Die Samenfüßer (Chordeumatida) sind eine Ordnung der zu den Tausendfüßern gehörenden Doppelfüßer. Sie sind in großen Teilen der Welt verbreitet, insbesondere der Nordhalbkugel und bevorzugen häufig kühlere, feuchtere und gebirgige Regionen. Mit etwa 1200 bekannten Arten handelt es sich um die zweitgrößte Doppelfüßer-Ordnung nach den Bandfüßern.
Merkmale und Lebensweise mini|Atractosoma meridionale aus den zentralen Alpen gehört zur Familie Craspedosomatidae und zeigt auffällige Seitenflügel (Paranota) mini|Craspedosoma rawlinsii ist weit verbreitet in Europa und erinnert mit den kugeligen Seitenbuckeln an eine Perlschnur mini|Chordeuma sylvestre aus der Familie Chordeumatidae ist ebenfalls weit verbreitet in Europa und hat eine glatte Oberfläche, die an Schnurfüßer erinnert Samenfüßer besitzen 26–32 (meist 30) Körpersegmente und meistens Ommatidien am Kopf. Dadurch lassen sie sich leicht von den manchmal ähnlichen Bandfüßern unterscheiden. Jeder Körperring trägt 6 Paar lange Borsten (Setae, Macrochaetae), was ein Schlüsselmerkmal der Ordnung darstellt. Da die drei Borstenreihen auf jeder Rückenhälfte bei einigen Arten lang und auffällig sind, wirken viele Samenfüßer-Arten mit ihren langen Beinen und Borsten im Unterschied u den immer glatten und glänzenden Schnurfüßern recht stachelig und borstig. Die Beine und Antennen sind relativ lang – die meisten Arten haben längere Beine als viele andere Doppelfüßer-Ordnungen, die fast spinnenartig neben den Körperringen hinausragen können. Seitenflügel (Paranota / Paraterga) können vorhanden sein, zu Seitenhöckern reduziert sein oder ganz fehlen. Der Halsschild ist schmaler als der große, rundliche Kopf, was bei vielen Arten einen halsartigen Eindruck verursachen kann. Außerdem besitzen die Samenfüßer am letzten Körperring zwei Spinngriffel, die allerdings recht unscheinbar und schwer zu erkennen sind. Mit ihnen stellen die Tiere Häutungskokons und Eigespinste her. Diese Fähigkeit hat ihnen im englischen den Trivialnamen silk millipedes eingebracht. Das Merkmal teilen sie sich allerdings mit den Ordnungen Callipodida, Siphoniulida und Stemmiulida. Die Körperlänge der Samenfüßer beträgt 4–25 mm. Eine markante morphologische Eigenschaft der Samenfüßer sind die besonders komplex gebauten Gonopoden (Kopulationsfüße), denn bei keiner anderen Ordnung sind derartig viele Beinpaare zu spezialisierten Fortpflanzungsorganen umgebildet. Den Rekord halten die Vertreter der Familie Chordeumatidae, bei denen 5 Laufbeinpaare am 6. bis 8. Körperring fehlen und 4 davon in den Dienst der Samenübertragung gestellt sind. Die Gonopoden sind so extrem stark abgewandelt, dass ihre Ableitung von ehemaligen Laufbeinen kaum noch zu erkennen ist. Dementsprechend ist auch der Trivialname „Samenfüßer“ auf die weit fortgeschrittene Umwandlung ursprünglicher Laufbeine zu Organen der Übertragung von Spermien zu beziehen. Wie bei allen Eugnatha befinden sich vor den Gonopoden 7 Beinpaare. Im Gegensatz zu vielen anderen wurmartigen Doppelfüßern der Helminthomorpha besitzen Samenfüßer keine Wehrdrüsen (Ozoporen). Zumindest auf dem 11. Laufbeinpaar befinden sich coxale Drüsen.
Im Gegensatz zu allen anderen Doppelfüßer-Ordnungen zeigen die Samenfüßer keinen durchgehend typischen Habitus. Unter ihnen gibt es sowohl Arten, die aufgrund ihrer zylindrischen Körperform und ihrer glatten Oberfläche den Schnurfüßern ähneln sowie andere, die Seitenflügel (Paranota) aufweisen und deshalb den Eindruck von Bandfüßern erwecken können (z. B. Ochogona caroli und Jungtiere von Craspedosoma rawlinsii). Dementsprechend ist es nicht möglich, die Samenfüßer morphologisch überzeugend einem Lebensformtyp zuzuordnen. Obwohl einige Arten äußerlich Schnurfüßern ähneln, zeigt schon der schmale, als Rammbock wenig geeignete Halsschild z. B. von Mycogona germanica, dass die Lebensform des Ramm-Typs hier nicht gegeben ist. Noch wichtiger ist in diesem Zusammenhang ein inneres Merkmal, nämlich die Konstruktion der Körperringe. Sie sind bei den Samenfüßern nicht als starre Ringe ausgebildet, sondern besitzen freie Bauchplatten (Sternite), die elastisch durch flexible Häute mit den Rücken- und Seitenplatten (Tergite und Pleurite) verbunden sind. Dadurch fehlt die notwendige Stabilität massiv gepanzerter Tiefgräber im Stil der Schnurfüßer. Aus denselben Gründen macht allein die Ausprägung schwacher Seitenflügel bei manchen Chordeumatida noch keinen Keil-Typ aus, denn auch die Bandfüßer zeigen stabil verwachsene Körperringe als funktionelle Grundlage ihres Lebensformtyps. Auch eine Zuordnung der heimischen Samenfüßer zum Bohr-Typ der Saugfüßer erscheint nicht begründbar, da die Köpfe der Samenfüßer meist breiter sind als der Halsschild, was ein regenwurmartiges Bohren im Substrat unmöglich macht. Ihre auffallend langen Fühler und Beine wären bei der Grabtätigkeit ebenfalls hinderlich. Im Gelände fallen Samenfüßer durch ihr schnelles Laufen viel eher ins Auge als die langsameren Schnurfüßer.
