mini|hochkant=1.88|Der vollständig geöffnete Mömpelgarder Altar Der Mömpelgarder Altar ist eine Bilderpredigt über das Leben und Wirken von Jesus Christus in Gestalt einer Evangelienharmonie. Der um 1540 für die Kirche St. Maienboef in Mömpelgard geschaffene Flügelaltar besteht aus einem Mittelschrein sowie drei beweglichen Flügelpaaren mit insgesamt 157 Bildern, die wie ein Buch gelesen werden können. Gestaltet wurden die Bilder vom Herrenberger Renaissance-Maler Heinrich Füllmaurer auf Basis der Bibelübersetzung des Reformators Martin Luther aus dem Jahr 1522 und der 1526 veröffentlichten Evangelienharmonie von Jakob Beringer. Als Berater Füllmaurers fungierte der Theologe Kaspar Gräter.

Das Original des Altars befindet sich gegenwärtig im Kunsthistorischen Museum in Wien. Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums ließ die Evangelische Kirchengemeinde Herrenberg 2015 im Rahmen des Themenjahrs „Bild und Bibel“ einen transportablen Nachbau anfertigen, der in der Stiftskirche Herrenberg auf der Turmempore beheimatet ist.

Geschichte mini|300x300px|Aufbau des Mömpelgarder Altars mit Nummerierung der „Wiener Zählung“|alternativtext= Der Flügelaltar für die Pfarrkirche St. Maienboef in Mömpelgard (heute Montbéliard in Frankreich) wurde vom Regenten der Grafschaft Mömpelgard Graf Georg von Württemberg in Auftrag gegeben und um 1540 fertiggestellt. Aus der Kirche gelangte der Altar um 1600 in die herzogliche Kunstkammer von Herzog Friedrich I. in Stuttgart. Dort sah ihn Philipp Hainhofer und erwähnte ihn 1616 in einem Reisebericht mit Angabe seiner Herkunft aus Mömpelgard.Werner Fleischhauer: Renaissance im Herzogtum Württemberg. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1971, S. 157. Nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen im Dreißigjährigen Krieg wurde der Altar 1634 zusammen mit weiteren Werken aus der Kunstkammer von den kaiserlichen Truppen unter Ferdinand III. nach Wien in die habsburgische Sammlung gebracht und ist nun im Kunsthistorischen Museum aufgestellt.

Im „Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses“ hat Heinrich Modern 1896 als Erster eine Abhandlung über den Altar publiziert. Anhand eines von ihm entworfenen Schemas, das auch als „Wiener Zählung“ bekannt ist, hat er die Bildtafeln von 1 bis 157 durchnummeriert und mit Beschreibungen versehen.Heinrich Modern: Der Mömpelgarter Flügelaltar des Hans Leonhard Schäufelein und der Meister von Messkirch, S. 318.

Die Schaffung des Mömpelgarder Altars sowie des Gothaer Tafelaltars konnte erst 1971 durch den Kunsthistoriker Werner Fleischhauer eindeutig Heinrich Füllmaurer zugeschrieben werden.Timo Trümper: Der Gothaer Tafelaltar: ein monumentales Bilderbuch der Reformationszeit. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017, ISBN 978-3-7319-0595-0, S. 29. Heinrich Modern hatte 1896 als Maler für beide Altäre Hans Leonhard Schäufelein genannt.Heinrich Modern: Der Mömpelgarter Flügelaltar des Hans Leonhard Schäufelein und der Meister von Messkirch, S. 351, 352, 384.

Gestaltung des Altars Der aus Fichtenholz gefertigte Altar besteht aus einem Mittelschrein und drei beiderseits bemalten Flügelpaaren. Das Mittelbild im Schrein ist 98 × 91 cm groß und von 12 kleineren Bildern an drei Seiten umrandet. Die einzelnen Flügel haben die Maße von 185 × 101 cm und beinhalten pro Seite 12 Bilder, die in 4 Reihen mit 3 Bildern angeordnet sind. Die insgesamt 156 kleinen Bilder sind jeweils 41 × 28 cm groß.

