mini|hochkant=1.3|Das Palais Arnim als Akademie der Künste, 1933

Das Palais Arnim war das historische Gebäude am Pariser Platz 4 in Berlin. Eduard Knoblauch hatte es 1857 als hauptstädtische Wohnung des preußischen Politikers Graf Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg gestaltet. Nach Umbau und Erweiterung durch Ernst von Ihne war das Palais von 1907 bis 1938 Sitz der Preußischen Akademie der Künste. Während nach dem Zweiten Weltkrieg die Akademie der Künste der DDR den erhalten gebliebenen Erweiterungsbau nutzte, wurde der schwer beschädigte historische Gebäudeteil Knoblauchs nach 15-jähriger Vernachlässigung 1960 abgetragen. Seit 2005 befindet sich an der Stelle des Palais Arnim ein Neubau der Akademie der Künste, der auch Teile des Altbaus einbezieht.

Das Vorgängergebäude mini|hochkant|Lage der noch nicht erweiterten und umgebauten Akademie der Künste im Palais Arnim; Stadtplan von 1904

Im Jahr 1737 errichtete der „Schutzjude“ Meyer-Rieß auf dem etwa 38 × 100 Meter großen Grundstück QuarréQuarré = Karree; ursprünglicher Name des quadratischen Platzes vor der Benennung 1814. Nr. 4 ein barockes Palais.Zur Vorgeschichte siehe Laurenz Demps: Der Pariser Platz. Der Empfangssalon Berlins. Henschel Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-89487-215-2. Das von einem unbekannten Architekten entworfene, zweigeschossige Gebäude hatte unter einem Mansarddach zehn, um 1820 elf Achsen, wobei die rechte als Eingang und Durchfahrt die Form eines Torbogens hatte. Die mittleren drei Achsen waren durch Säulen, die im Erdgeschoss eine offene Halle bildeten und einen Balkon trugen, sowie eine bekrönende Balustrade in der Dachzone hervorgehoben. Nach hinten lagen der geräumige Hof und ein großer Garten, der an das Grundstück des Staatsministers Friedrich von Görne, später Palais der Prinzen Alexander und Georg, in der Wilhelmstraße 72 anstieß.

Aus dem Besitz der Meyer-Rießschen Witwe kaufte 1760 Caroline von Labes (1730–1810) das Palais. Sie war eine geborene Daum und verwitwete Fredersdorff. Zu ihren Kindern aus der Ehe mit Johann Freiherr von Labes (1731–1776) gehörte Amalie Karoline von Labes (1761–1781), die 1777 den Freiherrn Joachim Erdmann von Arnim (1741–1804) heiratete. Der Ehe entspross der Dichter Achim von Arnim, der nach dem Tod der Mutter seine Kinderjahre im Palais der Großmutter verlebte.Geboren wurde Achim von Arnim 1781 im Nachbarhaus Nr. 3, das die Großmutter für ihre Tochter erworben, dann aber wegen deren Tod bei der Geburt Achim von Arnims im selben Jahr verkauft hatte. Siehe dazu Ingo Erhart: Achim von Arnims Geburtshaus. In: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft. Band 16, Saint Albin, Berlin 2004, S. 119–121. 1816 erwarb Prinz August von Preußen, der unverheiratet im Schloss Bellevue und im Palais Wilhelmstraße 65 wohnte, das Palais und überließ es seiner Lebensgefährtin Karoline Friederike von Waldenburg und den gemeinsamen Kindern als Wohnhaus. Nach mehreren Eigentümerwechseln baute Eduard Knoblauch in den Jahren 1857/1858 das Palais für den Grafen Arnim-Boitzenburg vollständig um.

Knoblauchs Bau Es hatte jetzt ein weiteres Geschoss und ein flaches Dach mit durchgehender Balustrade. Fassade und Proportionen des Gebäudes stimmte Knoblauch auf das benachbarte von Karl Friedrich Schinkel errichtete Palais Redern ab. Die Säulenhalle entfernte er, behielt aber den Balkon. Auf der Balustrade akzentuierten sechs Kratervasen die drei mittleren Achsen und die Gebäudeecken. Die zurückhaltende, spätklassizistische Putzfassade war im Erdgeschoss stärker, in den Obergeschossen schwächer rustiziert. Den Raum für eine großzügige Treppenanlage gewann Knoblauch durch die Verlängerung des Seitenflügels. Im Urteil der Zeitgenossen kam Knoblauchs Umbau einem Neubau gleich.Für Brüstlein, S. 465, war Knoblauch alleiniger Erbauer des Palais Arnim. Ebenso für Karl Emil Otto Fritsch in: Architekten-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten [Faksimile-Ausgabe der Original-Ausgabe von Berlin, 1877]. Ernst und Sohn, Berlin 1984, ISBN 3-433-00995-3, S. 406 f. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts suchte der preußische Staat nach repräsentativen Standorten für die Akademie der Künste und Teile des Marstalls, die ihr gemeinsames Grundstück am Boulevard Unter den Linden wegen der dort beabsichtigten Neuerrichtung der Königlichen Bibliothek und der Universitätsbibliothek zu räumen hatten. Im Jahr 1903 einigte Preußen sich mit der Familie Arnim über den Kauf des Palais als dem zukünftigen Sitz der Akademie der Künste.

