mini|Johannes Busereuth, 1590 im Alter von 42 Jahren. Kupferstich von Wolfgang Philipp Kilian Johannes Busereuth oder Busenreuth (auch Johann Busenreut, Busereit oder Bussenreutter, * 29. September 1548 in der Reichsstadt Augsburg; † 21. April 1610 in der Reichsstadt Nürnberg) war ein deutscher Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer an der Akademie Altdorf und Verwaltungsjurist in Nürnberg.

Leben Johannes Busereuth war ein Sohn des SchneidersVgl. Ferdinand Frensdorff, Matthias Lexer, Friedrich Roth (Bearb.): Die Chroniken der schwäbischen Städte. Augsburg, Bd. 8 XII. Das Diarum Paul Hektor Mairs von 1560–1563. (Die Chroniken der deutschen Städte 33). 2. Auflage, F. A. Perthes, Stuttgart / Gotha 1928, S. 1–236, bes. S. 194. Caspar Buesenreit und der Ottilia Hieber († 1572). Seine Eltern waren nicht unvermögend (non pauperrimi). Busereuth besuchte das Gymnasium bei St. Anna in Augsburg, das von Rektor Hieronymus Wolf geleitet wurde, dessen Amanuensis (Sekretär) er eine Zeitlang gewesen ist. Über seinen Lehrer Wolf verfasste Busereuth ein – heute verlorenes – Manuskript. Unter Busereuths Lehrern waren auch Magister Leonhard Bavarus († nach 1581) – ein Verwandter seiner Großmutter Anna Bayer –, Matthias Schenck und der spätere Rektor Simon Fabricius (1533–1593). 1565–1566 wirkte Nikolaus von Reusner als Lehrer an der Schule.

Präzeptor der Familie Hainzel und Studium Seit 1567 war Busereuth Präzeptor (Privatlehrer) der Kinder des Augsburger Bürgermeisters und Ratsbürgers Johann Baptist Hainzel,Vgl. Paul von Stetten: Lebensbeschreibungen zur Erweckung und Unterhaltung bürgerlicher Tugend, Bd. I. Conrad Heinrich Stage, Augsburg 1778, S. 189f (Google-Books). der auch seine Ausbildung förderte. Hainzel schenkte dem Hauslehrer seiner Söhne „Jo. Buesenreit“ zum Beispiel eine Ausgabe der Sumaria Vber die gantze Biblia deß alten vnd neuwen Testaments.Veit Dietrich: Sumaria Vber die gantze Biblia deß alten vnd neuwen Testaments. Georg Rab der Ältere, Weygand Hahn Erben und Sigmund Feyerabend, Frankfurt am Main 1567; vgl. Paul Lehfeldt: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Bd. IX Fürstenthum Reuss Ältere Linie. Amtsgerichtsbezirke Greiz, Burgk und Zeulenroda. Fischer, Jena 1891, S. 20, „Raben Sigmund Feyrabend“ fälschlich gedeutet als „Rabbiner Sigmund Feyerabend“.

Tübingen Am 17. Februar 1569 immatrikulierte sich Johannes Busenreut Augustanus das erste Mal an der Universität Tübingen, wohin ihn Hainzel geschickt hatte, damit er das akademische Leben kennenlerne. Nach kurzer Zeit kehrte er nach Augsburg zurück. Dem Augsburger Arzt und Naturforscher Achilles Pirminius Gasser widmete Busereuth im März 1570 eine Festschrift.Johannes Busereut: Elegia gratiarum actionis ad peritissimum at[que] eximium virum, D. D. Achillem Pyrminium Gasserum, Augustanae Reipublicae archiatrum, o. O. [Michael Manger, Augsburg] 1570.

