Großderschau (bis zum 1. Juni 1951 Friedrichsdorf) ist eine Gemeinde im Landkreis Havelland in Brandenburg. Sie gehört zum Amt Rhinow, dessen Verwaltungssitz sich in der Stadt Rhinow befindet.

Geografie Großderschau liegt im Westen des Landes Brandenburg im Landkreis Havelland ungefähr 24 km nördlich von Rathenow und ungefähr 70 km westlich von Berlin-Spandau an der Dosse und befindet sich im Naturpark Westhavelland.

Gemeindegliederung Als Ortsteile der Gemeinde sind ausgewiesen: Altgarz Rübehorst Wohnplätze der Gemeinde sind: Brenkenhof Clausiushof Friedrichsbruch Friedrichsdorf Jühlitz Kleinderschau Neugarz Raminsgut Wilhelminenaue

Geschichte mini|links|200px|Dorfkirche Großderschau 1773 bis 1775, nach der Eindeichung der Dosse, wurde die Kolonie Friedrichsdorf mit neun weiteren Dörfern und Weilern auf bestehenden Siedlungsplätzen gegründet: Brenkenhof, Großderschau, Klein-Derschau, Friedrichsbruch, Jülitz, Klausiushof, Wilhelminenaue, Petershagen, Raminsgut. Für die zu Sieversdorf neu angelegten Ortschaften wurde 1785 eine neue Kirche in Friedrichsdorf erbaut, ursprünglich Simultankirche für Lutheraner und Reformierte, da unter den neuen Ansiedlern auch viele reformierten Bekenntnisses waren. Für die Lutheraner wurde der Prediger in Sieversdorf und für die Reformierten der Prediger von Spiegelberg bei Neustadt bestellt, welche bis 1828 abwechselnd alle 14 Tage Gottesdienst zu halten hatten.

Seinen Namen erhielt das Dorf nach dem preußischen Staatsminister Christoph Friedrich von Derschau.

Großderschau und seine heutigen Ortsteile gehörten seit 1817 zum Kreis Ruppin in der preußischen Provinz Brandenburg, ab 1952 zum Kreis Kyritz und ab 1958 zum Kreis Rathenow name="Historisches Ortslexikon" im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Landkreis Havelland.

1939 wurden Friedrichsdorf und Großderschau zur Gemeinde Friedrichshof zusammengeschlossen. Der Gemeindename wurde mit Wirkung zum 1. Juni 1951 in Großderschau geändert.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. be.bra wissenschaft verlag, Berlin 2005, S. 58 Am 1. Juli 1965 wurden Friedrichsbruch, am 1. Mai 1974 Alt Garz und Rübehorst nach Großderschau eingemeindet.Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland. S. 26

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1775 122 1800 164 1817 146 1840 177 1858 169 Jahr Einwohner 1875 167 1890 159 1910 147 1925 149 1933 145 1939 395 Jahr Einwohner 1946 725 1950 686 1964 422 1971 496 1981 635 1985 606 Jahr Einwohner 1990 607 1995 586 2000 588 2005 545 2010 492 2015 437 Jahr Einwohner 2020 420 2021 433 2022 436 2023 433 2024 427 2025 419 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember). Ab 2011 auf Basis des Zensus 2011. Ab 2022 auf Basis Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Großderschau besteht regulär aus acht Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Am 30. Juni 2025 legten drei Gemeindevertreter sowie die Bürgermeisterin ihre Ämter nieder. Da die im Zuge der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 gewählte Gemeindevertretung dadurch ihre Beschlussfähigkeit verlor, wurde sie im Januar 2026 von der Kommunalaufsicht des Landkreises Havelland aufgelöst. Die Neuwahl am 10. Mai 2026 führte zu folgendem Ergebnis:Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl zur Gemeindevertretung Großderschau am 10. Mai 2026. Amt Rhinow, 12. Mai 2026, abgerufen am 8. Juni 2026.

