Blair Witch Project ist ein US-amerikanischer Horrorfilm aus dem Jahr 1999. Produziert wurde der pseudodokumentarische Found-Footage-Film von Haxan Entertainment, Regie führten Daniel Myrick und Eduardo Sánchez. Bereits vor seinem Kinostart entstand die Popularität des Films im Internet, wo – aufgrund absichtlich verbreiteter irreführender Informationen des Filmstudios – diskutiert wurde, ob es sich um eine tatsächliche Dokumentation oder einen Spielfilm handelte.
Handlung Der Film beginnt mit folgender Text-Einblendung: „Im Oktober 1994 verschwanden drei Studenten in den Wäldern von Burkittsville, Maryland, beim Dreh eines Dokumentarfilms. Ein Jahr später wurden ihre Filmaufnahmen gefunden.“
Danach werden die „gefundenen“ Filmaufnahmen gezeigt: Die drei Studenten Heather Donahue, Josh Leonard und Michael „Mike“ C. Williams planen eine Reise nach Burkittsville, Maryland und Umgebung, um dort eine Dokumentation über die Hexe von Blair zu drehen. Das gesamte Filmmaterial, das der Zuschauer zu sehen bekommt, stammt von den drei Studenten, welche die ganze Zeit über eine Videokamera sowie eine 16-mm-Filmkamera dabeihaben.
Zuerst fahren die drei in das Städtchen Burkittsville, ehemals Blair, um die dortigen Einwohner zum Blair-Witch-Kult zu befragen. Dabei kommen ihnen widersprüchliche Meinungen zu Ohren. Während einige der Stadtbewohner diesen Mythos für ein Schauermärchen halten, sind andere von dessen Wahrheit überzeugt. Eine ältere Frau namens Mary Brown behauptet gar, die Hexe von Blair mit eigenen Augen gesehen zu haben. Des Weiteren erhalten die Studenten von den Ortsansässigen einige Informationen über Elly Kedward, Rustin Parr und die Burkittsville 7, bei denen es sich um sieben getötete Kinder des Ortes handeln soll. Heather findet auch heraus, dass diese angeblich durch den Einsiedler Rustin Parr getötet wurden: Ein Kind musste sich jeweils mit dem Gesicht zur Wand in eine Ecke stellen, während ein anderes im selben Raum ermordet wurde, danach wurde das andere Kind getötet.
Nach den Befragungen in der Stadt fahren die drei Studenten in den Black Hills Forest, wo die Hexe von Blair angeblich hausen soll. Sie stellen ihr Auto am Wegrand ab, schultern ihre Rucksäcke und betreten den Wald. Nach kurzer Zeit begegnen sie zwei Anglern, die sich über die Existenz der Hexe uneinig sind, aber beide auf keinen Fall tiefer in den Wald gehen würden. Unbeeindruckt davon führt Heather ihre Begleiter zum ersten Ziel ihrer Expedition: Coffin Rock. Hier verbringt das Trio seine erste Nacht im Wald. Nach langer Suche und viel Mühe beim Kartenlesen erreichen sie im Laufe des nächsten Tages einen alten Friedhof. Dort finden sie sieben Steinhaufen; jeder davon soll einem der sieben Burkittsville-Kinder gelten. Bald darauf beginnt es, dunkel zu werden. Um nicht durch die Finsternis irren zu müssen, beschließen Heather, Josh und Mike, erneut ihr Zelt aufzustellen und zu nächtigen, ehe sie nach Coffin Rock zurückwandern. Mitten in der Nacht werden sie durch merkwürdige Geräusche geweckt, können aber nicht feststellen, wer oder was sie verursacht.
Am Tag darauf wollen sie zu ihrem Auto zurückkehren, da die Expedition vorerst abgeschlossen ist und die geliehenen Kameras am nächsten Morgen zurückgebracht werden müssen. Heather hat allerdings mehr und mehr Mühe damit, sich auf der Karte zurechtzufinden. Als Josh und Mike sich einmischen, verlieren sie völlig die Orientierung, und ein Streit bricht aus. Da die Nacht schon wieder hereingebrochen ist, muss die Rückreise vertagt werden. In der Nacht passieren abermals unheimliche Dinge: Erneute Geräusche, darunter einige, die wie Kindergeschrei klingen, lassen bei den dreien Panik aufkommen. Es scheint immer wieder, als ob irgendjemand oder -etwas um ihr Zelt herumschleicht, aber als Mike nachsieht, ist niemand zu finden.
