Munisípiu Ermera (tetum)Município de Ermera (port.) 130px|zentriert|Wappen der Gemeinde Ermera150px|zentriert|rand|Flagge der Gemeinde Ermera320px|In der Gemeinde Ermera DatenHauptstadtGlenoFläche770,8 km²Einwohnerzahl (2022)137.750Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.Zahl der Haushalte (2022)25.536ISO 3166-2:TL-ERVerwaltungsämterEinwohner FlächeDirecção-Geral de Estatística: .Atsabe19.826164,44 km²Ermera40.29491,47 km²Hatulia20.285196,03 km²Hatulia B21.47979,08 km²Letefoho22.064133,30 km²Railaco13.80292,15 km² Karte320px|Übersichtskarte Ermera

Ermera ist eine Gemeinde Osttimors und das wichtigste Kaffeeanbaugebiet des Landes.

Name „Ermera“ bedeutet auf Mambai „rotes Wasser“.Geoffrey Hull: abgerufen am 28. September 2014. Die Vorfahren der heutigen Einwohner der Region fanden, als sie in das Land kamen, hier eine Quelle mit blutrotem Wasser.Timor-Leste Portal Municipal: , abgerufen am 6. September 2020. Veraltete Namensvarianten sind Hermera und Framera.

Der Legende nach entspringt das rote Wasser zwischen den drei Bergen Heturia, Kailitlau und Lalimlau (Lalimilau), zu denen die drei Ahnherrn gingen. Die Quelle befindet sich an einem als heilig geltenden Ort namens Huitasu Naupai. Von den drei Bergen stammen den Überlieferungen nach die Einwohner von Usluli (Estado), Katrai (Catraileten/Catrai Caraic) und Darlau ab. Auf dem Lalimlau steht ein Monument mit einem großen Steinkreuz. Auf dem Kailitlau thront seit 2002 eine 14 Meter hohe Christusstatue mit ausgebreiteten Armen.Gemeinde Ermera: Potensia Turismu Religiozo Cristu Liurai Kailitlau, abgerufen am 4. August 2026.

Geographie Übersicht mini|links|Ortschaften in Ermera(Grenzen von 2003–2015) mini|links|Straßennetz und Topographie Ermeras

Ermera liegt im Nordwesten von Osttimor und ist eine der beiden Gemeinden des Landes ohne Meeresküste. Sie grenzt im Norden an die Gemeinde Liquiçá, im Osten an Aileu, im Südosten an Ainaro und im Westen an Bobonaro, dessen Grenze zu Ermera fast vollständig vom Fluss Lóis und dessen Nebenfluss Marobo gebildet wird. Der Nebenfluss Gleno trennt im Nordwesten die Gemeinde von Liquiçá. Im Nordosten. Im Nordosten fließen die Flüsse in das System des Rio Comoro.Direcção-Geral de Estatística: Atlas der Gemeinde Ermera.

Ermera hat eine Fläche von 770,8 km². Hauptstadt der Gemeinde ist der in der indonesischen Besatzungszeit entstandene Ort Gleno im Nordosten der Gemeinde. (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) Etwa fünf Kilometer weiter südwestlich liegt die alte Hauptstadt Ermera, nach welcher die Gemeinde benannt ist. Die beiden Orte bilden die urbanen Gebiete in der Gemeinde.

Die Gemeinde unterteilt sich in die Verwaltungsämter Atsabe im Süden, Ermera und Railaco im Nordosten, Letefoho (Letefuó) im Osten und Hatulia (Hatólia) und das 2022 davon abgetrennte Hatulia B im Nordwesten.Tatoli: , abgerufen am 2. Juni 2021.Direcção-Geral de Estatística:

Die Landschaft ist von Bergen geprägt, im Westen und Süden bewaldet, die von einigen Flüssen durchzogen werden. Außer in der Nähe des Lóis liegt die gesamte Gemeinde über über dem Meer. Nahe Atsabe liegt Osttimors bekanntester Wasserfall, der Bandeira. Der Gipfel des Tatamailau, der höchste Berg Timors, liegt an der Grenze zu Ainaro. Um den Berg herum befindet sich eine Important Bird Area. Die Important Bird Area des Berges Fatumasin (Gemeinde Liquiçá) reicht von Norden bis nach Ermera hinein.

Der Großteil der Gemeinde gehört zur permischen oder paläozänischen Aileuformation, eine Abfolge von Tonstein und maritimen Sandstein, die kohärenten harten Fels bildet. Dieser ist typischerweise gebrochen und verworfen. Lokal findet sich Grundwasser innerhalb dieser Frakturen.Asian Development Bank: .

