Die Bougainville-Kampagne fand während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg statt. Sie bestand aus einer Reihe von Land- und Seeschlachten, bei denen die alliierten Einheiten der Vereinigten Staaten, Australiens und Neuseelands gegen die Truppen des Japanischen Kaiserreichs um die Einnahme der Insel Bougainville kämpften. Die Kampfhandlungen begannen mit den amerikanischen Landungen am Kap Torokina am 1. November 1943 und endeten mit der Kapitulation der japanischen Streitkräfte gegenüber den australischen Einheiten auf Bougainville am 21. August 1945.

Vorgeschichte Die nördlichste und größte Insel der Salomonen, Bougainville, war seit 1920 unter einem Mandat des Völkerbundes Teil des australischen Territoriums Neuguinea. Die Insel ist etwa 210 km lang und 48 km breit. Sie liegt rund 300 Kilometer östlich der Stadt Rabaul, die während des Pazifikkrieges als japanische Hauptbasis im nördlichen Teil der Insel Neubritannien diente. Das bergige Bougainville wird vom Kaiser- und Kronprinzengebirge dominiert, dessen unteren Hänge und Küstenebenen von dichtem Dschungel bedeckt sind. Das sehr feuchte Klima begünstigt Malaria und andere Tropenkrankheiten.

Ende 1941 gab es in Buin, nahe dem südlichen Ende der Insel, einen geeigneten Ankerplatz mit einer kleinen Einrichtung zum Verladen von Kopra und eine Graslandebahn. Auf der Insel Buka, direkt gegenüber der schmalen Buka-Passage an der Nordspitze von Bougainville, war ebenfalls eine 430 Meter lange Landebahn fertiggestellt worden.

Bougainville war für den östlichen Verteidigungsgürtel der Japaner ein wichtiges Ziel. Daher starteten sie mit der Operation BO am 30. März 1942 deren Besetzung und vertrieben die dort stationierten australischen Einheiten.

Während der Besetzung errichteten die Japaner Marinestützpunkte im Norden, Osten und Süden der Insel. Der größte entstand im Hafen von Tonolei in der Nähe von Buin in der südlichen Küstenebene von Bougainville. Auf den nahe gelegenen Treasury- und Shortland-Inseln bauten sie Flugplätze, weitere Marinestützpunkte und Ankerplätze. Das Flugfeld in Kahili war den Japanern als Buin Flugfeld bekannt und im Süden befand sich ein Flugplatz auf der Insel Ballalae in den Shortland-Inseln. Diese Stützpunkte ermöglichten es den Japanern, Operationen auf den südlichen Salomonen durchzuführen und die Nachschublinien der Alliierten zwischen den Vereinigten Staaten, Australien und dem Südwestpazifik zu bedrohen und gegebenenfalls anzugreifen.

Unterdessen tobte im Südpazifik die Schlacht um Guadalcanal im Süden der Salomonen und die Alliierten drangen ab Mitte 1943 über New Georgia, Kolombangara und Vella Lavella weiter nach Norden vor (→ Schlacht um die Nördlichen Salomonen). Das Ziel im Rahmen der Operation Cartwheel war unter anderem die Isolation der japanischen Basis in Rabaul auf Neubritannien, die seit Februar 1942 immer weiter und stärker ausgebaut wurde.

Alliierte Planungen mini|General MacArthur beim Kartenstudium Das Hauptaugenmerk der strategischen Planer der USA war zunächst weitgehend auf die Neutralisierung der japanischen Basis von Truk und die Errichtung ihrer Streitkräfte in den Karolinen und Marianen gerichtet. Zusammen mit den feindlichen Stellungen in den Marshall- und Gilbertinseln bildete Rabaul im Osten von Neubritannien den Hauptschutz von Truk. Bis Rabaul wiederum unter Kontrolle gebracht oder angemessen neutralisiert werden konnte, konnten Truk und die Karolinen nicht von Süden her angelaufen werden.

Im Verlauf des Jahres 1942 richteten sich die Operationen der Alliierten unter General Douglas MacArthur im Südwestpazifik und unter Vizeadmiral Robert L. Ghormley (ab 18. Oktober Admiral William F. Halsey) im Südpazifik daher auf die Einkreisung und anschließende Eroberung des großen japanischen Stützpunkts Rabaul. Zu Beginn des Jahres 1943 war klar, dass dies die Errichtung eines Rings von Luftwaffenstützpunkten um Rabaul erfordern würde. Am 28. Februar 1943 genehmigten die Joint Chiefs of Staff den strategischen Plan Elkton, der die Invasion von Bougainville beinhaltete. Sie sollte von Halseys South Pacific Force durchgeführt werden, deren Hauptquartier in Nouméa auf der Insel Neukaledonien errichtet worden war. Die Planung sah vor, auf Bougainville Luftwaffenbasen zu errichten, um eine Neutralisierung Rabauls zu ermöglichen und Geleitschutz für die alliierten Bomber fliegen zu können.

