Stadtgeschichten (Originaltitel: Tales of the City) ist eine US-amerikanische Miniserie, die am 7. Juni 2019 auf dem Video-on-Demand-Anbieter Netflix ihre Premiere feierte. Sie basiert auf den Stadtgeschichten, einer Buchreihe des amerikanischen Schriftstellers Armistead Maupin.

Stadtgeschichten ist nach den Miniserien Stadtgeschichten, auch bekannt als Geschichten aus San Francisco, aus dem Jahr 1993, Mehr Stadtgeschichten aus dem Jahr 1998 sowie Noch mehr Stadtgeschichten von 2001 die vierte Adaption der Reihe. Sie ist keine direkte Verfilmung eines Maupin-Romans, allerdings kommen neben neuen Figuren mehrere aus der Reihe bereits bekannte Charaktere vor, zudem teilt sie mit den Büchern den Schauplatz San Francisco.

Handlung Als Mary Ann Singleton zum 90. Geburtstag der trans Frau Anna Madrigal (eine wichtige Persönlichkeit der LGBT-Gemeinschaft), mütterliche Freundin und ihre ehemalige Vermieterin, nach San Francisco fliegt, fällt die Wiedersehensfreude bei einigen deutlich gering aus.

Mary Ann Singleton zog vor mehr als zwanzig Jahren nach Connecticut, um dort als Fernsehmoderatorin Karriere zu machen. In der Gegenwart (also im Jahr 2019) erleidet sie eine Midlife-Crisis, zudem will sich ihr Ehemann Robert von ihr scheiden lassen. Anna lebt immer noch in der Barbary Lane 28, wo Mary Ann eine der fünf Wohnungen bewohnte. Das Haus ist zudem, wie bereits vor 23 Jahren, ein Angelpunkt vieler Mitglieder der queeren Community, wie z. B. dem trans Mann Jake Rodriguez und seiner lesbischen Freundin Margot Park, welche neben den Instagram Influencer-Zwillingen Jennifer / Ani und Jonathan / Raven, sowie Mary Anns bestem Freund Michael „Mouse“ Tolliver und Shawna hier leben. Shawna, die bisexuell ist, hält Mary Ann und deren Ex-Mann Brian (bei welchem sie aufgewachsen ist) für ihre leiblichen Eltern, ihr fällt es schwer, ihrer Mutter zu verzeihen, dass diese sie in ihrer Kindheit verlassen hat. Brian, der stets um seine Tochter besorgt ist, geht zunächst ebenfalls auf Distanz zu seiner Ex-Ehefrau.

Claire Duncan, eine junge Dokumentarfilmerin und Shawnas Schwarm, versucht die alten beziehungsweise neuen Bewohner der Barbary Lane 28 kennenzulernen und interviewt diese Personen, die Gespräche zeichnet sie mit einer Videokamera auf. Bei Anna Madrigal allerdings bleiben alle ihre Versuche, sie zu interviewen, erfolglos. Als diese einen Erpresserbrief erhält und die Forderung Barbary Lane zu überschreiben, beschließt Mary Ann Singleton zu handeln.

Produktion Am 28. Juni 2017 berichteten verschiedene Medien, dass Netflix plane, eine Neuauflage der Tales of the City-Reihe zu produzieren und dass Laura Linney und Olympia Dukakis ihre damaligen Rollen erneut verkörpern werden, dies wurde vom Sender zunächst weder bestätigt noch dementiert. Am 23. April 2018 gab Netflix schließlich bekannt, eine neue Version der Stadtgeschichten in Auftrag gegeben und zehn Episoden bestellt zu haben. Der Sender bejahte zudem, dass die Rollen Mary Ann Singleton, Anna Madrigal und DeDe Halcyon Day von den entsprechenden Schauspielerinnen der alten Produktionen Linney, Dukakis sowie Barbara Garrick gespielt werden. Die Figur Shawna, die es in den vorherigen Serien nicht gab, wurde mit Elliot Page besetzt. Im Oktober 2018 wurde die Verpflichtung von Paul Gross bekanntgegeben, der ebenfalls in seiner damaligen Rolle als Brian Hawkins zurückkehrt.

