Silivri ist eine Stadtgemeinde (Belediye) im gleichnamigen Ilçe (Landkreis) der Provinz Istanbul in der türkischen Marmararegion und gleichzeitig ein Stadtbezirk der 1984 gebildeten Büyükşehir belediyesi İstanbul (Großstadtgemeinde/Metropolprovinz). Silivri liegt auf der europäischen Seite von Istanbul und ist seit der Gebietsreform ab 2013 flächen- und einwohnermäßig identisch mit dem Landkreis.
Geografie Der Kreis/Stadtbezirk ist der westlichste Teil Istanbuls. Er grenzt im Westen an Tekirdağ, im Norden und Osten an Çatalca, im Südosten an Büyükçekmece. Im Süden bildet die etwa 30 km lange Küste zum Marmarameer eine natürliche Grenze. Silivri verzeichnet einen moderaten Bevölkerungsanstieg und belegt seit drei Jahren Rang 35 (von 39) in der Liste der bevölkerungsreichsten Kreise/Stadtbezirke.
Verwaltung Silivri wurde 1928 durch das Gesetz Nr. 1282 (erschienen im Amtsblatt 900 vom 28. Mai 1928) von Kreis (Kaza) Çatalca abgetrennt. Zur ersten Volkszählung danach (Oktober 1935) hatte der neue Kreis eine Bevölkerung von 22.790 Einwohnern (auf 735 km² Fläche) in 24 Dörfern.
(Bis) Ende 2012 bestand der Landkreis aus der Kreisstadt und 13 Dörfern (Köy), die im Zuge der Verwaltungsreform 2013/2014 in Mahalle (Stadtviertel/Ortsteile) überführt wurden. Sie wurden den bereits bestehenden Mahalle der Kreisstadt hinzugefügt, so dass deren Anzahl auf 35 anstieg. Ihnen steht ein Muhtar als oberster Beamter vor.
Ende 2020 lebten durchschnittlich 5.720 Menschen in jedem Mahalle, 40.698 Einw. im bevölkerungsreichsten (Yeni Mah.).Mahallelere göre İstanbul Silivri nüfusuMuhtarlıklarımız – Bildergalerie der Muhtare
Bevölkerung Die linke Tabelle zeigt die Ergebnisse der Volkszählungen, die E-Books der Originaldokumente entnommen wurden. Diese können nach Suchdateneingabe von der Bibliotheksseite des TÜIK heruntergeladen werden.Bücherei des Türkischen Statistikinstituts TÜIK
Die rechte Tabelle zeigt die Bevölkerungsfortschreibung des Kreises/Stadtbezirks Şile. Die Daten wurden durch Abfrage über das MEDAS-System des Türkischen Statistikinstituts TÜIK nach Auswahl des Jahres und der Region ermittelt.Merkezi Dağıtım Sistem Volkszählungsergebnisse Jahr Landkreis Kreisstadt LändlicherAnteil (%) 1935 22.790 3.632 84,06 1940 24.583 3.437 86,02 1945 26.426 4.129 84,38 1950 28.328 4.164 85,30 1955 28.588 4.611 83,87 1960 33.231 4.949 85,11 1965 35.380 6.114 82,72 1970 37.443 7.528 79,89 1975 40.106 8.525 78,74 1980 53.032 13.763 74,05 1985 55.625 15.767 71,65 1990 77.599 26.049 66,43 2000 108.155 44.530 58,83 Fortschreibungsergebnisse Jahr Landkreis Kreisstadt LändlicherAnteil (%) 2007 125.364 62.247 50,35 2008 124.601 111.636 10,41 2009 134.660 121.961 9,43 2010 138.797 126.218 9,06 2011 144.781 132.264 8,65 2012 150.183 137.861 8,20 2013 155.923 155.923 DieDörferwurdenaufgelöstund inMahalleüberführt. 2014 161.165 161.165 2015 165.084 165.084 2016 170.523 170.523 2017 180.524 180.524 2018 187.621 187.621 2019 193.680 193.680 2020 200.215 200.215 mini|Stadtansicht