Entfernungen Entfernungen [km]. Ort Atsabe Gleno Hatolia Vila Letefoho Railaco Atsabe 50,5 68,9 23 61,6 Gleno 50,5 32,4 26,9 11,1 Hatolia Vila 68,9 32,4 45,3 43,5 Letefoho 23 26,9 45,3 38 Railaco 61,6 11,1 46,5 38

Gleno liegt von der Landeshauptstadt Dili 62 Kilometer entfernt.

Klima Von Oktober bis Mai dauert die Regenzeit, in der Trockenzeit gibt es kaum Niederschläge. Als Bergregion verfügt Ermera über ein milderes Klima, als die Küstenregionen Osttimors. Die Temperaturen liegen normalerweise zwischen 24,5 und 30,5 °C. Gerade die am höchsten gelegenen Verwaltungsämter Letefoho und Atsabe sind deutlich kühler. Hier kann die Temperatur in den bewohnten Gebieten, während der Regenzeit nachts auf 15 bis 17 °C sinken.

Durch den Klimawandel verlängert sich die Trockenzeit, was zu Wassermangel führt. In der Regenzeit treten vermehrt Überschwemmungen.

Einwohner mini|Entwicklung der Einwohnerzahl in Ermera mini|Tänzerinnen in Gleno

In der Gemeinde leben 137.750 Menschen (2022, 2011: 122.990.). Von den Einwohnern sind 70.261 Männer und 67.489 Frauen. Auf 104 Männern kommen 100 Frauen Zwischen 2015 und 2022 lag das jährliche Bevölkerungswachstum bei 1,3 %. Der Landesdurchschnitt liegt bei 1,8 %. Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner Ermeras jährlich noch um 2,05 %. (PDF; 14 MB). 12.546 der Einwohner Ermeras leben in einer urbanen Umgebung, 125.204 im ländlichen Teil der Gemeinde.

Der Altersdurchschnitt liegt bei 17,2 Jahren (2010). (PDF; 2,7 MB). Hatte 2004 in Ermera jede Frau durchschnittlich 6,10 Kinder, stieg die Anzahl über 7,33 Kinder in Atsabe, 8,69 in Letefoho und 9,31 in Hatulia, bis auf 9,89 Kinder pro Frau in Railaco an (Landesdurchschnitt 6,99). Die Kindersterblichkeit lag 2002 in Ermera bei 90 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1996: 118), in Railaco bei 108 (107), in Hatulia bei 110 (129), in Letefoho bei 119 (156) und in Atsabe bei 121 (164). Der Landesdurchschnitt betrug 98. Railaco ist einer von 14 Verwaltungsämtern, in denen die Kindersterblichkeit entgegen dem Landestrend anstieg.

Die Menschen in der Gemeinde sprechen als Muttersprache verschiedene Nationalsprachen. 61,3 % verwenden Mambai (größte Sprachgruppe in den Verwaltungsämtern Letefoho und Railaco), 18,9 % Tetum Prasa (Verwaltungsämter Ermera, Hatulia und Hatulia B) und 15,5 % Kemak (Verwaltungsamt Atsabe, große Minderheit in Hatulia). Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprachen 2015 92,9 % Tetum, 27,5 % Bahasa Indonesia, 27,8 % Portugiesisch und 13,7 % Englisch.

1997 betrug der Anteil der Muslime noch 2 % und jener der Protestanten knapp 2 %. Die Anteile dieser beiden Minderheiten nahmen seit der Unabhängigkeit von Osttimor durch Auswanderung nach Westtimor weiter ab. 2004 waren 97,6 % der Einwohner Katholiken, 1,7 % Anhänger der traditionellen, animistischen Religion Timors, 0,5 % Protestanten und 0,1 % Muslime. Bei der Volkszählung 2015 registrierte man 99,23 % Katholiken, 0,57 % Protestanten, nur noch 0,15 % Animisten, 23 Muslime, 22 Buddhisten und 14 andere.

Von den Einwohnern, die drei Jahre oder älter sind, besuchten 2015 36,1 % eine Schule. 20,4 % hatten die Schule verlassen. Nie eine Schule besucht haben 41,6 %, was deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt. 4,0 % der Einwohner Ermeras haben nur die Vorschule besucht, mehr als ein Viertel nur die Grundschule. Weiterführende Schulen haben ein Fünftel der Einwohner abgeschlossen. Ein Diplom oder abgeschlossenes Studium können 2,8 % vorweisen; auch hier sind die Zahlen deutlich besser als im Landesdurchschnitts. Die Analphabetenrate betrug 2015 30,0 % (Frauen: 33,1 %; Männer: 26,9 %), nach Oe-Cusse Ambeno die höchste im Land. 2004 lag sie noch bei 71,1 %.

