Spezifizierte Komplexität ist ein Konzept, das vom Intelligent Design-Befürworter William Dembski entwickelt wurde. Es soll eine Eigenschaft formalisieren, die bestimmte Muster als spezifiziert und komplex auszeichnen soll. Dembski behauptet, dass spezifizierte Komplexität ein verlässliches Anzeichen für Design durch einen intelligenten Akteur sei, ein zentraler Grundsatz für Intelligent Design. Dembski versucht damit, gegen die Evolutionstheorie zu argumentieren.
In Dembskis Begrifflichkeit kann ein spezifiziertes Muster knapp beschrieben werden, während ein komplexes Muster nur mit geringer Wahrscheinlichkeit durch Zufall entstehen kann. Dembski argumentiert, dass spezifizierte Komplexität unmöglich in durch ungeleitete Vorgänge erzeugten Mustern existieren kann. Daher, so Dembski, zeigt bei Lebewesen das Vorhandensein von spezifiziert komplexen Mustern, dass sie notwendigerweise ursprünglich auf irgendeine Form von Zweckmäßigkeit hin entworfen wurden, was nach seiner Argumentation auf Intelligenz hindeutet. Dembski behauptet weiter, dass man mit den No-free-lunch-Theoremen rigoros beweisen kann, dass evolutionäre Algorithmen unmöglich auf Konfigurationen von hoher spezifizierter Komplexität hin selektieren und sie deshalb nicht erzeugen können. Spezifizierte Komplexität wird von Dembski auch als komplex-spezifizierte Information (CSI) bezeichnet.
In der Literatur zu Intelligent Design wählt ein intelligenter Akteur zwischen verschiedenen vorhandenen Möglichkeiten und entwirft auf diese Weise die Lebensformen, mittels ausdrücklich nicht genannter Mittel und Methoden. Spezifizierte Komplexität soll nach Dembski ein 'explanatory filter' (Erklärungsfilter) sein, der durch das Anschlagen auf komplex-spezifizierte Information das Erkennen von 'Design' ermöglicht. Der Filter basiert auf der Annahme, dass die Kategorien Regelmäßigkeit, Zufall und Design, gemäß Dembski, disjunkt und vollständig sind. Komplex-spezifizierte Information soll ein Indikator für Design sein, weil es ein Anzeichen für eine intelligente Urheberschaft sein soll; es soll ein Indikator für die Umsetzung einer bestimmten von vielen konkurrierenden Möglichkeiten sein.
Das Konzept der spezifizierten Komplexität und die damit verbundenen Überlegungen werden weitläufig als nicht stichhaltig angesehen.Rich Baldwin: Information Theory and Creationism. talkorigins (2005)Mark Perakh: Dembski "displaces Darwinism" mathematically -- or does he?. talkreason (2005).Jason Rosenhouse: . The Mathematical Intelligencer 23:4 (2001), S. 3–8. Eine Untersuchung der Arbeit Dembskis bezeichnet sie als von Widersprüchen, Zweideutigkeiten, fehlerhafter Verwendung der Mathematik, schlechtem Wissenschaftshandwerk und Fehldeutung fremder Resultate gespickt. (S. 238). Frei zugängliche Vorabversion (2003): talkreason.org (PDF-Datei; 535 kB). Ein anderer Einwand betrifft Dembskis Wahrscheinlichkeitsberechnungen. Nach Martin A. Nowak, einem Harvard-Professor der Mathematik und Evolutionsbiologie, kann man die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Auges nicht berechnen, weil die Information für diese Berechnung nicht zur Verfügung steht. Zudem wird die Anwendung der spezifizierten Komplexität zur Folgerung von Design als Argumentum ad ignorantiam abgelehnt.
