mini|hochkant=1.5|Sogenannter Hustaler, Medaille um 1717 zum Gedenken an den Tod des böhmischen Reformators Jan Hus mini|hochkant=1.5|Medaille von Jean Dassier o. J. (1731), signiert mit I. DASSIER F(ecit). Oliver Cromwell, Lordprotector 1653–1658 (siehe auch Cromwelltaler) mini|hochkant=1.5|Napoleonische Tapferkeitsmedaille von 1812 (Schlacht an der Beresina) mini|Gedenkmedaille der Feuerwehr München (1912) mini|Einseitige Gussplatte (Plakette, Medaille) 430 × 600 mm des Hermann Theodor Simon. Werk von Max Lange aus seiner Zeit in Göttingen (1919), Guss Firma Hermann Gladenbeck

Eine Medaille [] ist in der Numismatik ein rundes oder ovales münzähnliches Metallstück mit Prägung, das keine Zahlungsmittelfunktion besitzt, sondern u. a. als Sammlerobjekt sowie Ehren- und Verdienstauszeichnung dient.

Etymologie Das Fremdwort stammt aus dem Französischen (), das sich aus dem Wort für Metall () ableitete, wobei der Wandel von „t“ zu „d“ aus dem Galloromanischen zu erklären ist.Ursula Hermann, Knaurs etymologisches Lexikon, 1983, S. 312 Medaille ist eine Augmentativbildung zu „kleine Münze“ (), morphologisch zugehörig ist das Medaillon.Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 22. Auflage, 1989, S. 469

Abgrenzungen Der Numismatiker Max Bernhart definierte im zitierten Buch die Medaillen als „alle nicht dem Geldverkehr dienenden, münzähnlichen Stücke“. Plaketten sind für ihn Medaillen von „meist rechteckiger, auch sechs- und achteckiger Form“. Medaillen und Plaketten können für ihn ein- oder zweiseitig geprägt sein. Enge Wortverwandtschaft besteht zum Medaillon, bei dem es sich um eine in ein Schmuckstück eingearbeitete Medaille oder eingearbeitetes Bildnis handelt.

In der Renaissance wurden Medaillen erstmals als Kunstobjekte verwendet, dabei diente das römische Schwergeld als Vorbild. Ursprünglich wurden Medaillen aus Metall gegossen. Seit sich Münzprägeverfahren durchgesetzt haben, werden bis auf vereinzelte Ausnahmen auch Medaillen geprägt. Medaillen können in Positiv- oder Negativprägung hergestellt werden. Bei größerer Tiefe der Motive können sie den Charakter einer Kleinplastik annehmen.

Medaillen dürfen nicht mit Münzen verwechselt werden. Münzen werden als offizielles Zahlungsmittel geprägt und etwa ab dem 18. Jahrhundert (zum Teil auch schon viel früher) mit einem Nennwert versehen. Sie können nur von staatlicher bzw. offizieller Seite hergestellt und ausgegeben werden. Im Gegensatz dazu können Medaillen (unter Beachtung einiger weniger Einschränkungen) z. B. auch von Unternehmen, Vereinen oder Privatpersonen hergestellt werden.

Mitunter kann es auch vorkommen, dass Münzen für Medaillen gehalten werden. So wurden zunächst die besonders umfangreich gestalteten Prägungen, wie z. B. die Weidenbaumtaler von 1627 zunächst für Medaillen gehalten, die jedoch Reichstaler sind.

Bei Zwitterprägungen kann es vorkommen, dass zwei unterschiedliche Münzbilder so zusammengestellt werden, dass die damit erzeugte Prägung für eine Medaille (Zwittermedaille) Verwendung findet. Ein Beispiel ist die Zwittermedaille (Provinz Westfalen). Die Medaillenbilder wurden von zwei Vorderseiten zweier Notmünzen verwendet.

Die Medaille ähnelt der Plakette und wird gelegentlich mit dieser verwechselt. Plaketten zeigen in der Regel eine einseitige erhabene Darstellung, wohingegen Medaillen auf beiden Seiten Bildmotive oder Schrift aufweisen. Aus dem Umstand, dass die Vorder- und Rückseite (Avers und Revers) der Medaille normalerweise verschieden gestaltet sind, erklärt sich die Redensart von der „Kehrseite der Medaille“. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der angesprochene Sachverhalt nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile aufweisen kann. (Der Ausdruck Kehrseite ist eine Verdeutschung von Revers, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufkam und sich trotz Opposition des Lexikographen Adelung durchsetzte.)

Als Medaillon bezeichnet man eine besonders große Bildnismedaille, wie sie z. B. an Denkmälern zu finden ist, oder ein rundes oder ovales Ornament oder einen runden oder ovalen Schmuckanhänger.Heinz Fengler/Gerd Gierow/Willy Unger, transpress Lexikon Numismatik, Berlin, 1976.

