Als Fußball-Wettskandal werden die Manipulationen von Fußballspielen bezeichnet, die im Zuge der Ermittlungen gegen den deutschen Fußballschiedsrichter Robert Hoyzer im Januar 2005 bekannt wurden.
Der Fußball-Wettskandal 2005 gilt als die größte Affäre im deutschen Fußball seit dem Bundesliga-Skandal in der Saison 1970/71, als zahlreiche Spieler, Trainer und Funktionäre an Spielschiebungen beteiligt waren.
Übersicht Hoyzer gab zu, Spiele der 2. Fußball-Bundesliga, des DFB-Pokals und der Fußball-Regionalliga so geschoben zu haben, dass die erwünschten Ergebnisse (auf die zuvor gewettet wurde) herauskamen. Spiele aus der Fußball-Bundesliga waren nicht betroffen. Darüber hinaus beschuldigte Hoyzer weitere Schiedsrichter und Spieler, in den Skandal verwickelt zu sein.
Eine Vorsperre erhielt der Zweitliga-Schiedsrichter Dominik Marks. Der DFB sah es als erwiesen an, dass Marks zwei Spiele aus der Regionalliga und der 2. Bundesliga manipuliert hatte. Hoyzer hatte bei seinen Vernehmungen Marks belastet. Laut Hoyzer habe Marks die Partien geschoben und dafür 6.000 Euro von kroatischen Auftraggebern kassiert. Die von Marks geleitete Regionalliga-Partie Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure wurde wiederholt (siehe unten).
Der geständige Hoyzer, der wegen Fluchtgefahr vorübergehend in Untersuchungshaft saß, wurde am 17. November 2005 vom Landgericht Berlin zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt, die wegen der Dauer nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden konnte. Da er die Wetten zusammen mit drei kroatischen Mittätern ausgeführt haben soll, wurde ihm banden- und gewerbsmäßiger Betrug angelastet.
Geschichte Aufdeckung des Skandals Die vier Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, Olaf Blumenstein, Manuel Gräfe sowie Felix Zwayer sprachen Anfang Januar 2005 mit den Führungspersonen des DFB über ihnen bekannt gewordene Verdachtsmomente gegen Hoyzer.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe legte Hoyzer zunächst sein Schiedsrichteramt nieder. Hoyzers Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner kritisierte die Untersuchungsmethoden des DFB und focht die Rücktrittserklärung Hoyzers beim DFB an. Er erklärte, dass sein Mandant bisher noch nicht wirksam aus dem Verein Hertha BSC ausgetreten sei und dies auch nicht tun werde. Hoyzer wolle weiter als Schiedsrichter tätig sein.
Hoyzer stand seit Beginn der Saison 2002/2003 auf der DFB-Schiedsrichter-Liste und leitete bis zu seinem Rücktritt zwölf Spiele der 2. Fußball-Bundesliga, ferner Begegnungen im DFB-Pokal und in der Regionalliga (siehe Liste unten).
Zeitungen berichteten direkt nach dem Geständnis, Hoyzer habe regelmäßig Kontakt zur kroatischen Mafia gehabt. DFB-Pressechef Harald Stenger bestätigte, dass es Hinweise für Verbindungen zu einer kroatischen Wettmafia nach Berlin gebe und der Verdacht im Raum stand, dass organisierte Kriminalität dahinterstecke. Mehrere Spiele seien systematisch manipuliert worden. Nachdem Hoyzer ein detailliertes Geständnis abgelegt hatte, wurden am 28. Januar 2005 vier Objekte in Berlin durchsucht, darunter das Café King in Berlin-Charlottenburg. Wegen Betruges und Korruption ermittelte die Staatsanwaltschaft Berlin. Drei Verdächtige wurden vorläufig festgenommen und in Folge in Untersuchungshaft genommen.
Der ehemalige FIFA-Fußballschiedsrichter Hellmut Krug, Leiter der DFB-Schiedsrichterabteilung, kritisierte das Kontrollsystem des Verbandes, denn es sei dem DFB schon länger bekannt, dass Hoyzer dubiose Entscheidungen getroffen habe. Im DFB-Pokal-Spiel zwischen Paderborn und Hamburg sei nicht einmal ein Schiedsrichterbeobachter im Stadion gewesen. „Die erste Runde im Pokal wird nie besetzt. Nur in der Bundesliga gibt es bei jedem Spiel Beobachter, die schriftliche Berichte anfertigen“, so Krug.
