Nordheim am Main (amtlich: Nordheim a.Main) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.

Nordheims Geschichte ist eng mit dem Kloster Münsterschwarzach verbunden, das lange Zeit die Grundherrschaft über den Ort innehatte. Unter den Äbten des Klosters stieg das Dorf zum wichtigsten (und zeitweise einwohnerreichsten) Klosterbesitz auf.

Nordheim ist mit über 400 ha Rebfläche (2024) die zweitgrößte Weinbaugemeinde des Weinanbaugebiets Franken und war vor der Gemeindegebietsreform in den 1970er Jahren lange Zeit die größte. Der Wein prägt den Jahresablauf im Ort. Neben den vielen Weingütern, die in den Sommermonaten Wein- und Winzerfeste veranstalten, ist auch die Umgebung des Dorfes von Weinbergen dominiert, unter anderem von der Lage Nordheimer Vögelein.

Die jahrhundertealte Kulturlandschaft mit dem rebenbestockten Kreuzberg im Mittelpunkt zieht ebenso Touristen an wie die Baulichkeiten des frühneuzeitlichen Ortskerns. Neben der Laurentiuskirche sticht besonders der Zehnthof des Klosters in den Formen der Renaissance hervor. Eine verkehrshistorische Besonderheit ist die Mainfähre, die zwischen Nordheim und dem gegenüberliegenden Escherndorf an der Volkacher Mainschleife verkehrt.

Geografie Gemeindegliederung Außer dem Hauptort gibt es keine weiteren Gemeindeteile.

Es gibt nur die Gemarkung Nordheim a.Main. Sie hat eine Fläche von 5,299 km² und ist in 2462 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2152,14 m² haben.

Nordheim am Main die viertkleinste Gemeinde im Landkreis Kitzingen und hat mit ihren etwa 1026 Einwohnern eine Bevölkerungsdichte von 193 pro Quadratkilometer. Durch die kompakte Siedlungsfläche liegt sie etwas über dem bayerischen Durchschnitt von 176. Nach der Einwohnerzahl ist Nordheim am Main hingegen die fünftkleinste Kommune des Landkreises.

Geografische Lage mini|hochkant|Nordheim am Main von Norden (Juli 2016) Die Gemeinde liegt im Nordwesten des Landkreises Kitzingen im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken und ist fast ausschließlich von den Ortsteilen der Stadt Volkach und der Gemeinde Sommerach umgeben. In einem kleinen Streifen von etwa 250 m im Südsüdwesten der Gemarkung grenzt der Dettelbacher Gemeindeteil Neuses am Berg im Main an Nordheim. Der Ort liegt auf der sogenannten Weininsel im Süden der Volkacher Mainschleife.

Die Gemarkung wird auf drei Seiten vom Main begrenzt. Im Norden, getrennt durch den Main, liegt der Volkacher Gemeindeteil Vogelsburg, nordöstlich beginnt die Gemarkung von Astheim. Auf der gleichen Mainseite steht die Hallburg und liegt der gleichnamige Gemeindeteil von Volkach im Südosten. Der Süden wird von Sommerach eingenommen, mit dem sich Nordheim einen Großteil der Weinberge am sogenannten Kreuzberg teilt. Südwestlich erhebt sich auf der anderen Mainseite der Volkacher Gemeindeteil Köhler. Über seine Fähre ist Nordheim mit Escherndorf im Nordnordwesten verbunden.

Die nächstgrößere Stadt ist das etwa 3 Kilometer entfernte Volkach nordöstlich von Nordheim. Die Kreisstadt Kitzingen liegt in fast 14 Kilometer Entfernung. Die nächste Großstadt ist das ungefähr 19 Kilometer entfernte Würzburg.

Geologie, Hydrologie, Böden Naturräumlich liegt Nordheim im Gebiet der Volkacher Mainschleife, die als Untereinheit zum Mittleren Maintal der Mainfränkischen Platten gezählt wird. Der Osten der Gemarkung wird dagegen zum Dimbacher Flugsandgebiet innerhalb der Kitzinger Mainebene im Steigerwaldvorland gezählt.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 8. Januar 2019.

Die Region ist geprägt von steilen Prallhängen und flachen Gleithängen, die besonders gut für den Weinbau genutzt werden können. Diese Nutzung durch den Menschen hat die Landschaft stark verändert. Dennoch ist die erdgeschichtliche Vergangenheit weiterhin gut sichtbar. Die Eintiefung des Mains in sein heutiges Bett erfolgte vor allem im Pleistozän, die Flussmäander vertieften sich und ließen die beiden Hangtypen entstehen. Durch Erosion setzt sich dieser Vorgang fort. Dadurch schneiden die Flussläufe immer tiefer in den Berg der Vogelsburg ein und lassen so, in Zukunft, einen Durchbruchsberg entstehen.Landesamt für Umwelt: Volkacher Mainschleife, PDF-Datei, abgerufen am 29. November 2018.

