Der Mil Mi-2 (, NATO-Code: Hoplite) ist ein zweimotoriger sowjetischer Mehrzweckhubschrauber. Er wurde in mindestens 24 Varianten und in etwa 5500 Exemplaren bis 1998 gebaut und ist teilweise noch heute im Dienst.

Geschichte Das Entwicklungsteam des OKB-329 unter Leitung von Michail Mil wurde am 30. Mai 1960 beauftragt, diesen Hubschrauber in zunächst verschiedenen Varianten zu entwickeln. Im Januar 1961 war der erste Prototyp fertig und es wurden umfangreiche Bodenversuche vorgenommen. Bereits im September 1961 stellte das OKB diesen Typ als Nachfolger des Mil Mi-1 unter der Bezeichnung W-2 erstmals öffentlich vor. Der Erstflug erfolgte am 22. September 1961. Im Gegensatz zum Vorgänger verfügte das Modell über eine geräumigere Kabine, da die Triebwerke sowie das Hauptgetriebe oberhalb des Rumpfes angeordnet worden waren. Wurde der Mi-1 noch durch einen Kolbenmotor angetrieben, so besaß sein Nachfolger zwei Gasturbinen GTD-350 von Isotow. Während der Erprobung konnten mit dem Muster am 14. Mai 1963 und am 20. Juni 1965 zwei Weltrekorde auf einer 100-km-Strecke aufgestellt werden. Die Besatzungen B. Anopow beziehungsweise T. Russijan flogen die Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 253,82 km/h beziehungsweise 269,38 km/h, wobei letzterer ein Frauenrekord war.

Nach der Erprobung des Prototyps wurde beschlossen, den Serienbau des Mi-2 an das WSK-Werk (Wytwórnia Sprzetu Komunikacyjnego, Werk für Verkehrsmittel) in Świdnik/Polen zu übergeben, welches Ende 1962 Verhandlungen über eine Lizenzfertigung aufgenommen hatte. Ein entsprechender Vertrag wurde Anfang 1964 zwischen der Sowjetunion und Polen unterzeichnet. In Świdnik flog die erste noch aus gelieferten Teilen sowjetischer Produktion bestehende Maschine am 26. August 1965. Der erste reine als PZL Mi-2 benannte Hubschrauber flog erstmals am 4. November 1965. Die zum Modell gehörigen Isotow-GTD-350-Turbinen wurden ebenfalls in Lizenz im WSK Rzeszów gebaut. 1966 begann im WSK Świdnik die Serienproduktion, 1968 wurde mit der Einführung in den Bestand der polnischen Luftstreitkräfte begonnen.

Von April 1972 bis August 1985 erhielten auch die Luftstreitkräfte/Luftverteidigung und später die Armeefliegerkräfte der NVA 48 Mi-2. Die Grenztruppen der DDR setzten Mi-2 innerhalb der Hubschrauberstaffel 16 für Grenzüberwachungs- und Sicherungsaufgaben bis zum Jahre 1990 ein. Eine solche mit Originalkennzeichnungen versehene Maschine ist im Hubschraubermuseum Bückeburg zu besichtigen.

Die mit verbesserten GTD-350P ausgerüstete Mi-2M flog erstmals am 1. Juli 1974. Sie verfügte außerdem über einen für zehn Personen ausgelegten vergrößerten Rumpf und zwei beidseitige Schiebetüren. Die Entwicklungsarbeiten hierzu hatten 1968 begonnen. Es entstanden insgesamt sechs Prototypen, die bis 1977 getestet wurden. Da die erwarteten Flugleistungen nicht erreicht wurden, stellte man dieses Programm im selben Jahr wieder ein. Die Serienfertigung des Mi-2 lief bis etwa 1986 und umfasste rund 5450 Stück.

Eingesetzt wurde die Mi-2 außer in der UdSSR in mehreren Staaten des Warschauer Pakts (DDR, ČSSR, Polen, Ungarn, Bulgarien) sowie in Staaten mit sowjetischem Einfluss (Jugoslawien, Irak, Libyen u. a.). Hauptabnehmer waren die sowjetische Aeroflot, die paramilitärische Organisation DOSAAF und die sowjetischen Luftstreitkräfte.

Der polnische Luftfahrzeughersteller PZL Świdnik bietet eine modernisierte Version des Mil Mi-2 mit der Bezeichnung PZL Kania an.