Straßburg mini|Allegorische Darstellung der Straßburger Akademie, Holzschnitt 1578 Im selben Jahr wurde er mit sechs Söhnen und Neffen Hainzels, die er als Präzeptor unterrichtete, an die Straßburger Akademie geschickt. Busereuth nahm zunächst ein Studium der Philosophie und Theologie auf. Mit Johannes Pappus, Professor der hebräischen Sprache, und zwei Söhnen des Johannes Marbach, Erasmus Marbach (1548–1593) und Philipp Marbach, stand er in freundschaftlichem Kontakt.Brief von Johann Pappus an Philipp Marbach vom 4. Januar 1571 aus Straßburg; Johannes Fecht: Historiae ecclesiasticae saeculi a. n. C. XVI. Supplementum Epistolarum Theologicarum, Bd. I Ab A. D. M D XL. usque ad annum M D L. Martin Müller, Durlach 1648, S. 338f (Google-Books). Busereuth wechselte bald an die Medizinische Fakultät. In Straßburg erwarb Busereuth 1574 ein Exemplar der Fabricia des Anatomen Andreas Vesalius,Andreas Vesalius: De humani corporis fabrica libri septem. Johannes Oporinus, Basel 1555 (Google-Books). das heute in der University of Western Ontario aufbewahrt wird.Western University, Western Libraries (Benson Special Collections, QM21.V4181555); Dániel Margócsy, Mark Somos, Stephen N. Joffe: The Fabrica of Andreas Vesalius. A Worldwide Descriptive Census, Ownership, and Annotations of the 1543 and 1555 Editions. Brill, Leiden 2018, S. 288. Sein Studium in Straßburg schloss er 1574 als Magister artium ab.

Tübingen Am 7. Februar 1575 immatrikulierte sich „Joannes Bussenreutter Augustanus“ zum zweiten Mal in Tübingen. Mit ihm kamen als seine Schüler Johannes Baptist II. Haintzel (1556–1638),1578 in Siena, 1579 in Rom. Johann Friedrich Haintzel (1557–1633), Hans Jakob Haintzel (1558–1611), Hans Ludwig Haintzel (1560–1602), Markus (Marx) Thenn d. J. (1559–1620),Der Nachname fehlt 1575 in der Matrikel, vgl. aber die erneute Einschreibung der Gruppe vom 19. April 1578. Markus Thenn war ein Sohn des Augsburger Patriziers Christoph Thenn (1525–1574), exiliert aus Salzburg, und der Regina Pfister.Vgl. Sibylle Appuhn-Radtke: Die Familienchronik als sozialer Ausweis. Historiographie bei Salzburger Emigranten des 16. Jahrhunderts. In: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (Hrsg.): Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Band 152 (2012), S. 105–151, bes. S. 108f (). Johann Ulrich VöhlinSohn von Conrad III. Vöhlin (1528–1595) und Sabine Welser (1532–1598), Enkel von Hans III. Vöhlin (1488–1556), 1578 in Siena, 1579 in Bologna. und Johann Paulus Vöhlin.Sohn von Paulus Vöhlin (* um 1524; † 1579) und Regina Linck (1536–1574), Vetter des vorherigen, 1572 in Tübingen, 1578 in Siena, 1579 in Rom, 1581 und 1585 in Tübingen.Andreas Laubmajer, Johannes Paulus Vöhlin: Disputatio de appellationibus. Alexander Hock, Tübingen 1585.Vgl. Gabriel Bucelinus: Germania topo-chrono-stemmato-graphica sacra et profana, Bd. III. Christian Balthasar Kühnen, Ulm 1672, S. 196 (Google-Books). In Tübingen verfasste Johannes Busenreut unmittelbar nach seiner Immatrikulation am 9. Februar 1575 ein lateinisches Gedenkblatt für den Studenten Bartholomä Welser (1557–1628).Sohn von Hans Lukas Welser (1531–1610) auf Rohrenfels, Verfasser des Geschlechtsbüchlein der Familie Welser.

Lauingen 1576 bis 1578 besuchte Johannes Busereuth mit seinen SchülernVgl. Stammbucheintrag des Johann Jakob Haintzel für Caspar Bucher vom Februar 1578, Lauingen; Ingeborg Krekler: Die Autographensammlung des Stuttgarter Konistorialdirektors Friedrich Wilhelm Frommann (1707–1787). Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1992, Nr. 14, S. 648. das Pfalz-Zweibrücken-Neuburger Gymnasium illustre Lauingen.Stammbucheintrag des „M. Joan. Busenreut August.“ für Johann Friedrich Haintzel vom 27. März 1577, Lauingen, Nr. CXXXV (Digitalisat der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar). Nikolaus von Reusner, der 1566 aus Augsburg nach Lauingen gekommen war, hatte 1572 das Rektorat der Schule und einen Lehrstuhl für Rechtswissenschaft übernommen. 1581 bedachte Reusner in einer Veröffentlichung fünf der Schüler BusereuthsVgl. auch Nikolaus Reusner, Johann Jakob Haintzel: De testamentis positiones iuris civilis … in Collegio Lauingano publicè disputandae. Philipp Ulhart der Jüngere, Lauingen 1577. mit Gedichten.Nikolaus von Reusner: Emblemata … partim ethica, et physica, partim vero historica & hieroglyphica. Frankfurt am Main 1581, S. 122, 159, 167, 216f, 227f und 293 (Google-Books).