Lauren Morelli, die bereits Teil des Autorenstabs der Netflix-Produktion Orange Is the New Black war, verfasste drei Folgen und ist zudem Showrunner sowie Executive Producer der Serie. Weitere Produzenten der Serie sind neben der Hauptdarstellerin Laura Linney Alan Poul, der bei drei Folgen zudem die Regie führte und bereits die vorherigen Adaptionen mitfinanzierte, sowie Tim Bevan und Eric Fellner. Diese sind mit der Fernsehsparte ihrer Produktionsfirma Working Title Films an der Finanzierung der Serie beteiligt.

Die Dreharbeiten der Serie starteten im Juli 2018. Die Innenszenen wurden hauptsächlich in New York City gefilmt, zudem wurden einige Sequenzen im Stadtteil Nodine Hill in Yonkers im Bundesstaat New York gedreht. Die Dreharbeiten für die Außenszenen fanden größtenteils in San Francisco statt, auch der Stadtpark Mission Dolores Park wurde als Drehort genutzt.

Besetzung Die Synchronisation der Serie wurde bei der RRP Media UG nach einem Dialogbuch von Thomas Maria Lehmann, Jörg Hartung und Peter Freund sowie unter der Dialogregie von Torsten Sense erstellt.

Hauptfiguren RolleDarstellerSynchronsprecherMary Ann SingletonLaura LinneyKatrin FröhlichShawna HawkinsElliot PageAnne HelmBrian HawkinsPaul GrossDirk BubliesMichael „Mouse“ TolliverMurray BartlettSven GerhardtBen MarshallCharlie BarnettLasse DreyerJake RodriguezGarciaHeiko AkrapMargot ParkMay HongDiana BorgwardtAnna MadrigalOlympia DukakisJen Richards (jung)Beate GerlachMelanie Pukaß (jung)DeDe Halcyon DayBarbara GarrickTraudel Sperber

Nebenfiguren RolleDarstellerSynchronsprecherJennifer „Ani“ WinterAshley ParkJosefin HagenJonathan „Raven“ WinterChristopher LarkinFelix IsenbügelClaire DuncanZosia MametDina KürtenRobert WatsonMichael ParkNicolas KönigIda BestBob the Drag QueenOliver SiebeckMateoDickie HeartsDavid RiedelWrenita ButlerMichelle ButeauNora KunzendorfSam GarlandVictor GarberReinhard KuhnertEliBenjamin ThysOtto StreckerInkaSamantha SouleJana KozewaFlaco RamirezJuan CastanoOliver BenderHarrisonMatthew RischGerrit HamannYselaDaniela VegaMartina Treger

Episodenliste

Auszeichnung 2020 erhielt Stadtgeschichten den GLAAD Media Award in der Kategorie Beste Miniserie.

Rezeption Auf Rotten Tomatoes erhielt die Serie eine Kritikerbewertung von 82 Prozent. Der Spiegel schrieb online, dass „die wiederbelebten "Stadtgeschichten" reflektiert und gegenwärtig sind“ und „liefern Gesellschaftsdiskurs als Popkultur und Seifenoper... Wie früher, als es um schwules Coming Out, Aids-Krise und auch um Geschlechtsidentität ging, doch diesmal anders, diverser…. Vor allem aber sind die neuen "Stadtgeschichten" eine Auseinandersetzung mit der derzeit auch hierzulande aufgeheizten Debatte, die im Grunde ein Generationenkonflikt der LGBTQI*-Gemeinde ist: Zwischen den Gründern der Homobewegung der Sechziger- und Siebzigerjahre, die für Bürgerrechte und gegen Stigmatisierung gekämpft und die AIDS-Krise überlebt haben und jenen genderfluiden Queeries der Jahrtausendwende, die sich nicht mehr in Schubladen stecken lassen wollen. So sind die "Stadtgeschichten" am Ende ein Plädoyer für Inklusion und Verständigung über generationale Grenzen hinweg. Und haben damit durchaus das Potential, erneut bahnbrechend zu sein.“

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Fernsehserie der 2010er Jahre Kategorie:Fernsehserie (Vereinigte Staaten) Kategorie:Miniserie Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Homosexualität im Film Kategorie:Transgeschlechtlichkeit im Film Kategorie:Netflix