Nutzung ab den 2000er-Jahren In Schweden flogen drei Mi-2 bei privaten Eignern. 2005 verunfallte eine der Maschinen beim Start von einem Altersheim und der 100-jährige Ehrengast des Rundflugs starb später im Krankenhaus.LY-HCS, nordicrotors In Vassaunda war auch die LY-XCA stationiert.LY-XCA, nordicotors Die heutige Maschine LY-HCT wurde 2004 nach Schweden gebrachtLY-HCT, nordicrotors und ist vermutlich nicht mehr flugtauglich.wfu, rotorspot.nl

2006 sollten 12 Hubschrauber für Sprüheinsätze im Irak eingesetzt werden.Iraqi Ministry of Agriculture, 5. März 2006

Am 27. Dezember 2021 wurde bei einer harten Notlandung in einem Wald nach einem Pipeline-Kontrollflug in Udmurtien (Region Jakschur-Bodja) einer der beiden Piloten getötet,Überlebender einer Hubschrauberabsturzlandung in kritischem Zustand, TASS, 27. Dezember 2021 am 17. April 2022 stürzte eine Mi-2 bei einem landwirtschaftlichen Sprühflug in Kuban ab. Zu diesem Zeitpunkt sollten mindestens 3 weitere Mi-2 für Sprühflüge in Südrussland verwendet werden, wo sie wegen Verwechslungsmöglichkeiten mit Drohnen nicht ohne Tracker fliegen durften.Авиаторы вступили в битву за урожай, Kommersant, 18. April 2022

Technische Beschreibung Der Rumpf der Mi-2 ist in Ganzmetall-Halbschalenbauweise mit einer Beplankung aus Duraluminium gefertigt. Der Tank befindet sich in der Kabinenmitte. Der Heckrotorträger verfügt über seitlich angebrachte Stabilisierungsflossen sowie einen Notsporn. Das starre Bugradfahrwerk ist pneumatisch gefedert und kann im Winter durch Schneekufen ergänzt werden.