Hydrologisch profitiert Nordheim vor allem durch die tonigen und lehmigen Bodenbeimischungen. Ihre hohe Wasseraufnahmefähigkeit ermöglicht den Pflanzen die Feuchtigkeitsaufnahme, da gleichzeitig ein sehr tiefer Grundwasserstand vorhanden ist. Durch diese Beimischungen kann die Winterfeuchtigkeit bis in den Sommer gehalten werden und ermöglicht der Flora auch in trockenen Jahren das Überleben. Die Bodenbeschaffenheit um die Gemeinde ist vielfältig. Oberer Muschelkalk, Lettenkeuper, Lösslehm, Sand, schwere Tonböden und anmoorige Böden existieren.

Klima Die Gemeinde liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Zonen Deutschlands zählt. Dies ist auch ein Grund für den Weinanbau in der Region. Klimaerhebungen für Nordheim werden in der Wetterwarte in Würzburg durchgeführt.

Die Klimaklassifikation von Köppen rechnet die Gemeinde zur Cfb-Kategorie. (Klimazone C: warm-gemäßigtes Klima, Klimatyp: f: feucht-gemäßigtes Klima, Untertyp b: warme Sommer). Zwischen dem trockensten Monat Februar und dem niederschlagsreichsten Monat Juni liegt eine Differenz von 35 mm. Um im Durchschnitt 18,9 °C ist der Juli (wärmster Monat im Jahr) wärmer als der Januar (kältester Monat im Jahr).

Flächennutzung + Flächennutzung 2023 Nutzung Hektar Siedlungsfläche 55 Verkehrsfläche 34 Vegetationsfläche 408 Wasserfläche 33 Gesamtfläche 530

Die Gemeinde Nordheim am Main nimmt eine Fläche von insgesamt 530 Hektar ein und ist damit die flächenmäßig kleinste Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft. Größten Anteil an der Fläche hat die Vegetationsfläche mit 411 ha. Davon entfallen 368 ha (77,5 %) auf landwirtschaftlich genutzte Fläche, wobei die Weinbauflächen den größten Anteil ausmachen. Geringe Waldflächen im Osten der Gemarkung nehmen eine Fläche von 5 ha ein.

Zweitgrößte Teilfläche bildet die Siedlungsfläche mit 52 ha und damit 9,8 % der Gesamtfläche, davon sind lediglich 9 ha Wohnbaufläche, auf Industrie- bzw. Gewerbeflächen entfallen 3 ha. Sie liegen dezentral über das Gemeindegebiet verteilt, da Nordheim kein klassisches Industriegebiet besitzt. Straßen, Wege und Plätze nehmen eine Fläche von 34 ha und damit einen Anteil von 6,4 % der Gesamtfläche ein.

Mit dem Main und einigen kleineren Gewässern liegen 33 ha Gewässerflächen um den Ort. Seit 2003 nimmt die landwirtschaftlich genutzte Fläche ab, in diesem Jahr wurden noch 488 ha landwirtschaftlich bebaut. 2010 waren 18 ha davon Ackerland und damit nicht für den Weinbau genutzt.

Schutzgebiete

Um Nordheim befinden sich Schutzgebiete fast aller Schutzkategorien. Die gesamte Gemarkung ist Teil des Landschaftsschutzgebietes Volkacher Mainschleife, der größten Flussmäanderlandschaft in Bayern. Entlang des Mainverlaufs befindet sich ein Teil des Vogelschutzgebietes Maintal zwischen Schweinfurt und Dettelbach. Der Main bildet im Norden, Osten und Westen des Dorfes die sogenannte Mainaue zwischen Grafenrheinfeld und Kitzingen als Fauna-Flora-Habitat.

Besonderen Schutz genießen die beiden Naturschutzgebiete, die um Nordheim ausgewiesen wurden: entlang der Kreisstraße im Osten und auf der Mainseite in Richtung Escherndorf das Schutzgebiet Alter Main bei Volkach mit dem Zweck der Erhaltung des ursprünglichen Zustandes des Mains als Fließgewässer und im Westen die Mainaue zwischen Sommerach und Köhler um die Auelandschaft entlang des Maines zu schützen.

Ortsgliederung mini|links|hochkant|Der Gipfel des Kreuzberges nahe Nordheim (September 2014) Im Norden der Gemarkung liegt das Straßendorf Nordheim am Main parallel zum Main, am Fuße des Kreuzberges, eines flach auslaufenden Gleithanges in Richtung Fluss. Anders als für die umgebenden Dörfer Escherndorf und insbesondere Köhler spielt der Main für das Dorf keine so große Rolle, Nordheim bildet mit Escherndorf, vor allem durch die markanten Spitzhelme ihrer Kirchen, eine städtebauliche Einheit.Lindemann, Hans-Eckhard: Historische Ortskerne in Mainfranken. S. 49.