Umbau und Neubau durch Ihne mini|Eröffnung der Gedächtnisausstellung für den Bildhauer August Gaul durch den Akademiepräsidenten Max Liebermann in Anwesenheit des Reichspräsidenten Friedrich Ebert und des Staatssekretärs Carl Heinrich Becker (Bildmitte, v. r. n. l.), Oktober 1922. Der Saal wurde 1941 von Speer verbaut und im März 2000 abgerissen.

Im Jahr 1905 begann der Umbau des Palais zum Sitz der Akademie, verbunden mit der Errichtung eines Ausstellungsgebäudes durch Ernst von Ihne, dem Lieblingsarchitekten ihres Protektors, Wilhelms II. Inzwischen war auf dem Nachbargrundstück Nr. 5 nach dem Abriss des Palais Redern das Hotel Adlon im Entstehen, dessen Baumasse den bis dahin am Pariser Platz eingehaltenen Maßstab sprengte. Auf dem Nachbargrundstück Nr. 3 hatte bereits 1878 die Rohdichsche Stiftung einen neobarocken Neubau des Palais Wrangel errichtet, der mit seiner von Kolossalpilastern beherrschten Fassade das Palais Arnim überragte.Zur Geschichte des Gebäudes siehe den Internetauftritt der Stiftung von Rohdich’scher Legatenfonds: legatenfonds.de

mini|Gründung der Sektion für Dichtkunst der Akademie der Künste im Großen Saal des Palais Arnim 1926. Unter dem Standbild des Akademiegründers Friedrich III. Max Liebermann, links neben ihm Carl Heinrich Becker, Hermann Stehr und Thomas Mann

Ihne verzichtete sowohl auf eine Konkurrenz mit den auftrumpfenden Neubauten als auch auf die für ihn typische Verwendung von Stilelementen des Neobarock. Bis auf die Verwandlung der linken Fensterachse in eine Ausfahrt und eine dezente Vergrößerung der vorhandenen Einfahrt blieb die Fassade unverändert. Lieferfahrzeuge konnten das neue Ausstellungsgebäude, das das gesamte rückwärtige Grundstück in Anspruch nahm, vom Pariser Platz aus auf einer schmalen U-förmigen Straße umfahren.

Im Innern des Palais schuf Ihne als einzigen größeren Eingriff in Knoblauchs Werk entlang der vorhandenen Durchfahrt eine erhöhte, durch einen Lichtschacht mit Oberlicht beleuchtete Säulenhalle. Von ihr führte die Haupttreppe zum oberen Vestibül mit Zugängen zum Großen Saal, zum Sitzungszimmer, zu den Räumen des Akademiepräsidenten, seiner Sekretäre und zu Funktionsräumen.

Im Erdgeschoss betrat man von der Säulenhalle aus den Vorsaal, um die Verbindungshalle des Neubaus zu erreichen. Dieser einzige neobarock dekorierte Raum war als Festraum für Ausstellungsbesucher gedacht und hatte eine unechte, nur eingehängte Gewölbedecke. Er öffnete sich zu vier hintereinander liegenden Ausstellungssälen, die acht kleinere umgaben. Mit Ausnahme zweier Säle für Bildwerke, die zusätzlich Fenster hatten, wurden sie durch Oberlichte beleuchtet, die nahezu die gesamten Raumdecken einnahmen. Eine 60 Meter lange, bis 30 Meter breite und sieben Meter hohe Stahlkonstruktion trug das gläserne Walmdach des Ausstellungsgebäudes. Wo Alt- und Neubau südlich der Verbindungshalle zusammenstießen, entstand der Ihne-Turm mit einer Wendeltreppe, die alle Geschosse beider Gebäude verband.

Am 24. Januar 1907, dem 195. Geburtstag Friedrichs des Großen, fand im Beisein in- und ausländischer Akademiemitglieder die Einweihungsfeier des erweiterten Palais Arnim statt. Drei Tage später, an seinem 48. Geburtstag, empfing Wilhelm II., für den ein Thron in der Verbindungshalle aufgestellt war, das allgemeine Publikum im Ausstellungsgebäude.

