mini|Käthe Wohlfahrt in Bamberg, Schaufenster mit Weihnachtsartikeln Käthe Wohlfahrt ist ein Unternehmen mit Sitz in Rothenburg ob der Tauber, das mit Artikeln rund um Weihnachten handelt.

Firmengründung Die Unternehmensgeschichte begann mit einer Spieldose, die das Ehepaar Wilhelm (1928–2001) und Käthe Wohlfahrt (1933–2018) aus ihrer sächsischen Heimat mit nach Stuttgart gebracht hatten. Dieses weihnachtliche Utensil erregte das Interesse einer befreundeten amerikanischen Familie, die im Jahre 1963 im Hause der Familie Wohlfahrt zum Weihnachtsfest zu Besuch war. Daher beschloss Wilhelm Wohlfahrt, diesen eine ähnliche Spieldose zu schenken. Es gelang ihm, einen Händler aufzutreiben, der ihm allerdings nur einen Satz von 10 Spieldosen verkaufen wollte, da das Weihnachtsfest bereits vorüber war. Wohlfahrt kaufte diese und verschenkte ein Exemplar an das befreundete Paar. Auf Empfehlung des befreundeten Ehepaares versuchte er die übrigen Spieldosen in der amerikanischen Kaserne an weitere Offiziersfamilien zu verkaufen, wurde jedoch von der Militärpolizei wegen verbotener Haustürgeschäfte abgehalten. Die Polizisten wiesen Wohlfahrt auf einen Wohltätigkeitsbasar hin, auf dem er die restlichen Spieldosen verkaufte. Dies führte dazu, dass die Wohlfahrts begannen, sich mit diesen Produkten selbständig zu machen und ein stetig erweitertes Sortiment auf den Wochenmärkten anzubieten. Im Jahr 1964 gründeten sie schließlich in Herrenberg ihr eigenes Unternehmen. Für die neue Firma wählten sie den Namen von Käthe Wohlfahrt, da Wilhelm Wohlfahrt zu dieser Zeit noch bei einem Hersteller von Computern beschäftigt war.

Umzug nach Rothenburg mini|Firmenwagen vor dem „Weihnachtsmuseum“ in Rothenburg ob der Tauber Im Jahr 1977 erfolgte der Umzug von Herrenberg nach Rothenburg ob der Tauber. Hier wurde das erste Fachgeschäft für Weihnachtsartikel, „Käthe Wohlfahrts Christkindlmarkt“, eröffnet. Zu dem Sortiment erzgebirgischer Weihnachtsspieldosen gehörte auch ein Nachfolgemodell der „Christi Geburt-Spieldose“, die die Wohlfahrts ihren Freunden geschenkt hatten. In den Folgejahren wurden weitere Weihnachtsgeschäfte eröffnet. Die Firma unterhält Filialen in Berlin, Nürnberg, Bamberg, Oberammergau, Miltenberg, Heidelberg und Rüdesheim am Rhein. Außerdem sind in Riquewihr in Frankreich, in Brügge in Belgien, in Barcelona in Spanien, in York in England sowie in Stillwater, Minnesota (USA), Geschäfte zu finden. Daneben werden Stände auf Weihnachtsmärkten betrieben. links|mini|Auslage der Filiale in Nürnberg Im Hauptgeschäft in Rothenburg ob der Tauber befinden sich ein Weihnachtsmuseum und eine Weihnachtsausstellung. Zum Sortiment gehört alles von Kerzen, Christbaumkugeln bis hin zu Räucherkerzen, Krippen und Nussknackern. Der Laden ist das ganze Jahr über geöffnet.

Im Jahr 1991 begann das Unternehmen, unter dem Namen „Rothenburger Weihnachtswerkstatt“, eigene Produktlinien aufzubauen. Am 29. September 2000 wurde das Deutsche Weihnachtsmuseum eröffnet, in dem die Geschichte der deutschen Weihnacht präsentiert wird.

Mit dem Tod von Wilhelm Wohlfahrt am 5. Mai 2001 übernahm Harald Wohlfahrt, der Sohn des Gründerpaares, die Geschäftsleitung. Am 7. August 2018 verkündete das Unternehmen, dass die Firmengründerin Käthe Wohlfahrt verstorben sei.

Die Firma hat einen hohen Bekanntheitsgrad über den deutschsprachigen Raum hinaus. Gerade das Stammhaus in Rothenburg ist das Ziel vieler Touristen, auch aus Übersee. Daher werden Besuche bei Käthe Wohlfahrt als Teil von Deutschland- oder Europareisen angeboten.

Aufgrund eines Umsatzrückgangs von 75–80 % aufgrund verordneter Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie (Absage der Weihnachtsmärkte, Schließung des stationären Handels, fast gänzlicher Wegfall des Geschäftes mit Touristen)Nürnberger Nachrichten vom 22. Dezember 2020, S. 17 musste das Unternehmen im Dezember 2020 ein Schutzschirmverfahren beantragen.

In 2021 wurde das Insolvenzverfahren beendet. Käthe Wohlfahrt KG blieb in Familienhand, während der Geschäftsbetrieb nach einem Sanierungsplan fortgeführt wurde. Dabei gab es strukturelle Veränderungen, darunter die Schließung von sechs Läden in Deutschland und den Abbau von 20 Stellen. Der Standort Rothenburg blieb das Zentrum des Unternehmens, internationale Standorte und wichtige Weihnachtswelten wurden weiter betrieben. Ziel war es, die Firma wirtschaftlich zu stärken und sie solide an die dritte Generation zu übergeben.

In 2026 hatte Käthe Wohlfahrt GmbH rund 320 Mitarbeiter und erzielte einen geschätzten Umsatz von 32,5 Millionen Euro.

Literatur Susanne Rick: Käthe Wohlfahrts Rothenburger Weihnachtsbuch. Pattloch, München 2004, ISBN 3-629-02034-8. Käthe Wohlfahrt (Hrsg.): Nussknacker Gestalt und Geschichte. Käthe Wohlfahrt GmbH und Co. OHG, Rothenburg ob der Tauber 2003, ISBN 3-00-012386-5.

Weblinks

Offizielle Website von Käthe Wohlfahrt Offizielle Website des Deutschen Weihnachtsmuseums Käthe Wohlfahrt. In: Handwerkskunst.net Silke Wünsch: In Rothenburg ist das ganze Jahr Weihnachten. In: DW.de, 26. Dezember 2011 Die Erfolgsgeschichte von Käthe Wohlfahrt. In: SWP.de, 22. Januar 2016 Katrin Terpitz: Wie die Familie Wohlfahrt die deutsche Weihnacht zum Exportschlager machte. In: Handelsblatt.com, 13. Dezember 2018

Einzelnachweise

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