Trabzon (, , ) ist eine Stadt im Nordosten der Türkei und deren östlichste große Hafenstadt am Schwarzen Meer. 2021 hatte die Großstadtkommune Trabzon insgesamt 816.684 Einwohner und das Stadtzentrum Ortahisar 334.228 Einwohner. Die Großstadtkommune ist flächenidentisch mit der gleichnamigen Provinz. Die Stadt ist Umschlagplatz für den Export von im Umland angebauten Haselnüssen, Tee und Tabak.

Der antike Name der Stadt lautete , aus dessen Nebenform der neugriechische Name gebildet wurde. Davon leiten sich auch die geläufige lateinische Bezeichnung und die historische deutsche Bezeichnung Trapezunt ab. Um das 7. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet, ließ der römische Kaiser Hadrian Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. einen künstlichen Hafen anlegen und die Stadt ausbauen. Die im Mittelalter und bis zum Ersten Weltkrieg geschäftige Handelsstation an der Seidenstraße gehörte von 1204 bis 1461 zum Kaiserreich Trapezunt, als die Dynastie der Komnenen herrschte. In dieser Zeit entstanden die byzantinische Kathedrale Hagia Sophia und fast alle weiteren, historisch bedeutenden Bauwerke. Die meisten Kirchen wurden in osmanischer Zeit in Moscheen umgewandelt.

Lage und Verkehr Die entlang der Küste verlaufende E 70 verbindet Trabzon mit den großen Hafenstädten Samsun im Westen und Batumi jenseits der Grenze in Georgien. Die nächsten, mittelgroßen Städte sind Giresun, 134 Kilometer westlich, und Rize, 76 Kilometer östlich. Nach Süden zweigt die E 97 ab, die durch ein Tal im Ostpontischen Gebirge nach Erzurum und Erzincan führt. Die alte Bergstraße überquerte den 2032 Meter hohen Zigana-Pass, die neue Straße kürzt etwas westlich die Passhöhe durch einen Tunnel ab. Der in diesem Tal fließende Değirmendere mündet im Osten von Trabzon ins Meer. Das Gebirge mit bis zu über 3000 Meter hohen Gipfeln trennt den nur wenige Kilometer schmalen Küstenstreifen vom inneranatolischen Hochland.

Trabzon ist nicht an das türkische Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Türkiye Cumhuriyeti Devlet Demiryolları (TCDD) plant eine Eisenbahnstrecke von Erzincan nach Trabzon und von Samsun über Trabzon nach Sarp (Grenze zu Georgien). Außerdem plant die Stadt Trabzon eine Tramverbindung von Akçaabat nach Yomra und eine Seilbahnverbindung nach Köşk und Çukurçayır. Baubeginn ist 2025.

Der internationale Flughafen Trabzon liegt acht Kilometer östlich des Zentrums an der Schwarzmeerküste.

Der Hafen ist in einen Handelshafen, Fischereihafen, Passagierhafen und Yachthafen eingeteilt. Es besteht eine Fährverbindung mit Sotschi in Russland. Die türkische Marine betreibt des Weiteren in Trabzon einen Stützpunkt.

Geschichte mini|Der Hafen von Trabzon in den 1920er Jahren

Vorgriechische Zeit

Aus der Zeit vor der griechischen Besiedelung im 8./7. vorchristlichen Jahrhundert ist über Trabzon so gut wie nichts bekannt. Vom Binnenland ist die Küste bei Trabzon mit der nur wenige Kilometer breiten Küstenebene durch das küstenparallel verlaufende Ostpontische Gebirge abgeriegelt und nur über den über 2000 m hohen Zigana-Pass erreichbar, so dass ein Mangel an Interesse der schriftbesitzenden frühgeschichtlichen Kulturen Anatoliens, Syriens und Mesopotamiens an der Gegend nicht überraschend ist. Schriftliche Quellen über Trabzon oder eine frühere Siedlung an dieser Stelle fehlen.