Die Unterschiede zwischen Münzen und Medaillen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Münzen Medaillen gesetzliches Zahlungsmittel Sammelobjekt meist mit aufgeprägtem Nennwert, Münznominal ohne Nennwert im staatlichen Auftrag von staatlichen Münzprägeanstalten hergestellt im Auftrag von Privatunternehmen hergestellt

Medaillen dienen nicht dem Geldverkehr und erfordern insoweit auch keinen Nennwert. Selbst wenn sie einen Nennwert besitzen, sind sie kein Geld, weil es an der staatlichen Denomination fehlt. Dessen ungeachtet besitzen sie über ihren Metallwert hinaus wegen ihrer künstlerischen Gestaltung und/oder ihrer Rarität und wegen ihres Alters einen Sammlerwert, der meist über dem Metallwert liegt.

„Münzähnlich“ bedeutet, dass es sich um meist runde oder auch ovale, auf beiden Seiten (Vorderseite „Avers“ und Rückseite „Revers“) geprägte und aus Metall bestehende, handliche Gegenstände mit Münzcharakter handelt. Eine numismatische Definition des Begriffs der Medaille fällt schwer und kann nur durch den Unterschied zur Münze gelingen. Dem flachen Relief der Münze mit den konventionell festgehaltenen Reversdarstellungen steht das weit höhere Relief der Medaille und die Mannigfaltigkeit der Darstellungen gegenüber. Das Bild der Medaille ist meist durch einen erhöhten Rand abgeschlossen.Max Bernhart, Medaillen und Plaketten, 1920, S. 12 Da die Medaille keine Münze ist und nur wie sie aussieht, fehlt ihr auch das für Münzen typische Münznominal. Medaillen enthalten bildliche Darstellungen und anlassbedingte Aufschriften, sie dienen auch als Ehren- und Verdienstauszeichnungen. Sie vermitteln eine Fülle von Informationen und belegen anschaulich den Wandel der Stilrichtungen in der Kunst seit der Renaissance.Helmut Kahnt, Das große Münzlexikon von A bis Z, 2005, S. 279

Rechtsfragen Gemäß MünzG prägt der Bund Münzen (deutsche Euromünzen) gemäß der aus. Auf EU-Ebene ersetze die die Verordnung (EG) Nr. 975/98.Artikel 12 Münzen sind dadurch ein gesetzliches Zahlungsmittel. Der Rechtsbegriff der Münze ist deshalb zunächst begrenzt auf Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel. Der Begriffsinhalt der Münze erfährt jedoch in Abs. 1 MünzG eine Ausdehnung auf Sammlermünzen, die auf Euro lauten und Gedenkmünzen sind und auf deutsche Euro-Münzen in Sonderausführung.

In Nr. 2 MedaillenV ist der Rechtsbegriff „Medaillen“ (oder „Münzstücke“) negativ definiert als „Metallgegenstände, die das Aussehen oder die technischen Eigenschaften einer deutschen Euro-Gedenkmünze im Sinne des Abs. 1 Nr. 1 MünzG haben, keine Münzrohlinge sind und nicht aufgrund des Münzgesetzes, der währungsrechtlichen Vorschriften anderer Staaten oder der von den Europäischen Gemeinschaften erlassenen Rechtsvorschriften ausgeprägt und in den Verkehr gebracht werden“.

Geschichte Die ersichtlich ersten Medaillen stammten aus den Niederlanden, wo zwei große und offensichtlich zusammengehörige Stücke Konstantin den Großen und Kaiser Heraklius darstellen, deren einheitliche Rückseiten auf die Legende von der Kreuzauffindung anspielen.Jules Guiffrey, Médailles de Constantin et d’Heraclius, in: Revue Numismatique VIII, 1890, S. 87 Jean de Valois, duc de Berry erwarb diese um 1400 entstandenen ältesten Medaillen im Jahre 1402.

Italien brachte eine Vielzahl von Medailleuren hervor. Die frühen italienischen Medaillen des 15. Jahrhunderts waren noch im Gießverfahren hergestellt.Max Bernhart, Medaillen und Plaketten, 1920, S. 15 Als ihr Schöpfer gilt der Maler, Zeichner und Medailleur Antonio Pisanello, der nach 1438 eine Medaille mit dem Abbild von Filippo Maria Visconti schuf. Zur gleichen Zeit lebte Metteo de Pasti (um 1420 – um 1490), der 1446 Bronzemedaillen herstellte.Max Bernhart, Medaillen und Plaketten, 1920, S. 20 ff. Antonio Marescotti schuf um 1448 die „kaputte Säule“ () und weitere Medaillen. Der Maler Filippino Lippi fertigte um 1500 Medaillen mit dem Porträt von Lucrezia Borgia. Berühmt ist der Petersdom auf einer Medaille aus 1506 vom Medailleur und Goldschmied Caradosso. Die geprägte Medaille kam langsam erst im 16. Jahrhundert auf. Einige ihrer Vertreter waren Valerio Belli und Giovanni Cavino, letzterer schuf 1538 eine Medaille mit seinem Selbstbildnis. Anlässlich des 88. Geburtstags von Michelangelo brachte Leone Leoni 1563 ein Bildnis heraus; der porträtierte Michelangelo verstarb bereits im nächsten Jahr.

