mini|325x325px|Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung, Graz Das Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung ist ein seit 1990 bestehendes Institut der Karl-Franzens-Universität Graz, das sich vor allem mit österreichischer Literatur und deutschsprachiger Gegenwartsliteratur auseinandersetzt. Ferner bildet es ein steirisches Literaturarchiv mit Vor- und Nachlässen diverser Autoren. Seinen Namen trägt das Institut nach dem österreichischen Schriftsteller Franz Nabl. mini|hochkant|Klaus Kastberger (Leiter des Franz-Nabl-Instituts) In seiner Tätigkeit ist das Nabl-Institut eng an das 2003 gegründete Literaturhaus Graz geknüpft. Beide Institutionen wurden vom Grazer Germanisten Gerhard Melzer gegründet und werden seit 2015 von Klaus Kastberger geleitet.
Forschungstätigkeiten
Archivaufarbeitung Das Franz-Nabl-Institut arbeitet die Vor- und Nachlässe zahlreicher steirischer Autoren auf. Diese Tätigkeit hat sich auch in der archivtheoretischen Reihe „Literatur und Archiv“ etabliert. Im Besonderen wird dabei das Prosawerk Werner Schwabs vor seinem Durchbruch am Theater untersucht.
Schwarzbauer-Sammlung Außerdem verfügt das Institut über eine vom Grazer Autor und Kulturjournalisten Heribert Schwarzbauer (1922–2009) zusammengetragene und zur Verfügung gestellte Zeitungsausschnitt-Sammlung, die Aufschluss über das Literaturleben in Österreich und der Steiermark ab den 1950er Jahren gibt. Mittlerweile besteht diese Sammlung aus Zeugnissen zu mehr als 1100 steirischen, österreichischen und internationalen Schriftstellern.
Sammlung zur internationalen Rezeption der Grazer Gruppe Weiters entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts zur internationalen Rezeption der Grazer Gruppe bis 1996 und darüber hinaus (1992–2002) eine Sondersammlung zu ebendiesem Thema (im Konkreten zur Rezeption von Wolfgang Bauer, Gunter Falk, Barbara Frischmuth, Reinhard P. Gruber, Peter Handke, Klaus Hoffer, Elfriede Jelinek, Gert Jonke, Alfred Kolleritsch, Peter Rosei, Gerhard Roth, Michael Scharang und Werner Schwab), das in Form von Zeitungsausschnitt-Konvoluten, Sekundärliteratur in Buchform und als Zeitschriften-Kopien, selbständigen und unselbständigen Primärtexte sowie teilweise auch Audio- und Videoaufnahmen nachverfolgt werden kann.
manuskripte-Archiv Ab dem zweiten Halbjahr 2021 wird auch das Archiv zur von Alfred Kolleritsch begründeten Literaturzeitschrift manuskripte – formal im Besitz der Steirischen Landesbibliothek – als Dauerleihgabe am Franz-Nabl-Institut literaturwissenschaftlich aufgearbeitet werden.
Historisch-kritische Horváth-Ausgabe Überdies wird derzeit – sowohl analog als auch digital – an einer historisch-kritischen Ausgabe Ödön von Horváths gearbeitet, wobei von den projizierten 18 Bänden bereits 15 bei De Gruyter veröffentlicht wurden. Neben der Veröffentlichung in Buchform, die zudem als Open-Access-Publikationen zur Verfügung steht, entsteht gemeinsam mit dem Zentrum für Informationsmodellierung eine digitale Edition, wovon bereits die Geschichten aus dem Wiener Wald vorliegen.
Publikationen
Literatur und Archiv Zusammen mit Petra-Maria Dallinger vom Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich gibt das Franz-Nabl-Institut unter der Federführung von Klaus Kastberger die Reihe „Literatur und Archiv“ heraus, die sich mit Kreuzungspunkten von Literatur und Archiv und den damit verbundenen Fragen beschäftigt.
Diese Reihe wird außerdem um eine jährliche Konferenz erweitert, in der internationale Referenten die genannten Themen diskutieren.
Dossieronline Im Open-Access-Journal „Dossieronline“ vermittelt das Franz-Nabl-Institut durch wissenschaftliche Aufsätze und Essays ein kenntnisreiches und lebendiges Bild der österreichischen Literatur nach 1945. Da jede Ausgabe von „Dossieronline“ einen thematischen Schwerpunkt behandelt, lädt die Redaktion ausgewiesene Experten dazu ein, Beiträge zu verfassen.
Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens In den „Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens“, die in Kooperation mit dem Grazer Institut für Germanistik als Reihe bei Droschl erscheinen, setzen sich berühmte Vertreter mit der Frage auseinander: „Was eigentlich tue ich, wenn ich schreibe?“ Dabei werden sowohl Kreuzungs- bzw. Berührungspunkte von Geistes- und Kulturwissenschaften, Journalismus und Literatur ebenso ins Treffen geführt wie das Schreiben im klassisch-literarischen Sinn.
Die Redaktion aus Günther Höfler, Klaus Kastberger, Anne-Kathrin Reulecke und Robert Vellusig konnte bisher Daniela Strigl, Kathrin Passig, Konrad Paul Liessmann und Kathrin Röggla gewinnen.
Dossier (1991–2011) Von 1991 bis 2011 erschien bei Droschl mit „Dossier“ eine vom Franz-Nabl-Institut herausgegebene Buchreihe über österreichische Autoren. Jeder Band war einer Persönlichkeit des literarischen Lebens gewidmet und versammelte die wichtigsten Informationen zu deren Leben, Werk und Rezeption. In 36 Ausgaben setzte sich "Dossier" mit folgenden Persönlichkeiten auseinander:
1991: Alfred Kolleritsch, Elfriede Jelinek 1992: H. C. Artmann, Barbara Frischmuth 1993: Peter Handke, Ilse Aichinger 1994: Peter Rosei, Wolfgang Bauer 1995: Albert Drach, Gerhard Roth 1996: Raoul Hausmann, Gert Jonke 1997: Rezeption von Elfriede Jelinek, Hans Lebert 1998: Klaus Hoffer, Josef Winkler 1999: Friederike Mayröcker, Gerhard Rühm 2000: Gunter Falk, Werner Schwab 2001: Michael Köhlmeier, Elfriede Gerstl 2002: Michael Scharang, Leopold von Sacher-Masoch 2003: Werner Schwab, Peter Henisch 2004: Robert Menasse, Andreas Okopenko 2005: Veza Canetti, Elias Canetti 2006: Norbert Gstrein 2007: Barbara Frischmuth 2008: Marlene Streeruwitz 2009: Anna Mitgutsch 2010: Joseph Zoderer 2011: Reinhard P. Gruber
Personen Klaus Kastberger (* 1963), Universitätsprofessor und Institutsleiter
Weblinks Website des Franz-Nabl-Instituts für Literaturforschung
Einzelnachweise
Kategorie:Universität Graz Kategorie:Literarische Organisation (Österreich) Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1990