezog er das bis dahin von Luger bewohnte Pfarrhaus in der Effengrube 2.

Zu dieser Zeit kannte man noch keine örtlich abgegrenzten Seelsorgebezirke und somit hatte Reimpell ganzen Gemeinde zu dienen. Die Taufen wechselten im Wochenrhythmus zwischen den beiden jüngeren Pastoren ab. Mit seinem Amtsantritt übernahm er als jüngster Pastor der Gemeinde auch die Seelsorge im Allgemeinen Krankenhaus an der Südseite des Domes.An der Stelle des Allgemeinen Krankenhaus wurde später, als es abgerissen war, das Museum am Dom erbaut.

Anfang 1888 wurde die Leitung des kürzlich konstituierten Lübecker Bezirksvereines des 1883 in Kassel gegründeten Deutschen Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke bestimmt. Den Vorsitz übernahm Heinrich Alphons Plessing, den Vorstand bildeten Ludwig Trummer, Physikus Carl Türk, Theodor Eschenburg, Nicolaus Joachim Bernhard JürssJürss war als Inhaber der Firma J. J. Jürss Kaufmann einer Kolonialwaren-Handlung. und Reimpell.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 30. Jahrgang, Nr. 9, Ausgabe vom 29. Januar 1888, S. 56.

Im Vorstand des lübeckischen Hauptvereines der Gustav-Adolf-Stiftung übernahmen 1889 wieder Johannes Becker den Vorsitz, Reimpell die Stellvertretung des Vorsitzenden, Kaufmann Carl Hinrich BuckCarl Hinrich Buck war Teilhaber der Firma Wm. Stiehl & Co. die Kassenführung und Hauptlehrer Rudolph Groth die Schriftführung.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 31. Jahrgang, Nr. 96, Ausgabe vom 1. Dezember 1889, S. 562.

mini|Ehem. V. Kleinkinder-Schule