mini|Heiliges Römisches Reich um 1400 mini|Herrschaftsgebiet Karls I. des Kühnen 1465/67–1477 mini|Provinzen Frankreichs (1477). Die burgundischen Territorien in Gelb; die rote Grenze zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich verläuft quer hindurch. Die Grafschaft Luxemburg gehört zu den burgundischen Reichslehen. mini|Reichskreiseinteilung seit 1512. Kreisfreie Territorien sind weiß dargestellt. mini|Grenzänderungen Luxemburgs zwischen 1659 und 1839: mini|Deutscher Bund 1815–1866 mini|Karte der Abtrennungen Luxemburgs mini|Der Deutsche Zollverein 1834–1919 blau = zum Zeitpunkt der Gründung grün = Erweiterungen bis 1866 gelb = Erweiterungen nach 1866 rot = Grenzen des Deutschen Bundes 1828 rosa = Relevante Veränderungen nach 1834

Vorgeschichte und Römer Siedlungsspuren auf dem Gebiet des heutigen Luxemburgs gehen bis ins Paläolithikum zurück (Oetringen). Die neolithische Besiedlung beginnt mit der Linearbandkeramik.Anne Hauzeur: Le Rubané au Luxembourg. Contribution à l’étude du Rubané du Nord-Ouest européen. In: ERAUL, 114, 2006, ISBN 2-87985-590-X Das reiche Grab von Göblingen-Nospelt stammt aus der späten Latènezeit und verrät starken römischen Einfluss.Jeannot Metzler, Catherine Gaeng, Isabelle Le Goff et al.: Goeblange-Nospelt, une nécropole aristocratique trévire. Dossiers d’archéologie du Musée national d’histoire et d’art, Luxembourg 2009. ISBN 978-2-87985-065-8 Der Titelberg war in dieser Zeit das wichtigste Oppidum in Luxemburg. Ungefähr einhundert Jahre später drangen Römer in das Land ein, als Caesar um 58–51 v. Chr. Gallien und einen Teil von Germanien bis zur Rheingrenze eroberte. Das Gebiet des heutigen „Luxemburgs“ wurde vor allem von den Treverern bewohnt, es wurde Teil des Imperium Romanum.

Im 5. Jahrhundert n. Chr. drängten die germanischen Franken die Römer zurück. Wandermönche missionierten die Menschen zum Christentum und bauten Klöster. Das Kloster Echternach wurde vom angelsächsischen Missionar Willibrord im Jahre 698 gegründet.

Grafschaft Luxemburg innerhalb des Fränkischen Reiches Nach der Reichsteilung unter den Enkeln Karls des Großen im Vertrag von Verdun kam es im Jahr 843 zunächst zum lotharingischen Mittelreich, 859 zum Herzogtum Oberlothringen und mit diesem im Jahr 925 zum Ostfränkischen Reich, dem Vorläufer des römisch-deutschen Reiches.

Für die siedlungspolitische und kulturelle Situation des Herzogtums waren Macht- und Kulturzentren von Bedeutung wie die Städte mit dem Recht auf Münzprägung oder die Klöster. Allein die Abtei von Echternach lag auf dem Gebiet des heutigen Luxemburg. Die spätere Reichsabtei Echternach war jedoch ein reichsunmittelbares Territorium innerhalb des Heiligen Römischen Reichs und gehörte damit nicht zu Luxemburg. Die scheinbare Kontinuität zwischen der mittelalterlichen Grafschaft und dem heutigen Nationalstaat ist jedoch eine a-posteriori-Konstruktion der späteren nationalen Geschichtsschreibung.„Im Zuge der Staatswerdung konstruierte die nationalistische Geschichtsschreibung im 19. Jh. eine historische Kontinuität zwischen der mittelalterlichen Grafschaft Luxemburg und dem 1815 beim Wiener Kongress geschaffenen Großherzogtum Luxemburg.“ (Michel Pauly, zit. nach Renée Wagener: Raum statt Nation. Woxx, 23. Dezember 2011). Auch wichtige Handelswege aus römischer Zeit führten über Luxemburg. So spielte Luxemburg vor allem durch die geografische Lage eine strategisch bedeutsame Rolle, und das bis zur Schleifung der Festung Luxemburg im 19. Jahrhundert.

Die später namensgebende Burg Lucilinburhuc (oder Lützelburg) (an der Stelle der heutigen Hauptstadt Luxemburg) wurde 963 erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Siegfried I. den Bockfelsen, auf dem sich die Burg befindet, im Tausch mit der Reichsabtei Sankt Maximin in Trier gegen Ländereien in Feulen erwarb. Siegfrieds Nachkommen bezeichneten sich ab Konrad I. (1083)Michel Pauly: Geschichte Luxemburgs. Verlag C. H. Beck, München 2011. ISBN 978-3-406-62225-0. S. 28 als Grafen von Luxemburg. Später wurde der Name ihrer Burg auf ihren gesamten Herrschaftsbereich übertragen.