Anfang Februar 1943, nur wenige Tage nach Abschluss der Operationen auf Guadalcanal, legte MacArthur seinen überarbeiteten Operationsplan vor. Er forderte darin zusätzlich fünf amerikanische Armeedivisionen an, um einen direkten Angriff auf Rabaul zu starten. Weiterhin sollten australische Kräfte zu seiner Verfügung gestellt werden. Mittlerweile waren auch Buna und Gona auf Neuguinea wieder unter alliierter Kontrolle (→ Schlacht um Buna-Gona-Sanananda). Westlich von Guadalcanal wurden die Russell-Inseln am 21. Februar 1943 von den Alliierten besetzt (→ Operation Cleanslate).

Am 28. März 1943 übermittelten die Joint Chiefs of Staff MacArthur eine Direktive zur Isolation Rabauls, in der drei Vorstöße auf Bougainville, in Ost-Neuguinea und im Westen Neubritanniens vorgesehen waren.

Mit der vollständigen Herrschaft der Alliierten über New Georgia und die Ellice-Inseln gegen Ende August 1943 wurde der Vormarsch der Japaner nach Süden vollständig zum Stillstand gebracht. In der Zwischenzeit bewegten sich die alliierten Streitkräfte stetig entlang der Ostküste Neuguineas und waren bis April 120 Kilometer weiter nordwestlich von Buna vorgedrungen. mini|Generalleutnant Hyakutake Seikichi Mitte 1943 hatten die Japaner auf Bougainville über 25.000 Soldaten der 17. Armee unter General Hyakutake Seikichi, sowie über 12.000 Marine-Mitarbeiter stationiert. Bis November erhöhte sich deren Anzahl auf etwa 45.000 bis 65.000 Mann der Armee, der Marine und Arbeitspersonal.

General Hyakutake war General Imamura Hitoshi, dem Kommandeur der 8. Regionalarmee mit Sitz in Rabaul auf der Insel Neubritannien unterstellt. Das Kommando über die Marineeinheiten in Rabaul hatte Vizeadmiral Jinichi Kusaka, Kommandeur der Südostflotte. Diese Konzentration japanischer Stärke in stark befestigten Stellungen veranlasste die Alliierten ihre Pläne neu zu bewerten. Daher hatten Halseys Planer im August eine Invasion der Shortland-Inseln anstelle von Bougainville selbst vorgeschlagen.

Auf der Suche nach einer Methode zur Neutralisierung des südlichen Gebiets von Bougainville und den Shortlands, ohne sie zu erobern, die später genügend Truppen für einen größeren Vormarsch bereithalten würde, folgte Halsey dem Rat seiner wichtigsten untergeordneten Kommandeure. Er entschied sich für eine verstärkte Luftunterstützung von den Flugfeldern in New Georgia gegen Süd-Bougainville und Buka. So schlug er vor, die Treasury-Inseln und die Choiseul-Bucht ab dem 1. November als Flugplatz-, Radar- und PT-Basisstandorte zu erobern, von denen aus das südliche Bougainville und die Shortlands eingekesselt und erwürgt werden sollten. Er schlug weiter vor, dass er und MacArthur nach der Erkundung von Bougainville entscheiden könnten, ob sie von Choiseul nach Kieta an der Ostküste oder von den Treasury-Inseln zur Kaiserin-Augusta-Bucht im Westen vordringen sollten, wenn nach der Ausführung von Cartwheel noch Stützpunkte auf Bougainville eingerichtet werden müssten.

Taktische und logistische Überlegungen führten dazu, dass die Kaiserin-Augusta-Bucht an der Westküste von Bougainville als Endziel festgelegt wurde. Im Mai eingeleitete Küstenbeobachtungen lieferten einige Informationen über das Gelände und feindliche Aktivitäten während der Planungsphase. Das Gebiet würde wahrscheinlich keinen starken Widerstand gegen eine Landung bieten. Die Strandwege und Fußwege im Landesinneren wurden nur unregelmäßig überwacht. Zusätzlich zur Luftaufklärung, die während des gesamten Einsatzes nützliche Informationen lieferte, wurde eine Bodenpatrouille vom U-Boot Guardfish im Gebiet oberhalb des Flusses Laruma angelandet. Mit Unterstützung einheimischer Führer erkundete diese Patrouille das Gebiet und wählte vorläufig einen Flugplatz aus. Berichte dieser Patrouille bestätigten weiterhin die Auswahl von Kap Torokina als Landungsstrand.