In den Niederlanden tat sich insbesondere Paulus van Vianen hervor, der unter anderem König Rudolf II. auf Medaille festhielt. In Deutschland etablierten sich zunächst Nürnberg und Augsburg als Hauptorte der Medaillenkunst.Max Bernhart, Medaillen und Plaketten, 1920, S. 40 Hier betätigten sich die Medailleure Hans Schwarz, Hans Daucher, Christoph Weiditz, Hans Kels der Jüngere, Matthes Gebel oder der erfolgreichste unter ihnen, Friedrich Hagenauer. Letzterer lieferte unter anderem 1527 das Bildnis des Konrad Peutinger ab. Der Schweizer Jakob Stampfer schuf um 1546 den Schweizer Bundestaler. Balduin Drentwett begründete eine Künstlerdynastie Drentwett, von dem eine den Jacobus Ruchlichius porträtierende Silbermedaille aus 1603 erhalten ist.

mini|100px|Österreich: Neuprägung 1 Dukat – Bildseite In Frankreich schuf Ludwig XIV. 1663 mit der „Académie des Inscriptions et Belles Lettres“ ein Staatsmonopol bei der Medaillenprägung, das Inschriften und Bildprogramme entwerfen sollte. So entstand unter Ludwig XV. im Jahre 1720 zum Frieden mit Spanien eine Gedenkmedaille. 1741 wurde die Münz- und Medaillensammlung aus Schloss Versailles in die Bibliothèque nationale de France in Paris verlegt (Cabinet des Médailles), die 1750 rund 400 Medaillen und 2000 Münzen aus der Sammlung des Marc de Beauvau erwarb.Gustav Friedrich Waagen, Kunstwerke und Künstler in Paris, 1839, S. 61 Im Jahre 1763 wurde der Frieden von Hubertusburg auf einer Medaille mit dem Schloss Hubertusburg verewigt.

Der bereits im Mittelalter bekannte Dukat erlangte neue Bekanntheit, als der im Januar 1857 abgeschlossene Wiener Münzvertrag in der Habsburgermonarchie die bestehende Goldwährung durch eine Silberwährung ablöste. Die österreichischen Dukaten wurden weiterhin als Zahlungsmittel für den internationalen Handel geprägt. Darüber hinaus hatte Österreich die Möglichkeit, Dukaten für den inländischen Zahlungsverkehr ausprägen zu lassen. Ein staatlicher Annahmezwang für Dukaten beruhte auf einem jeweils auf maximal 6 Monate festgelegten Kassakurs, der nach dem marktgerechten Wertverhältnis zwischen Gold und Silber festgelegt wurde. Mit der variablen Festsetzung des Kassakurses wurden Arbitragegewinne durch den Umtausch von Gold- und Silbermünzen vermieden. Österreich trat aus dem Wiener Münzvertrag im Anschluss an den Prager Frieden von 1866 Ende 1867 wieder aus. Das änderte jedoch nichts an der Beliebtheit des Dukatens. Bis heute werden Dukaten in Österreich (wie auch die silbernen Maria-Theresien-Taler) für Geschenk- und Sammlerzwecke nachgeprägt. Es handelt sich um die offizielle Nachprägung der Dukaten von 1872–1914 mit dem Kopf von Kaiser Franz Joseph I., die Nachprägungen zeigen nahezu einheitlich die Jahreszahl 1915. Die seltene Jahreszahl 1951 war ein Fehler des Stempelschneiders.

Einsatzbereiche

mini|Religiöse Medaille mit den Motiven Herz Jesu und der Mondsichelmadonna

Medaillen sind vor allem verbreitet als Auszeichnungen für hervorragende sportliche, wissenschaftliche, berufliche oder kulturelle Leistungen als Gedenkprägungen ohne Nennwert, z. B. aus Anlass eines Ereignisses oder Jubiläums oder zu Ehren einer Persönlichkeit als religiöse Medaille, meist mit Henkel oder Öse, z. B. als Wallfahrts-, Pilger- oder Gnadenmedaille