Die bildlichen Darstellungen werden durch entsprechende Bibelverse ergänzt. Diese Texte stehen auf weißen Schriftfeldern, die von goldenen Blattornamenten umrahmt werden, jeweils im oberen Drittel der Tafeln platziert sind und einen wesentlichen Bestandteil jedes Bildes ausmachen. Darunter hängen mit Quasten geschmückte Medaillons, die Angaben über die passenden Kapitel aus den vier Evangelien und der Apostelgeschichte enthalten.Heinrich Modern: Der Mömpelgarter Flügelaltar des Hans Leonhard Schäufelein und der Meister von Messkirch, S. 317. Auf manchen Bildern wird nur eine Szene gezeigt, oft sind zwei oder mehr Motive auf einem Bild: ein Hauptmotiv im Vordergrund und kleinere Szenen im Mittel- oder Hintergrund. Die 157 Bilder enthalten dadurch mehr als 250 Einzelszenen. Im Mittelschrein des Altars sind die Passionsgeschichte sowie die Kreuzigung dargestellt.

Die nachfolgende Auflistung beschreibt die Bilder nach der Nummerierung von Heinrich Modern:

Schauseite mit geschlossenen Flügeln

Schauseite nach Öffnung des ersten Flügelpaars

Schauseite nach Öffnung des zweiten Flügelpaars

Schauseite nach Öffnung des dritten Flügelpaars

Nachbildungen mini|Der moderne Nachbau des Mömpelgarder Altars in Herrenberg Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) begann 2010 anlässlich des 2017 bevorstehenden 500-jährigen Reformationsjubiläums die Kampagne „Themenjahr“. Im Jahr 2015 entstand im Rahmen des Themas „Reformation – Bild und Bibel“ die Grundidee für den Nachbau des Altars in der Agentur Krauss in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Herrenberg.Evangelische Kirchengemeinde Herrenberg (Hrsg.): Der Mömpelgarder Altar – Zeitzeuge der Reformation. Der ehemalige Erste Bürgermeister von Herrenberg, Helmut Maier, legte den inhaltlichen Grundstein durch jahrelange intensive Vorarbeiten zum frühreformatorischen Altar aus der Feder Gräters und der Werkstatt Füllmaurers. Nicht zuletzt durch die Freigabe aller Bilder durch das Kunsthistorische Museum in Wien war die Reproduktion möglich.

Gestaltung und Umsetzung des Altars erfolgten durch die Agentur Krauss sowie den Böblinger Werbetechniker Ulrich Jehle. Das Replikat lädt zum Verweilen, Berühren und dank der ausgeklügelten Werbetechnik auch zum Umblättern ein.Evangelische Kirchengemeinde Herrenberg (Hrsg.): Der Mömpelgarder Altar – Zeitzeuge der Reformation. Der transportable Nachbau, aufgestellt auf der Empore der Herrenberger Stiftskirche, kann an andere Standorte ausgeliehen werden.Gäubote: Abgerufen am 4. September 2018.

Eine weitere Nachbildung befindet sich seit 2016 in der evangelischen Kirche St. Martin in Montbéliard.

Literatur

Heinrich Modern: Der Mömpelgarter Flügelaltar des Hans Leonhard Schäufelein und der Meister von Messkirch. In: Oberstkämmerer-Amt (Hrsg.): Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses. Band 17, Prag, Wien, Leipzig 1896, S. 307–397. Fritz Endemann: Die ersten Bilder der Reformation in Württemberg. Der „Mömpelgarder Altar “als Nachbildung in der Stiftskirche von Herrenberg. In: Schwäbische Heimat. Bd. 68 (2017), Nr. 4, S. 411–417 (https://doi.org/10.53458/sh.v68i4.1447).

Weblinks

Wikidata: Mömpelgarder Altar Mömpelgarder Altar im Kunsthistorischen Museum Wien

Einzelnachweise

Kategorie:Altar (16. Jahrhundert) Kategorie:Christentum im Landkreis Böblingen Kategorie:Kultur (Herrenberg) Kategorie:Museumsbestand (Kunsthistorisches Museum) Kategorie:Gemälde (16. Jahrhundert)