Mehrmals im Jahr veranstaltete die Akademie Ausstellungen, wodurch das Palais Arnim zu einem allgemein bekannten Bestandteil des Berliner Kulturlebens wurde. Am Ende der Monarchie in Preußen in einem wilhelminischen Akademismus erstarrt, öffnete sie sich in den Jahren der Weimarer Republik unter dem Akademiepräsidenten Max Liebermann (1920–1932) der Modernen Kunst.

Nach der Machtergreifung verlor die Akademie in der Zeit des Nationalsozialismus unter dem „Protektor“ Hermann Göring ihre mit dem „Führerprinzip“ unvereinbare selbstständige Stellung im deutschen Kunstleben. Die letzte Ausstellung der Akademie im September 1937 war anlässlich des Berlinbesuchs des italienischen Diktators Benito Mussolini dem Thema „Italienische Kunst von 1800 bis zur Gegenwart“ gewidmet.

Umbau Speers mini|Ausschnitt des 1939 im Ateliergebäude aufgebauten Modells der Umgestaltung Berlins zur „Welthauptstadt Germania“

Die Akademie, nach Austrittswellen in den Jahren 1933 und 1937 „gleichgeschaltet“ und seit 1938 durch Georg Schumann nur noch kommissarisch verwaltet, war zu einem bloßen Instrument der nationalsozialistischen Kulturpolitik geworden. Von den 1937 ernannten 41 Mitgliedern waren zehn Architekten, darunter der Architekt und Stadtplaner Albert Speer. Seine Räumlichkeiten im Palais Arnim benutzte er als Arbeitsplatz in seiner Eigenschaft als Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt. Die ministeriumsähnliche Stelle hatte Adolf Hitler eigens für ihn am 30. Januar 1937 geschaffen. Im Februar 1937 begründete SpeerWortlaut des Schreibens in Werner Durth, Günter Behnisch: Berlin. Pariser Platz. Neubau der Akademie der Künste. Jovis, Berlin 2005, ISBN 3-936314-36-5 [folgend zitiert als „Durth/Behnisch“], S. 66. seinen Anspruch auf das gesamte Palais Arnim mit der „Möglichkeit für den Führer, durch die Ministergärten in die Räume der neuen Dienststelle zu kommen [und durch die] Tatsache, daß die Preußische Akademie der Künste das einzige Gebäude in der unmittelbaren Nähe der Reichskanzlei ist, dessen Körperschaft zur Zeit keinen nennenswerten Zweck mehr erfüllt.“

Die Suche nach einem neuen und repräsentativen Standort der Akademie erleichterte, dass im Juli 1937 die Kampagne gegen die Entartete Kunst zur Schließung der Neuen Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzenpalais geführt hatte. Im Juli 1938 stand das geräumte Kronprinzenpalais, erweitert um einen neuen Ausstellungssaal, der Akademie der Künste als Ausweichquartier zur Verfügung. Ab Frühjahr 1938 diente das Palais Arnim mitsamt seiner Erweiterung dem Generalbauinspektor als Dienstsitz.

Speer unterteilte die Räume des Palais Arnim um Büros und Ateliers anzulegen, wobei er im großen Saal Quartier nahm. In Ihnes Ausstellungsbau ließ er in der mittleren Saalflucht, die nur teilweise ihr Oberlicht behielt, ein großes Modell Berlins aufstellen. Alle acht übrigen Säle bekamen statt der Oberlichter Fenster, wurden zu Ateliers und Werkstätten umgebaut und durch zwei mit neuen Treppenhäusern erschlossene Büroetagen überbaut. Häufig besuchte Hitler das Gebäude, um dort die Modelle und Pläne für den geplanten Umbau Berlins zu besichtigen und mit Speer und dessen Mitarbeitern zu besprechen.Ein Baualtersplan des Ihne-Baus aus dem Jahr 1994 bei Durth/Behnisch, S. 69, dokumentiert u. a. die Erweiterungen Speers

Während des Zweiten Weltkriegs erhielt der Ihne-Bau in den Jahren 1941/1942 und 1942–1944 weitere Anbauten und Aufstockungen. Speer bezog 1942, nachdem Hitler ihn zum Nachfolger Fritz Todts im Amt des Reichsministers für Bewaffnung und Munition ernannt hatte, das Palais Wrangel, Todts benachbarten Sitz als Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen. Im Palais Arnim etablierte sich 1943 der Speer direkt unterstellte und von Rudolf Wolters geleitete Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte. Vielen Beschäftigten, wie Konstanty Gutschow, Julius Schulte-Frohlinde, Friedrich Tamms, Ernst Neufert und Werner Hebebrand gelang es im Westdeutschland der Nachkriegszeit dieser Aufgabe an prominenter Stelle treu zu bleiben.

Kriegszerstörungen 1945 und die Jahre bis 1960