Nach dem Aussterben der älteren Linie des Herrschergeschlechts und seiner Erben, der Grafen von Namur, kam die Grafschaft Luxemburg 1214 durch Heirat an den späteren Herzog Walram II. von Limburg. Im Streit mit Brabant um den Besitz Limburgs unterlag das Haus Luxemburg 1288 in der Schlacht von Worringen, doch kam es bald darauf zu einer Annäherung der beiden Häuser. Heinrich VII. von Luxemburg heiratete die Tochter des Herzogs von Brabant und bestieg 1308 sogar den deutschen Königsthron. Damit begann die historisch bedeutsamste Epoche des Hauses Luxemburg.

Herzogtum Luxemburg innerhalb des Heiligen Römischen Reiches

Mit dem Erwerb der böhmischen Königskrone 1311 durch den Sohn Heinrichs VII., Johann von Luxemburg (Johann der Blinde), und dem darauffolgenden Aufbau einer starken Hausmacht im Osten des Heiligen Römischen Reichs (Altes Reich) sowie in Ungarn verlor das Stammland jedoch zusehends an Bedeutung für die Dynastie. Die Grafen von Luxemburg sollten im 14. und 15. Jahrhundert insgesamt vier römisch-deutsche Kaiser stellen. Heinrichs Enkel, Karl IV., erhob die luxemburgischen Stammlande 1354 zum Herzogtum. Karl sollte Luxemburg gar einmal kurzfristig an Kurtrier verpfänden.

Im Jahr 1441 verkaufte Elisabeth von Görlitz, die letzte Herzogin aus dem Haus Luxemburg, das Land an das französische Haus Burgund. Es blieb aber staatsrechtlich ein Lehen des Reiches. Nach dem Tod des letzten Burgunderherzogs Karls des Kühnen im Jahr 1477 kam Luxemburg mit dem gesamten burgundischen Erbe an Karls Tochter Maria und ihren Ehemann, den späteren Kaiser Maximilian von Habsburg.

Bei seiner feierlichen Abdankung im Jahr 1555 schlug Maximilians Enkel Karl V. die gesamten habsburgischen Niederlande, zu denen auch Luxemburg gehörte, seinem Sohn Philipp II., dem König von Spanien, zu. Von da an bis zum Aussterben der spanischen Habsburger bildete Luxemburg innerhalb des Heiligen Römischen Reiches einen Teil der Spanischen Niederlande, von dem sich ab 1568 die nördlichen, protestantischen Provinzen unter Führung Hollands abspalteten.

Aufgrund des habsburgisch-bourbonischen Gegensatzes wurde Luxemburg in den folgenden 200 Jahren immer wieder in die Kriege zwischen Frankreich und den Habsburgern hineingezogen. Im Jahre 1659 musste Spanien den südlichsten Teil des Herzogtums im Rahmen des Pyrenäenfriedens an Frankreich abtreten. Im Zuge seiner Reunionspolitik ließ König Ludwig XIV. von Frankreich das Land 1684 nördlich der neuen Grenze besetzen.

Im Frieden von Utrecht, der 1714 den Spanischen Erbfolgekrieg beendete, wurde der gesamte Länderkomplex, der etwa den heutigen Staaten Belgien und Luxemburg entspricht, innerhalb des Reichs der österreichischen Linie der Habsburger zugesprochen. Die Österreichischen Niederlande existierten innerhalb des Reiches bis zur Eroberung und Annexion des Landes durch Truppen der Französischen Revolution 1794. Von 1795 bis 1814 bildete das vorherige Herzogtum Luxemburg als Département Forêts („Wälder“) einen Teil der Französischen Republik und später des Französischen Kaiserreichs.

Großherzogtum Luxemburg innerhalb des Deutschen Bundes

Der Wiener Kongress machte Luxemburg 1815 nominell zu einem selbständigen Großherzogtum, das unter den Königen des Hauses Nassau-Oranien in Personalunion mit dem Königreich der Vereinigten Niederlande verbunden war. Allerdings musste es die Gebiete östlich der Mosel, Our und Sauer mit rund 50.000 Bewohnern an Preußen abtreten. Rund 2300 Quadratkilometer, mit Orten wie Bitburg, Sankt Vith, Neuerburg oder Igel, wurden in die neu gegründete preußische Provinz Niederrhein (1822 erweitert zur Rheinprovinz) eingegliedert.Franz Rothenbacher: The Societies of Europe: The European Population, 1850–1945, Verlag Palgrave MacMillan, Basingstoke - New York 2002, ISBN 978-1-349-65611-0, S. 459

Im Unterschied zu den Gebieten des neu geschaffenen Königreichs der Vereinigten Niederlande wurde Luxemburg Teil des Deutschen Bundes und war von 1842 bis Dezember 1918 Teil des deutschen Zollvereins. Als deutsche Bundesfestung erhielt die Hauptstadt Luxemburg eine preußische Garnison.