Der Betrugsverdacht gegen drei Spieler von Hertha BSC aus der Fußball-Bundesliga konnte nicht erhärtet werden. Die am 29. Januar 2005 festgenommenen Milan S. und sein Bruder Philip S. hatten die Spieler Alexander Madlung, Nando Rafael und Josip Šimunić belastet. Sie hätten zu den Gästen des von Milan S. betriebenen Sportwetten-Café King gehört. Das Pokalspiel zwischen Hertha BSC und dem damaligen Regionalligisten Eintracht Braunschweig am 22. September 2004 rückte in den Mittelpunkt, da beim Zweitrunden-Spiel in Braunschweig sowohl Rafael, Šimunić als auch Madlung zum Einsatz kamen und die Berliner überraschend mit 2:3 verloren. Der entscheidende Treffer für Braunschweig fiel durch ein Eigentor in der 80. Minute – von Madlung, der vier Minuten vorher eingewechselt worden war. Hertha BSC nahm jedoch seine drei Spieler in Schutz.
Konsequenzen für Hoyzer Trotz der ersten Unschuldsbekundungen legte Hoyzer am 27. Januar 2005 überraschend ein Geständnis ab: Die Anschuldigungen seien im Kern stimmig. Da jedoch seine Mitgliedschaft bei Hertha BSC noch nicht gekündigt worden war, war er weiterhin der Strafgewalt des DFB unterworfen. Der DFB-Kontrollausschuss beantragte beim Sportgericht, eine sofortige Vorsperre gegen Robert Hoyzer zu verhängen. Hoyzer trat dem Essener Verein Sportfreunde Steele 09 bei und kündigte an, sich doch dem Urteil des DFB-Sportgerichts stellen zu wollen. Gleichzeitig wurde bekannt, der DFB erwäge, wegen Hoyzers Kooperationsbereitschaft auf die ursprünglich geforderte Geldstrafe von 50.000 Euro zu verzichten.
Hoyzer wurde am 28. April 2005 vom DFB lebenslang gesperrt. Er darf weder als Schiedsrichter noch als Trainer, Spieler oder Jugendbetreuer beim DFB fungieren. Hoyzer akzeptierte das verbandsinterne Urteil, das damit rechtskräftig wurde. Die strafrechtliche Verurteilung wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Betrug zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 5 Monaten ohne Bewährung erfolgte durch das Landgericht Berlin. Das Urteil ist seit der Zurückweisung der Revision durch den Bundesgerichtshof am 15. Dezember 2006 rechtskräftig, so dass Hoyzer schließlich seine Haftstrafe am 18. Mai 2007 antreten musste.
Konsequenzen für andere Schiedsrichter Torsten Koop wurde für drei Monate gesperrt, weil er einen Anwerbungsversuch von Hoyzer erst verspätet beim DFB gemeldet hatte.
Zwayer wurde für sechs Monate gesperrt, weil er die ihm bekannten Spielmanipulationen von Hoyzer nicht gemeldet und vor einem Spiel des Wuppertaler SV gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen 300 Euro von Hoyzer angenommen hatte, um als Schiedsrichter-Assistent kritische Situationen für den Wuppertaler SV zu vermeiden.
Entschädigung und Spielwiederholungen Der Manipulationsverdacht betraf zunächst das Pokalspiel der ersten Runde vom 21. August 2004 zwischen dem SC Paderborn 07 und dem Hamburger SV, das überraschenderweise mit 4:2 zu Ende gegangen war, nachdem es zwei sehr umstrittene Strafstöße und einen ebenfalls umstrittenen Platzverweis gegen den HSV gegeben hatte. Der damalige Trainer des Hamburger SV Klaus Toppmöller verlor knapp zwei Monate nach der Niederlage seinen Trainerjob und machte in einem späteren Interview das verlorene Spiel gegen Paderborn dafür mitverantwortlich. Der Verein hatte nachträglich Protest gegen die Wertung dieses Spiels und die von Hoyzer verhängte Rote Karte gegen Emile Mpenza eingelegt. Am 11. Februar 2005 entschied der DFB-Sportausschuss, dass es kein Wiederholungsspiel geben könne, da mittlerweile schon zwei weitere Runden im DFB-Pokal gespielt worden waren. Als Entschädigung wurden dem Hamburger SV 500.000 Euro und die Einnahmen von etwa 1,5 Mio. Euro aus einem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft zugesprochen, das im Hamburger Volksparkstadion ausgetragen wurde. Die Sperre von HSV-Stürmer Mpenza nach seiner roten Karte im entsprechenden Spiel wurde annulliert, da der Anlass für die Schiedsrichter-Beleidigung Hoyzers Manipulationen gewesen waren.