Am nächsten Morgen finden die Studenten drei Steinhaufen ums Zelt verteilt. Heather ist überzeugt, dass diese am Vorabend noch nicht da waren. Langsam wollen die Studenten nur noch dem seltsamen Wald entkommen. Die weiteren Tage bestehen aus verzweifeltem Umherirren, nachdem Mike, der wie die anderen langsam die Nerven verliert, die Karte weggeworfen hat. Bald darauf erreichen sie eine kleine Lichtung, wo überall an den Bäumen seltsame Figuren aus Zweigen und Garn aufgehängt wurden. Auch die Nächte werden immer schlimmer, wieder hört das Trio Geräusche und vermeintliche Kinderschreie. Als eine unsichtbare Kraft an dem Zelt rüttelt, fliehen die drei und nächtigen im Freien.
Am Morgen darauf ist Josh spurlos verschwunden. Heather und Mike suchen verzweifelt nach ihm, doch es ist keine Spur zu finden – bis sie in der folgenden Nacht aus weiter Ferne vermeintliche Schmerzensschreie von Josh hören. Mike und Heather rufen nach ihm, bekommen aber keine Antwort, nur die Schreie sind weiter zu hören. Am nächsten Morgen liegt ein Bündel aus Zweigen vor ihrem Zelt, mit dem blutigen Hemd von Josh darin, in welchem einzelne Zähne und Haare des vermissten Josh gewickelt sind. Heather lässt das Bündel verschwinden, ohne dass sie Mike davon erzählt. Heather und Mike glauben nun kaum mehr an ihr eigenes, geschweige denn an Joshs Überleben, und geraten an den Rand eines psychischen Zusammenbruchs. In der letzten Nacht nimmt Heather ein Entschuldigungsvideo auf.
Später schrecken die beiden erneut aus dem Schlaf, da sie glauben, aus weiter Ferne Joshs Schreie zu hören. Sie begeben sich aus dem Zelt und folgen der gequälten Stimme. Diese kommt aus einem kleinen, baufälligen, zweigeschossigen Haus. Trotz Heathers Warnungen und Bitten stürmt Mike sofort in das Gebäude, und da er glaubt die Schreie aus dem oberen Geschoss zu hören, rennt er die Treppen hoch. Doch nur wenig später meint er, das Geschrei komme aus dem Keller, weswegen er wieder hinunterrennt. Heather kämpft unterdessen damit, Mikes hastigen Bewegungen zu folgen. Kurz nachdem Mike im Keller angekommen ist, bricht seine Filmaufnahme nach einem hörbaren Schlag auf die Kamera und deren Fall auf den Boden ab. Der Zuschauer folgt nun nur noch Heather, die – ebenfalls mit ihrer Kamera – die Treppen hinabrennt. Im Keller angelangt, sieht sie Mike mit dem Gesicht zur Wand in einer Ecke stehen. Kurz darauf fällt auch ihre Kamera zu Boden, Heathers Stimme verstummt, und der Abspann beginnt.
Entstehungsgeschichte Daniel Myrick und Eduardo Sánchez, zwei Filmstudenten der University of Central Florida, kennen sich seit 1990 und verbrachten einen großen Teil ihrer Studienzeit damit, gemeinsam kurze Amateurfilme zu drehen. Im Jahre 1993 kam ihnen die Idee, einen Horrorfilm zu drehen, der als Dokumentation dargestellt werden sollte. Sie waren damals sehr angetan von der TV-Dokumentations-Serie In Search of… aus den 1970er Jahren, in der eine unheimliche Stimme den Zuschauer durch Sendungen voller – angeblich echter – Fotos von UFOs, Außerirdischen und anderen Monstern führte. Dadurch wurden Myrick und Sánchez inspiriert und wollten den Kinobesuchern ein ähnliches Gefühl vermitteln, wie die Reihe es damals bei ihnen erzeugt hatte.
1996 suchten sie sich unter 2000 Bewerbern drei unbekannte Jungschauspieler aus, die unter ihren bürgerlichen Namen – Heather Donahue, Joshua Leonard und Michael Williams – die Hauptrollen in The Blair Witch Project spielen sollten.Steve Barton: Indie Horror Month Tip of the Scalpel: The Blair Witch Project auf dreadcentral.com, 23. März 2012; abgerufen am 15. Februar 2025.