Partei / Wählergruppe Ergebnis2026 Sitze2026 Ergebnis2024 Sitze2024 Ergebnis2019 Sitze2019 Gemeinsam mehr Gemeinde 49,5 % 4 – – – – Wählergruppe Dorfgemeinschaft 36,3 % 3 – – – – Einzelbewerber Karsten Muhs 6,3 % 1 – – – – Einzelbewerberin Gabriela Mai 5,4 % – – – – – SPD 2,6 % – 40,9 % 3 25,8 % 2 Einzelbewerber Roland Specht – – 14,2 % 1 20,6 % 1 Einzelbewerberin Ivonne Ratzmer – – 13,4 % – 8,9 % 1 Einzelbewerber Christian Sossna – – 11,9 % 1 8,5 % 1 Einzelbewerber Horst Fiebig – – 8,1 % 1 – – Einzelbewerber Sebastian Peiker – – 6,1 % 1 – – Einzelbewerber Dennis Lienig – – 5,3 % – – – Wählergruppe Bauern – – – – 24,5 % 2 Einzelbewerber Norbert Lamprecht – – – – 8,5 % 1 Einzelbewerber Ullrich Heide – – – – 3,1 % –

Da sich zur Kommunalwahl 2019 kein Bewerber für das Amt des Bürgermeisters fand, wählte die Gemeindevertretung am 21. Juni 2019 aus ihrer Mitte Ivonne Ratzmer zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Ihr Sitz als Gemeindevertreterin bleibt daher unbesetzt. Bei der Kommunalwahl 2024 kandidierte Ratzmer sowohl für die Gemeindevertretung als auch als Bürgermeisterin; da sie zur Bürgermeisterin gewählt wurde bleibt ihr Sitz weiterhin unbesetzt.

Bürgermeister 1998–2014: Willi Klein 2014–2019: Christiane Gernt 2019–2025: Ivonne Ratzmer (Einzelbewerberin)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 21. Juni 2019 seit 2025: Peter Csajkás (parteilos)

Ratzmer wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 67,0 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren zur Bürgermeisterin gewählt. Am 30. Juni 2025 legte sie ihr Amt vorzeitig nieder. Am 15. Oktober 2025 wurde Peter Csajkás von den Gemeindevertretern für den Rest der Amtszeit zum Bürgermeister gewählt.

Sehenswürdigkeiten In der Liste der Baudenkmale in Großderschau stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale. Dorfkirche Großderschau, als Kolonistenkirche 1780–1785 im Auftrag Friedrichs II. für die neun Dörfer um das damalige Friedrichsdorf nach dem Vorbild der Potsdamer Garnisonkirche erbaut Heimathaus Großderschau mit Butterakademie und Kolonistenhof zur Kolonisierungsgeschichte im Rhinluch und Dossebruch unter Friedrich II. und über das dörfliche Leben zur Kolonistenzeit Naturpark Westhavelland

Verkehr Durch den Ort führen die B 102 zwischen Neustadt (Dosse) und Rhinow sowie die Landesstraße L 14 nach Kyritz.

Der Haltepunkt Großderschau lag an der Bahnstrecke Neustadt (Dosse)–Rathenow. 2003 wurde die Strecke stillgelegt.

Persönlichkeiten Wilhelm Hengst, Heimat- und Mundartdichter, wirkte in den 1920er Jahren im Ort Adolf Rautmann (1863–1937), als Berliner Original Onkel Pelle genannt, in Brenkenhof geboren Heinz-Peter Schlüter (1949–2015), Unternehmer, in Rübehorst geboren

Literatur G. W. Schinkel: Geschichte von Sieversdorf bei Neustadt a. D., 1875. Johannes Schultze: Die Hofbesitzer in den Dörfern des Landes Ruppin 1491 bis 1700, 1937. Johannes Schultze: Die Herrschaft Ruppin und ihre Bevölkerung nach dem 30jährigen Kriege, 1925.

Weblinks

Großderschau auf den Internetseiten des Amtes Rhinow Heimathaus Großderschau

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Havelland