Der Myriapodologe Karl Wilhelm Verhoeff unterschied sechs Haupttypen der Samenfüßer anhand des Habitus (diese Haupttypen folgen nicht der taxonomischen Einordnung!). Diese Haupttypen sind: Atractosoma-Typ mit großen Paraterga, die so breit oder breiter als lang sind und an Arten der Gattung Polydesmus der Bandfüßer erinnern Ochogona-Typ mit kleineren Paraterga, die etwa zweimal so lang wie breit sind Craspedosoma-Typ mit halbkugelartigen Paraterga, die dem Tier ein perlschnurartiges Aussehen verleihen Haasea-Typ mit kleinen Buckeln anstelle von Paraterga. Die kräftigen Macrochaetae liegen dicht beieinander Rhiscosoma-Typ mit nach unten gebogenen Paraterga Chordeuma-Typ mit einer zylindrischen Form und Ähnlichkeit zu Schnurfüßern
Im Unterschied zum mehrjährigen Lebenszyklus fast aller anderen Doppelfüßer zeigen die Samenfüßer durch ihre meist einjährige Entwicklung eine auffallende Phänologie. Aufgrund der begrenzten Erscheinungszeiten der Erwachsenen spricht man in Mitteleuropa von Herbst-Arten (z. B. Mastigona bosniensis) oder Frühjahrs-Herbst-Arten (z. B. Craspedosoma rawlinsii, Melogona voigti und Ochogona caroli). Ein gutes Hilfsmerkmal bei der Bestimmung vieler Arten der mitteleuropäischen Samenfüßer ist ihre Verbreitung. Die meisten Arten sind auf die Mittelgebirge beschränkt und unterschreiten die 200-m-Höhenlinie in Richtung Tiefland nicht oder nur wenig, was für die Gattungen Chordeuma, Haasea, Mastigona, Mycogona und Ochogona gilt.
Die Nahrung der Samenfüßer besteht vermutlich in den meisten Fällen aus Laubstreu, Totholz, Pilzen, Detritus und ähnlichem Material.
Viele Arten der Samenfüßer sind auch als Höhlenbewohner bekannt.
Verbreitung Die Ordnung der Samenfüßer ist weit auf der Welt verbreitet, zeigt aber eine im Verhältnis zu vielen anderen Doppelfüßer-Ordnungen weniger tropische Verbreitung. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf den Gebieten der Gemäßigten Zone bis in die Subtropen der Nordhalbkugel und häufig auch in Gebirgen. An trockenwarme Habitate sind nur sehr wenige Arten angepasst. In Nordamerika ist die Ordnung vom Süden Alaskas entlang der Westküste bis Mexiko verbreitet und entlang der Ostküste vom Süden Kanadas bis Mexiko. In den zentralen Teilen Nordamerikas ist sie weniger stark verbreitet als in den westlichen und östlichen Gebieten. Weiter südlich kommt die Ordnung in Mittelamerika bis Panama vor, es gibt auch wenige Funde von Karibischen Inseln. In Südamerika sind Samenfüßer nur aus dem Südwesten des Kontinents bekannt, genauer aus Chile, südlich bis Chiloé. In Europa kommen Samenfüßer fast überall vor, von Shetland und dem Süden Skandinaviens im Norden bis in die Mittelmeerregion im Süden. Auch die Azoren werden besiedelt. Weiter östlich ist die Ordnung aus dem Kaukasus und der Türkei bekannt. In Afrika ist die Ordnung in Marokko verbreitet, fehlt aber südlich der Sahara mit Ausnahme von Madagaskar. In Asien gibt es einige Vorkommen in Zentralasien und dem Himalaya, ansonsten lebt die Ordnung hier vor allem in von Südwestasien bis Indien und in Ostasien und Südostasien, östlich bis Neuguinea. In Australien werden Küstengebiete im Südwesten und Osten inklusive Tasmanien besiedelt, auf Neuseeland ist die Ordnung weit verbreitet. Aus Europa sind 534 Arten bekannt, aus Australien sind 22 Arten bekannt.
Verbreitung der einzelnen Familien