Antike

Nach griechischer Überlieferung wurde Trapezus im Jahr 756 v. Chr. gegründet, laut Xenophon durch Siedler aus Sinope,Xenophon, Anabasis 4, 8 einer Kolonie Milets. Für Sinope selbst sind unterschiedliche Gründungsdaten überliefert, wobei die archäologischen Befunde, die eine griechische Besiedlung ab dem späten 7. Jahrhundert v. Chr. belegen,Ekrem Akurgal – Ludwig Budde: Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen in Sinope. Türk Tarih Kurumu Basımevi, Ankara 1956. am besten mit dem Gründungsdatum 631 v. Chr. des Eusebius vereinbar sind. Demnach kann Trabzon erst im späten 7. oder im 6. Jahrhundert v. Chr. von Griechen aus Sinope besiedelt worden sein. Diese Kolonien am Schwarzen Meer waren kleine Enklaven griechischer Kultur, deren Herrschaftsbereich sich nur wenig ins Landesinnere erstreckte. Nach dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot eroberten die Kimmerer um 700 v. Chr. u. a. auch die Küstenregion um Trapezus. Von hier aus unternahmen sie Plünderungszüge nach Kleinasien, bis sie vom neuassyrischen Herrscher Assurbanipal (reg. 669–627) zurückgeschlagen wurden. Um 546 v. Chr. eroberte der achämenidische König Kyros II. die östliche Schwarzmeerregion, die zu einer persischen Satrapie erklärt wurde. Intrigen um die Thronfolge führten zu einem Streit zwischen Artaxerxes II. und seinem Bruder Kyros, der 401 v. Chr. in der Schlacht bei Kunaxa (etwa 80 Kilometer nördlich von Babylon am Euphrat) mit dem Tod von Kyros endete. Die über zehntausend in der Armee von Kyros kämpfenden griechischen Söldner und ihre Sklaven unter Führung von Xenophon zogen sich nach Norden zurück, durchquerten die Satrapie Armenien und erreichten schließlich den Hafen von Trapezus. Beschrieben ist der „Zug der Zehntausend“ in Xenophons Schrift Anabasis. In Trapezus wurden die Alten und Verletzten auf Schiffen weitertransportiert, die übrigen Söldner marschierten über Pergamon bis in ihre Heimat.Michael Richard Thomas Dumper, Bruce E. Stanley, Janet L. Abu-Lughod: Cities of the Middle East and North Africa: a historical encyclopedia. ABC-Clio, Santa Barbara (Ca) 2006. Xenophon erwähnt in seiner Anabasis die Stadt als dem benachbarten Sinop tributpflichtig.Xenophon: Anabasis, 5.5.7

Nach seinem Sieg über die Perser in der Schlacht bei Issos 333 v. Chr. eroberte Alexander der Große auch die östliche Schwarzmeerküste. Nach seinem Tod 323 v. Chr. gründete im Norden des kleinasiatischen Seleukidenreichs Mithridates I. 301 v. Chr. das Königreich Pontos mit Trapezus als dem wichtigsten Hafen. Bis zu Mithridates VI. Eupator (reg. 120–63 v. Chr.) hatte sich das pontische Reich maximal ausgedehnt und die Provinzen des Römischen Reiches im westlichen Kleinasien bedroht. In drei Mithridatischen Kriegen besiegten die Römer das pontische Reich. Bis zum Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts wurde sukzessive die gesamte Schwarzmeerküste als Provinzen in das Römische Reich eingegliedert.

In der römischen Kaiserzeit ließ Hadrian (reg. 117–138) Trapezus zur Provinzhauptstadt ausbauen, die sich durch ihren 129 n. Chr. künstlich angelegten Hafen einen Namen als Schiffbauzentrum machte. Der Hafen war nun der Endpunkt einer Militärstraße, die bis zur Reichsgrenze am syrischen Euphrat führte. Die Römer ließen auch die obere Zitadelle und den mittleren Teil der Stadtbefestigung errichten oder verstärken.

Spätantike bis zum frühen Mittelalter

mini|Südwestliche Festungsmauer der Zitadelle. Oberer Teil aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, darunter vom Ende des 13. Jahrhunderts. Die Mauerverstärkung vor dem halbrunden Vorsprung unterhalb der Flagge stammt aus der späteren Zeit. 256 n. Chr. zerstörten angreifende Goten Trapezus,Herwig Wolfram: Die Goten. 4. Aufl. München 2001, S. 59. das sich davon wirtschaftlich kaum noch erholte, wenngleich es schließlich bis zum 4. Jahrhundert der Sitz eines Statthalters und seit Ende des 3. Jahrhunderts das Quartier der Legio I Pontica war. Die christlichen Bewohner errichteten in frühbyzantinischer Zeit viele Kirchen und Klöster. Im 6. Jahrhundert ließ Kaiser Justinian I. die Stadtmauern verstärken. Baureste aus den folgenden Jahrhunderten haben sich – mit Ausnahme der St.-Anna-Kirche von 884/885 – nicht erhalten, die Stadt muss jedoch weiterhin ein bedeutender Hafen geblieben sein. Seit dem 9. Jahrhundert war sie der Hauptort des Themas Chaldia. Eine Blütezeit erlebte Trapezunt unter Kaiser Basileios II. (reg. 976–1025). Er ließ zahlreiche Kirchen errichten, die heute entweder verschwunden sind oder deren ursprüngliche Strukturen überbaut wurden. Während der Herrschaft der iberischen Bagratiden (820–1000) unterhielt Trabzon einen lebhaften Handel mit Georgien, der über Ardanuç und das Tal von Kola abgewickelt wurde.Robert W. Edwards: The Vale of Kola: A Final Preliminary Report on the Marchlands of Northeast Turkey. Dumbarton Oaks Papers 42, 1988, S. 126.

