Sieglinde Hamacher (* 11. Juli 1936 als Sieglinde Rüger in Dresden; † 18. Dezember 2020 bei Stuttgart) war eine erfolgreiche deutsche Animationsfilmregisseurin der DEFA.
Leben und Werk Ausbildungen und erste Animationsfilmtätigkeiten Sieglinde Rüger wollte nach dem Abitur zunächst Bühnenbildnerin werden. Nach einer Ablehnung an der Dresdner Kunstakademie begann sie 1954 ein Volontariat bei einem Bühnenbildner der Landesbühnen Sachsen. Nach einem Jahr wechselte sie dann ans Staatstheater Dresden. Parallel besuchte sie Malkurse an der Volkshochschule Dresden bei dem bekannten Grafiker Jürgen Böttcher (Strawalde), an dem auch der später bekannte Maler A. R. Penck teilnahm.
Ab 1956 war Sieglinde Rüger beim DEFA-Studio für Trickfilme in Dresden als Phasenzeichnerin beschäftigt. Dort war sie an mehreren Animationsfilmen von Christl Wiemer beteiligt, außerdem wirkte sie bei Lothar Barke und Otto Sacher mit. Dort lernte sie auch den Kirchenmaler Will Hamacher (1917–1974) kennen, der ihr Ehemann wurde, und mit dem sie ab 1970 mehrere Animationsfilme realisierte.
Animationsfilmregisseurin Nach dessen Tod 1974 leitete sie über 30 Animationskurzfilme selber, von denen die meisten für Erwachsene gestaltet waren und die meist in Vorprogrammen von Kinofilmen liefen. Ihre Produktionen waren unkonventionell, einige konnten durch ihre parabelhafte Gestaltung auch Missstände in der DDR beschreiben. Bei Der Schafswolf und Ein friedlicher Tag musste sie kleinere Änderungen vornehmen (abgemilderter Schluss bzw. Filmtiteländerung), Kontraste erhielt 1982 wegen einer zu experimentellen Gestaltung keine Kinozulassung und konnte erst 1990 öffentlich gezeigt werden. Ihr erfolgreichster Film wurde Die Lösung über einen unangepassten kleinen Vogel, der auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival einen Preis gewann und bis in die Gegenwart bei verschiedenen Filmveranstaltungen gezeigt wird.
Ehrenamtliche Tätigkeiten und Ehrungen Ab 1990 konnte Sieglinde Hamacher nach der Abwicklung des DEFA-Studios für Trickfilme keine eigenen Filmprojekte mehr machen, was sie einen sehr hässlichen Abschluss nannte., zweiter Nachruf von Marion Rasche Sie gestaltete seitdem viele Jahre die kulturpolitische Gremienarbeit Sachsens aktiv mit. Sieglinde Hamacher war 1990 Gründungsmitglied und danach stellvertretende Vorsitzende des Filmverbands Sachsen, 1991 ebenfalls Gründungsmitglied der Sächsischen Landesmedienanstalt, sie arbeitete außerdem im sächsischen Kultursenat sowie im Vergabeausschuss der Mitteldeutschen Medienförderung mit. Sie schrieb auch Rezensionen zu neuen Filmproduktionen.
Werkschauen ihrer wichtigsten Produktionen gab es 2001 beim Leipziger Dokumentarfilmfestival, 2021 beim Filmfest Dresden und 2025 im Berliner Kino Krokodil durch die DEFA-Stiftung.Werkschau Sieglinde Hamacher DEFA-Stiftung 2025
Würdigungen Die Medienwissenschaftlerin Tanja Tröger schrieb 2021 nach ihrem Tode
Die Regisseurin und Filmpublizistin Marion Rasche erinnerte sich
Der Filmkritiker Ralf Schenk charakterisierte 2021 ihre Arbeiten
Filmografie (Auswahl) Mit Will Hamacher
1970: Selbstversorger 1971: Vater als Casanova 1972: Physikalische Grundlagen, Dokumentarfilm 1972: Glimmröhre als Anzeige und Zählröhre sowie Stabilisationsröhre, Dokumentarfilm 1972: Relais- und Schaltröhren, Dokumentarfilm 1973: Statistische Qualitätskontrolle III Grundzüge der Variablenprüfung 1974: Vater und die Nachbarn 1974: Vater und der Bumerang
Alleinige Regie 1975: Vater als Heimwerker 1976: Hand und Koüf Kopf 1977: Freundschaft – Drushba 1977: Der Spazierritt 1977: Mann und Esel (Dokumentarfilm?) 1977: Familienplanung (Dokumentarfilm?) 1979: Partnerschaft 1979: Attentat 1980: Investition 1980: In Praxi 1980: Die Rettung 1980: Vorsicht 1980: Walzer 1980: Das Glück des Falkners 1981: Ein Käfig 1982: Kontraste (nicht zugelassen, erst 1990 gezeigt) 1982: Die Tür 1983: Die Schraube 1984: Der Schafswolf 1985: Ein friedlicher Tag 1986: Die Wahrheit um den Froschkönig 1986: Die Reise 1987: Bolero 1987: Party 1988: Sisyphos 1988: Die Lösung 1989: Gemäldegalerie 1989: Lebensbedürfnis oder Arbeit macht Spaß 1990: Kafkas Traum 1990: Okkupation 1991: Rapport
Auszeichnungen 1981: Sonderpreis der Association internationale du film d’animation (ASIFA) für Ein Käfig 1988: Hauptpreis der Internationalen Jury auf dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm für Die Lösung 1990: Sonderpreis des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe für Lebensbedürfnis oder Arbeit macht Spaß 2021: Prädikat Wertvoll der Medienbrwertungsstelle (MBW) für Ein friedlicher Tag
Literatur
Marion Rasche: Sieglinde Hamacher – Aber eigentlich könnte noch mal was Interessantes passieren. In: Ralf Schenk & Cornelia Klauß (Hrsg.): Sie – Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme, Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, Bertz + Fischer Verlag, Berlin: 2019, ISBN 978-3-86505-415-9, S. 134–140. Ralf Schenk & Sabine Scholze (Hrsg.): Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990, Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2003, S. 505f. ISBN 978-3-929470-27-7, mit kurzen biographischen Daten
Weblinks
, mit drei Nachrufen Zeitzeugengespräch im Rechtebestand der DEFA-Stiftung
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Animator Kategorie:Person (Film, Dresden) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Gestorben 2020 Kategorie:Frau