US-amerikanische Phase (Okt. 1943 bis Okt. 1944)

Vorbereitende Operationen Für die Landung auf Bougainville wurden zwei Ablenkungsmanöver geplant; die Einnahme der Treasury-Inseln sowie eine Landung auf Choiseul.

Treasury-Inseln (Operation Goodtime)

mini|Brigadier Robert Amos Row, Neuseeländische Armee (rechts), und Brigadier-General Neal C Johnson, Armee der Vereinigten Staaten, auf Vella Lavella Operation Goodtime war die Einnahme der Treasury-Inseln als Unterstützung für die bevorstehende Cherryblossom-Landung. Die Inseln waren am 22. und 23. August 1943 vom U-Boot Greenling und am 21. und 22. Oktober erneut von PT-Booten erkundet worden. Die Späher berichteten, dass die japanische Garnison nur 225 Mann zählte.

Brigadier Robert A. Row kommandierte die für die Landung vorgesehene 8. Brigadegruppe der 3. Neuseeländischen Division zusammen mit einem Feldartillerie-Regiment und einem leichten Flugabwehrartillerie-Regiment. Row befehligte eine kombinierte Truppe, die aus Flugabwehreinheiten der US-Armee, Seabee-Bataillonen und Basiselementen der US-Marine, sowie kleinen Kommunikations- und Luftverbindungsabteilungen der US-Marine bestand, insgesamt 4608 neuseeländische und 1966 US-Truppen, verstärkt von 3795 Mann für die eigentliche Landung. Ihre Aufgabe bestand darin, auf der Insel Mono zu landen und dort eine Radarstation zu errichten. Weiterhin sollte die Insel Stirling für die Einrichtung eines Bereitstellungsraums für Cherryblossom genutzt werden.

Die Landung erfolgte am frühen Morgen des 27. Oktober wie geplant und ohne Gegenwehr, obwohl ein japanisches Aufklärungsflugzeug die anlaufenden Schiffe ausgemacht hatte. Stirling war am Morgen kampflos besetzt. Die Truppen auf Mono stießen zwar am Strand auf Widerstand, der jedoch leicht überwunden werden konnte. Eine zweite Truppe landete in Soanotalu an der Nordküste von Mono, fand jedoch keine Japaner dort vor.

Die einzige ernsthafte Bedrohung für die gelandeten Einheiten bestand aus Flugzeugen, die von Rabaul kamen. Nachdem die alliierten Schiffe entladen worden und auf der Rückfahrt nach Guadalcanal waren, griffen sie den Konvoi an. Der Zerstörer Cony wurde beschädigt, alle anderen Schiffe kehrten sicher zur Basis zurück.

Die Kämpfe auf Mono dauerten zwei Wochen. Die Japaner starteten in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober eine Reihe kleiner Gegenangriffe, die danach jedoch weitgehend abflauten. Die Neuseeländer patrouillierten dann bis zum 5. November durch den Dschungel. Bei diesen Operationen wurden kleine Gruppen japanischer Nachzügler gefunden und ausgeschaltet.

Von amerikanischen Einheiten wurde ein Marinestützpunkt und ein Radar aufgebaut und bis Ende Dezember war eine 1,7 Kilometer lange Landebahn fertig, die rechtzeitig in den späteren Phasen der Kämpfe auf Bougainville eingesetzt wurde.

Bis zum 12. November waren die letzten japanischen Soldaten getötet oder gefangen genommen worden. Die Neuseeländer verloren während der zweiwöchigen Schlacht 40 Mann, die Amerikaner zwölf. Die Japaner beklagten mindestens 205 Tote.

Choiseul (Operation Blissful)

mini|Generalleutnant Victor H. Krulak Zur Ablenkung für die Operation Cherryblossom führte das 2. US-Marine-Fallschirmbataillon unter Oberstleutnant Victor H. Krulak die Operation Blissful (auch unter dem Decknamen Raise Hell bekannt) durch. Mitte Oktober war beschlossen worden, dazu eine kleine Truppe auf Choiseul zu landen. Der Geheimdienst des I Marine Amphibious Corps von Generalleutnant Alexander A. Vandegrift, das für Cherryblossom vorgesehen war, schätzte, dass sich bis zu 4000 japanische Truppen auf Choiseul aufhielten. Diese könnten dazu vorgesehen sein, um die Garnison auf Bougainville zu verstärken.