Der kompakte Kernort öffnet sich am Ortsrand zur Umgebung. Dies unterscheidet Nordheim von vielen anderen, größeren Dörfern an der Mainschleife, wie Sommerach und Fahr mit historischen Ummauerungen. Die zentrale Hauptstraße parallel zum Main mit der katholischen Pfarrkirche ist eine Sackgasse, als Durchfahrtsstraße dient die sogenannte Langgasse am historischen Ortsrand.

Bis in die 1980er Jahre waren wenige Wohnflächen in die Feldmark ausgelagert, die neueren bebauten Areale gruppieren sich eng um den Ortskern. Am nördlichen Ortsrand entstand der Weinfestpark mit Skateplatz, daneben liegen die Sportanlagen des Dorfes. Dort befindet sich in Richtung Südosten der ehemalige Standortübungsplatzes der Mainfranken-Kaserne mit einem Baggersee mit Mainzufluss für Pionierübungen, die Anlagen sind heute (2018) ohne Nutzung.

Am östlichen Ortsausgang liegt der neue Friedhof, um die Pfarrkirche im Ort gibt es noch einige Grabstellen. Um den Ortskern dominieren die großen Höfe der Weingüter. Den Süden überragen die mit Weinreben bewachsenen Hänge des 287 m hohen Kreuzberges mit einer Aussichtsplattform. Entlang der Zufahrtsstraße im äußersten Osten gibt es kleine Waldflächen und im Westen in Richtung Köhler mehrere Obstbaumfelder, am südöstlichen Ortsrand liegt die Kläranlage. An sie schließt sich in Richtung Main die sogenannte Grube Nordheim an. Es handelt sich um eine renaturierte und befüllte Kiesgrube, die heute wie ein Altarm des Maines weit in Richtung des Dorfes ragt.LZR: LZR Broschüre Renaturierung, PDF-Datei, S. 11, abgerufen am 8. März 2019.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte (bis 918) Um die Siedlung Nordheim wurden wenige archäologische Funde aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit gemacht. In der Umgebung war die Vogelsburg ein früher Mittelpunkt menschlicher Besiedlung. Der Berg im Zentrum der Mainschleife war bereits im Paläolithikum dauerhaft bewohnt. In der Bronzezeit, um 1500 v. Chr., errichteten die Bewohner dort Befestigungsanlagen, die in späteren Jahrhunderten weiter verstärkt wurden.

Östlich von Nordheim am Main entstand um 800 v. Chr. eine Siedlung von Menschen der Hallstattkultur, die bereits Eisen für die Herstellung von Werkzeugen und Waffen nutzten. Später wurde die Stelle von Latène-Menschen besiedelt. Beide Kulturen hinterließen archäologische Artefakte, die ausgegraben wurden. So kann darauf geschlossen werden, dass dieser Teil des Ortes während der Eisenzeit zumindest zeitweise dauerhaft besiedelt war.Wieser, Matthias: Die Kapelle der hll. Apostel Simon und Judas Thaddäus im Münsterschwarzacher Zehnthof in Nordheim am Main. S. 18.

Die Vogelsburg blieb dagegen durchgehend bewohnt. In Escherndorf, gegenüber von Nordheim, konnten keltische Gräber ausgegraben werden. Die Kelten saßen zu diesem Zeitpunkt auf der Vogelsburg und begruben ihre Toten im Tal. Sie wurden im Verlauf der Jahrhunderte von den Thüringern verdrängt. Im 5. nachchristlichen Jahrhundert folgten den thüringischen Stämmen die Franken, die an die Mainschleife vorstießen und dort erstmals staatsähnliche Verwaltungsstrukturen einrichteten. Auch führten sie das Christentum ein.

Im Zuge des fränkischen Landesausbaus wurde der Ort Nordheim wohl im 6. bzw. 7. Jahrhundert gegründet. Gleichzeitig bildete sich in der Gegend einer der fränkischen Urgaue, das Volkfeld. In Nordheim war einer der wenigen Mainübergänge. Escherndorf lag damals wohl in der Gemarkung von Nordheim und sorgte im Norden für die Sicherung der Mainfurt. Im 7. oder 8. Jahrhundert gelangte auch der Wein nach Nordheim und es entstand die heutige Kulturlandschaft.

Wechselnde Herrschaften (bis 1326) mini|hochkant|Erstmals erwähnt wurde Nordheim in einer Urkunde des Abtes Dracholf