Das Spiel aus der Zweiten Bundesliga zwischen LR Ahlen und Wacker Burghausen, das Hoyzer geleitet und geschoben hatte, wurde erneut ausgetragen. Das Sportgericht des DFB setzte damit erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs die Wiederholung eines Spieles vor kriminellem Hintergrund an, indem es dem Einspruch von Burghausen stattgab.
Auswirkungen Reaktionen des Verbandes Der DFB-Kontrollausschuss reagierte auf die Problematik mit Sportwetten mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog. Zunächst war obendrein geplant, die Schiedsrichter, wie schon bei UEFA-Spielen üblich, erst zwei Tage (vorher vier Tage) vor dem Austragungstermin eines Spieles zu bestimmen. Diese Neuregelung wurde später allerdings aus Gründen der Praktikabilität verworfen. Heutzutage findet die Veröffentlichung der Schiedsrichteransetzungen der Bundesliga in der Regel donnerstags statt, zuvor wissen die Unparteiischen lediglich Datum und Uhrzeit ihres Einsatzes.
Schiedsrichter, die neu in die Zweite Liga aufsteigen, wurden über drei Jahre bei ihren Partien in der Regionalliga beobachtet. Spiele im DFB-Pokal, die zuvor nicht observiert worden waren, wurden von nun an mit einem Schiedsrichter-Beobachter besetzt. Dieser vierte Offizielle soll ein erfahrener Erstligaschiedsrichter sein, der notfalls kurzfristig als Spielleiter einspringen kann. Zwei Schiedsrichtergespanne sollen am Spieltag getauscht werden können. Der Videobeweis soll umfassend eingeführt werden. Alle am Geschehen Beteiligten sollen einem Wettverbot unterliegen und das Frühwarnsystem „Betradar“ umgehend greifen.
Weitere Punkte, auch die Frage, ob die DFL für die Schiedsrichter-Ansetzung verantwortlich werden solle, sollten von Experten im Detail ausgearbeitet werden. Am 13. Februar 2005 konstituierte das Präsidium des DFB einen Ausschuss für das Problem Spielmanipulationen. Der Kommission gehörten der damalige Präsident Zwanziger, Liga-Präsident Hackmann, Schatzmeister Schmidhuber sowie Generalsekretär Schmidt an.
Die DFL hielt laut deren Präsident Werner Hackmann wegen des Schiedsrichter-Skandals künftig den Einsatz von Profi-Schiedsrichtern für denkbar. Der frühere Vorstandsvorsitzende des Bundesligisten Hamburger SV meinte, wenn hauptberufliche Schiedsrichter mehr Geld verdienen würden, steige die Hemmschwelle für Manipulationsversuche. Nach Hackmanns Angaben zog der DFB zudem eine Ausdehnung der Schiedsrichter-Beobachtung auf die Fußball-Regionalliga in Erwägung, nachdem auch einige von Hoyzer geleitete Begegnungen aus der dritten Liga ins Zwielicht geraten waren. Franz Beckenbauer sprach sich gegen Profischiedsrichter aus, denn das Halbprofitum, wie es in Deutschland existiert, sei sehr gut. Bei Profischiedsrichtern sei die Leistung auch nicht besser, denn die Ausbildung beim DFB sei ausgezeichnet, behauptete Beckenbauer.
Der Deutsche Fußball-Bund erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin. Es sollte geklärt werden, welche Personen hohe Wetten auf Hoyzers Spiele abgeschlossen hatten und ob es Verbindungen zu Schiedsrichtern gab.
Der DFB nahm für den ersten Bundesliga-Spieltag nach dem Geständnis von Hoyzer die Berliner Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich und Manuel Gräfe aus der Verantwortung. Die beiden gehörten zu den Zeugen, die den Schiedsrichterausschuss über den Betrug von Hoyzer informiert hatten. Für sie wurden Franz-Xaver Wack und Thorsten Kinhöfer eingesetzt. Der DFB sagte dazu, dass die Fürsorgepflicht es gebiete, Gräfe und Fröhlich aus Sicherheitsgründen pausieren zu lassen. Alle neun Fußballschiedsrichter des 19. Spieltags wurden einen Tag vor den Begegnungen komplett neu angesetzt.