Varianten

W-2 – Prototyp der Mi-2 Mi-2 – Basisversion Mi-2A – Im Jahr 2003 beschlossen die beiden russischen Unternehmen Mil und Rostvertol, die Produktion einer modernisierten Version des Mi-2 mit der Bezeichnung Mi-2A aufzunehmen. Die neue Version verfügt über neue französische Turbomeca-Arrius-2Mi-Triebwerke (mit einer Leistung von 450 PS) mit neuen Aggregaten und Systemen sowie einer komplett erneuerten, modernen Avionik. Im Jahr 2012 wurde bekannt gegeben, dass in der chinesischen Provinz Hebei ein Werk entstehen soll, das unter Lizenz Mi-2A-Hubschrauber herstellt. Darüber hinaus soll das Werk auch die Wartung und Reparatur von Mil-Hubschraubern übernehmen. Mi-2B – Im Geheimen vor der UdSSR initiiert, unterzeichnete Polen 1980 einen Vertrag mit Libyen über die Lieferung von 50 modernisierten Mi-2. Im Gegenzug verpflichtete sich die libysche Seite zur Lieferung von Erdöl. Obwohl es sich offiziell um zivile Maschinen handeln sollte, waren diese für die libysche Luftwaffe bestimmt. Die Arbeiten an der Modernisierung wurden unmittelbar nach der Unterzeichnung des Vertrags aufgenommen. Die Hubschrauber für Libyen wurden als Mi-2B bezeichnet. Die Modernisierung umfasste den Einbau der moderneren amerikanischer Avionik, wodurch der Hubschrauber leichter (um fast 300 kg) und besser ausbalanciert war. Außerdem wurde die Maschine zusätzlich mit einem Transponder ausgestattet. Standardmäßig wurden in den Maschinen GTD-350W-Triebwerke mit einer Leistung von 425 PS eingebaut. Zudem wurden die Mi-2B-Hubschrauber mit Rotorblättern ohne Enteisungsanlage ausgestattet. Dies war aufgrund des in Libyen herrschenden Klimas nicht erforderlich. Mi-2T – T für Transport, ist die für die Beförderung von 8 Personen oder einer Ladung mit einem Gewicht von bis zu 700 kg in der Kabine ausgelegt. Außenlasten bis 800 kg. Mi-2R – Für den Einsatz in der Landwirtschaft gedacht. Sie ist für das Versprühen von flüssigen Pflanzenschutzmitteln sowie das Ausbringen von Düngemitteln in Form von Pulver und Granulat vorgesehen ist. Der Hubschrauber in dieser Version war mit zwei Laminattanks (jeweils mit einem Fassungsvermögen von 600 l oder insgesamt 700 kg) ausgestattet, die an den Seiten des Rumpfes befestigt waren, sowie mit Trägern zur Aufhängung von Sprührohren und Zerstäubern. Je nach Einsatzzweck des Hubschraubers waren die Tanks mit Düsen ausgestattet, die an Pumpen (Sprühen) oder an einem Gebläse (Ausbringen) angeschlossen waren. In der Version zum Ausbringen von Düngemitteln kamen pneumatische Tunnel mit Gebläsen oder Scheibenspreizer zum Einsatz (beide wurden von Elektromotoren angetrieben). Die Maschine in dieser Variante wurde am 20. Juni 1968 von dem Piloten Stanisław Gajewski erprobt. Insgesamt wurden 350 Hubschrauber in dieser Variante hergestellt, von denen der Großteil in die UdSSR exportiert wurde. Die Maschine fand auch ihren Absatz außerhalb der Sowjetunion, oft in Afrika und im Nahen Ost. Mi-2P – Variante für den Transport von 6 oder 8 Passagieren samt Gepäck. Mit deutlich hochwertiger Innenausstattung und Schallisolierung. Mi-2Sz/Mi-2U – Variante zum Flugtraining Mi-2SR – Variante als Rettungshubschrauber mit Platz für zwei Patienten auf Tragen und zwei sitzend. Die ersten Maschinen wurden ab 1972 ausgeliefert. Mi-2M (Rostvertol) – Der Mi-2M ist eine Modernisierung der Mi-2, die 1998 vom russischen Unternehmen Rostvertol für den russischen Föderalen Grenzdienst angeboten wurde. Die Modernisierung umfasste den Austausch der Schwingtüren gegen Schiebetüren sowie die Anbringung von Halterungen für die Waffen der Besatzung, ein Maschinengewehr und ein Nachtsichtgerät. Langfristig war eine umfassendere Modernisierung vorgesehen, die den Austausch der Triebwerke gegen Allison-Triebwerke, die Vergrößerung des Treibstoffsystems, den Austausch der Rotorblätter gegen solche aus Verbundwerkstoff, den Austausch der Avionik sowie den Einbau eines GPS TNL600 und einer Wärmebildkamera umfasste. Mi-3 – In der Sowjetunion entstand im Zuge der Arbeiten am Prototyp W-2 (Mi-2) die Idee, einen vergrößerten Hubschrauber zu entwickeln. Dieser war für den Transport von 10 Personen vorgesehen. Das Projekt wurde vorläufig als Mi-3 bezeichnet. Zu den gegenüber dem Mi-2 vorgenommenen Änderungen gehörten eine Neukonstruktion des Rumpfes und des Fahrwerks. Der hintere Teil des Rumpfes wurde vergrößert und mit einer Luke versehen. Ein Modell des neuen Hubschraubers entstand im Jahr 1964. Das Projekt scheiterte jedoch aufgrund fehlender geeigneter Triebwerke. Der ursprünglich geplante Antrieb aus dem Mi-2, bestehend aus zwei GTD-350-Turbinen, erwies sich als zu schwach. Mi-22 – Zur gleichen Zeit, wie die Mi-3, entstand ein zweites Projekt für einen vergrößerten Hubschrauber auf Basis des Mi-2. Dieses Projekt wurde zunächst als W-20 bezeichnet, 1965 wurde die Bezeichnung in Mi-22 geändert. Der Hubschrauber Mi-22 sollte für den Transport einer Infanterietruppe vorgesehen sein. Im Vergleich zum Mi-2 wurde der Rumpf verlängert, neue, breite Schiebetüren in der Passagierkabine eingeführt, das Fahrwerk auf Kufen umgestellt und ein neuer, vierblättriger Hauptrotor eingebaut. Aufgrund des erhöhten Gewichts (ca. 4300 kg) sollte der Hubschrauber zudem einen neuen Motor erhalten – den GTD-10A. Das Projekt wurde Anfang der 1970er Jahre eingestellt, da der Hubschrauber Mi-24 entwickelt wurde, der die für den Mi-22 vorgesehenen Aufgaben des Transports von Infanterietrupps übernahm.

WSK (PZL) Świdnik Varianten (Polen) Państwowe Zakłady Lotnicze Mi-2 D „Przełącznik“ – (ggf. Variante III) die 1967 entwickelt wurde. Die Maschinen dieser Variante wurden als fliegende Kommandostellen konzipiert und zu diesem Zweck mit spezieller Kommunikationsausrüstung ausgestattet. Alle Hubschrauber dieser Version gingen an die polnische Armee. Mi-2 RM – Variante für die Seenotrettung. Diese Version wurde 1969 entwickelt. Die Mi-2 RM verfügten über einen zusätzlichen Treibstofftank im Rumpf, eine hydraulische Hebevorrichtung, einen Verbandkasten, eine Trage sowie Rettungsflöße. Im Jahr 1975 wurden Versuche mit aufblasbaren Schwimmkörpern durchgeführt, die am Mi-2 RM befestigt waren, doch letztendlich wurde darauf verzichtet. Insgesamt wurden 16 Hubschrauber in dieser Variante gebaut. Mi-2 RL – Variante als Rettungshubschrauber. Die Maschinen dieser Version wurden mit einer Hebevorrichtung auf der linken Seite des Rumpfes, Scheinwerfern, einer Trage und einem Erste-Hilfe-Set ausgestattet. Der erste Hubschrauber dieser Variante wurde im November 1975 fertiggestellt. Insgesamt wurden 10 Mi-2 RL gebaut.