Definition Ursprung bei Orgel Der Begriff 'spezifizierte Komplexität' wurde ursprünglich vom Chemiker Leslie Orgel verwendet (forschte zum Ursprung des Lebens), um belebte von unbelebter Materie zu unterscheiden:
Der Begriff wurde später vom Physiker Paul Davies auf ähnliche Weise verwendet:
Dembski Für Dembski ist die spezifizierte Komplexität eine Eigenschaft, die in Lebewesen beobachtet werden kann. Während jedoch Orgel den Begriff für etwas verwendet, das, in Darwins Theorie, durch (ungeleitete) Evolution entstehen soll, benutzt Dembski es für etwas, das, nach seiner eigenen These, nicht durch ungerichtete Evolution entstehen kann – und folgert, dass man deshalb damit auf intelligentes Design schließen kann. Während Orgel das Konzept in qualitativer Weise verwendet hat, beabsichtigt Dembski eine quantitative Verwendung. Dembskis Benutzung des Konzepts findet sich zum ersten Mal in seinem Buch The Design Inference (1998). Spezifizierte Komplexität bildet die Grundlage seines Intelligent-Design-Ansatzes, jedes seiner weiteren Bücher beschäftigt sich maßgeblich mit dem Konzept. Aus seiner Sicht: Wenn es einen Weg gibt, Design zu erkennen, dann ist es spezifizierte Komplexität., William A. Dembski: No Free Lunch (2002), S. 19.
Nach Dembski ist spezifizierte Komplexität dann in einer Konfiguration vorhanden, wenn sie durch ein Muster beschrieben werden kann, das eine große Menge von unabhängig spezifizierter Information zeigt und gleichzeitig komplex ist, was er als niedrige Wahrscheinlichkeit des Vorkommens des Musters definiert. Als Beispiele, um sein Konzept zu demonstrieren, nennt er den Buchstaben A als spezifiziert, aber nicht komplex. Eine lange Sequenz zufälliger Buchstaben sei komplex, aber nicht spezifiziert. Ein Sonett Shakespeares soll gleichzeitig komplex und spezifiziert sein., William A. Dembski: Intelligent Design (1999), S. 47.
In seinen frühen Schriften definiert Dembski die komplex-spezifizierte Information (CSI) als in einem spezifizierten Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit von kleiner als vorhanden. Er nennt das die universelle Wahrscheinlichkeitsschranke. In diesem Kontext soll "spezifiziert" das bedeuten, was er später "pre-specified" (vorspezifiziert) nennt, etwas, das spezifiziert ist, bevor Information über den Ausgang bekannt ist. Der Wert der universellen Wahrscheinlichkeitsschranke entspricht dem Inversen der von Dembski berechneten Obergrenze der vollständigen Anzahl an möglichen spezifizierten Ereignissen in der kosmischen Geschichte. William A. Dembski: The Design Revolution: Answering the Toughest Questions About Intelligent Design (2004), S. 85. Alles unterhalb dieser Schranke soll CSI enthalten. Die Begriffe 'spezifizierte Komplexität' und 'komplex-spezifizierte Information' werden gleichwertig verwendet. In jüngeren Schriften hat Dembski die universelle Wahrscheinlichkeitsschranke neu definiert, unter Bezugnahme auf eine weitere Zahl, welche der vollständigen Anzahl der Bit-Operationen entspricht, die möglicherweise in der gesamten Geschichte des Universums ausgeführt werden konnten.
Nach Dembski existiert CSI in verschiedenen Merkmalen der Lebewesen, wie der DNA und anderen funktionalen biologischen Molekülen. Er argumentiert, dass sie nicht ausschließlich durch bekannte natürlichen Mechanismen der Gesetze der Physik und des Zufalls oder einer Kombination davon entstehen kann. Das soll so sein, weil durch Gesetzmäßigkeiten Information nur hin- und hergeschoben werden oder verloren gehen könnte, sie aber in seinen Augen nicht erzeugt werden kann, und weil durch Zufall nur komplexe unspezifizierte Information entstehen kann, aber keine CSI. Er bietet eine mathematische Analyse, die zeigen soll, dass auch Gesetz und Zufall zusammen keine CSI generieren können. Dazu soll CSI holistisch sein, das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, und dies soll die darwinsche Evolution als ihre mögliche Quelle effektiv ausschließen. Dembski vertritt den Standpunkt, dass durch das Ausschlussverfahren CSI am besten durch Intelligenz erklärt werden kann, und daher ein zuverlässiges Indiz für Design sein soll.