Geschichte In archaischer Zeit wurde die Siedlung unter dem Namen Selymbria (gr. Σηλυμβρία) von Dorern besiedelt. Um 500 v. Chr. wird Selymbria Teil des Achämenidenreiches. 341 v. Chr. fiel der Ort an König Philipp II. von Makedonien. 200 v. Chr. ließen sich dort die keltischen Galater nieder. Als Teil Thrakiens wurde die Stadt spätestens um 46 n. Chr. wie ganz Thrakien Teil des Römischen Reichs. Nach dessen endgültiger Teilung 395 gehörte Selymbria dann zum Byzantinischen Reich. Der Stadtname wurde von Kaiser Arcadius (377–408, Kaiser ab 395), nach seiner Frau Aelia Eudoxia zeitweilig in Eudoxiopolis geändert. 447 wurde die Stadt von den Hunnen geplündert und wurde bis ins 9. Jahrhundert wiederholt während Belagerungen Konstantinopels in Mitleidenschaft gezogen. 805 wurde Selymbria Teil des Bulgarischen Reiches. 812 eroberten die Byzantiner Selymbria zurück. Im 10. Jahrhundert war Selymbria Sitz eines Erzbischofs. Auf das Erzbistum geht das Titularbistum Selymbria der römisch-katholischen Kirche zurück.
1399 wurde Selymbria erstmals osmanisch, wurde aber 1403 wieder an die Byzantiner zurückgegeben. Unmittelbar nach dem Fall Konstantinopels im Mai 1453 kapitulierte auch Selymbria und fiel erneut unter osmanische Herrschaft.
Im Russisch-Osmanischen Krieg von 1877 wurde Silivri von russischen Truppen besetzt, doch nach dem Krieg wieder osmanisch. Mit Ausbruch der Balkankriege wurde Silivri von 1912 bis Juli 1913 vorübergehend von Bulgarien besetzt. Später wurde Silivri nach Ende des Ersten Weltkrieges zwischen dem 20. Juli 1920 und dem 22. Oktober 1922 von griechischen Truppen besetzt. Den griechischen Truppen folgten dann für ganze acht Tage italienische Truppen. Seit 1924 ist Silivri Teil der Türkischen Republik.
2008 wurde der Campus der Strafvollzugsanstalten Silivri als Europas größte Gefängnisanlage errichtet.
Sehenswürdigkeiten Silivri liegt an der Hauptstraße von İstanbul nach Tekirdağ an der Küste des Marmarameeres. Die Küste um Silivri ist mit Istanbuler Wochenendhäusern bebaut.
In Silivri begann die byzantinische Mauer des Anastasios I. (491–518 n. Chr.), welche ungefähr bis Kıyıköy am Schwarzen Meer reichte. Teile der Mauer sind erhalten.
Die in Silivri vor dem Ersten Weltkrieg noch sichtbaren Reste der byzantinischen Bischofskirche von Selymbria, die von Friedrich Schrader beschrieben und fotografiert worden sind, sind inzwischen abgetragen worden und verschwunden.Otto Feld: Noch einmal Alexios Apokaukos und die byzantinische Kirche von Selymbria (Silivri). In: Byzantion 37, 1967, S. 57–65.
Seit einigen Jahren wird die Promenade renoviert, auf der sich hauptsächlich Fischrestaurants befinden. Sie hat sich mittlerweile zu einem belebten Platz der Stadt entwickelt.
Persönlichkeiten Nektarios von der Pentapolis (1846–1920), griechisch-orthodoxer Bischof und Heiliger Rupen Sevag (1885–1915), Schriftsteller und Opfer des Völkermords an den Armeniern Mihri Belli (1916–2011), Politiker und Schriftsteller Uğur Dündar (* 1943), Journalist Alper Tezcan (* 1980), ehemaliger Profifußballspieler. Aykut Sevim (* 1991), Fußballspieler Hüseyin Tokmak (* 1994), Fußballer
Weblinks
Silivri Coğrafyası – Geografie Silivri Tarihi - Geschichte Einzelnachweise
Kategorie:Thrakischer Ort Kategorie:Dorische Stadtgründung Kategorie:Landkreis in der Provinz Istanbul