In Lauingen trug sich Busereuth in das Stammbuch von Georg Salzhuber († 1615)Aus Miesbach; ab 1601 Rektor der Stadtschule von Weimar. ein,Eintrag vom 28. Februar 1578, Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar (Stammbuch 387, S. 303 Digitalisat). Das Zitat entstammt entgegen Busereuths Angabe nicht der Naturalis historia des Plinius, sondern Allard von Amsterdam (1490–1544), Georg Pictorius (Hrsg.): Marbodaei Galli Caenomanensis De gemmarum lapidumque pretiosorum formis, naturis atque viribus. Hero Alopecius, Köln 1539, Bl. 66 (Google-Books). Plinius behandelt an der von Pictorius in einem Scholion missverständlich angegebenen Stelle (9. Buch, Kap. 56 (= 35)) ebenfalls die „uniones“ (Luxus-Perlen; sogenannte „Einheiten“). nach der Rückkehr aus Lauingen trug er sich in Augsburg in das Stammbuch von Christoph Pfister dem Jüngeren (* um 1535/40; † um 1602) ein.Eintrag von 5. April 1578; Württembergische Landesbibliothek Stuttgart (Sammlung Frommann, Nr. 2; Cod. Hist. 2° 889).

Tübingen Mit Hans Jakob Haintzel, Hans Ludwig Haintzel, Abraham Katzbeck (Katzpöck) von Katzenstein (1561–1614) zu Thurnstein auf Oberhausen und Markus Thenn bezog „M. Joannes Busaret“ am 19. April 1578 wiederum die Universität Tübingen, während seine älteren Schüler nach Italien gegangen waren. In Tübingen vermittelte „Joannes Busereutus“ mit Unterstützung seines Dienstherrn Johann Baptist Hainzel und des Augsburger Pfarrers Christoph Neuberger (1531–1598) griechische Handschriften aus der Augsburger Stadtbibliothek an Martin Crusius. Busereut trug sich wie seine Schüler in ein Stammbuch von Stephan Gerlach ein.Eintrag vom 30. Mai 1579; Universitätsarchiv Tübingen (S 127 / 120); vgl. Württembergische Landesbibliothek Stuttgart (Cod. hist. 8° 120, Blätter 248, 259 und 268).

Aus Anlass des Wechsels der Studentengruppe an die Universität Basel verfassten Tübinger Kommilitonen und Professoren im Sommer 1579 eine Festschrift mit Propemptika (Geleitgedichten).Kaspar Bucher, Georg Eckhard, Nicodemus Frischlin, Kaspar Kratzer, Christoph von Schallenberg, Gabriel Steichele, Heinrich Welling, Jakob Rulich: Propemptica. Nobilibvs et ornatissimis adolescentibus Iohanni Iacobo, & Iohanni Ludouico, Hainzelijs, Johannis Baptistae Hainzelij, Reipub. Augustanae Septemviri … F. F. & Marco Thenn, & Abrahamo Cazbeccio in Thurnstein, Patricijs Augustanis cum M. Iohanne Busenreüt … Praeceptore, Tubinga Calen. Iunij Basileam discedentibus scripta. Georg Gruppenbach, Tübingen 1579. An der Verabschiedungs-Schrift beteiligten sich Caspar Bucher, Georg Eckhard der Ältere († 1583),Aus Dinkelsbühl, später Pfarrer in Nordhausen und Kalkreuth. Nicodemus Frischlin, Kaspar Kratzer, Christoph von Schallenberg,Handschriftliche Fassung des Gedichts nach 1580 „In album amicorum“, als Busereuth bereits Professor in Altdorf war, in: Hans Hurch (Hrsg.): Christoph von Schallenberg. Ein österreichischer Lyriker des XVI. Jahrhunderts. Litterarischer Verein, Tübingen 1910, Nr. I, S. 5 und 196 (Digitalisat im Internet Archive). Gabriel Steichele,Aus Augsburg. Heinrich Welling und Jakob Rulich der Jüngere (1559–1612).Vgl.

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