Mittelalter Um die Mitte der 1080er Jahre gelang es dem Militär unter Theodoros Gabras, das von den Seldschuken annektierte Trapezunt für Byzanz zurückzuerobern und sich als de facto selbstständiger Herrscher an der pontischen Schwarzmeerküste zu etablieren. Erst um 1140 stellte Kaiser Johannes II. in Trapezunt wieder die kaiserliche Autorität her.

Als die Armeen des Vierten Kreuzzuges 1204 unerwartet das Byzantinische Reich angriffen, niederwarfen und im eroberten Konstantinopel das Lateinische Kaiserreich errichteten, entstanden um dieses herum mehrere byzantinische Nachfolgestaaten. Das Reich von Trapezunt war einer davon, obwohl es schon im April 1204 gegründet worden war, vor dem Fall von Konstantinopel. Trapezunt wurde damit die Hauptstadt eines gesonderten Kaiserreiches eines schon 1185 vor dem Volksaufstand geflohenen Zweiges der byzantinischen Herrscherdynastie der Komnenen. Die beiden Enkel des Kaisers Andronikos I., Alexios und David Komnenos, hatten Unterstützung am Hof der Königin Tamar von Georgien gefunden. Alexios I. wurde 1204 der erste Kaiser von Trapezunt, sein jüngerer Bruder David zog westwärts und eroberte Sinop, scheiterte letztlich aber in Westkleinasien am Kaiserreich Nikaia. Seit 1204 besaßen die Genuesen eine Kolonie in Trapezunt, seit 1289 auch in Amisos (heute Samsun) und 1301 in Sinop. Die konkurrierenden Venezianer eröffneten 1319 in Trapezunt eine Handelsniederlassung inklusive einer ständigen Vertretung vor Ort, um die zugesicherten Privilegien zu bewahren. Die venezianische Niederlassung bestand bis 1452.

Nach dem Einfall der Mongolen Mitte des 13. Jahrhunderts erlebte die Stadt durch Handel und Zölle einen enormen Wohlstand. Sie wurde zum Knotenpunkt von Handelsrouten nach Russland, in den Mittelmeerraum und in den Mittleren Osten. Dabei spielte das venezianische Händlerquartier eine bedeutende Rolle, zumal die Venezianer durch die Genuesen von der Krim verdrängt worden waren. Im Zuge dieser wirtschaftlichen und kulturellen Blüte entstanden in der Hauptstadt prächtige Bauwerke wie die Kirche Hagia Sophia. Mit dem Schwinden der mongolischen Macht nach 1320 sah sich auch Trapezunt zunehmend Angriffen türkischer Stämme ausgesetzt. Hinzu kamen Bürgerkriege und interne Intrigen. Dennoch behielt die Stadt ihren Status als wichtiger Handelsplatz am Schwarzen Meer bis weit ins 15. Jahrhundert hinein.

mini|St.-Basil-Kirche (Büyük Ayvasil Kilise), 14. oder 15. Jahrhundert, in einer Buchillustration von 1888 Auf dem Höhepunkt seiner Macht war der Hof der Komnenen ein bedeutendes künstlerisches und kulturelles Zentrum, das Trapezunt zum letzten Refugium griechischer Kultur in Kleinasien machte. In dieser Zeit wurden die meisten der Kirchen erbaut, die heute noch zu sehen sind. Die Komnenen förderten auch den Neubau von Klöstern und unterstützten die Erweiterung bestehender Klöster. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kamen zahlreiche armenische Einwanderer, die aus der im Niedergang begriffenen Stadt Ani oder vor den jahrelangen Kämpfen in der Umgebung von Sivas geflohen waren. Das bedeutendste armenische Bauwerk aus dieser Zeit ist das Kloster Kaymaklı auf dem Boztepe-Hügel drei Kilometer südöstlich des Stadtzentrums.Thomas Alexander Sinclair: Eastern Turkey. An Architectural and Archaeological Survey. Bd. II. The Pindar Press, London 1989.