Schulbildung Schulabschluss in der Schule Schule beendet nie in einer Schule Vorschule Grundschule Prä-Sekundär Sekundär Diplom/Fach-hochschule Universität Kein Abschluss Frauen 34,4 % 18,2 % 45,5 % 3,9 % 26,2 % 10,7 % 8,7 % 0,3 % 1,8 % 0,6 % Männer 37,7 % 22,7 % 37,7 % 4,2 % 30,8 % 10,9 % 9,9 % 0,5 % 2,9 % 0,6 % gesamt 36,1 % 20,4 % 41,6 % 4,0 % 28,5 % 10,8 % 9,3 % 0,4 % 2,4 % 0,6 %

Geschichte Portugiesische Kolonialzeit mini|Goldmaske aus Atsabe (ca. 1930)

Das kleine Königreich Framera erscheint in Berichten im 17. Jahrhundert. Es produzierte Sandelholz und Wachs. 1727 entrichtete es einen Tribut von 20 Pardaus an die Behörden. 1733 sandte das Königreich Hermera 20 Picos Lebensmittel an die Portugiesen in Lifau und 1769 stellte es 20 Männer und später 10 weitere für den Dienst in Dili.

Leimea und Laclo werden in mündlichen Überlieferungen als Ursprung der Kemak bezeichnet, allerdings wurde noch vor der Kolonialzeit Tiarlelo in Atsabe das kulturelle und politische Zentrum, da dort der Koronel bote () lebte. Die Koronel bote dieser Familie werden aber in einigen mündlichen Überlieferungen als Usurpatoren bezeichnet, welche die Herrschaft von Laclo und Leimea übernahmen. Die Atsabe-Kemak dominierten die gesamten von den Kemak bewohnten Gebiete in Osttimor. Das betraf neben der Region von Atsabe, die Kemak-Reiche Deribate und Leimea in Ermera und tributpflichtige Gebiete im Norden des heutigen Bobonaro, im nördlichen Ainaro und im Gebiet von Suai.Andrea K. Molnar: Died in the service of Portugal: Legitimacy of authority and dynamics of group identity among the Atsabe Kemak in East Timor, Journal of Southeast Asian Studies, Singapore. 2005. Die Kemak-Reiche standen wiederum unter der Oberhoheit des Tokodede-Reichs von Maubara. Bereits in einer Version der Legende der Gründung Maubaras werden die Herrscher von Mau-Ubo (Mahubo) und der Kemak aus Atsabe, Leimea, Deribate als untergeordnete Herrscher aufgeführt.

An der Cailaco-Rebellion (1719–1769) waren Hermera und weitere Reiche der heutigen Gemeinde gegen die Portugiesen beteiligt. – Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB)

1848 oder 1849 soll ein Morador in Dili zwei Sklaven eines Portugiesen getötet und nach Ermera geflohen sein, wo er beim Liurai Zuflucht suchte. Da der Herrscher sich weigerte, den Flüchtenden auszuliefern, entsandte Gouverneur António Olavo Monteiro Tôrres (1848–1851) einen Feldzug mit 6000 Mann gegen Ermera. Der Liurai und 60 seiner Männer wurden getötet und dutzende Häuser niedergebrannt. Neue Herrscherin von Ermera wurde Vasso Be-re.Douglas Kammen: Queens of Timor. In: Archipel. Band 84, Nr. 1, 2012, S. 149–173, doi:10.1017/S0022463409000216. 1850 wird Hermera als Reich mit 20.000 Einwohnern und 2625 Herdfeuern beschrieben, das an Portugal einen jährlichen Tribut von 21.000 Réis zahlte.

Ab 1863 gehörte Ermera zum Militärkommando von Maubara. Der neunzigjährige Herrscher Ermeras legte einen Treueeid auf die Portugiesen ab und erhielt den Rang eines Obersts. Bei seiner Taufe fungierte Gouverneur José Manuel Pereira de Almeida (1863–1864) als sein Taufpate. Im selben Jahr stiftete der korrupte, portugiesische Beamte Duarte Leão Cabreira Deribate zum Krieg gegen Mau-Ubo an, weil dieses sich geweigert hatte, Handelspreise so anzusetzen, wie der portugiesische Major es gefordert hatte.Katharine Davidson: The Portuguese colonisation of Timor: the final stage, 1850-1912, Sydney 1994. Im Frühjahr 1867 erhob sich Leimea gegen die portugiesische Kolonialmacht. Gouverneur Francisco Teixeira da Silva (1865–1869) schlug den Widerstand in einem ungleichen Kampf nieder. 15 Dörfer wurden eingenommen und niedergebrannt. In Hatulia wurde der Liurai Nai Resi aus Atsabe, der ebenfalls gegen die Portugiesen einen Unabhängigkeitskampf geführt hatte, gefangen genommen und exekutiert.Andrea K. Molnar: Died in the service of Portugal: Legitimacy of authority and dynamics of group identity among the Atsabe Kemak in East Timor, Journal of Southeast Asian Studies, Singapore. 2005.