Als sich 1830/39 Belgien während der belgischen Revolution die Unabhängigkeit von den Niederlanden erkämpfte, erhielt es auf der Londoner Konferenz die wallonischen West- und Nordwestregionen Luxemburgs zugesprochen. Die neue belgische Provinz Luxemburg entstand aus mehr als der Hälfte des Großherzogtums Luxemburgs, mit rund 4300 Quadratkilometern, 160.000 Bewohnern und Städten wie Bastogne und Arlon.Franz Rothenbacher: The Societies of Europe: The European Population, 1850-1945, Verlag Palgrave MacMillan, Basingstoke - New York 2002, ISBN 978-1-349-65611-0, S. 459

Im Gegenzug erhielt Luxemburg mehr Autonomie, bis dahin war es mehr oder weniger wie eine niederländische Provinz regiert worden, ähnlich wie das Herzogtum Limburg von 1839 bis 1866. Im Jahre 1841 erhielt das Land eine ständische, 1848 eine später mehrmals revidierte Verfassung mit einem Zensuswahlrecht.

Nach dem preußischen Sieg im Deutschen Krieg von 1866 löste sich der Deutsche Bund auf. Unter der Führung Preußens wurde der Norddeutsche Bund als Bundesstaat gegründet, der jedoch Luxemburg nicht umfasste; die preußischen Truppen blieben gleichwohl vorerst dort stationiert.

Luxemburgkrise

mini|Fassadenbemalung an Luxemburger Altstadthaus Vor dem Krieg von 1866 hatte der preußische Ministerpräsident Bismarck der französischen Regierung unter Napoleon III. signalisiert, sie könne Luxemburg annektieren, falls sie Preußen gegen Österreich freie Hand lasse. 1867 versuchte Napoleon III., Luxemburg von König Wilhelm III. der Niederlande zu kaufen. Die Öffentlichkeit im Großherzogtum und in den anderen Gebieten des Deutschen Bundes war empört und gegen den beabsichtigten Verkauf des Landes an Frankreich: Luxemburg, das Heimatland der Dynastie der Luxemburger, die vier römisch-deutsche Kaiser gestellt hatte, sollte nicht an Frankreich, den damaligen Erbfeind, fallen. Eine starke Protestbewegung plädierte mit ihrer Petition an den König-Großherzog Wilhelm III. für den Status quo. Der Wahlspruch „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“ wurde unter der luxemburgischen Bevölkerung populär. Die Krise mündete in den zweiten Londoner Vertrag von 1867, in dem das Land als Kompromiss unter der Garantie der Signatarmächte für immer neutral erklärt wurde. Die deutsche Bundesfestung in Luxemburg wurde daraufhin geschleift. Frankreich kam nicht zum Zuge; aber die preußischen Truppen zogen ab.

Vollständige Unabhängigkeit Luxemburgs

Die vollständige Unabhängigkeit erreichte Luxemburg nach dem Tod des niederländischen Königs Wilhelm III. im Jahr 1890. Da ihm in den Niederlanden seine Tochter Wilhelmina auf den Thron folgte, in Luxemburg aber das salische Erbfolgerecht galt, wurde die Personalunion aufgelöst. Somit fiel das Großherzogtum Luxemburg nach den Regeln der Thronfolge und dem bereits 1783 geschlossenen Familienpakt (Nassauischer Erbverein) an den bereits 73-jährigen Adolph von Nassau-Weilburg als nächsten Erbberechtigten. Er entstammte der älteren, „walramischen“ Linie des Hauses Nassau; die niederländische Dynastie Nassau-Oranien hingegen entstammte der jüngeren, „ottonischen“ Linie des Geschlechts der Nassauer. Damit erhielt Luxemburg seine eigene erbliche Dynastie, das Haus Nassau-Weilburg.

Auch nach Entstehung des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reiches blieb das Großherzogtum jedoch bis 1919 weiterhin Mitglied im Deutschen Zollverein.

Luxemburg im Ersten und Zweiten Weltkrieg Erster Weltkrieg Hauptartikel: Luxemburg im Ersten Weltkrieg