Gedreht wurde in Burkittsville, im Seneca Creek State Park und dem Patapsco Valley State Park (jeweils in Maryland). Dabei wurden die drei Schauspieler, die zuvor einen Einführungskurs in Kameraführung besucht hatten, ausgerüstet mit einer 16-mm- und einer Hand-Videokamera, in den Wald geschickt und hatten dort acht Tage Zeit, um den Film in den Kasten zu bringen. Ihre einzige Verbindung zu den Regisseuren war ein Handsprechfunkgerät, über das sie genauere Informationen erhielten, wo ihr nächster Drehort sein sollte. Diesen konnten sie mit Hilfe eines GPS-Navigationssystems erreichen.
Am Drehort angelangt, fanden die Schauspieler jeweils die Nahrung für den nächsten Tag sowie einen Zettel, auf dem skizziert war, wie die folgenden Szenen aussehen sollten. Ein genaueres Drehbuch gab es nicht, der gesamte Text wurde improvisiert. Im Laufe der Drehtage wurden die Essensrationen, die Heather, Josh und Mike zugespielt wurden, ständig reduziert, so dass sich ihre körperliche und geistige Verfassung realitätsgetreu verschlechterte. So sollte der langsame Verlust der Nerven und der geistigen Klarheit so realistisch wie möglich gespielt werden. Tatsächlich aber unterschied sich die Lage der Schauspieler insofern deutlich von der ihrer Rollen, als sie für den Notfall Fluchtrouten und Funkverbindung hatten.Anthony Kaufman: In: The Village Voice 13. Juli 1999, (engl.), abgerufen am 1. März 2008.
Ursprünglich hatten die beiden Regisseure vor, das von den Schauspielern gedrehte Material mit einer Hintergrundgeschichte zu kombinieren. Dazu sollten die in der Filmhandlung vorkommenden fiktiven Wochenschauen der 1940er Jahre und eine (angebliche) Fernsehsendung, die mysteriöse Geschehnisse aufklärte, benutzt werden. Diese technisch höherwertigen Aufnahmen hätten die improvisierten Hi-8-Handkamera-Szenen ergänzt. In acht Monaten im Schneideraum entstanden zwei sehr unterschiedliche Filmversionen – eine von jedem Regisseur –, danach gaben Myrick und Sánchez die Idee auf und benutzten nur das Material der Schauspieler.
Im August 1998, zehn Monate, nachdem der Film gedreht worden war, stellten Dan Myrick und Ed Sánchez eine Webpräsenz ins Internet, auf der sie – als Tatsachenbericht getarnt – über das Verschwinden dreier Filmstudenten im Jahre 1994 in den Wäldern um Burkittsville und die Suche nach ihnen sowie den Fund ihrer Ausrüstung – einschließlich der Filmmaterialien – informierten. Auch die Sage der Hexe von Blair wurde genauestens erklärt und geschildert. Fiktive Interviews mit Familienmitgliedern und Bekannten der Verschwundenen machten die Täuschung perfekt. Bald schon erreichte die Webpräsenz die Eine-Million-Besucher-Marke.
Im Januar 1999 wurde das fertige Produkt The Blair Witch Project auf dem Sundance Film Festival uraufgeführt. Im Juni 1999 schließlich lief der Film in vorerst nur 27 US-Kinos an. Durch den riesigen Zuschaueransturm fanden sich allerdings weitere Kinos, und schließlich war das Werk in insgesamt 1.100 Kinos zu sehen. Die Kosten beliefen sich auf lediglich 60.000 US-Dollar, wovon der größte Teil für die beiden Kameras und die Reise zu den Drehorten investiert worden war. Bereits am ersten Wochenende hatte der Film knapp 29 Millionen Dollar eingespielt, die weltweiten Gesamteinnahmen betrugen Ende 1999 über 248 Millionen US-Dollar.The Blair Witch Project In: boxofficemojo.com (engl.), abgerufen am 1. März 2008. Damit ist The Blair Witch Project einer der Filme mit den höchsten Einnahmen im Verhältnis zu seinen Kosten. Lediglich der US-amerikanische Pornofilm Deep Throat von Gerard Damiano aus dem Jahr 1972 weist mit einem Umsatz von 600 Millionen Dollar gegenüber Kosten von 25.000 Dollar eine noch höhere Umsatzrentabilität auf. Im Guinness-Buch der Rekorde löste Blair Witch Project den damaligen Rekordhalter Mad Max ab.
Nach Angaben des Regisseurs Eduardo Sánchez betrug das Budget für Blair Witch Project dagegen ursprünglich etwa 25.000 Dollar, bei Fertigstellung habe der Film allerdings etwa 500.000 bis 750.000 Dollar gekostet.John Young: . In: Entertainment Weekly, 9. Juli 2009.
In Deutschland hatte der Film seine Premiere auf dem Fantasy Filmfest.
Hintergrundgeschichte der Produktion