Informationserhaltung
Dembski schickt ein Gesetz zur Informationserhaltung (law of conservation of information) ins Feld:
Ein Aufsatz führt eine sorgfältige Analyse von Dembskis Informationserhaltungsgesetz durch. Sein Autor schließt, dass es mathematisch haltlos ist., Erik: On Dembski's law of conservation of information (2002). (PDF; 195 kB)
Dembski nimmt zur Kenntnis, dass der Begriff "Law of Conservation of Information" bereits zuvor von Peter Medawar in seinem Buch The Limits of Science (1984) verwendet wurde, um die schwächere Behauptung zu beschreiben, dass deterministische Gesetze keine neue Information erzeugen können., , S. 15–16 (356k PDF; 365 kB) über ein Argument von Michael Shermer in How We Believe: Science, Skepticism, and the Search for God (2003), 2. Ausgabe. Die tatsächliche Gültigkeit und Brauchbarkeit von Dembskis vorgeschlagenem Gesetz bleibt zweifelhaft, es wird in der Wissenschaftsliteratur weder zitiert noch diskutiert.
Spezifiziertheit In einem Aufsatz jüngeren DatumsWilliam A. Dembski: (2005; PDF; 392 kB). bietet Dembski eine – wie er meint – einfachere und sich näher am Fisher-Test orientierende Darstellung. Dembski schlägt vor, den Design-Schluss als statistischen Test aufzufassen, der eine Zufallshypothese in einem Ergebnisraum zurückweist.
Dembskis vorgeschlagener Test basiert auf der Kolmogorow-Komplexität eines Musters , das bei einem eingetretenen Ereignis vorhanden ist. Mathematisch ist eine Untermenge von , das Muster bestimmt eine Menge von Ergebnissen in und ist eine Untermenge von . Dembski schreibt
Die Kolmogorow-Komplexität bietet einen Grad der Berechnungskapazitäten, die zur Spezifizierung eines Musters (zum Beispiel einer DNA-Sequenz oder einer Folge von Buchstaben des Alphabets) nötig sind.Michael Sipser: Introduction to the Theory of Computation (PWS Publishing Company, 1997). Für ein Muster gibt es eine Anzahl von Mustern, welche die gleiche oder kleinere Kolmogorov-Komplexität haben. Die Anzahl solcher Muster wird mit bezeichnet. bildet daher eine Hierarchie über den Mustern, von den einfachsten hin zu den komplexesten. Als Beispiel behauptet Dembski, für ein Muster , welches die Geißel einer Bakterie beschreibt, eine obere Grenze von zu erhalten.
Dembski definiert die spezifizierte Komplexität eines Musters unter der Zufallshypothese als
wobei die Wahrscheinlichkeit der Beobachtung des Musters und die Anzahl der "replicational resources" (Reproduktionskapazitäten) ist, die "witnessing agents" (Augenzeugenakteuren) zur Verfügung steht. lässt sich ungefähr mit dem wiederholten Versuch vergleichen, ein Muster herzustellen und wahrzunehmen. Dembski behauptet, dass mit beschränkt werden kann. Diese Zahl ist in seinen Augen durch Resultate von Seth Lloyd gerechtfertigt,Seth Lloyd: Computational capacity of the universe. In: Phys. Rev. Lett. 88, Nr. 23, 2002, 790 1–4, . worin jener festsetzt, dass die Anzahl der elementaren Logikoperationen, welche über die volle Geschichte des Universums hinweg ausgeführt werden konnten, Operationen auf Bits nicht überschreitet.
Dembskis zentrale Behauptung ist, dass der folgende Test benutzt werden kann, um für eine Konfiguration auf Design zu schließen: Es gibt ein Zielmuster , das auf die Konfiguration passt und dessen spezifizierte Komplexität größer als 1 ist. Diese Bedingung kann auch durch die Ungleichung
beschrieben werden.
Dembskis Erklärung
Dembskis Ausdruck hat keinen Bezug zu einem bekannten Konzept aus der Informationstheorie, obwohl er behauptet, die Relevanz wie folgt rechtfertigen zu können: Ein intelligenter Akteur beobachtet ein Ereignis und teilt es einer Referenzklasse von Ereignissen zu. Innerhalb dieser Referenzklasse erwägt er es als die Spezifikation erfüllend. Dann soll die Anzahl betrachtet werden (wo die "Zufalls"hypothese ist): mini|350px|Mögliche Ziele mit Position in der Komplexitätshierarchie und Wahrscheinlichkeit, welche die des verwirklichten Ziels nicht überschreiten. Wahrscheinlichkeit der Vereinigungsmenge überschreitet nicht